Wochenandacht

Auf dieser Seite sammeln wir die wöchentlichen Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger. Sie sind auch bei Radio Leinehertz zu hören. Im Bild unsere Sprecher Gunner Göers und Carlo Pengel.

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Geh aus mein Herz und suche Freud!

Der sommerliche Mai hat bei vielen schon Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub ausgelöst. In der Sonne liegen, relaxen, Zeit für sich und die Familie. Die meisten freuen sich auf die sommerliche Ferien- und Urlaubszeit. Viele planen Reisen zu sonnensicheren Zielen. Auch wenn die Standards der Hotels immer komfortabler werden, gehört ein gewisses Maß an Reduzierung dazu. Man rückt zusammen, nimmt nur das Nötigste mit. Mancher tauscht die festen Wände der eigenen Wohnung gegen Wohnwagen oder gar Zelt. Neugierig nehmen wir die Kultur und die Sehenswürdigkeiten der Reiseländer in uns auf. Leicht und beschwingt zieht es uns in die Welt. Seit Jahren gelten Deutsche als Reise-Weltmeister.

In den vergangenen Jahren kommen uns aus den Reiseländern immer mehr Menschen entgegen - Geflüchtete, die eine neue Heimat suchen. Das, was bei uns frühsommerliches Wohlbefinden auslöst, bewirkt anderenorts eine Verschärfung der Dürre. Trinkwasser ist knapp. Das wenige Wasser ist oft für die zahlungskräftigen Kunden in den Hotels reserviert. Ein blauer Hotelpool bringt höhere Einnahmen als ein grünes Feld.

So reisen die Einen mit Kreuzfahrtriesen in den Süden, die anderen mit Schlauchbooten in den Norden. Diese ungerechte Verteilung kann man nicht ignorieren. Selbst innerhalb Europas ist zu spüren, dass die Bereitschaft zur Solidarität nachlässt. Vom gemeinsamen Markt mit offenen Grenzen möchten alle profitieren. Die Lasten von Klimawandel und Flüchtlingsströmen sollen hingegen einige wenige alleine tragen.

Ich reise gerne, aber mein Herz reist mit. Mit offenen Sinnen nehme ich wahr, was in der Welt geschieht. Die Bibel spricht von Gott als die Liebe. Von dieser Liebe und Solidarität gerade gegenüber den Schwächsten will ich auch im Sommer erzählen. Ich selber kann und mag nicht ruhn…

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf

Zeit bestimmt unser  Leben, ob wir wollen oder nicht. Mit jedem Tag werden wir älter. Mit zunehmendem Alter scheint die Zeit schneller zu laufen. Manchmal scheint uns die Zeit geradezu wegzulaufen – und wir hinterher, um das Leben nicht zu verpassen. Wilhelm Busch hat das so formuliert hat: „Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit.“

Jeder Blick auf eine Uhr erinnert uns an die Zeit. Egal ob es das Smartphone ist oder eine Kirchturmuhr. 

Die Zeit vergeht, mal schneller, auch mal langsamer, abhängig davon, wie wir die Zeit füllen. Da gibt es ein großes Pensum an Aufgaben, dass man sich fragen muss, wo am Ende des Tages die Zeit geblieben ist.

Der Sommer eröffnet eigene Gelegenheiten, die Zeit zu leben. Sei es, dass wir uns im Garten aufhalten oder auf der Terrasse sitzen können. Oder wir können schauen, wie die Pflanzen auf den Feldern heranreifen. Für Landwirte ist der Sommer hektisch, vor allem die Getreideernte. Da gibt es nur wenige Gelegenheiten zurm Ausruhen oder die Zeit „anzuhalten“. 

Es ist gut, Gelegenheiten zu Auszeiten nutzen. Das beschränkt sich nicht auf den Urlaub. Besondere Zeit kann auch schon ein Moment am Ufer des Steinhuder Meeres sein, am besten in der Woche, wenn nicht soviele Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind.

Noch mehr geht es im Urlaub, die Zeit fließen lassen, bewusst atmen, schauen und hören. Mit allen Sinnen den Sommer aufnehmen.

Bekanntlich gibt es zwei verschiedene Zeiten: zum einen die Zeit, die wir mit der Uhr messen, die die Arbeit bestimmt und die Termine. Zeit, die gleichmäßig vergeht und optimal genutzt werden soll.

Die andere Zeit ist nicht minder wichtig; der Moment, der intensiv ist. Wenn es scheint, dass die Zeit still steht. Für die einen kann das ein Schmetterling sein, für andere ein wunderschöner Sonnenuntergang oder die am blauen Himmel dahinziehenden Wolken. Es gibt viele Möglichkeiten, erfüllte Zeit zu erleben. In diesen Momenten läuft die Zeit eben viel langsamer. Wir haben wieder die Chance anzukommen, bei uns selbst – und bei Gott.

Im Alten Testament, in den Psalmen stehen diese Worte: „Meine Zeit steht in Deinen Händen.“ (Psalm 31, 16a). Mit unserem Leben hat Gott hat uns Zeit geschenkt, seine Zeit. 

Ich wünsche Ihnen eine erfüllte Zeit

Ihr Pastor  Friedrich Kanjahn (Pastor in Mardorf und Schneeren)

…der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Diese Zeilen kennen Sie vielleicht. Sie sind aus dem Gedicht Stufen von Hermann Hesse. Schön oder?

"Bereit zum Abschied sein und Neubeginne", heißt es auch in dem Gedicht.

Neubeginne, das sind Aufbrüche im Kleinen oder auch Großen. Jeden Morgen darf ich neu beginnen, oft sieht dann das, was gestern unlösbar schien, heute schon viel heller aus. Aufbruch kann eine berufliche Veränderung sein, gewollt oder ungewollt. Aufbruch kann ein Umzug sein, in eine andere Wohnung oder sogar in ein anderes Land. Aufbruch, das kann ein runder Geburtstag sein, an dem ich die Ziele in meinem Leben neu überdenke.

Neubeginn ist immer ein Aufbruch. Dafür braucht es Mut. Die Buchläden sind voller Ratgeber, die in solchen Situationen helfen wollen. Oft sind wir mit der Fülle an Tipps überfordert. Wir informieren uns und am Ende gehen wir doch unseren eigenen Weg. Aber dafür brauchen wir Vertrauen und Mut.

Am Sonntag, also am 2. Juni, feiern wir in Luthe um 18 Uhr wieder Abendgottesdienst. Im Vorbereitungsteam haben wir uns zum Thema Aufbruch viele Gedanken gemacht: Wann fängt etwas Neues an? Wenn man es denkt, wenn man es macht oder schon früher? Wer spricht mir Mut zu?

Wer in der Bibel liest, begegnet dort vielen Menschen, die neue, oft sehr aufregende Wege gehen oder sogar gehen müssen. Eine Bibelgeschichte im Alten Testament erzählt, wie Abraham von Gott aufgefordert wird, seine vertraute Heimat zu verlassen und sich mit seiner Frau Sarah auf einen unbekannten Weg zu machen. Zauberhaft klingt das nicht wirklich.

Aber dieser Aufbruch steht unter Gottes Segen. Die Geschichte erzählt auch etwas vom Segen Gottes, der für diesen Neubeginn Vertrauen gibt.

Manchmal können auch wir mit Leichtigkeit in etwas Neues aufbrechen. Oft haben wir aber auch Angst. So wie Abraham und Sarah. In solchen Zeiten tut es gut, wenn wir die gleichen Worte zugesprochen bekommen: 


Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Karin Puy, Lektorin in der Kirchengemeinde Luthe

„Ist dir etwas heilig?“ „Heilig, heilig - ich weiß nicht, was ich mir darunter vorstellen soll. Oder ich weiß es nicht mehr.“ „War das einmal anders?“ „Vielleicht, als Kind, da war Gott und da war Jesus für mich ganz wunderbar, eben heilig. Aber weißt du: irgendwann verliert jeder und jedes Ding die Aura des Heiligen. Nenn' mir eine gute Sache, die von Menschen nicht missbraucht worden ist?“ „Sollen wir deshalb die guten Sachen lassen?“ „Du kannst Fragen stellen! Was ist dir denn heilig?“ „Heilig, heilig, heilig ist Gott. Im ganzen Land genießt er einen guten Ruf!“ „In welchem Land lebst du denn? “ „Ich habe Engel mit sechs Flügeln zitiert, Seraphen. Damals im Tempel von Jerusalem haben sie so kräftig gesungen, dass die Türangeln des Tempels bebten: 'Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr der himmlischen Heerscharen' !“ „Lange her. Und nun?“ „Naja, Jesaja, ein Mensch aus Fleisch und Blut, ist auch mit im Tempel gewesen  - und sich seiner menschlichen Schwächen total bewusst. Trotzdem nimmt er den Auftrag Gottes an.  Dabei ist seine Botschaft wirklich schwere Kost: 'Die Leute werden blind und taub, trotz Augen und Ohren', soll er verkünden. Das will keiner hören. Ein wirklich schwerer Job! Aber er will unbedingt im Auftrag des Herrn unterwegs sein.“  “Warum?“ „Er ist erst in der Krise, dann erschüttert, dann Feuer und Flamme.“ „Komisch, bei der Botschaft!“ „Am Ende der Phase der Blindheit und Taubheit hört er die göttliche Stimme von einem heiligen Samen sprechen.“ „Was soll das sein?“ „Weiter erzählen, was ich von Gott gehört und erfahren habe. Das ist mir heilig. Auch gegen den Augenschein, wo wir auch durch müssen, mainstream egal.  Und der Same geht auf.“  „Heiliger Same - das gefällt mir. Und wer streut ihn aus?“

Wochenspruch zum Sonntag Trinitatis (27.05.2018)   aus Jesaja 6, Vers 3: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.

Pastor Hartmut Peters (Arbeitsfelder Altenseelsorge in Wunstorf / Mitarbeit z. Zt. in der  Johannesgemeinde Neustadt)

 

Was für ein Fest: 50, Pentecoste=dt. Pfingsten – ein Fest 50 Tage nach Ostern.

Haben sie sich schon mal gewundert? Wundern Sie sich immer noch ab und an? Über sich selbst? Über, das, was Sie mal geschafft haben, wie stark, Sie gewesen oder geworden sind? Körperlich, mental?

Glauben Sie an Wunder? Nein? Also alles leicht erklärbar und unmissverständlich, selbstverständlich? Gibt es in Ihrem Leben nichts wunderbares?

Die Christenheit feiert an diesem Wochenbeginn etwas Besonderes, Wunderbares, zum Staunen anregen-des, schwer fassbares; die Ausgießung des Heiligen Geistes, das Kommen des Trösters, Gott, mitten unter uns. Die wiederkehrende und auf Dauer angelegte Begegnung mit Gott. Komm, Heil'ger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Frieden schafft!

Von Anfang an gibt es die, die sagen: die sind doch alle betrunken, die bilden sich was ein und gaukeln uns was vor. Kann sein, dass die Jünger trunken sind – trunken vor Glück- und überschäumend und ansteckend auf jeden Fall; denn: Es gibt die Anderen, die, die spüren, wir werden verstanden und verstehen. Es gibt große Unterschiede, aber sie dividieren uns nicht auseinander. Das Verständnis füreinander ist prägender, wichtiger, stärker und bringt uns dazu aufeinander zuzugehen.

Das Brausen vom Himmel, die Feuerzungen, der Geist Gottes, sie ergreifen. Aber wie soll man das beschreiben, was da in und mit einem, was zwischen mir und den Anderen passiert? Dinge zu erleben und zu begreifen reicht noch nicht, um davon so erzählen zu können, dass man sich anderen verständlich machen kann. Mathematikunterrichtende können beispielsweise ein Lied davon singen, dass Lernende sie sehr unterschiedlich bis nicht verstehen. Petrus schafft aber genau das. Er spricht und selbst Menschen aus fremden Völkern mit anderer Sprache haben das Gefühl verstanden zu werden und zu verstehen, was da gesagt und getan wird und, dass es etwas mit ihnen zu tun hat, das Reden über Christus, die Ansprache an Dich und mich! Es erfüllt sich, was Jesus an Himmelfahrt verheißen: Die Menschen bleiben nicht allein, nicht fern von Gott, wenn er selbst nicht mehr sichtbar auf der Erde da ist.

Vielleicht gibt es auch für Sie und Euch eine Ansprache, etwas, was ansteckt, Sie und Euch dazu bewegt, sich hinreißen zu lassen, von dem, der sich zu uns wendet und seinen Geist ausgießt, der Frieden, Trost, Zuversicht schenken kann, obwohl diese Welt weit davon entfernt ist friedlich zu sein oder gar das Paradies.

Ich wünsche Ihnen begeisternde Begegnungen, fröhliche Gottesdienste und ein geistreiches, friedliches Pfingstfest - zum Beispiel beim ökumenischen Pfingstmontag im Stift mit Menschen aus ganz vielen unterschiedlichen Gemeinden, Musik, vielen Singenden und anschließender Zeit zu Begegnung, einander Kennenlernen und Austausch - Zeit also, um die Wirkung von Gottes Geist einmal selbst in der Begegnung mit Anderen zu erleben.

Diakon Heinz Laukamp

Es war auf einer der üblichen Dienstreisen. Mein Kollege Frieder und ich hatten einen sozusagen überaus erfolgreichen Vormittag bei einem Kunden verbracht. Wir waren beide aufs äußerste zufrieden.

„Komm, auf diesen Erfolg gehen wir noch angemessen Essen.“ sagte Frieder. „Selbstverständlich“, ich hatte nichts dagegen, es war Mittagszeit und wir hatten einen ziemlichen Weg über unkalkulierbare Autobahnen nach Hause.

Gesagt getan, also suchten wir uns ein Restaurant, das, weil überaus schönes Wetter herrschte, auch draußen bediente. Wir fanden bald einen schönen Biergarten, waren allerdings nicht die einzigen Gäste. Ein Mann an einem großen runden Tisch lud uns ein bei ihm Platz zu nehmen.

Wir hatten gerade unser Essen bekommen, als er einen Espresso und Digestiv bestellte. Ich dachte noch im Stillen: „Der gönnt sich was!“, denn er hatte zuvor wenigstens ein Menü mit mehreren Gängen.

Als ihn kurz darauf die Bedienung bat zu zahlen machte er ein betrübtes Gesicht. „Entschuldigung“ fragte er Frieder, „darf ich Sie bitten, mir 50 Euro zu leihen?“ Meine Gedanken überschlugen sich: ‚die würde doch keiner zurück kriegen‘, ‚ist der unverschämt‘ und ‚das wusste er doch vorher‘ waren nur die Harmlosesten. Frieder blickte mitleidig zu unserem Tischnachbarn und sagte zögernd zu meinem Erstaunen: „Na gut, ich gebe sie Ihnen.“ Der andere Gast bedanke sich und stammelte, er habe sein Auto rechts zu nahe an einem Poller geparkt und sein Portemonnaie wäre für ihn unerreichbar in den Fußraum des Beifahrers gefallen. Das Geld wolle er Frieder, wenn auch wir fertig wären, zurückzahlen.

Ich brauche nicht zu sagen, wie unverschämt diese Worte auf mich wirkten.

Kaum aufgegessen und bezahlt standen wir auf, nicht aber der fremde Gast an unserem Tisch. Er löste die Bremsen seines Rollstuhls und rollte uns den Weg zeigend voran. Es war alles, wie er geschildert hatte. Frieder bekam sein Geld zurück, ich hatte beim Essen den Rollstuhl nicht sehen können. Ich war begreiflicherweise außerordentlich beschämt.

Wir alle sollten einander bedingungsloser vertrauen.

Gunner Linde-Göers, Stiftsgemeinde

In vielen Frühlingsliedern wird er besungen--- der Monat Mai, der alles neu und die Seele frisch und frei macht und ringsum mit Sonnenschein glänzt. Explosionsartig sind in den warmen Tagen die Knospen an Bäumen und Blumen aufgesprungen und haben mit Duft und Farbenpracht die Natur verändert. Igel, Dachs, Hamster, Siebenschläfer wachen aus dem Winterschlaf auf, und wir Menschen fühlen uns so ähnlich. Lebenslust erwacht. Es zieht uns nach draußen, wenn die Sonne wieder auf die Haut scheint. Wir leben auf, könnten förmlich über Mauern springen. Lebenslust – Lebensmut – Lebensfreude: Blumen, Wanderungen durch die Natur in der Sonne oder Abende im Garten unter dem Sternenhimmel, Singen, Musik, Lachen, Freude.

Was bedeutet eigentlich das Wort Wonne? “, so fragte mich kürzlich jemand. Er hatte das Wort in der Bibel gefunden und in Psalm 36 gelesen: „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.“

Wonne-- ein altes Wort, bei uns nur noch selten benutzt. In der Bibel kommt es mehrfach vor. Die Worterklärung beschreibt es als einen Zustand höchsten Glücksgefühls, Wohlbehagens, tiefer inniger Freude und Glückseligkeit.

In seinen Versen besingt der Psalmbeter die grenzenlose Güte Gottes und bekennt: In all seiner unendlichen Größe neigt sich Gott jedem einzelnen Wesen zu. Ist es nicht wunderbar und schier unglaublich, dass Gott trotz so viel menschlicher Unzulänglichkeit weiter mit Güte für uns da sein will und dass seine Wahrheit immer noch ein Stück weiter reicht als das, was Menschen anrichten auf dieser Erde?

Ich wünsche uns, dass wir nicht nur im Wonnemonat Mai sondern an jedem neuen Morgen, in jedem neuen Frühling, in jedem Erwachen und Wachsen der Natur die Güte Gottes wahrnehmen und erkennen können.

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf

Eine Richtigstellung bringt eine Zeitung immer dann, wenn es etwas falsch vermittelt wurde. Dann gibt es eine Randnotiz mit der Korrektur. Solche Korrekturen brauchen wir heutzutage vermehrt. Denn irgendwie scheint die Welt aus den Fugen geraten: Selten fühlte sich ein weiterer Weltkrieg so nah an wie im Moment, selten konnte man den Mächtigen dieser Welt subjektiv so wenig trauen wie zu dieser Zeit.

Als Gregor Gysi vor gut drei Wochen in Idensen zu Gast war, sprach er über die wichtige Rolle der Kirchen heutzutage. Eine moralische Instanz bräuchte diese Welt, meinte er und es gibt so niemanden mehr, der diese einnähme. Bei Moral mag manch einer an Wertvorstellungen des Zusammenlebens denken, aber Gysi bezog sich auf Größeres: Wie leben Menschen zusammen, wie interagieren Nationen, wie gehen wir mit den Schwächsten unserer Gesellschaft um?

Die Kirche schweigt, jedenfalls kommt kaum etwas in der Bevölkerung an? Wo ist die Richtigstellung? Warum mischen sich Christinnen und Christen – egal ob hauptamtlich oder einfach nur gläubig – nicht einmal ein? Gysi als Nicht-Gläubiger hat recht. Die Kirche muss mehr tun.

Wir erleben momentan eine Kultur der Vorverurteilungen ohne stichhaltige Beweise. Im Zweifelsfall ist Wladimir Putin schuld. Gibt es einen neuen Computer-Virus? Putin. Ein Agent wird attackiert? Putin. Auch wenn ich Putin vieles zutraue, ich traue anderen Regierungen auch viel zu. Die Isolation von einer Macht verhärten sich nur die Fronten und die Kommunikation wird eingestellt – keine diplomatische Lösung in Sicht.

Die Kirche als „moralische Instanz“ hat hier einen klaren Leitsatz aus dem Matthäus-Evangelium, den sie kundtun sollte: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.“ Nimmt man die Bibel ernst – und es kann guttun, es zu tun – würde es zu mehr Offenheit in der Diskussion führen.  Und möglicherweise zu mehr Frieden auf der Welt.

Jörg Mecke, Prädikant in Idensen

Wir haben eine Skulptur bekommen!

Der spanische Bildhauer M. Donato Diez hat sie gemacht und sie heißt „Familie“. Sie ist aus einem Walnussholz gearbeitet, es ist eine schlichte Figur, zwei Erwachsene und ein Kind davor. Aus einem Holz und ganz verbunden. Ich lese ein bisschen über den Künstler: „Der Mensch mit all seinen Facetten, wie er ist oder sein will, interessiert den Künstler“ schreibt eine Zeitschrift und: „Auf das Wesentliche, das Typische reduziert“ sind seine Figuren, zeitlose Prototypen.

Familie, dabei denke ich an enge Bindungen. Familie schafft Zugehörigkeit, sie trägt zum Selbstbild bei und sie bildet eine Basis für spätere dauerhaft angelegte Beziehungen. Die Familie, in der wir aufwachsen, prägt uns und unser Leben. Im günstigen Fall finden wir in ihr Geborgenheit, wie auch Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten. Und entwickeln in ihr Vertrauen zu anderen wie auch Selbstvertrauen zu uns.

Erfahrungen von Brüchigkeit von Familie lässt D. Speck in seinem Roman „Bella Germania“ die Hauptdarstellerin so beschreiben: „Familien waren unbeständige Konstrukte auf Zeit, gebaut auf Gefühle, die vergehen, Hoffnungen, die verblassen und Konventionen, die zerbrechen.“ Familie wurde als wackelig erlebt. Man durfte sich nicht auf sie verlassen.

Jesus hat familienkritisch seiner eigenen Familie gegenüber seine Jünger und Jüngerinnen als wahre Familie bezeichnet.

In der Ev. Lebensberatung arbeiten wir mit Familien, mit Paaren und mit Einzelnen. Alle haben eine Familie, aus der sie kommen, eine Herkunftsfamilie. Viele setzen sich in der Beratung auch kritisch mit ihrer Familie auseinander und entscheiden, wie sie ihr eigenes Leben und ihr Familienleben gestalten möchten.

Ich betrachte die Skulptur und empfinde es so: Sie zeigt den Wunsch, Familie zu sein. Das schließt andere Erfahrungen ein. Sie passt zu uns.

Christine Koch-Brinkmann, Leiterin der Lebensberatung für Einzelne, Paare, Familien / Supervision der Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise Grafschaft Schaumburg und Neustadt-Wunstorf.

Mich bedrückt das Geschehen in Münster. Weil ich als Seelsorger weiß, wie schwer es für Angehörige und Betroffene ist, ein solches Schicksal anzunehmen, wenn die Tat so sinnlos ist. Wenn Leben und Gesundheit von Menschen so wenig wertgeachtet werden, jemand so weit geht, um zuletzt die Aufmerksamkeit, die große Öffentlichkeit auf sich zu lenken.

Wir sollten besser miteinander umgehen. Wir sollten mit unserem Mitgefühl an der Seite der Opfer stehen, Ihnen durch Blumen und Worte Trost spenden, aber öffentlich möglichst wenig über die Motive und Lebensumstände des Täters spekulieren, reden und berichten. Das erst schafft eine Aufmerksamkeit, auch für andere.

Erschreckend, wie schnell Mutmaßungen als Gewissheiten gelten, wie Menschen ohne jede Kenntnis von Umständen und Hintergründen Schuldzuweisungen treffen und daraus Forderungen ableiten. Da war sofort wieder von ‚Merkeltoten’ die Rede.

Erschreckend, wie schnell Menschen urteilen, andere verurteilen, ausgrenzen wollen und für alles verantwortlich machen.

Das hilft den Opfern nicht und macht unser Leben nicht besser oder sicherer.

Wir werden nur in Frieden miteinander leben, wenn wir einander als Menschen achten, auch in unserem Anderssein.

Weder Aussehen noch Herkunft, weder Religion noch Tradition dürfen ein Grund sein, andere Menschen zu verachten, ihnen Gewalt anzutun.

In den evangelischen Kirchen feiern wir diesen Sonntag den guten Hirten.  Und Konfirmationen. Der Psalm 23 gehört zum Glauben aller Christen: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!“ Darin hat Jesus sich erkannt, weil Gott sich um alle Menschen kümmert, sagt er von sich: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.“ (Johannesevangelium 10, 14+15). Und dann sagt er, seine Zuwendung gelte ebenso den anderen Schafen, die nicht aus diesem Stall sind.

Darum treten wir als Christen mit unserem Leben nicht gegen andere an sondern für andere ein. Suchen, was das Leben und Miteinander aller Menschen fördert und lebenswert macht.

Das Bild von Gott, dem guten Hirten aller Menschen, kann helfen uns nicht über andere zu erheben. Eine verbale Abrüstung im Reden übereinander hat Margot Käßmann gerade gefordert. Sie kann uns zu mehr Respekt und Achtsamkeit führen.

Einen gesegneten Sonntag und (besonders denen, die konfirmiert werden): Herzlich Gott befohlen!

Ele Brusermann, Pastor in Mandelsloh

Jetzt sagen sie wieder Ja. Die jungen Leute, die sich auf ihre Konfirmation vorbereitet haben. Ich bewundere sie oft.

Sie nehmen Kirche ernst. Mehr als das viele Erwachsene tun. Sie haben sich mindestens ein Jahr lang mit Glaubensfragen beschäftigt. Sie sind meistens pünktlich beim Konfirmandenunterricht gewesen. Sie sind mit der Kirchengemeinde weggefahren. Sie haben Gottesdienste besucht und womöglich sogar selber welche gestaltet. Sie haben in der Gemeinde mitgeholfen.

Nun lassen sie sich konfirmieren. Sie sagen Ja zu ihrer Taufe – und gern auch Ja zur Kirche, wenn diese ihnen nicht blöd gekommen ist.

Hier und da werden Jugendliche auch aus der Kirche hinauskonfirmiert. Da, wo sie immer als Störung und nicht als Bereicherung betrachtet wurden. Da, wo man ihnen keine Träne nachweint. Da wollen sie nicht bleiben. Dazu sagt niemand Ja.

Eigentlich komisch. Bei der Konfirmation werden die Jugendlichen besonders gesegnet. Segnen heißt in den alten Sprachen der Kirche – in Hebräisch, Griechisch und Latein – so was wie „Gutes sagen“ oder „loben“.

Wenn ab morgen in den Gemeinden Konfirmationen gefeiert werden, dann wünsche ich den Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass sie dort gelobt werden. Das ist gar nicht so schwer. Auch wenn sie manchmal laut sind oder frech oder unkonzentriert, eigentlich sind Jugendliche leicht zu loben. Alle! Die können was, die wollen was, die haben uns was zu geben: Lebensfreude, Power, Witz und Glauben. Dafür seien sie gelobt, wenn sie morgen oder an einem der nächsten Sonntage „Ja“ sagen. Dann werden sie spüren, dass sie gesegnet sind.

Loben Sie die Konfis! Und wenn es in Ihrer Nähe gerade keine Jugendlichen gibt, die konfirmiert werden? Weil die Jugendlichen gerade nicht im richtigen Alter sind. Oder katholisch. Oder muslimisch. Oder ohne Religion.

Macht nichts. Loben Sie auch diese Jugendlichen. Das kann nicht schaden. Vergessen Sie nicht: Ein Lob legt Segen auf einen Menschen. Wer könnte das nicht gut gebrauchen?

Andreas Behr, Dozent für Konfirmandenarbeit am RPI Loccum

Wir können uns nicht verstecken

vor den Dingen der Zeit

in den Glauben.

Aber auch nicht vor dem Glauben

in die Dinge der Zeit.

Auf dem hellen Eichensarg blinkt ein kleiner Silberlöffel. Zu ihren Lebzeiten hatte die Verstorbene verfügt: „Wenn ich einmal sterben werde, dann legt mir zum Abschied einen Dessertlöffel auf den Sarg.“ „Aber warum einen Nachtischlöffel, liebe Großmutter? Warum keine Blumen?“ Da hatte sie gelacht: „Wisst ihr, immer wenn ich beim Essen den kleinen Löffel vor meinem Teller liegen sah, dann wusste ich: das Schönste, das kommt noch. So ist es auch jetzt, wenn ich sterbe. Das Schönste kommt zum Schluss.“

Vor Tische sieht das Leben oft ganz anders aus. Sitzen wir erst festlich beieinander, so erkennen wir uns ganz neu. Wer bin ich? Und wofür stehe ich? Erzählen wir von dem, was wir erreicht, geschaffen und uns gelungen ist? Oder beklagen wir lieber unser Leid und das der Welt? Nur manchmal erklingt zwischen uns etwas ganz Neues. Es ist wie eine dritte Stimme. Etwas Erhabenes. Es lässt unsere Herzen höher schlagen. Unser Gemüt erhebt unsere Seele. Für Sekunden sind wir frei von Last und Stolz. Dann sind wir nur wir selbst.

„Siehe, das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Wohlgefallen.“ (Matthäus 17,5) Gott, der so uns spricht, wirbt um uns und unser Leben. Nicht Ruhm noch Schmach ist ihm verheißen. Sondern ein Platz im Himmelreich. Sich daran zu erinnern, bedeutet Ostern zu feiern.

Pastor Tilman Kingreen, Hannover

Haben sie es schon mitbekommen? Die Vögel zwitschern morgens wieder! Nachdem die Kälte vergangen ist und die Tage langsam wärmer werden, erwacht die Natur schlagartig zu neuem Leben. Im März kommt (endlich!) der Frühling wieder. Dazu gehört es auch, dass man morgens wieder vom Gesang der Vögel geweckt wird. Die Vögel erinnern uns daran: Singen tut der Seele gut! Und es wirkt: Als kleiner Junge bin ich singend in den dunklen Keller gegangen – gegen die Angst. Als Pfadfinder habe ich am Lagerfeuer gesungen – von Träumen und Fernweh. Als Student habe ich im Uni-Chor gesungen – für die Gemeinschaft.

In der Bibel werden wir immer wieder dazu aufgefordert: „Singet dem Herrn in eurem Herzen!“ (Kol 3,16) Offenbar freut sich Gott, wenn ich singe. Es ist etwas ganz Persönliches zwischen ihm und mir. Musik hilft, meine Gefühle auszudrücken: Bin ich fröhlich, stimme ich ein Loblied für ihn an. Bin ich traurig, lege ich meine Sehnsucht nach Gott ins Lied. Mehr als Sprache es kann, erzählt Musik von der Nähe Gottes. Sie macht Mut, der stärkt. Sie verbreitet Fröhlichkeit, die ansteckt. Sie berührt das Herz – so sehr, dass sie andere Menschen erfasst und verbindet.

Und wenn ich nicht singen kann? Wichtiger als die Töne richtig zu treffen, ist für Gott die Einstellung des Herzens. Wo man singt, da lass dich ruhig nieder – böse Menschen haben keine Lieder. So heißt es im Volksmund und das bedeutet doch wohl: Sänger haben ein gutes Herz! Bin ich mit dem Herzen dabei, wenn ich singe? Dann darf ich auch krächzen. Meine ich ernst, was ich singe? Dann darf ich auch schief singen. Und wenn die Stimme einmal wirklich versagen sollte, dann summe ich still im Herzen mit.

„Singet dem Herrn in eurem Herzen!“ Lassen Sie sich anstiften dazu im aufbrechenden Frühling. Es gibt zahlreiche Gelegenheit: in der Kantorei, in Chören, unter Freunden, am Sonntagmorgen in der Gemeinde. Oder besuchen sie eines der zahlreichen Konzerte in der Stiftskirche oder anderswo und lassen die Seele baumeln beim Lauschen. Sie werden sehen: Es beswingt und erfüllt das Herz mit Fröhlichkeit.

Pastor Volker Milkowski, Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

Schon morgens geht es los. Der Wecker klingelt um halb sieben. Verschlafen dreht sie sich um und denkt sich: „Nein, noch nicht, fünf Minuten sind noch drin.“ Sie findet die Schlummer-Taste und zieht sich die Decke nochmal über den Kopf. Sie hat eine Wahl getroffen, die fünf Minuten Dämmerschlaf heißen auch: fünf Minuten weniger Zeit für das Frühstück oder die Dusche.  

Und das geht den ganzen Tag so weiter. Eine Entscheidung nach der anderen.

Hirnforscher haben festgestellt, dass wir pro Tag rund 20 000 Entscheidungen treffen.

Das beginnt bei den Banalitäten des Alltags: Aufstehen oder liegen bleiben? Fahre ich mit dem Auto oder dem Fahrrad? Salat oder Currywurst mit Pommes? Nach der Arbeit noch zum Sport oder lieber auf das Sofa? Und noch vieles mehr.

Darüber hinaus gibt es weitreichende Entscheidungen, die wir treffen: Welchen Beruf will ich ausüben? Will ich eine Familie gründen? Wo und wie möchte ich wohnen?

Wir haben die Wahl auf dem Markt der Möglichkeiten – nie zuvor war Auswahl so groß wie heute.

Das führt auch dazu, dass manche Wahl zur Qual wird. Die schier unbegrenzten Möglichkeiten können uns überfordern, wir wägen das Für und Wider ab, vielleicht holen wir uns einen Rat ein und treffen erst nach reiflicher Überlegung eine Entscheidung.

Aber eine Wahl ist nicht nur eine Qual, es ist auch eine Möglichkeit sich damit auseinanderzusetzen, wofür wir stehen und was uns wichtig ist. Wir dürfen wählen und so uns und unsere Interessen einbringen.

Am Sonntag (11. März) werden in unseren Gemeinden die Kirchenvorstände gewählt. Hiermit möchte ich alle Wahlberechtigten bitten: Geben Sie Ihre Stimme ab und nehmen Sie Einfluss darauf, wer die Kirchengemeinde in den nächsten Jahren leiten wird. So können Sie mitgestalten und sich für die Dinge einsetzen, die Ihnen wichtig sind und den Ehrenamtlichen Ihrer Wahl Ihr Vertrauen aussprechen.

Ihre Vikarin Ann-Karin Wehling, Vikarin der Corvinus Kirchengemeinde Wunstorf

„7 Wochen ohne Kneifen“ – so lautet das Motto der Fastenaktion der evangelischen Kirche in diesem Jahr.

„Zeig Dich!“ Habe ich mir zusammen mit über 20 Schülerinnen und Schülern der Evangelischen IGS Wunstorf vorgenommen. Wir haben dazu im Mittagsband gearbeitet und uns überlegt, wie wir uns bis Ostern zeigen können. Zu den jeweiligen Ideen haben wir entweder Fotos gemacht oder geguckt, welche Bilder aus unserem Schulleben ‚uns zeigen’. Uns Gedankenanstöße geben – und uns sichtbar machen. 

Jeden Tag: Zeig Dich. Immer zu einem anderen Motto. „Zeig Dich – Du bist einzigartig“ ist zum Beispiel ein Plakat. Auf dem Foto sind viele Schülerinnen und Schüler, zu sehen – die in ihrer Verschiedenheit in die Kamera lachen. Und im Vordergrund macht eine Achtklässlerin gerade Handstand.

Ein anderes Plakat zeigt ein Foto, das beim Lebendigen Adventskalender im vergangenen Jahr entstanden ist – und auf dem viele fleißige Hände einen Adventskranz binden. Dieses Foto steht unter der Überschrift: Zeig Dich – bring Dich ein für die Gemeinschaft. Jeden Tag ist im Eingangsbereich der Schule ein neues Plakat zu entdecken. Und nach und nach stellen wir alle Fotos auch im Internet unter http://www.evangelische-igs-wunstorf.de/aktuelles/meldungen/2018-02-14_fastenzeit ein.

Zeig Dich! – Geh auf andere zu. Das war vor ein paar Tagen das Motto in dem Kundenstopper. Und dazu ein Bild vom Weltgebetstagslogo.

Zeig Dich! – Geh auf andere zu. An der Ev. IGS ist das ja sogar Konzept – dass Schülerinnen und Schüler auf einander zu gehen. Dass sie sich gegenseitig unterstützen und sich trauen, sich gegenseitig zu helfen, wenn jemand Hilfe braucht. Aber auch, sich zu melden und zu sagen, wenn sie selbst Unterstützung benötigen.

Zeig Dich - Geh auf andere zu: Am Weltgebetstag haben das viele, viele Menschen in den unterschiedlichen Gemeinden getan. Auch wir in der Schule haben mit einem Gottesdienst im Andachtsraum der Schule an die Menschen in Surinam gedacht, das dieses Jahr das Weltgebetstags-Gastgeberland ist.

Zeig Dich! - Geh auf andere zu. Das tut gut – hier vor Ort, zum Beispiel beim Gottesdienstvorbereiten und -feiern. Und weltweit, indem wir über unseren Tellerrand schauen und uns daran erinnern lassen, dass wir Menschen weltweit eine Gemeinschaft sind, Teil von Gottes Schöpfung.

Franziska Oberheide, Schulpastorin an der Ev. IGS Wunstorf

Surinam, dieses kleinste Land Südamerikas mit 550.000 Einwohnern und etwa doppelt so groß wie Österreich - ist das Land des diesjährigen Weltgebetstages.

Mit 7 Frauen stellen sie uns ihr Land vor. Da begegnen wir Willemien. Ihre niederländischen Vorfahren haben das Land als Kolonie stark geprägt und ihren protestantischen Glauben mitgebracht. Erst 1975 ist Surinam unabhängig geworden. Bis heute leben viele der Ureinwohner wie Alima im unzugänglichen Regenwald mit seiner großartigen Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Wenn sie mehr als 6 Jahre zur Schule gehen wollen, müssen sie aus ihren Dörfer in die weit entfernte Hauptstadt Paramaribo ziehen. Viele Afrikaner sind als Sklaven nach Surinam gebracht worden. Manche haben nach der Flucht von den Plantagen – auch mit Hilfe der Ureinwohner im Regenwald überlebt – Muyinga steht für diese Menschen, die viele afrikanische Traditionen bewahrt haben. Der größere Teil gehört zu den sogenannten Kreolen wie Carolina mit einem europäischen Vater und einer afrikanischen Mutter. Sie erinnern an die Geschichte der Unterdrückung. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1863 sind Vertragsarbeiter aus Britisch-Indien angeworben worden. Shanti gehört zu dieser Bevölkerungsgruppe, die ihre Religion, den Hinduismus, mitgebracht haben. Etwa 15 % der heutigen Bevölkerung hat ihre Wurzeln wie Kartini in Java - z.T. gehören sie dem Islam an. Viele der Menschen wie Mei Ling mit chinesischen Vorfahren arbeiten im Handel und in der Gastronomie. Der schmale Küstenstreifen, in dem sie leben, ist vom steigenden Meeresspiegel bedroht.

Auf surinamisch gibt es den Begriff: moksi, der bei der Vorbereitung für den Weltgebetstag in Deutschland zu einem Schlüsselwort geworden ist. Einerseits bezeichnet er so etwas wie Mischmasch und steht für das bunte Gemisch von vielen Volksgruppen aus vier Kontinenten, die seit Jahrhunderten zusammenleben. Moksi heißt andererseits aber auch gemeinsam, also Hindus und Muslime, Katholiken/-innen und Lutheraner/-innen, Herrenhuter und Reformierte. In Surinam leben sie friedlich miteinander.

Ich finde, es lohnt sich, für dieses Land und mit ihren Frauen gemeinsam zu beten – für eine wunderbare Schöpfung, die es zu erhalten gilt. Es lohnt sich aber auch, von diesem Land für unser Zusammenleben in Deutschland zu lernen, denn wir werden immer mehr „moksi“.

Seien sie herzlich eingeladen zu den Gottesdiensten zum Weltgebetstag, zum Beispiel bei uns in Kolenfeld am Freitag, 2.3.2018 um 19 Uhr mit unserer Weltgebetstags-Combo.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin aus Kolenfeld.      

Erinnern Sie sich noch an die Werbung vergangener Tage, in der eine Frau wahrnimmt, dass die Wäsche nach dem Waschgang immer noch nicht ganz sauber ist und dieselbe Frau schemenhaft aus sich selbst heraustritt – quasi als eigenes Gewissen - und sich selbst fragt: „Hab ich etwa das falsche Waschmittel benutzt?“ Anfang des Jahres habe ich an einer 5-tägigen Schweigefreizeit teilgenommen. Obwohl meine Töchter spotteten, „wie ich das denn ohne zu reden 5 Tage aushalten würde“, muss ich sagen: Das war richtig klasse und erinnerte mich ein bisschen an diese Werbung. Denn es war eine Zeit des „Aus-Sich-Heraustretens“, des „Abstand-Zu-Sich-Selbst-Gewinnens“, in der mich Fragen bewegten wie z.B.: „Wie läuft es eigentlich in Ehe, Familie, Arbeit? Wie packe ich die Dinge an? Was habe ich mir anders vorgestellt? Wo bin ich unzufrieden, verrenne mich grade, was kann ich besser machen?“ und „Was beglückt mich?, Was läuft im Augenblick so richtig prima?“

Diese Zeit war wunderbar und belebt seitdem die Wochen danach. Noch jetzt zehre ich davon, denn so etwas schärft in angenehmer Weise den Blick/die Sinne für das alltägliche „Klein-Klein“.

Diese Woche hat die Passionszeit begonnen. Sie ist zwar keine intensive Schweigefreizeit, lädt aber in ähnlicher Weise dazu ein, mal einen gesunden Abstand zu sich selbst und dadurch neue Kräfte und einen schärferen Blick für den Alltag zu gewinnen. Dies geschieht, indem ich in diesen Wochen ganz bewusst den Blick über den eigenen Tellerrand werfe und auf ihn, den Christus schaue, wie er mit Menschen umgeht, was er sagt, wie er sie behandelt - wie er sein Leben einbringt und genau dadurch Leben freisetzt. Wer sich mit etwas Neugierde und Ausdauer darauf einlässt, der kann entdecken, wie fruchtbar das ist.

Impulse, wie man diese Passionszeit angemessen anpacken kann/ihr Gestalt geben kann, die werden Sie sicher in Ihrer Kirchengemeinde bei Ihrem Pastor/Ihrer Pastorin bekommen können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine „belebende“ Passionszeit.

Ihr Pastor Claus-Carsten Möller, St. Johannes/Wunstorf

Thomas GleitzErneut ist die Autoindustrie ins Gerede gekommen. Affen- und Menschenversuche sollten nachweisen, dass Abgase weniger bedrohlich sind, als angenommen. Zu Recht ist die Empörung über solche Versuche groß, zumal außer für PR-Zwecke kein Nutzen erkennbar ist. Eine neue Erkenntnis lässt sich so nicht gewinnen. Die Belastung durch Abgase ist seit Jahren offensichtlich zu hoch. Pflanzen, Menschen und Gebäude sind durch die Lasten unseres Individualverkehrs nachhaltig geschädigt. Die meisten von uns beteiligen sich aktiv an diesem Großversuch. Wenn ich mich an den Stadtgraben stelle und in die vorbeifahrenden Autos sehe, sitzt fasst immer nur eine oder einer darin. Schwere, geräumige Fahrzeuge werden bewegt, um eine Handtasche zu transportieren. Wir alle atmen als Versuchstiere die Abgase ein. „Macht euch die Welt untertan“, heißt es in der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Gemeint ist aber nicht die gnadenlose Unterwerfung, sondern die verantwortliche  Fürsorge. Die gescholtene Industrie kann sich solche abscheulichen Versuche leisten, weil die Lobby für das Auto ungebrochen ist.  Wir kaufen und nutzen es weiter, selbst für kürzeste Wege. Wie wäre es darum, die kommende Fastenzeit zu einem anderen Selbstversuch zu nutzen: Sieben Wochen lang das Auto gar nicht oder nur für Strecken ab zehn Kilometern einsetzen? Ein Selbstversuch, der Abgase deutlich reduziert und die eigene Fitness voran bringt. Sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern sind überschaubar. Vielleicht aber tragen sie dazu bei, dass wir auch in Zukunft das Loblied auf die Schöpfung singen können: „Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.“ Psalm 104, 1

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

1000 Musiker geben ein Konzert: Sie spielen „Learn to Fly“ von den Foo Fighters, eine amerikanische Rockband. Unter dem Titel „That‘s Live“ trafen sich weit mehr als 1000 Musikbegeisterte im Manuzzi-Stadion im italienischen Cesena. Gemeinsam gaben sie die größten Rocksongs der Geschichte zum Besten: Von „Born to be Wild“ bis „Seven Nation Army“, von „Come Together“ bis „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana war alles dabei. Und daraus wird eines deutlich: Wenn mehr als tausend Menschen mit ihren Instrumenten die komplette Arena eines Stadions füllen und dann im absoluten Einklang und mit sichtlich viel Spaß die größten Klassiker der Rockgeschichte spielen, ist Gänsehaut unausweichlich. Ein einmaliges Ereignis – das Organisator Fabio Zaffagnini mit einer starken Botschaft unterstrich: „Bleibt zusammen, keine Konflikte mehr und spielt Rock‘n Roll!“

Mitmachen, etwas zusammen auf die Beine stellen, sich für Frieden und Gerechtigkeit, für das Allgemeinwohl einsetzen – das ist eine wichtige Aufgabe von Kirche. Sie baut auf Christinnen und Christen, die Kirche gestalten, ihre Ideen und Begabungen einbringen und Verantwortung übernehmen. Zusammen einen guten Song spielen.

Am 11. März 2018 werden die Kirchenvorstände in Niedersachsens Kirchengemeinden neu gewählt. Allein in der Landeskirche Hannovers sind 14.000 Ämter neu zu besetzen, bei uns in der Liebfrauen- und Johannesgemeinde mehr als 20 neue Ämter. 

Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher entscheiden über Gebäude und Finanzen ihrer Gemeinde, über Personalplanung, Gottesdienstkonzepte, Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden und Partnern in Kommunen, Kultur, Schulen und Vereinen.

Etwas zu bewirken in Gemeinschaft mit anderen – das ist vielen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern wichtig und wert, ihre Zeit und Kraft einzusetzen.

Alle Wahlberechtigten – und auch die, die erst 14 Jahre sind –  bitte ich: Begleiten Sie die Kirchenvorstandswahl am 11. März als Mitwirkende. Machen Sie Ihre Gemeinde stark, indem Sie die künftigen Akteure mit Ihrer Stimme unterstützen. Das wäre Rock´n Roll.

Pastor Marcus Buchholz, Pastor an der Liebfrauenkirche Neustadt

 

„Der Strohhalm kommt auch in die Vase. Da steht schon einer drin , den ich früher mal aus der Krippe mitnahm. Manchmal streichle ich ihn. Nun habe ich zwei, die mich hin und wieder aufrichten und mir Mut machen.“ Das sagte eine Besucherin beim Verabschieden nach dem Epiphanias-Gottesdienst, und sie war nicht die Einzige mit dem Halm in der Hand. - Im Mittelpunkt des GD hatte noch einmal die Krippe gestanden. Dazu gehörte die Geschichte vom Krippenspiel einer Gemeinde, in dem man die Besetzung von 3 Königs-Rollen vergessen hatte und spontan um Mitmach-Bereitschaft bat. - Bei uns waren nun die 3`Last minute-Könige`an die Krippe heran getreten. Sie kamen nicht mit kostbaren Geschenken, sondern mit leeren Händen und schilderten ihre jeweilige Lebenssituation. Der Erste legte seine Gehhilfe darauf ab und dankte dem Kind in der Krippe für die unerwartete  und so sehr herbei gesehnte Heilung „Ab jetzt sollst du mein Halt sein“. Der Zweite war eine Königin, die das erneute Ja zu ihrem anstrengenden, oft eintönig empfundenen, Familien-Alltag brachte .“Ich möchte dich, Kind in der Krippe, mit hinein nehmen in mein jetziges Leben.“ Der Dritte schilderte sein Leben voller Unruhe und Angst „Ich zweifle an so ziemlich allem, auch an dir, Krippenkind. Mein Herz ist voll Sehnsucht nach Vergebung, Versöhnung, Geborgenheit und Liebe. Ich bin gespannt, was du für mich bereit hältst.“ Tief beeindruckt von diesem unerwarteten Königs-Auftritt stand eine fast bedrückende, Sprachlosigkeit im Raum, bis Josef (das wurde bei uns nur erzählt) spontan zur Krippe ging, einen Strohhalm herausnahm, ihn dem 3.König in die leeren Hände gab und sagte „Das Kind in der Krippe ist der Halm, an den du dich klammern kannst.“ Weil die GD-Besucher spürten, dass wir alle mehr oder weniger Könige mit leeren Händen waren, trotz voller Taschen, kam es zu dem vorgeschlagenen Krippen-Gang, sich einen Strohhalm mitzunehmen. Uns allen wurde deutlich, dass es ganz und gar keine Schande ist, mit leeren Händen dazustehen, sondern geradezu die Voraussetzung dafür, dass man etwas entgegen nehmen kann. Gott beschenkt uns – und nicht nur zu Weihnachten- auch in diesem neuen Jahr!

Prädikantin Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen

Aufbruchsstimmung: Das „Gloria“ der Engel zu Weihnachten steht mir noch vor Augen, in den Ohren und im Herzen. Aufbruchsstimmung: Nach knapp zweieinhalb Jahren geht meine Zeit als Vikarin und damit auch meine Zeit in der Region und im Kirchenkreis zu Ende. Umzug und Neuorientierung stehen an: Es geht nach Ströhen und Wagenfeld. Mit der Aufbruchsstimmung geht also auch ein Abschied einher: Ich mag keine Abschiede und doch gehören sie zu einem Aufbruch dazu. Mein Mann und ich packen also unsere Sachen – ich nehme mit: eine Taschenlampe und eine Straßen- und Wegekarte zur Orientierung; warme Decken und einen Tee für die Gemütlichkeit und vieles mehr. Mit im Gepäck auch die Erinnerung an zweieinhalb Jahre Kolenfeld – nach einer langen Wanderung stehen die Israeliten am Ufer des Jordans an der Schwelle zu dem Land, dass Gott ihren Vätern verheißen hatte. Sie waren aufgebrochen und hatten vieles erlebt. Es war streckenweise mühsam und holprig gewesen; andere Male war es fast wie von selbst gegangen. Sie hatten gemeinsam gelacht, aber auch manche Träne geweint. Häufig hatten sie sich gefragt: Wie mag es sein? Was hatten sie nicht alles durchgemacht und überstanden? Auch schöne Momente waren dabei gewesen; Momente der Gemeinschaft und der Geselligkeit. Jetzt standen sie am Übergang: Am Übergang ereilt sie die erneute Beistandszusage Gottes: „Sei nur getrost und unverzagt! Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin mit dir, wohin du auch gehst!“ Gott, der sie bis hierher geleitet und begleitet hatte, geht auch weiterhin mit. Er ist da im Übergang und über die Schwelle des Übergangs und des Abschieds hinaus – er ist mit Ihnen und Euch und mit mir im Jahr 2018 und spricht: „Sei nur getrost und unverzagt!“ Im Wissen darum lässt sich selbst ein Abschied leichteren Herzens nehmen. Am Übergang steht der Wunsch: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!“

Ihre und Eure Vikarin in Kolenfeld, Kerstin Wackerbarth

Seine Kehle war trocken, der Schweiß lief seinen Nacken hinunter. Es war Hochsommer, 36 Grad. Brütende Hitze und ein schattiges Plätzchen suchte er gerade vergeblich. Für den tollen Ausblick hatte er schon gar kein Auge mehr. Er setzte einfach nur einen Fuß vor den anderen. Der Abstieg war fast anstrengender als der Aufstieg und er hatte kein Wasser mehr, die letzten Schlucke hatte er vor einer Stunde getrunken, jetzt war die Flasche leer, kein einziger Schluck war mehr übrig.

Die letzten Meter fühlten sich endlos an. Unten im Tal angekommen steht seine Freundin am vereinbarten Treffpunkt, ohne viel Worte, streckt sie ihm eine Flasche Wasser entgegen. Er lächelt sie dankbar an, genau das brauchte er jetzt.

In der Jahreslosung heißt es: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Durstig, das war er wirklich. Er konnte sich nicht erinnern je so durstig gewesen zu sein. Sein ganzer Körper hatte sich nach Wasser gesehnt. Eine Zeit lang ging es noch ganz gut, aber er hatte gespürt, wie seine Kraft nachließ und seine Beine schwer wurden. Er trinkt in langen Schlucken die Flasche leer. Es dauerte nicht lange, dann spürte er, dass er sich erholt hatte und so konnten sie zusammen zurück zum Hotel gehen.

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Wenn man so richtig durstig ist und sich die Gedanken nur noch um Wasser drehen, dann merkt man, wie wichtig Wasser für das Überleben ist. Ohne Wasser stellt der Körper irgendwann seinen Dienst ein. Und Gott schenkt uns von diesem Wasser, das uns lebendig macht, das uns erfrischt und wieder neue Kraft gibt. Wenn wir ausgelaugt und kraftlos sind, weil wir Sorgen haben oder eine Krankheit uns schwächt können wir darauf vertrauen, dass Gott uns wieder neue Kraft gibt. Kraft, die uns auch Durststrecken überwinden lässt. Er gibt uns neue Lebensgeister und lässt uns den Weg weiter gehen.

Vikarin Ann-Karin Wehling

Willkommen, liebes Weihnachtsfest! Ich freue mich und staune: Du bist tatsächlich wieder da. Das sah die letzten elf Monate in diesem Jahr ganz anders aus. Der Typ ‚Starker Mann’ beherrschte die Weltbühne. Ein „puer robustus“ - laut, stark, deftig – will die Menschheit befreien. Und er wird gewählt. Er möchte glänzen. Populismus trägt heute viele Namen. Persönlichkeiten leihen ihm ihre Gesichter. Und Du? Vertrautes Weihnachtsfest! Welchen Glanz bringst Du in unser Leben? Um Dich ist es eher still geworden. Frieden auf Erden? Uns macht das Thema still und verlegen. Oder ist Stille Dein Markenzeichen?

Laudate pueri. Ein Wort aus Psalm 113. Lobt ihr Kinder. Wer lobt schaut von sich weg. Er schaut auf die anderen. Weihnachten, bist Du ein solches „Schaut-einmal-auf-die-anderen-Fest“. Vielleicht? Und dabei hast Du es ja sogar zu Weltruhm gebracht. Auf die Niedrigen schauen. Da, wo wir keinen Glanz vermuten. Da siehst Du etwas funkeln. Und Du bringst es groß heraus. Es wird zum Lichtermeer in dunkler Zeit.

Drei Bitten hätte ich an Dich, liebes Weihnachtsfest. Bitte bleib ein Weihnachtsfest. Du bist kein Lichterfest. Ohne Geheimnis wird Licht zum Solarstudio für die Seele und Weihnachten zum Fitnessraum. Sodann bitte ich Dich, mit Deiner Friedensbotschaft in die große Kantorei der Religionen einzutreten und dort mit anderen Deine Stimme deutlich zu erheben zum Segen für diese Welt. Und zum Schluss bitte ich Dich, uns immer wieder daran zu erinnern, wo für Dich das Licht seine Quelle hat. Da war ein Kind mit Namen Jesus. In einem Stall geboren, blieb er sein Leben lang nah bei den Menschen. Erst als er starb, erkannten sie, wer er wirklich war. Seitdem geht diese Botschaft um die Welt: Dieses Kind war Gott. Und wir sind seine Kinder.

 

Tilman Kingreen, Pastor in Hannover.

Wonach suchen Sie, wonach sucht Ihr? Worauf wartest Du? Manchmal fragt man sich an Kreuzungen, worauf Menschen warten, die da stehen. Ein äußerer Anlass für das Warten ist zuweilen nicht erkennbar. Vielleicht ist der Ort zu dem jemand will nicht verzeichnet auf dem Schild an der Kreuzung? Zugegeben, im Zeitalter des Navi könnte man wissen, wo es lang geht. Aber man hat es ja nicht immer an und nicht jede und jeder hat eines. Manchmal ist Menschen auch die Situation zu unübersichtlich: Bin ich dran? Darf ich abbiegen? Wie schnell sind die Anderen? Schaffe ich das rechtzeitig?

Warum warten Sie? Was suchen Sie? Den richtigen Weg? Vielleicht noch eine zündende Idee für ein schö-nes Weihnachtsgeschenk? Eine Woche noch, dann ist Heilig Abend. In diesem Jahr sind wir dem Ziel schnell nahe gekommen. Nur drei Wochen Zeit, rauszufinden, was wir anderen schenken wollen, was wir uns von anderen wünschen … Geht es darum?

Aber halt: Wer beschränkt sich auf die Zeit der Vorbereitung zur Vorbereitung? Es ist doch alles schon fertig. Im September haben die Geschäfte uns erinnert, dass es Zeit ist für Stollen, Kekse und andere Leckereien. Da ist doch jetzt alle Zeit um zur Ruhe zu kommen und nicht mehr suchen zu müssen, oder?

Was sucht Ihr? Genauer müsste es eigentlich heißen: „Wen sucht ihr?“ oder „Wonach?“

Johannes der Täufer, Jesu Cousin, ist im Gefängnis. Er schickt seine Jünger zu Jesus und läßt sie seine Frage stellen: „HERR, bist Du es auf den wir gewartet haben?!“ Wenn der Advent die Zeit der Erwartung ist, die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu auf der Erde, worauf warten wir dann in diesen Tagen? Wo-nach suchen wir in dieser Zeit der Lichter und Kerzen, von Plätzchen und Glühwein? Erwarten und suchen wir noch etwas? Warten wir auf Gottes Erscheinen in unserer Welt und unserem Leben und hoffen wir da-rauf, dass Gott bei uns, bei jeder und jedem Einzelnen ankommt?

Vielleicht ist er auch längst da und erscheint uns in den Augen der Kinder, die voller Erwartung staunend sich umschauen, wenn es schneit, wenn der Nikolaus kommt – längst nicht nur am 06. Dezember, und deren Augen leuchten, manchmal an jedem Tag, wenn sie eine Tür oder ein kleines Päckchen am Adventskalender öffnen können. Vielleicht aber leuchten auch Ihre Augen, wenn sie etwas entdecken für sich. Das muss ja nicht immer ein Geschenk sein. Es kann eine freundliche Geste, eine eigene Entdeckung  im Miteinander mit anderen oder aber eine Entdeckung sein, die den eigenen Glauben breichert.

Ich habe einen Adventskalender mit Bildern und Geschichten. Obwohl ich ihn nicht zum ersten Mal habe, freue ich mich jedes Mal und bin gespannt, was die Macher sich Neues ausgedacht, was sie gefunden und entdeckt haben für die Zeit bis zum Dreikönigsfest.

Außerdem: Der Kalender mit seinen Bildern und Geschichten bringt mir jeden Tag ein paar Minuten zum Innehalten. Zeit für mich, Zeit für die Vorbereitung darauf, dass Gott wirklich an Weihnachten ankommen kann – nicht irgendwo, sondern bei mir. „Macht Euch bereit“, heißt es im Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ am Ende des alten Kirchenjahres vor dem 1. Advent. Ich hoffe, ich bin dann soweit, bin bereit, wenn es in einer Woche Heilig Abend ist, dass ich ganz da bin – beim Weihnachtsfest, bei Gottes immer wieder sich zu uns aufmachen und seiner Ankunft – dann hoffentlich bei Ihnen und mir.

von Diakon Heinz Laukamp 

Eine Wunstorfer Initiative – unterstützt von Sponsoren - lädt bedürftige Menschen zu einem vorweihnachtlichen Essen in ein feines Restaurant ein. Was es gibt, ist eine Überraschung. Wieviel es gibt, steht fest: Genug für Alle ! Dann werden die Bedürftigen freundlich und zuvorkommend bedient, die es sich im Laufe des Jahres eben nicht leisten können, mal eben zum Griechen um die Ecke oder zum Italiener am Marktplatz zu gehen.

Dieses alljährliche Weihnachtsessen ist ein Zeichen von gelebter Solidarität, ein Zeichen der Barmherzigkeit mit denen, die trotz Sonderangeboten in Supermärkten wahrscheinlich nur von einer Gänsekeule träumen oder manchmal auch mit knurrendem Magen in die Nacht gehen. Zumindest aber Solidarität mit denen, die den Euro einmal mehr umdrehen und betrachten müssen, eben anders, als die Mehrheit unserer Mitbürger.

Jesus hat vor knapp 2000 Jahren zu den Menschen gesagt: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“ Ich frage mich, was hätte er wohl zu dieser Aktion gesagt? Eine Aktion, von der ich wünschte, dass sie noch mehr Unterstützer und Nachahmer findet.

So wie bei Doris M. .Sie ist Rentnerin und Montags und donnerstags ist Ihr Tafeltag. Da schleppt Doris M. Kisten, sortiert und putzt Lebensmittel und bereitet sie „fürs Auge“ auf. Pünktlich um 14 Uhr öffnet sich die Tür im Tafelladen und die Schlange der bereits wartenden Menschen setzt sich ins Ladeninnere in Bewegung. Eines ist den Menschen gemein: sie leben vom finanziellen Minimum. Sie kommen aus einer ungewissen Vergangenheit und leben in einer ungewissen Gegenwart. Doris M. hat Not im eigenen Leben erfahren – damals als ihre Eltern nach dem Krieg als Flüchtlinge neu haben anfangen müssen und hier in Wunstorf aufgenommen wurden. Am Anfang war das nicht leicht, gerade für die Flüchtlingskinder…. aber die Menschen haben sich arrangiert. Doris M. hat nicht vergessen, dass sie und ihre Familie damals auch Hilfe erfahren haben, zum Überleben, zum Einleben und vor allem zum Weiterleben. Deshalb ist sie dabei, jede Woche ...solange es ihr Rücken zulässt.  Und sie weiß, dass ihre Hilfe wichtig ist für Menschen, die es wirklich brauchen. Sie hat ihre gestärkte Schürze schon rausgelegt. Für das Essen auf weißen Tischdecken. Mit Kerzen. Und mit Bedienung. Und immer mit einem freundlichem Lächeln im Gesicht!

Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, hat in seinem kurzen Leben eindringlich zur Barmherzigkeit aufgerufen. In der Stille höre ich ihn sagen: „Nehmt einander an, so wie ich euch angenommen habe. Helft einander. Schaut auf die, denen es nicht so gut geht. Zeigt Eure Solidarität mit den Bedürftigen. Gebt denen, die weniger haben als ihr selbst….. und nicht nur zu Weihnachten.“ 

Frauke Harland-Ahlborn, Lektorin in der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf   

Am Sonntag feiern wir den 1. Advent. Es beginnt die Adventszeit,  die Vorweihnachtszeit. Und in diesen Wochen haben Engelfiguren wieder Hochkonjunktur: Wir begegnen ihnen  aus Holz, aus Porzellan oder anderen Materialien. Wer hier in Wunstorf durch die Fußgängerzone geht; sieht sogenannte Engelsflügel an den Straßenlaternen hängen. Aber Engel, gibt es die? Glauben Sie an Engel?

Engel. kommen bereits im Alten Testament vor. Das hebräische Wort heißt Bote, Gesandter. Ein Engel nach biblischer Vorstellung ist ein Bote, ein Gesandter Gottes. Solchen Boten Gottes begegnen wir im Alten und Neuen Testament immer wieder. Sie sind im Auftrag Gottes unterwegs. Sie überbringen den Menschen im Namen Gottes eine Nachricht, sie mahnen und behüten, stärken und trösten. Denken wir an die Engel im Lukasevangelium, die den Hirten die Geburt Jesus verkündigten. Ja, Engel sind Boten Gottes, die von Gott mit einem bestimmten Auftrag zu den Menschen geschickt werden.  Sie können ihren Auftrag erfüllen, ohne dass wir es gleich spüren. Auch heute. Es  gibt  keine Grenzen für sie. Mauern und Zäune können Engel nicht aufhalten. Aber auch nicht mein dickes Fell oder mein verschlossenes Herz.

Glauben Sie an Engel?  Vor allem glaube ich an Gott. An Gott, der mir nahe ist, der mich begleitet.  Gott begegnet uns durch seine Boten, seien es unsichtbare Boten oder Menschen, die im richtigen Augenblick da sind und das Richtige sagen und tun. Folgende Zeilen von Regine Correns drückt dies wunderbar aus

Engel  - gibt’s die? Ich habe noch keinen gesehen. Ganz gewiss, doch neulich spürte ich einen an meiner Seite, der kühlte das hitzig erdachte Wort mir auf der Zunge.

Und gestern erst, da schnellte einer zwischen den Honda und meinen Ford, im Flug noch gebietend den Abstand. Ich hörte das Rauschen und zuckte vom Gas, um Haaresbreite wie man so sagt, das war mein Engel.

Und auch jenem Abend, als verlorene Schatten mich erschreckten, trat einer ins Haus aus Licht gehaucht und brachte  mir Frieden. Boten der Gnade  -  das sind Engel.

Marlene Richter, Prädikantin

Endlich mal Schluss machen mit dem Gedenken, die alten Geschichten und die Vergangenheit ruhen lassen! Ein verlockender Gedanke.

Ich habe von einem gehört, der das gemacht hat. Er hat sich sein Erbe auszahlen lassen. Nun war es kein Erbe mehr sondern einfach nur noch Besitz. Damit ließ sich die Zukunft gestalten. Er zog von zuhause aus, brach alle freundschaftlichen Kontakte ab, verabschiedete sich von seinem Leben.

Gedenktage schienen im blöd und sinnlos. Wozu Geburtstag feiern, wenn er doch jeden Tag neu ins Leben starten wollte. Welchen Sinn hätte es, an den Todestag seines Großvaters zu denken oder an den Hochzeitstag seiner Eltern. Alles zu rückwärtsgewandt war das doch. Er wollte nach vorne schauen.

Bis er sich in der Gosse wiederfand, wo er sich von Schweinefutter ernährte und mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt. Da kam ihm die Vergangenheit gar nicht mehr so übel vor. Ein Gedenktag der besonderen Art war das für ihn. Nicht schön aber hilfreich. Und er machte sich auf, um nach Hause zurückzukehren und an sein altes Leben anzuknüpfen. (Vergleiche die Bibel, Lukas 15, 11-32.)

Dieser junge Mann hat seine Identität erst gefunden, als er sich seiner Vergangenheit gestellt hat. Es ist nicht die einzige Geschichte in der Bibel, die mir dies erklärt: Ich werde nur zu mir finden, wenn ich auch nach hinten sehe. Ich bin Christ nur, wenn ich zurück blicke. Dabei muss ich mich auch den dunklen Erinnerungen stellen. Wir Christen haben Kreuzzüge organisiert, Hexen verbrannt und Andersglaubende verfolgt. Auch das macht uns aus. Leider.

Als Deutscher gehört es zu meiner Identität, dass ich aus dem Land von Goethe und Martin Luther stamme. Einem Land, das den Sozialstaat hervorgebracht hat und Künstler wie Bach und Campino, Brecht und Rammstein. Aber von hier sind auch Kriege ausgegangen, Mord und Leid. Dieser Erinnerung stellen wir uns morgen am Volkstrauertag. Er hilft uns dabei, echte Deutsche zu bleiben, die aus der Geschichte lernen wollen.

Andreas Behr, Pastor und Dozent für Konfirmandenarbeit am Religionspädagogischen Institut Loccum

Ein jegliches hat seine Zeit. ….und Advent ist im Dezember. Die Adventszeit – die Wartezeit auf den Geburts-Tag  Jesu Christi – ist auf den Dezember begrenzt. Auf- und anregend kann diese Zeit der kurzen Tage sein, wenn man sie bewusst mit alten, überlieferten oder auch mit neuen Traditionen erlebt. Und sie versucht, mit allen Sinnen wahrzunehmen. Das geht vom Lichterglanz der Kerzen über die Wohlgerüche der Bäckerei bis hin zur Musik.  Da gilt es Türchen zu öffnen und Leckereien zu genießen, Geschichten zu hören oder selber zu lesen oder eben an jedem Abend einfach nur eine weitere Kerze anzuzünden.  Konzerte oder Andachten laden in dieser Zeit ein, den Advent zu erleben.  „Hört , sie singen wieder“, so sagt es eine lebensältere Dame aus der Nachbarschaft, als der Lebendige Adventskalender in ihrer Nähe stattfindet. Eine recht junge, lebendige Tradition ist es, in der Adventszeit ab 1. Dezember jeden Abend vor einem anderen Haus ein Fenster festlich zu dekorieren. Vor oder auch im Haus, in einer Garage oder unter Gottes freiem Sternenhimmel treffen sich Menschen zu einer kurzen gemeinsamen Zeit zusammen. Es werden dann die alten Lieder von der Sehnsucht der Zeit gesungen. Geschichten erzählt. Es wird sich ausgetauscht oder einfach nur miteinander geschwiegen, mit einer Kerze und einem Liederheft in den Händen. Ein warmes Getränk, ein Schmalzbrot, ein leckerer Keks, alles ist erlaubt, aber kein MUSS. Das Smartphone aber dürfen Sie dann getrost zu Hause lassen.  „Hört, sie singen wieder“. Mir kommen spätestens dann erinnernde Gedanken an die Kindheitstage. Wenn ich morgens das Türchen des papierenen Kalenders am beschlagenen Schlafzimmerfenster öffnen durfte und mich an einem  Glitzerbild erfreut habe. Die Kalender mit Schokolade gab es erst viel später. Am kommenden Freitag geht es los. Und dann singen wir wieder, gemeinsam. Lassen Sie sich doch auch einmal darauf ein. Sie sind überall herzlich eingeladen und aufgenommen. Warten kann auch kurzweilig sein!  In der Zeitung oder im Internet sind die Termine und die Treffpunkte veröffentlicht. Veranstalter sind ab 1.Dezember 2017 Institutionen, Familien oder Nachbarschaften oder SIE? Vielleicht sehen wir uns ja, als Gastgeber oder als Wartender. Denn: Hört, Sie singen wieder!

von Frauke Harland-Ahlborn, Lektorin aus der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

Das Jahr neigt sich dem Ende. Man will es nicht wahrhaben, aber in drei Wochen ist bereits der 1. Advent. Zeit nicht nur für Spendensammler, Weihnachtsfeiern und Konsumrausch, sondern auch für Jahresrückblicke im Fernsehen, Radio oder auch in der Zeitung. Bereits morgen in zwei Wochen geht das Kirchenjahr zu Ende. Der Ewigkeitssonntag beschließt einen Jahreskreis und dann beginnt ein neues Jahr – im Sinne des Glaubens.

Einen Kirchen-Jahresrückblick sieht man hingegen nicht. Dabei wäre es doch interessant: Was ist mir in diesem Kirchenjahr in meiner Gemeinde passiert? Was hat sich verändert? Wo haben Ehren- und Hauptamtliche mich zum Staunen versetzt? Nein, es sind nicht die ganz großen Dinge, wie die Jahresrückblicke im Fernsehen. Aber es sind häufig viele kleine. Egal, wie groß die Gemeinde ist: Die Möglichkeit der Teilhabe und der Begegnung, des gemeinsamen Glaubens und des Glauben Feierns ist überall gegeben.

Bei uns in Idensen sind wir so eine kleine Gemeinde mit weniger als 800 Gemeindegliedern. Und bei uns ist viel passiert – Großes und Kleines hat sich bewegt. Und es geht schon eine besondere Energie von der Gemeinschaft aus, selbst wenn man „nur“ gemeinsam die Außenanlagen im Rahmen des Herbstputzes pflegt. Die stupideste Arbeit wird schön, wenn man sie in einer angenehmen Gemeinschaft vollzieht. Kirche ist da ein besonderer „Verein“: Es kann jeder mitmachen, egal, ob man Einschränkungen hat oder nicht die beste Kondition. Denn nachher waren wir alle an einer Tafel vereint: Glücklich über die Arbeitsergebnisse und glücklich über die Gemeinschaft.

Wir haben unzählige weitere Beispiele, wenn ich so das Kirchenjahr zurückblicke. Die Kirche bleibt in Bewegung – allein schon durch die Vielfältigkeit der Menschen, die mitmachen. Um es mit Paulus auszudrücken: Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. (1.Kor 12,12)

Prädikant Jörg Mecke, Idensen

Wissen Sie, wo Bukina Faso liegt? - Irgendwo in Afrika …
"Ja, genau. Mehr wusste ich auch nicht, bevor ich über ein Projekt in Togo in dessen kleines Nachbarland kam." berichtet Andreas Rimkus. Er ist zu Gast im Gottesdienst zur Woche der Diakonie zum Thema 'Glaube - Hoffnung - Nächstenliebe'. Andreas Rimkus, Schmiedekünstler aus Springe, möchte das Schmiedehandwerk am Leben erhalten, in Deutschland und weltweit. "Das Schmieden ist eines der wichtigsten Kulturgüter überhaupt! Es ist der Ausgangspunkt unserer heutigen Kultur," erläutert Rimkus sein Engagement. "Schmieden stellt eine Lebensgrundlage dar. Denn vom Werkzeug bis zum Kochtopf wurden und werden alle lebensnotwendige Arbeitsgeräte dadurch hergestellt. Wer schmieden kann, kann auch Reparaturen durchführen an Autos, Gartengeräten, Pfannen, … Deshalb war ich auch sehr schockiert, als ich vor Jahren nach Bukina Faso kam." erzählt Rimkus. "Dort gab es keine einzige Schmiede mehr. Die Kolonialherren haben in den 50er Jahren das Schmieden verboten. Seitdem ist dieses Handwerk dort ausgestorben. Das muss man sich einmal vorstellen. Die konnten da noch nicht mal ein Loch in einem Kochtopf reparieren - und ohne Kochtopf gibt es kein Essen! Das ließ mich nicht los. Ich machte mich auf die Suche - und fand zwei alte Schmiede, beide über 90 Jahre. Und mit ihnen habe ich das Schmiedehandwerk in Bukina Faso aufleben lassen.
Mittlerweile bilden die beiden alten Herren junge Männer zu Schmieden aus. Dabei unterstütze ich sie mit meinem Wissen. Einmal im Jahr lade ich drei Männer zu mir zu einem Schmiedekunstprojekt ein. Die Kunstobjekte werden ausgestellt. Aber das Wichtigste ist: zu Hause können die Jung-Schmiede wieder ihre Pflugscharen und Werkzeuge herstellen und alles schmieden, was sie brauchen. Und nicht zuletzt verdienen sie sich damit ihren Lebensunterhalt. Das ist meine ganz persönliche Form von Entwicklungshilfe," resümiert Andreas Rimkus. Und, darin sind sich alle Gottesdienstbesucher einig, eine besondere Form von gelebter Nächstenliebe!

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Eine Gratisprobe von Weinen aus der Pfalz? Einen Gutschein für eine stark vergünstigte Reise? Ein Probeabonnement der Zeitung, aus der mir dieser Werbeflyer entgegenfallen? Vieles könnte ich an diesem Wochenende kostenlos bekommen und ausprobieren, wenn ich nur eine E-Mail an die angegebene Adresse schreibe, die vorfrankierte Antwortkarte mit meinen persönlichen Daten ausfülle… Was könnte ich mir alles schenken lassen! Aber zu welchem Preis? Keine Werbeaktion ist umsonst. Adressangaben sind viel Geld wert – gerade wenn zugestimmt wurde, dass diese für Werbezwecke genutzt werden dürfen.

Wer als Kind gelernt hat, dass nur brave Kinder ein Geschenk verdienen, dem fällt es auch später schwer, ein Geschenk einfach dankbar anzunehmen. Viele bekommen ein schlechtes Gewissen, fühlen sich unter Druck gesetzt, es mit einem mindestens gleichwertigen Geschenk auszugleichen. Wer nicht von Herzen schenken und sich beschenken lassen kann, gerät leicht in einen Kreislauf der gegenseitigen Geschenke. Sie werden zur Währung, in der Zuneigung gemessen wird, wenn Beziehungen durch Verunsicherung, nicht durch Vertrauen geprägt sind. Solche Geschenke haben einen Preis, der den materiellen Wert weit übersteigt! Wie kostbar können selbstgemachte Kleinigkeiten, ein persönlicher Gruß zur rechten Zeit sein, wenn diese Geste einfach ein Ausdruck der Freundschaft ist, mich nicht in Frage stellt, sondern in schwierigen Zeiten stützt. Ich spüre in den Zeilen: Hier sieht jemand meine Situation, hat sich Gedanken um mich gemacht. Eine Blume aus dem eigenen Garten, ein Stein oder eine Muschel, sie sind kostenlos, aber bestimmt nicht umsonst.

Für Paulus liegt genau darin das Geheimnis des Glaubens: Gott selbst hat der Aufrechnerei ein Ende gesetzt, weil er uns gratis beschenken wollte. Jahrhunderte später brachten seine Zeilen die Lebenswende für einen Mönch, als er diese Worte von Gottes Gerechtigkeit und Liebe als an sich persönlich adressiert verstand. Die Konsequenzen dieser Erkenntnis wollte er auch mit Kollegen und Studenten diskutieren und hängte seine Thesen dazu am 31. Oktober 1517 aus...

Uns wird in diesem Jahr ein freier Tag geschenkt, damit wir miteinander Gottes Zuwendung zu uns feiern können. Einen gesegneten Reformationstag wünscht Ihnen

Ihre Dr. Vera Christina Pabst,
Pastorin in Bokeloh und Wunstorf

Es waren nur zwei Stunden Sturm - und Kunden der Bahn in Norddeutschland strandeten in Bahnhöfen. Nichts ging mehr - am Donnerstag, au fvielen Strecken auch am Wochenende nicht. Und voll befahrbar werden einige Bahnstrecken erst im Luafe dieser Woche sein.

Hat die Bahn versagt? viele sind dieser Meinung.

Was sich auf jeden Fall gezeigt aht: So ein "kleiner" Sturm kann unseren Alltag ziemlich durcheinander bringen. für die Betroffenen war die Lage lange unklar. Schlimm war es für alle, deren Reisepläne durch den Sturm durchkreuzt woren sind.

Glücklicherweise sind nicht allzuviele Menschen gestorben, die Sachschäden halten sich auch in Grenzen. Böen mit einer Windstärke von 12 werden in der Karibik eher belächelt. Betroffene werden noch immer an den Hurrikan "Irma" denken, der vor wenigen Wochen Inseln in der Karibik verwüstet und Menschen getötet hat.

wir sind am Donnerstag gut davon gekommen. Trotz mancher ramponierter Gärten und vieler umgestürzter Straßenbäume. Es war schon ein besonderes Erlebnis, zu erleben, wie der Sturm eie starke Eiche innerhalb von Sekundenbruchteilen zu Boden drückt - wie durch eien unsichtbae Reisenhand.

Wir haben Grund, dankbar zu sein. Auch für Schutz udn Bewahrung und für den einsatz der Männer und Frauen in dne Feuerwehren und den anderen Hilfsorganisationen.

Gott sei Dank - was manchmal nur nebenbei oder gedankenlos gesagt wird, hat hier seinen guten Platz. Wir haben Grund, dankbar zu werden, auch für das, was gelungen ist und misslungen. Für Misserfolge und Erfolge, für Glück - und manchmal auch für Verlust.

Gott danken ist ein wichtiges Thema in der Bibel. Das zeigt sic hdarin, dass genau diese Worte im Alten Testament genannt werden: "Danket dem HERRN, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich." (Psalm 106, 1)

Wir haben Grund zum Danken, nicht erst durch den Sturm.

Pastor Friedrich Kanjahn, Mardorf

Er steht vor dem Spiegel und streicht noch einmal die Krawatte glatt. Fünf Anläufe hatte er gebraucht um sie zu binden, so zittrig waren seine Hände. Am liebsten würde er seine Wohnung heute gar nicht mehr verlassen. Er schließt kurz die Augen und versucht das mulmige Gefühl im Bauch beiseite zu schieben. Nervös läuft er noch einmal durch die Wohnung. Dann bleibt er stehen, atmet tief durch und nimmt seine Jacke. Kurz hält er inne, aber dann lässt er die Tür doch hinter sich ins Schloss fallen.

Er macht sich auf den Weg. Jeder Schritt fällt ihm schwer, im ganzen Körper spürt er die Anspannung. Mehr als ein Mal überlegt er, ob er nicht einfach wieder umkehren sollte – zurück in die Wohnung. Als er an dem großen, weißen Backsteingebäude ankommt bleibt sein Herz kurz stehen, um dann sofort in doppeltem Tempo weiter zu schlagen. Er knetet die Hände, traut sich aber nicht die letzten Schritte zu gehen und starrt auf die große Eingangstür. Da sieht er seinen Freund auf sich zukommen. Ohne Worte lächelt dieser leicht, nickt ihm zu und nimmt ihn in dem Arm. Er nimmt seine Hand und geht mit ihm zur Tür, so gehen sie hinein.

Er drückt die Hand seines Freundes: „Danke, dass du da bist.“

„Du bist da.“ Das betet auch der Beter des 23. Psalms. Manchmal brauchen wir eine Hand, die sich nach uns austreckt. Wenn wir einen Weg gehen müssen, den wir eigentlich nicht gehen wollen, der uns unangenehm ist oder uns schwer fällt. Wenn dann jemand da ist, der uns bei der Hand nimmt und diesen Weg mit uns geht, dann kann uns das diesen Weg erleichtern. Wir werden bei der Hand genommen und können ein bisschen Anspannung oder Nervosität an den anderen abgeben, mit dem anderen teilen. „Du bist da.“ Der Beter sagt hier: „Gott, du nimmst  mich bei der Hand und begleitest mich auf meinen schwierigen Wegen. Ich muss sie nicht allein gehen. Ich kann mich darauf verlassen, dass du meine Hand nicht loslässt, sondern den ganzen Weg mit mir gehst. Danke, dass du da bist.“

Ann-Karin Wehling, Vikarin in der Corvinusgemeinde Wunstorf

Es war am vergangenen Freitagabend: Kinder, junge Eltern, Großeltern strömen zum Stadttheater. Drinnen angekommen, spürt man das Kribbeln, das in der Luft liegt: Das Musical „Luther macht Schule“ von Birgit Pape wird von Wunstorfer und Neustädter Schulkindern vor voll besetztem Haus aufgeführt. Ich bin voller Vorfreude, habe mich hier mit einigen Schülern und deren Eltern verabredet und bin gespannt, ob es gelingt, Menschen von heute mit Martin Luthers Botschaft anzusprechen. Immerhin: Seine Glaubenserkenntnisse sind 500 Jahre her! Und die biblische Botschaft „Zur Freiheit hat Christus uns befreit“ ist noch viel älter. Ich wünsche mir, dass es gelingt: dass auch kirchenferne, aber aufgeschlossene Menschen etwas von der befreienden Kraft, die dem Evangelium innewohnt, erfahren. Denn dafür ist der Glaube an Christus doch da: dass wir im Alltag die Kraft bekommen, schwere Situationen durchzustehen. Dass wir frei werden von zu großen Ängsten oder von blockierenden Gefühlen wie Hass, Neid, Unterlegenheit. Dass wir SEINE Liebe spüren und weitergeben können.

Bei mir selbst denke ich: Das sind ziemlich steile Gedanken. Hat die Komponistin sie umgesetzt? Können die mehr als 70 Schulkinder, die auf der Bühne agieren, diese Botschaft transportieren?

Die Zuschauer waren begeistert, viele sogar ergriffen. Die Botschaft kam eindeutig an! Mein persönlicher Höhepunkt war das Lied „Frei sein“. Da tanzten die Hauptdarsteller fröhlich auf der Bühne, während der große Chor inbrünstig, aber konzentriert schmetterte: „Wir sollen frei sein, um Gott und den Menschen zu dienen, frei sein, die Liebe zu üben, die Gott schenkt.“

Besonders berührt hat es mich, als Birgit Pape am Schluss den Musical-Kindern die Entscheidung überließ, welche Zugabe sie singen wollten. Es war „Frei sein“. So stand der Abend unter diesem Motto: Der Glaube an Christus macht frei. Unsere eigene Aufgabe ist es jedoch, dieser Botschaft etwas zuzutrauen und unser Leben darauf zu gründen.

Susanne v. Stemm, Schulpastorin am Hölty-Gymnasium Wunstorf

Kennen Sie Dagobert Duck? – Diesen nimmersatten, geizigen und vergrämten Enterich aus der legendären Walt Disney-Serie Donald Duck. Dagobert Duck ist der Neffe von Donald Duck. Um ihn noch einmal vor Augen zu führen, ein kurzer Steckbrief zu ihm. Wohnort: Entenhausen, Lästigste Verehrerin: Gitta Gans, Erzfeinde: Die  Panzerknacker, Lieblingsfarbe: Goldgelb, Lieblingstier: Goldesel, Lieblingspflanze: Talerbaum, Bestes Stück: Glückszehner, Hobbies: Im Geld baden und Schatzsuchen. Berufe: Er macht alles, was Taler bringt. Was würde Dagobert mit einer Million Taler machen? Bestimmt nicht ausgeben!

An diesem Wochenende feiern Christinnen und Christen „Erntedankgottesdienste“. Vor den Altären liegen Früchte des Feldes, der Bäume und der Sträucher, schön aufgebaut und dekoriert. Heute, an Erntedank, danken Christinnen und Christen traditionell Gott für diese Schätze.

Martin Luther sagte einmal: „Woran Du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ Das Herz des Menschen kann an vielen Schätzen hängen: an Besitz, Erfolg, Geld. Natürlich hängt das Herz der Menschen an den Dingen, die sie sich, oft über lange Zeit, erarbeitet haben. Die Schätze können auch eine negative Seite haben wie bei Dagobert Duck: Er hatte Angst um seine Taler und war gerade darum so grießgrämig.

Walt-Disney-Zeichner Carl Barks wollte mit der Figur von Dagobert Duck eine gesellschaftskritische Haltung einnehmen – im Jahr 1934. Und über das Medium Comic der amerikanischen Gesellschaft ein Spiegel vor Augen halten: Wie es ist, wenn Menschen nur an ihr eigenes Kapital, ihre eigenen Schätze, denken und wörtlich „ihr Herz dran hängen?“

Konkret: Was sind weitere Schätze?: vielleicht die Liebe eines anderen, das Lächeln des Nachbarn, die Begegnung mit einem Menschen, der das Leben verändert, Melodien, Bilder, die uns anleiten, sich selbst neu zu begegnen.

Am Erntedankfest schauen Christinnen und Christen bewusst auf die Gaben, die vor und auf dem Altar liegen und die zur Dankbarkeit auffordern. Gleichzeitig leiten sie dazu an, auf das Wesentliche im Leben zu schauen: Die Dankbarkeit für das, was ich bin und habe, und das Besinnen darauf, dass „alle gute Gabe“ von Gott herkommt.

Ihr Pastor Marcus Buchholz, Liebfrauenkirche, Neustadt

Karin PuyWenn ich im Zug sitze, hole ich mein Handy raus. Da befinde ich mich in ziemlich guter Gesellschaft, um mich herum tun das fast alle. Ich sende allerdings keine Nachricht, ich spiele auch nicht irgendein Spiel. Ich könnte wegen der Bundestagswahl am Sonntag auch noch einmal den Wahl-O-Mat öffnen, aber ich öffne eine ganz andere App. Nicht das Wetter, nicht die Nachrichten, sondern die Lutherbibel-App.

Ich tauche „app“, morgens auf dem Weg zur Arbeit und nachmittags auf dem Rückweg. Zwischen Schulbroten schmieren und Schreibtisch und zwischen Schreibtisch und Einkaufswagen.

Natürlich könnte ich auch eine Bibel, also ein echtes Buch aus Papier, in der Tasche haben, aber mit Büchern bin ich pingelig. Und so ein altes – für mich – wertvolles Buch im Hosentaschenformat, das finde ich toll. Ein Buch bleibt es für mich trotzdem. Meistens lese ich die vorgeschlagene Textstelle des Leseplans, aber manchmal wähle ich auch ganz zufällig eine Bibelstelle aus.

Ich tauche „app“ ... „app“ aus dem Alltag.

Für einen kleinen Moment lege ich die Dinge des täglichen Lebens ab, für einen kleinen Moment sind die alltäglichen Dinge app-geschaltet. Die App holt mich im Alltag ab und das kleine Stückchen Bibel bringt mich gestärkt wieder in den Alltag zurück.

Sehr oft mit neuen Gedanken aus einem alten wertvollen Buch.

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Psalm 119,105

Karin Puy, Lektorin der Kirchengemeinde Luthe

Sie haben es bestimmt erkannt! Dieser Vers stammt aus Psalm 23.
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. So heißt es da.
Der 23. Psalm ist einer der bekanntesten Psalmen. Bei uns in der Gemeinde ist er seit Jahren der Lieblingspsalm der Konfirmanden. Jedes Jahr sucht sich die Mehrzahl der Jugendlichen diesen Psalm als Begleiter für ihren Lebensweg aus. Oft bleiben die Konfirmanden an dem Wort ‚erquicket‘ hängen. Was bedeutet das?
Wenn man dem Wort ‚erquicket‘ auf den Grund geht, dann findet man da: Leben, Lebendigkeit! Quicklebendig‘ – was das bedeutet, weiß jeder.
Quicklebendig wird man besonders durch eine Erfrischung. Körperlich erlebt man das durch ein belebendes Bad im kühlen Meer, durch eine erfrischende Dusche nach der Hitze des Tages oder durch ein anregendes Getränk nach einer langen Wanderung.
Eine solche erquickende Erfahrung haben die Konfirmanden auf ihrem Konfirmandenferienseminar in Südtirol gemacht. Über zwei Stunden sind sie im Hochgebirge zu einer Alm gewandert. Verschwitzt und erschöpft kamen sie dort an. Und dann gab es Apfelschorle oder einen leckeren Kakao mit Sahne oben drauf. Das tat gut, weckte die Lebensgeister und dann konnte es wieder zurückgehen.
Mit dieser Erfahrung wird auch die zweite Bedeutung von erquickend deutlich: Stärkung und Ermutigung. Nach dem Innehalten und dem Erfrischen konnten die Konfirmanden wieder aufstehen und ihren Weg gestärkt fortsetzen.

Du erquickest meine Seele‘. Das bedeutet ganz schlicht, dass Gott uns quicklebendig macht. Er erfrischt unsere Seele und gibt neue Kraft für unsere Wege.
Egal wie anstrengend ein Weg auch ist, Gott erquickt uns darauf immer wieder mit dem, was wir dazu brauchen. So erweist sich Gott als unser Hirte – und deshalb wird es uns an nichts mangeln.

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Das war mal wieder so eine Woche: Eine Woche, in der nicht alles gelungen ist und der vieles mühsam war. Ich wollte doch nur vorankommen und bin daran gescheitert, dass ich zu viele Menschen getroffen habe, die „nicht zuständig“ waren. Auch wenn man sehr freundlich fragt und den Helferinstinkt des Gegenübers adressiert. „Könnten Sie mir bitte helfen? Ich benötige…“ Dann kommt die ernüchternde Antwort: „Dafür bin ich nicht zu ständig.“ Das ist genauso ernüchternd wie die Antwort „Stören Sie mich nicht“. Und auch nicht wirklich konstruktiv.  Eine Antwort wie:  „Da habe ich keine Antwort, aber ich wüsste, wie man Ihnen helfen kann“ ist da gleich eine andere Nummer, aber viel hilfreicher. Frust staute sich auf und ich fühlte mich hilflos, man könnte auch sagen: ohnmächtig.

Und so hangelt man sich durch manche Tage, ratlos und hilflos. Gegen Wände zu rennen, immer und immer wieder, schafft massive Kopfschmerzen. Und die Wand versetzen, damit ich nicht dagegen rennen muss? Oder einen kleinen Umweg gehen? Im Kampf gegen die Entmutigung kommt mein Gedanke auf Senf. Da gab es doch einen Vers: „Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.“ So steht es im Matthäus-Evangelium im 17. Kapitel.

Ist mein Glaube so viel kleiner als ein Senfkorn, dass ich mich von einem „da bin ich nicht zuständig“ abschrecken lasse? Wo ist meine Kraft, mein Optimismus hin? Dieser einfache Vers sollte mir doch die Energie geben, mich nicht abschrecken zu lassen und Zuversicht zu versprühen. Denn meine Aufgabe ist nicht unbedingt, Berge zu versetzen. Aber diesen Mut machenden Glauben wünsche ich mir schon, damit ich den nicht hilfsbereiten Zeitgenossen in meinem Alltag mit der notwendigen Gelassenheit begegne und weiß: Gott ist mit mir und verleiht mir, wenn es eng wird, auch mal Flügel. Ich sollte anders an die Aufgaben rangehen…

Jörg Mecke, Prädikant in Idensen

Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe? Der Satz heißt doch ganz anders, werden Sie vielleicht denken. Ja, genau. Die 3 Worte sind Bestandteil eines prominenten Satzes. Manche kennen ihn vielleicht als Tauf- oder Konfirmationsspruch oder haben ihn als Vers für die eigene Trauung gewählt.

"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.", so schreibt es Paulus an die Gemeinde in Korinth und beschreibt damit das Wesen der Liebe Gottes. Einer Liebe, die alles duldet, nicht nach ihrem Vorteil sucht, nicht eifersüchtig ist. Können wir so bedingungslos lieben? Vielleicht sollten wir es immerhin versuchen.

Die Einrichtungen der Diakonie helfen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen und besonders, wenn es schwierig wird. Die Angebote reichen von Beratung werdender Eltern, Begleitung am  Anfang des Lebens, bis zur Arbeit in Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe – die drei Worte beschreiben das Wesen der Diakonie, wie sie gedacht ist: als Dienst am Menschen.

Das geht für die, die da dienen davon aus, dass ihr Dienst dem eignen Glauben entspringt. Mein Glaube macht mich fähig anderen zu helfen, weil er mich stark macht, weil meine Hilfe, meine Kraft, sich aus der Liebe Gottes zu uns Menschen speist – ohne Ansehen von Herkunft, Glaube, Alter, Stand... Die Hilfe soll Hoffnung geben, die eigenen Stärken wach-rufen und mobilisieren. Manchmal, wenn keine Kräfte mehr da sind und die vorhandenen schwinden, dann kann es die Hoffnung sein, dass nach dem Leben noch etwas kommt.

Dienst am Menschen ist praktische, ist gelebte Nächstenliebe. Sie spart keinen Teil des Lebens aus. Die Liebe Gottes befähigt uns zu glauben, zu hoffen und dazu den Nächsten zu lieben und uns selbst. So hat Paulus gedacht, so haben die gedacht, die begannen, die Werke zu gründen, die wir heute als diakonische Werke kennen. So denken auch heute noch Menschen, die in diesen Werken, aber auch in jeder Gemeinde und bei uns im Kir-chenkreis diakonisch arbeiten. Sicher kennen auch Sie welche, die dazu gehören.

Morgen beginnt die Woche der Diakonie; Veranstaltungen werden angeboten. Weil an Gott alles liegt, beginnt die Woche mit einem Gottesdienst oder endet mit ihm am kommenden Sonntag. Ganz sicher auch in ihrer Gemeinde. Vielleicht ist der Einsatz für andere und mit anderen ja auch etwas für Sie. Vielleicht wollen Sie auch wissen, was für Sie angeboten wird? Schauen Sie doch einfach mal auf den bunten Strauß, der aus Gottes und der Menschen Liebe bei uns erwachsen ist:

http://www.diakonie-neustadt-wunstorf.landeskirche-hannovers.de/

Diakon Heinz Laukamp

 

Im Urlaub schaue ich mir gerne Kirchen an. Ich setze mich dort in eine Bank, lasse den Trubel hinter mir und spüre den Eindrücken der Urlaubstage nach. Vor einem Gottesdienst  genieße ich auch zu Hause die Stille unserer Kolenfelder Kirche. Im Moment ist es aber laut in unserer Kirche. Zimmerleute, Maler, Verputzer, Elektriker gehen ein und aus. Der Kirchenraum ist kaum wiederzuerkennen: komplett eingerüstet, das Dach an mehreren Stellen offen, Orgel, Altar und Taufstein sind mit Folien und Abdeckplatten verhüllt. Unsere Kirche wird renoviert. Es war an der Zeit – zumal Holzbalken im Dach vom Pilz befallen sind.

Wenn wir mittags Kaffee für die Handwerker in die Kirche bringen, freue ich mich, dass die Handwerker ihr Fachwissen und ihre Arbeitskraft für unsere Kirche einsetzen. Mit dem Kaffeebecher in der Hand sagen sie, dass die Arbeit in einer Kirche für sie etwas anderes ist als die Arbeit in einem Wohn- oder Geschäftshaus. Ich höre das ich in doppelter Weise: einerseits haben sie mir erklärt, dass es handwerklich etwas anderes bedeutet, ob sie in einem 300 Jahre alten Gebäude arbeiten oder an einem Neubau. Andererseits klingt für mich auch mit, dass sie eine Kirche als einen besonderen Raum empfinden – auch wenn der Taufstein gerade als Stehtisch genutzt wird für ihre Kaffeebecher.

Kirche sind besondere Räume. Seit Generationen haben Menschen in unserer Dorfkirche fröhlich gesungen zur Hochzeit oder Kraft und Trost gesucht in schweren Zeiten. Wie viele Menschen haben an diesem Taufstein gestanden und haben Gott für das neue Leben Danke gesagt. Singen, Beten, Gottesdienste feiern – seit 300 Jahren ist unsere Kirche davon erfüllt und geprägt. Gut, wenn trotz Gerüsten und Baulärm zu spüren ist: die Kirche ist ein besonderer Raum.

Als Kirchenvorstand wollen wir unsere Kirche zum Innehalten und Feiern erhalten. Wir sind beeindruckt, dass so viele Menschen die Kirchenrenovierung unterstützen und damit zeigen, dass sie unsere Kirche im Dorf nicht missen möchten. Sicher freuen wir uns alle, wenn der Stehtisch wieder zum Taufstein wird.

Kirchen sind besondere Räume. Viele Menschen spüren das – auch heute, wo es nicht mehr so selbstverständlich ist wie vor 300 Jahren, Kirchenmitglied zu sein: die Kirche als Raum tut gut, weil wir dort in besonderer Weise Gott nahe sein können und Orientierung für unser Leben finden können.

Probieren sie es aus. Gehen sie in eine Kirche – morgen am Sonntag zum Gottesdienst oder einfach so zum stillen Zwiegespräch mit Gott. Ich wünsche Ihnen, dass sie Gottes Nähe spüren.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld

Da liegt es also. Ich sehe es jetzt zum ersten Mal. Seit wann liegt es dort wohl? Es ist unscheinbar, grau, verbogen und angerostet. Dennoch macht es mich natürlich irgendwie neugierig…

Es handelt sich um ein Stückchen Draht, der auf meinem Nachtschrank liegt. Weiter nichts. Ist er nur verbogen oder gezielt in diese Form gebracht worden? Mit etwas Fantasie ähnelt es einem Herzen.

Es ist staubig und Staub liegt darum herum. Also muss das Herz schon etwas länger dort liegen. Aber: warum ist es mir nicht vorher aufgefallen? Hat es meine Frau mit verstecktem Hinweis dort qualifiziert deponiert? Wollte mir meine Tochter eine Botschaft schicken oder gar mein Sohn? Manchmal dauert es, bis nonverbale Aufmerksamkeiten gehört werden.

Ich mache mir das Herz zu eigen. Bald darauf säge, glätte und poliere ich ein besonders markantes Stückchen Lindenholz und befestige mein schmuckloses Herz daran. Es bedarf mehrerer Versuche beide Teile so zu verbinden, dass sie zu Einem werden. Das Ergebnis ist alles andere als unscheinbar oder schmucklos. Zumindest in meinen Augen.

Als meine Familie einmal ausgeflogen ist hänge ich das neue Kunstobjekt in den Flur. Es macht sich gut dort. Ich bin stolz. Als sie zurückkommen sage ich nichts. Schließlich lag das Herz auch plötzlich ohne ein Wort an meinem Bett.

Beiläufig und unvermittelt sagt meine Frau einige Tage später nur das eine Wort: „Schön“. Ich weiß sofort wovon sie spricht. „Also von Dir?“ frage ich sie. „Ja, Du warst so traurig, damals.“

Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben. Sprüche 4:23

Gunner Linde-Göers, Stifts-Kirchengemeinde

Waren Sie schon im Urlaub?

Hatten Sie Zeit für sich, für die Familie oder als Paar?

Mehr Zeit zu zweit kann – ohne die Ablenkung und Geschäftigkeit des Alltags - zu mehr Reibereien führen. Und es kann auch mehr entspannte Zeit geben, Zeit für die Beziehung, in der die eigene Aufmerksamkeit dem andern gerne gegeben wird, Zeit, in der spontan nach Lust und Laune und Wetter entschieden wird, wie man den Tag miteinander oder getrennt voneinander verbringt … mit Freiraum, Sonne, gutem Essen, chillen oder Aktion…

Und: Tanzen Sie? Tango? Oder kennen Sie den Tango Argentino, diese spezielle Form des Tangos, in der nicht festgelegte Schrittfolgen miteinander getanzt werden, sondern in der spontan entschieden und improvisiert wird? Wie im Urlaub? Der Tango wird vom Mann entwickelt, je nach Charakter der Musik und die Frau nimmt seine Impulse wahr, und je nach Tagesform, Temperament und Können wird der Tango einfacher oder aufwendiger getanzt. Kein Tango gleicht dem anderen. Manchmal harmoniert es besser, manchmal ist es nicht so einfach, aufmerksam für die Impulse des anderen zu sein und gemeinsam eine Form zu finden. Der Schriftsteller Jorge L Borges hat einmal geschrieben: „Tango ist … die Überzeugung, dass ein Streit auch ein Genuss sein kann.“ Tango ist auf jeden Fall Begegnung und ich wünsche Ihnen, dass Sie im Urlaub und danach hierfür immer wieder genug Zeit finden und sie sich füreinander nehmen.

Dem Kirchenvater Augustin wird ein recht bekannter Satz über das Tanzen im Himmel zugeschrieben: „Mensch, lerne tanzen, denn sonst wissen die Engel im Himmel mit Dir nichts anzufangen.“ Ich jedenfalls kann das Tanzen gut als Symbol für die „Hingabe an das Leben“ verstehen. Und empfehle es Ihnen!

 

Christine Koch-Brinkmann, Leiterin der Lebensberatung der Kirchenkreise Grafschaft Schaumburg und Neustadt-Wunstorf für Einzelne, Paare, Familien und Supervision

Das Ensemble für die Abendmusik wird vorgestellt: ein Cello, um mit dem optisch größten Instrument zu beginnen, eine Bratsche, eine zweite und eine erste Geige. Alle Damen, denn es handelt sich um Musikerinnen, sind hübsch anzuschauen. Dem Thema gemäß – Lateinamerikanische Rhythmen – haben sie sich in rot und schwarz gewandet. Das Konzert kann beginnen. Die Spielerinnen sehen sich an, die Instrumente werden in Position gebracht, die Bögen angesetzt, ein kurzes Kopfnicken und der erste Ton erklingt. Nun sollte man landläufig meinen, den Vortritt hätte die erste Geige, aber weit gefehlt. Das Cello hat übernommen, das Instrument mit der tiefsten Stimme im Ensemble. Mit energischem Bogenstrich bringt die junge Dame die Saiten zum Klingen. Sie führt nicht nur die Titel-Melodie in diesem Tango, sondern unterstreicht auch den eigenwilligen Rhythmus des Stückes. Ähnlich geht es weiter: einmal ist die Bratsche vorn, mal die Geige, mal  ist das Cello tonangebend. Nur in einem Stück spielt die Erste Geige tatsächlich die erste Geige. Jesus sagt: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein“ (Mk 10,43). So ist die erste Geige zwar unersetzlich im Orchester, aber eben nicht die größte Stimme.

Insgesamt stellt sich in dem Konzert ein Wohlklang ein, der die Zuhörenden die Spitzenposition einer Konzertmeisterin, der ersten Geige, vergessen lässt. Die Musikantinnen verstehen sich, und auch ihre Instrumente verstehen sich und können so zu einem vertrauten Miteinander finden. Das erinnert mich an Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Korinth:  „Es gibt zwar verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist. Es gibt verschiedene Aufgaben, aber es ist immer derselbe Herr. Es gibt verschiedene Wunderkräfte, aber es ist immer derselbe Gott. Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.“ (1. Kor. 12) So funktioniert auch das Zusammenleben in der Familie, in der Kirche, in Stadt und Land, in Europa, auf der Welt. Nur im Miteinander ist ein gedeihliches Konzert möglich.

Helga Kaiser, Prädikantin

Sommerregen Freude oder 'früher war alles besser'? Was ist nur wieder mit diesem Sommer und unserem Wetter los? Platz- oder trüber Dauerregen anstatt wolkenloser Himmel und das nur allzu häufig. Filmnachmittage anstatt Grillen auf der Terrasse bei die Woche 90% Regenwahrscheinlich-keit. Mancher Orte die Waldbrände, die sich nur schwer unter Kontrolle bringen lassen und in unseren Breitengraden, in unserer Region so viel Regen, dass der Boden das viele Wasser gar nicht mehr aufnehmen kann.

Sommerregen Freude also trotz Gummistiefel und überschwemmter Keller? Eines muss man dem Regen lassen. Er ist zwar nass, aber er ist nicht so kühl wie im Herbst. Ein schwacher Trost?! Kurt Rose dichtete 1989 dazu:

Schreib einen Brief der Liebe, kauf' einen Luftballon,

lauf' durch die mondhelle Brandung, schminke den öden Beton …

Bau' mit dem Kind ein Brücklein, male ein Demoplakat!

Gib dem Kranken ein Süpplein, sä' an der Ampel Spinat …

Lege im Hof einen Teich an, lerne ein Abendgedicht,

pflanz' einen Baum vor dem Panzer, nimm dem Hauptmann die Sicht.

Sommerregen Freude, Herzwind Ruh'

Länder, Länder, Straßen, ich und du.

Sommerregen Freude – der Sommer ist für mich die Jahreszeit, zu der die Siesta gehört. Eine Zeit, in der die Winde im Herzen sich legen; ich es mir bei Zeiten, wie die Cowboys in den Filmen, bequem mache, um mir mit einem lässigen Griff den Hut über die Augen zu legen. Nach den Frühlingsgefühlen ist der Sommer auch die Zeit, einfach einmal verrückte Dinge zu tun. Und so lege ich mich, sobald die Wolkendecke aufreißt, auf die Wiese und träume: „Jonny, give peace a chance!“

Sommerregen Freude – sich nicht die Laune verderben lassen; ist es doch genug, dass ein Teil der Ernte verregnet. Sommerregen Freude – das Beste aus der Situation machen, auch wenn die Sommer früher wohl sonniger, wärmer und überhaupt und alles in allem beständiger waren.

Sommerregen Freude und Gott befohlen!

Ihre Vikarin in Kolenfeld, Kerstin Wackerbarth

Wer reist, kann etwas erleben. Immer mehr unserer Bekannten kehren aus einem erholsamen Urlaub zurück. Voller Begeisterung erzählen sie von den Erlebnissen. Von schönen Stränden, einsamen Flüssen, weiten Wäldern. Viele erzählen mir von der Pracht und Schönheit der besuchten Kirchen. Besonders in Erinnerung aber bleiben die Begegnungen mit Menschen. Gerade da, wo man die Hotels und Pensionen verlässt und etwas tiefer in die besuchten Länder eintaucht, fällt die Herzlichkeit der Menschen auf.

Mir ist das zuletzt während der Jugendfreizeit in Norwegen und Schweden so gegangen. Ich hatte den Bus mit dem großen Anhänger voller Boote am Straßenrand einer einsamen Waldstraße geparkt und war zu Fuß unterwegs, um einen geeigneten Zeltplatz für die Nacht und einen Einsatzpunkt in den Fluss zu erkunden. Neben mir hält ein Auto und ein älterer Herr spricht mich auf norwegisch an. Ich verstehe nur wenig von dem, was er sagt. Bald aber ist er klar, er hat die Gruppe Jugendlicher am Auto gesehen und lädt uns ein, an seinem Haus zu zelten und einzusetzen. Er sei immer so alleine dort. Ich bin überrascht - wer traut sich bei uns einem Fremden, auf die Nase zu binden, dass man in einem einsam stehenden Haus allein ist?

Einige Tage später stehen unsere Zelte um Flussufer vor einem Wäldchen. Am Ufer ist ein schmaler Streifen gemäht. Wenig später erscheint ein Herr mittleren Alters auf einem Rasentrecker, um den Streifen zu verbreitern. In Schweden gibt es kaum öffentliches Land. Wir zelten sozusagen in seinem Vorgarten, auch wenn das Haus fast einem Kilometer hinter dem Wald steht. Ich mache mich aufs Einpacken und Weiterpaddeln gefasst und spreche ihn freundlich an. „Was für einen herrlichen Platz zum Zelten ihr gefunden habt. Herzlich willkommen in Schweden!, so seine Antwort“

„Übt Gastfreundschaft!“ schreibt Paulus im Brief an die Römer. „Überwindet das Böse dieser Welt dadurch, dass ihr Gutes tut.“  Ich hoffe, dass viele von Ihnen ähnlich gute Erfahrungen sammeln konnten. Noch mehr wünsche ich den Menschen, die uns besuchen, dass sie auch an unseren Türen willkommen geheißen werden.

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf

 

Gleich zu Beginn der Ferien waren wir mit 46 Kindern auf Freizeiten. Davon gehörten 20 zur Freizeit der zehn bis dreizehn jährigen Kinder. Der Abendabschluss war ein fester Programmpunkt im Tagesablauf. Jeden Abend saß die Gruppe im Kreis, es wurde mit einander gesungen und jeder durfte an Hand von verschiedenen farbigen Steinen zeigen und erzählen wie der Tag war: die grünen Steine standen für die tollen Erlebnisse, die gelben dafür wenn etwas eher mittelmäßig war und rot wenn man etwas ganz negativ erlebt hat. Es war spannend zu sehen was von den Einzelnen mit grün, gelb oder rot bewertet wurde. Auf diese Weise hatte jeder die Gelegenheit den Tag noch einmal kurz an sich vorüber ziehen zu lassen und sich auszutauschen welchen Wert das Erlebte hatte.

Können sie sich im Alltag auch so einen „Abendabschluss“, lassen sie den Tag noch einmal an sich vorüberziehen? Gibt es den Moment wo sie lächeln über das tolle Wetter, die netten Kollegen am Arbeitsplatz, das Erfolgserlebnis im Sport? Oder vielleicht auch festzustellen, dass ein Missverständnis mit einem Freund sich in einem Gespräch nicht klären ließ, die  Waschmaschine jetzt kaputt und die Rücklagen aber schon für die neuen Sommerreifen verbraucht wurden oder sie selbst nicht mehr wissen, worum es heute Morgen in der hitzigen Diskussion mit dem Partner eigentlich ging?

Die Kinder auf der Freizeit habe mir persönlich gezeigt wie gut es tut am Ende des Tages noch einmal inne zu halten und den Tag Revue passieren zu lassen. Nachzudenken wofür ich heute Gott danken kann, weil mich das Erlebte zum Lachen bringt. Oder auch zu merken, da ist ein Konflikt noch nicht ausgestanden und noch ein Gespräch fällig, weil der andere mir wichtig ist und ich das Problem nicht einfach nur aussitzen möchte. Sich Zeit und Ruhe gönnen, eben auch nicht alles als selbstverständlich hin zu nehmen, bewusster zu leben und auch mein eigenes Verhalten überdenken zu können. Es kostet nicht viel Zeit am Abend den Tag auf diese Weise abzuschließen. Dafür bleiben aber die kleinen, schönen Momente länger in Erinnerung und ich merke wo ich selbst noch einmal das Gespräch suchen muss, um ein Problem aus der Welt zu schaffen. In der Abendandacht haben die Kinder viel von ihrem Erlebten noch einmal in einem Gebet zusammengefasst, positives wie negatives. Auch diese Möglichkeit steht jedem Menschen offen, das Gespräch mit Gott zu suchen und ihm ganz einfach zu erzählen „Was für ein Tag…“.

Beate Degener, Diakonin und Kreisjugendwartin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Zuerst steckten sie nur ihr Köpfchen heraus, betrachteten eine Weile die Welt, die sich ihnen da auftat, erblickten zum ersten Mal das Grün der Wiese, die bunten Blumen, das Wogen der Zweige im Wind, das Blau des Himmels…. Und dann schlüpften sie heraus, flogen davon in das Neue, Unbekannte. So verließen nach und nach fünf kleine Blaumeisen das Dunkel ihrer Nisthöhle in meinem Garten.

Zum ersten Mal. Bei kleinen Kindern kann man beobachten, wie sie etwas zum ersten Mal entdecken: den Grashalm in ihrer Hand, den Käfer im Gras - und wie sie voller Staunen betrachten und schauen.

Für uns Erwachsene könnte es ein spannendes Spiel mit uns selbst werden:

Stellen Sie sich vor, Sie sehen alles zum ersten Mal. Stellen Sie sich vor, Sie lassen all die gewohnte Routine und alle Erfahrungen hinter sich. Sie öffnen die Tür an einem nach Sommer duftenden Sonnentag, blinzeln und schnuppern und entdecken draußen alles zum ersten Mal: die blühenden Hortensien vor dem Fenster, den flatternden Zitronenfalter, die weißen Wolken, die am Himmel vorbeisegeln, die sommerlichen Lichtpunkte, die in den Zweigen der großen Birke tanzen. Und du staunst und siehst: Gottes Welt ist schön.

So muss es dem Psalmbeter gegangen sein, als er in dem Psalm 104 sein Loblied auf Gott und die Schöpfung sang: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ Und er schließt: „Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!“

In der Fülle des Sommers Gott loben und danken! Stell dir vor, dir gehen die Augen über vor Staunen über eine wunderbare Schöpfung, und du hast keinen Moment Anlass, an der Existenz Gottes zu zweifeln.

Und auch wer in dieser Ferienzeit verreist ist und über die unendliche Weite des Meeres oder auf die majestätisch hohen Berge schaut, kann dann vielleicht einstimmen:

Gott, deine Werke sind groß,

wir staunen über deine Wunder,

von deinem Segen leben wir,

Gott, wir danken dir.

 

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf

Wann sie mit den Vorbereitungen begonnen haben, ist nicht bekannt. Wie viele Menschen involviert waren, um die Feierlichkeiten bis ins letzte Detail zu planen, hat niemand gezählt. Wer selbst einmal in Hochzeitsvorbereitungen eingebunden war, ahnt, wie viel Mühe und Zeit investiert werden, bevor die ersten Gäste eintreffen, die Feier beginnt.

Doch die verheißungsvoll beginnende Fest-Geschichte, die Jesus erzählt, mündet schnell in eine große Enttäuschung. Während aus den Küchen das Geklapper der letzten Handgriffe zu vernehmen ist, überbringen Boten schlechte Nachrichten: Die Gäste, die Tage vorher zugesagt hatten, werden nicht kommen. Sie ziehen es jetzt vor, ihre Neuerwerbungen zu besichtigen oder die eigene Hochzeit zu feiern. Solch eine Brüskierung des Gastgebers allein würde schon Schlagzeilen machen. Doch seine Reaktion ist noch skandalöser: Der Hausherr lässt Arme und Behinderte, Böse und Gute holen. Immer wieder schickt er Boten aus, damit jeder Platz besetzt ist und das Fest beginnen kann. Das Gleichnis vom großen Abendmahl – so der Evangelist Lukas (Lk 14,16-24) – ist in der Überlieferung des Matthäus (Mt 22,1-14) zur königlichen Hochzeit gesteigert. Die verständliche Enttäuschung des gekränkten Königs wird drastischer geschildert: Er zeigt sich durch Rachefeldzüge auch als Despot. Gäste in unpassender Kleidung werden vor die Tür gesetzt. Niemand soll sich zu sicher fühlen, dabei sein zu dürfen; zu hoch war der Preis, dieses Fest überhaupt ausrichten zu können. Welch ein Wechselbad der Gefühle!

Trotzdem ist das Gleichnis vom Hochzeits-Fest, zu dem eine unerwartet bunte Gesellschaft eintrifft, zum Hoffnungsbild des christlichen Glaubens geworden. Wer es selbst ausprobiert hat und mit erst völlig Fremden dann fröhlich gefeiert hat, hat einen Vorgeschmack auf das bekommen, was uns eines Tages in Vollkommenheit erwartet, denn: Alles ist bereit! Darin sind sich Lukas und Matthäus einig.

Überraschend fröhliche Feste mit interessanten Gästen wünscht Ihnen

Ihre Dr. Vera Christina Pabst, Pastorin in Bokeloh und Wunstorf

Was für eine Frage! Wer etwas erreichen will, kann doch nicht zufrieden sein! Unzufriedenheit ist eine Triebfeder unserer Leistungsgesellschaft. Denn wer zufrieden ist, muss seine Leistung nicht weiter steigern. Aber die Leistung soll doch immer weiter gesteigert werden oder nicht? Und wer zufrieden ist, könnte keine großen Wünsche mehr haben, muss nicht noch mehr konsumieren. Werbung würde dann ins Leere laufen. Wer alles hat, was für das eigene Leben wichtig ist, muss nicht das kaufen, was gerade „in“ ist.

Im Blick auf Herausforderungen in unserer Gesellschaft kann niemand zufrieden sein. Engagierte Menschen können Veränderungen bewirken. Dabei ist niemand von uns in der Lage, die (ganze) Welt zu retten – wir können uns nur in dem Maße einsetzen, wie es uns möglich ist.

Und trotzdem ist die Frage berechtigt: dürfen wir zufrieden sein?

Ich meine: ja, wir dürfen zufrieden sein. Zumindest wenn wir haben, was wir zum Leben brauchen – und davon haben die meisten von uns genug. Und dann wäre Zufriedenheit zutiefst sinnvoll: der Drang, immer noch mehr anzustreben, wäre nicht mehr da. Und wer in dieser Weise zufrieden ist, kann in sich selbst ruhen, und vielleicht auch in Gott.

In den Psalmen, dem Liederbuch des Alten Testaments, findet sich ein Aufruf, zufrieden zu leben, weil Gott sorgt: „Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der HERR tut dir Gutes.“ (Psalm 116, 7).

Das Gute in Gott suchen und entdecken, kann helfen, innere Zufriedenheit zu finden.

So können wir auch zu neuer Motivation und Kraft kommen, um uns für nötige Veränderungen einsetzen und Probleme anpacken können. Zufrieden werden bedeutet schließlich nicht, seinen Egoismus zu pflegen, sondern einen inneren Ruhepunkt zu finden. Die gerade begonnenen Sommerferien sind eine gute Möglichkeit, Zufriedenheit zu suchen und einzuüben.

 

Das wünscht Ihnen Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Es gibt viele Türen: Der Großteil davon wird jeden Tag ein paarmal benutzt. Ebenso die Schlüssel, die dazu gehören. Es gibt auch Türen, die sind so fest verschlossen, als wären sie seit Jahren nicht mehr geöffnet worden. Als wäre der passende Schlüssel nicht mehr vorhanden. Wo aber Türen einladend offen stehen, können sich Menschen begegnen. Und wenn die „Tür“ zwischen zwei Menschen offen ist, kann echte Begegnung stattfinden. Doch manchmal fallen Türen zwischen Menschen ins Schloss. Die Menschen verschließen sich voreinander, finden keinen Zugang mehr zueinander. Begegnung findet nicht mehr statt. Der „Schlüssel“ passt nicht mehr, die Tür lässt sich nicht mehr öffnen. Vielleicht will man sie gar nicht mehr öffnen oder manch einer merkt es gar nicht, dass er eine Tür zugeknallt hat. Traurig ist es dann, wenn niemand versucht, die zugeschlagene Tür wieder einladend zu öffnen. Wenn keiner versucht eine Begegnung zu ermöglichen.

Aber nicht nur zwischen Menschen können Türen zufallen, sondern auch zwischen Gott und uns Menschen. Bei ihrer Konfirmation bekräftigen  Konfirmanden das Versprechen, das ihre Eltern und Paten bei ihrer Taufe gegeben hatten. Sie sagen „Ja“ zu einem Leben mit Gott. Nichtsdestotrotz  fällt für viele danach die Tür zu Gott ins Schloss. Sie finden keinen Zugang mehr zu ihm, halten die Verbindung mit ihm für überholt. Sozusagen nicht mehr zeitgemäß. Manchmal  - nach Jahren -  merkt manch einer, dass da eine Tür zu Gott ist, eine Tür die man selbst öffnen kann. Zu der sie selbst den Schlüssel haben. Dieser Schlüssel heißt Vertrauen, Vertrauen in Gott, der uns auf allen Wegen unseres Lebens begleitet. Auch wenn wir es oft nicht wahrnehmen. Mit diesem Schlüssel des Vertrauens kann die Tür zu Gott wieder geöffnet werden. Gott schlägt keine Tür zu. Und mit dem Schlüssel des Vertrauens kann auch die Tür zu anderen Menschen wieder geöffnet werden.

Jeder Tag bietet die neue Chance, nach den Schlüsseln für die ins Schloss gefallenen und somit verschlossenen Türen zu suchen. Ein solcher Schlüssel kann die Bereitschaft zur Vergebung sein, kann neues Vertrauen, ein Lächeln, ein klärendes Wort sein. Und ein Gebet, ein Gespräch mit Gott.

Marlene Richter, Prädikantin, Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

In dieser Woche und erst Recht heute, am Sonnabend, müsste man es eigentlich spüren: die Kirchen müssten herausgeputzt sein, die Kirchenvorsteher und Ältesten müssten bei Prozessionen anzutreffen sein, die Pastoren und Bischöfe müssten, mit aufgekrempelten Ärmeln, die Kirchenräume noch einmal durchputzen, Plakate müssten aufgehängt, flammende Reden zur Zukunft der Kirche gehalten werden, Diskussionsgruppen aller Altersstufen müssten über die Zukunft ihrer Gemeinden diskutieren, Jugendgruppen müssten Pläne schmieden, um sich vorzubereiten auf die baldige Übernahme der Verantwortung in ihrer Kirche …

Warum? Nun, am Sonntag wird Trinitatis gefeiert. Der lateinische Name lässt die Bedeutung nur schwer erkennen: das Fest der Dreieinigkeit. Was damit gemeint ist, wird im Vergleich zu den großen Kirchenfesten gern unterschätzt. Mit dem Trinitatissonntag beginnt nämlich das sogenannte Halbjahr der Kirche. Weihnachten kommt Gott auf die Erde, uns nah und erkennbar. Ostern überwindet er den Tod und macht mutig gegen alles Todbringende und Angstmachende auf der Welt und Pfingsten schüttet er seinen Geist auf die aus, die in diesem Geist leben und wirken wollen. Von Weihnachten bis Pfingsten - das nennt man das Halbjahr des Herrn - macht Gott sich der Welt bekannt, sagt wer er ist, was er will und wovon wir leben können. Danach, also ab Trinitatis, gilt: Selber machen! Es ist ein bisschen so, wie mit dieser Baumarktwerbung: Respekt wer’s selber macht! Die Kirche soll von diesem Wochenende an sich selbst ausprobieren, soll reden und handeln, wie Gott gehandelt hat. Sie hat sein Wort, seine Macht, seinen Geist.

Tut sie das? Eine kleine Gruppe von Verantwortlichen tut es. Sie denkt, plant, organisiert und arbeitet eigenverantwortlich, manchmal begeistert, manchmal mit Mühe. Aber beim Blick auf die ganze Gemeinde habe ich oft den Eindruck, dass Menschen sich den Glauben, das Angebot der Gruppen und Kreise eher vorsetzen lassen wie eine Mahlzeit, die andere gekocht haben.

So ist aber Kirche nicht gedacht. Dafür hätte sich keiner ans Kreuz nageln lassen müssen.

Ich stelle mir vor, dass Gott freundlich auf die herab sieht, die in seinem Sinn einfach loslegen und höre ihn allen mutigen und fleißigen Verantwortlichen seiner Kirche zuflüstern: „Respekt, wer’s selber macht!“

Pastor Axel Sandrock, Hagenburg

Liebe Leserinnen und Leser,

jedes Jahr zu meinem Geburtstag erzählen mir meine Eltern, wie sie begonnen hat, meine Geschichte hier auf Erden. Da fallen so Sätze wie: „Jetzt sind wir ins Krankenhaus gefahren.“ Oder „Weißt Du noch, wie lange wir spazieren gegangen sind? Die Flure rauf und runter.“ Aber irgendwann – und besonders als Teenager habe ich diesen Zeitpunkt sehr herbeigesehnt - heißt es dann: „Jetzt warst du da. Herzlichen Glückwunsch!“ 

Wenn wir Geburtstag feiern, dann feiern wir den Tag, an dem unser Leben begonnen hat. Der Tag an dem es los ging, mit unserer Geschichte hier auf Erden. Auch die christliche Kirche hat einen solchen Geburtstag, an dem ihre Geschichte begann. Jedes Jahr an Pfingsten feiern wir ihn.

Es ist eine Geburtstagsfeier ohne Torte und Geschenke, aber dafür mit viel Musik und festlichem Rahmen in unseren Gottesdiensten. Auch wir erinnern uns gerne an das, was damals geschah und erzählen die Geschichte dieser ganz besonderen Geburt:

Die Jünger Jesu warten in Jerusalem. Sie wissen nicht genau, was da auf sie zukommt, noch wann es los gehen wird. So üben sie sich in Geduld und laufen die Straßen Jerusalems auf und ab. Der Geist Gottes wird kommen, soviel hatte ihnen Jesus noch verraten, bevor er in den Himmel aufgefahren war. Er soll sie für ihre neue Aufgabe bereitmachen, in aller Welt die frohe Botschaft von Jesu Sieg über den Tod zu verkünden. Und dann, endlich, als alle zusammensitzen, geht es los. „Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.“ (Apostelgeschichte 2,2-4; Neue Genfer Übersetzung)

Das berichtet die Apostelgeschichte über die Geburt der Kirche. Sie kam in die Welt, indem Gott seinen Geist zu den Jüngern schickte, so dass das Wort sich ausbreiten konnte. Die frohe Kunde ging von Jerusalem hinaus in alle Welt. Und so lebt die Kirche seitdem als ein Ort, an dem die frohe Botschaft weitergegeben und gelebt wird. Nicht nur hier in Wunstorf, sondern überall auf dieser Welt. Und auch nach fast 2000 lebt sie mit jeder und jedem von uns weiter. Jedes Jahr und jeden Tag aufs Neue – eine ganz eigene Geschichte, die es sich lohnt, immer wieder zu erzählen.

Pastorin Marit Ritzenhoff

Jedes Jahr wenn sich der Frühling breit macht, dann ist sie wieder da, die große Frage: „Ob ich wohl dieses Mal einen Maikäfer entdecke?“ In Kindestagen, da ließen sich die „Burschen“ ja fast gar nicht blicken. Nur die Alten erzählten von Maikäferplagen vergangener Tage. In den zurückliegenden Jahren tut sich nun aber was. Wohl nicht in jedem Frühling, jedoch immer häufiger entdecke ich welche. Manch einen finde ich nur noch erdrückt auf Straße und Bürgersteig. Um so größer ist dann meine Begeisterung, wenn tatsächlich so ein „Geselle“ brummend an mir vorbeischwebt.
Vier Jahre brauchen sie unter der Erde, um dann das Licht der Welt zu erblicken. Und nur vier Wochen später ist es um sie geschehen. Was für ein Aufwand - wie viel Energie und Vorbereitungszeit um grade mal vier Wochen so etwas wie „Insektenkönig der Lüfte“ zu sein! Aber während ich das schreibe, denke ich: So ganz anders ticken wir Menschen auch nicht. Ganz abgesehen von der langen Vorbereitungszeit, die wir brauchen, um Schule, Berufsausbildung oder Studium zu einem krönenden Abschluss zu bringen: Wie oft schlummern auch sonst Ideen, Hoffnungen, große und kleine Ziele über Jahre hinweg in uns, gären so vor sich hin und absorbieren zwischenzeitlich eine Menge Energie. Und längst nicht alles was wir so erwartungsvoll aushecken erweist sich dann im Nachhinein als so genial, wie wir uns das vorher versprochen haben – manches verliert relativ schnell seinen Glanz, anderes ist gar nicht erst lebensfähig. Aber neben all dem, was da glanzlos am Boden liegen bleiben mag, brummt dann doch der ein oder andere „Geselle“ an uns vorbei und begeistert uns – gelingt uns das ein oder andere unserer Ziele recht gut und erfreut je länger desto mehr das Herz.
Ich mag an dieser Stelle das Gebet des König Davids (Psalm 139,23-24), der mit einer gesunden Skepsis sich selbst und den eigenen Vorstellungen und Plänen gegenüber die Worte spricht: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich´s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege.“

Pastor Claus Carsten Möller, St. Johannes Wunstorf

 

Vier Tage war ich gerade zu Gast bei den Schwestern der 'Communität Kloster Wülfinghausen'. Das Leben dort ist klar strukturiert: Im Kloster geben Gebete zu festen Zeiten jeden Tag einen klaren Rhythmus; liturgische Gesänge verleihen diesen Gebeten einen besonderen Charakter. Gebete und Gesänge schaffen wiederum den Rahmen für den Inhalt der Tage: sich im Stillsein zu üben, in sich hinein zu hören, sich Gott zu öffnen und das eigene Leben betend vor Gott zu bringen.
Stille, das ist für mich eine Herausforderung, ganz klar. Gefühlt bin ich ständig am Reden, stehe laufend im Kontakt mit anderen per Telefon, Mail, Whats-App. "Stille ist mehr als nicht zu reden," sagen die Schwestern. "Stille ist schweigen und sich ganz auf sich und auf Gott zu konzentrieren." Deshalb sei es wichtig, alle Außenreize abzustellen.
Diese Stille musste ich erst mal für mich ermöglichen. Zuerst landeten mitgebrachte Bücher im Koffer, danach habe ich das Handy ausgestellt.
Als zweites habe ich nicht mehr mit den anderen Gästen geredet, außer zu den dazu verabredeten Zeiten, und mich auf das eingelassen, was in der Stille geschieht.
Für mich war das eine facettenreiche Erfahrung: Entlastend war es, nicht im ständigen Austausch sein zu müssen, nicht immer neue Infos zu hören und zu verarbeiten. Stattdessen konnte ich einfach nur da sein, einfach schmecken, sehen, riechen, fühlen. Bereichernd war es, den Gesang der Amsel, den Duft des Flieders, den Geschmack des Croissants intensiver wahrzunehmen. Wohltuend und heilsam war es, zur Ruhe zu kommen, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen aufsteigen zu lassen und das alles im Gebet vor Gott zu bringen: als Klage oder Bitte, als Dank oder Lob. Dazu beigetragen haben auch die biblischen Impulse und Gespräche mit den Schwestern.
Vier Tage in der Stille, das ist eine intensives Erlebnis. Es lohnt, sich darauf einzulassen.
Dazu gibt es in Wülfinghausen zahlreiche Angebote, zu finden sind sie unter www.kloster-wuelfinghausen.de.
Vielleicht ist ja etwas für Sie dabei.

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Stefan KrügerLautet das Sprichwort nicht „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?“ Den gewohnten Wortlaut des von Erwachsenen abgenutzten und von Jugendlichen wohl kaum geliebten Spruchs, kann man einfach ändern und so vielleicht für eine alternative Alltags-Haltung sorgen. Wenn wir doch einfach „nur“ die Einstellung vertreten würden, dass das Vertrauen bei jungen Menschen und auch in den Beziehungen zwischen Erwachsenen eine wichtigere Rolle spielt als die gegenseitige Kontrolle. Vertrauen ist besser!

Menschliches Miteinander beruht auf Vertrauen. Das fängt in der Familie an, setzt sich unter Freunden, Nachbarn und Bekannten fort und endet beim Zusammenleben in Stadt und Land. Ohne Vertrauen ist kein Miteinander möglich. Und je mehr Misstrauen unseren Alltag bestimmt, umso mehr wird Vertrauen zum gefragten und kostbaren Gut.

Dem Arzt Vertrauen schenken, dass er die richtige Diagnose stellt, den Rettungskräften vertrauen, wenn sie helfen wollen, den Polizisten vertrauen, wenn sie schützen wollen. Der Lehrerin das Kind anvertrauen, der Nachbarin den Schlüssel zur Wohnung.

Einfach so, ohne Kontrolle. Das ist zu schwierig? Sie haben zu viel Enttäuschung erlebt?

Frère Roger, Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, schrieb einmal: „Das Vertrauen ist der Anfang aller Dinge.“  Seien Sie also mutig und wagen Sie wieder einmal Vertrauen. So kann manche Beziehung wieder neu begonnen werden.

Jesus hat schon zu seinen Lebzeiten auf Erden neues Leben in die Beziehungen von Menschen gebracht. Sein bevorzugtes Mittel dafür war das Vertrauen, das er Gott und Menschen entgegenbrachte. „Glaube“ sagte er zu dem Kranken, „und du wirst leben.“ Zu Petrus sagt er nur “Komm“ und solange Petrus vertraute, ging er nicht unter. Sein Zweifel ließ ihn erst die vielen Wellen im Leben sehen, der Sturm der Entrüstung über naives Gottvertrauen im Ohr, verstellte ihm den Blick auf Jesus. Und er wird doch gerettet, weil Jesus ihn sieht, ihm nahe ist.  Glauben heißt Vertrauen und bedeutet, dem Guten eine Chance zu geben.

Schenken Sie den Menschen in Ihrer Umgebung, so weit möglich, Vertrauen. Schütteln Sie Hände, üben Sie Gastfreundschaft. Suchen Sie das offene Gespräch, hören Sie zu. Machen Sie deutlich, dass Ihr Gegenüber Ihnen vertrauen kann, zeigen Sie so, dass echte Gemeinschaft gelingen kann. Vertrauen ist besser- für uns alle.

Von Diakon Stefan Krüger, Wunstorf

... und das nicht nur im Ostergottesdienst! Der liegt zwar schon länger hinter uns, aber mich interessierte, wie es zu dem Osterlachen kam, von dessen vereinzeltem Aufleben in Gemeinden ich gelesen hatte: Im 14.Jahrh. ging es los und war bis ins 19.Jahrh. weit verbreitet am Ostersonntag. Luther tat es als albernes Getue ab, und es war ihm ein Dorn im Auge, wenn die Pastoren auf der Kanzel Handstand machten, Grimassen zogen, zweideutige Witze erzählten, wie Gänse schnatterten oder immer Kuckuck schrien. Oft beförderten sie auch laut gackernd ein Ei unter ihrem Talar hervor oder krochen auf allen Vieren quiekend durch die Kirche.

Er lehnte nur diese Auswüchse ab, Humor im Gottesdienst aber nicht: „Wenn Gott keinen Spaß verstünde, so möchte ich nicht im Himmel sein.“

Aber was sollte das Osterlachen eigentlich bewirken ? Der Grundgedanke war : Die Erlösung durch die Auferstehung Christi betrifft den Menschen mit Leib und Seele. Die Osterfreude soll zum Ausdruck gebracht werden. Es symbolisiert den Sieg über den Tod. Ich fand eine Erklärung des Tübinger Theologen Kuschel : Die Auferstehung Christi lässt sich als Gottes Gelächter über den Tod verstehen. Liturgie und Lachen müssen sich keinesfalls ausschließen. Er bedauert, dass kirchl. Autoritäten heute in vielen Fragen oft nicht den geringsten Spaß verstehen und unter Christen mehr gezittert und gezetert als gelacht wird.

Dabei spricht Jesus für den Himmel in Luk.6, 21 „Ihr werdet lachen“

Aufklärung und Rationalismus verbannten sogar in manchen Gegenden schon ab 18.Jahrh. solche ganzheitliche Osterfreude aus der Kirche. Sie klingt aber heute noch in einigen Psalmen und Chorälen an. „Da wird unser Mund voll Lachens sein und unsere Zunge voll Rühmens oder im Lied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“, im 5. Vers „Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn…“ Natürlich bin ich bei meinen Erkundungen auf Witze gestoßen, die auf der Kanzel erzählt wurden, wie z.B: Über dem Portal einer großen Kirche steht „Das ist Gottes Haus, die Tür zum Himmel“- an der Tür „Während der kalten Jahreszeit bleibt diese Tür geschlossen.“

Ein Student, 1.Sem. im Predigtnachgespräch, hart diskutiert „Ob es die Auferstehung wirklich gibt, Herr Pfarrer, werden wir hier nicht entscheiden. Also sterben wir erstmal, und reden dann weiter.“

Im Examen sitzt ein ziemlich hoffnungsloser Fall, zus. gesunken vorm Prof. „Sie wissen ja überhaupt nichts - Können Sie wenigstens einen einzigen Satz aus dem NT auswendig ? Zaghaft „Ja: Doch Freuet euch in dem Herrn“-“Naja, und vielleicht noch einen anderen Satz ?“ Da strahlt der Kandidat „Und abermals sage ich, freuet euch.“-- Möge die Osterfreude uns immer begleiten!

Ursula Wiebe, Prädikantin

Als ob jemand die Welt retten könnte, mal eben im Vorübergehen. Aber die Tendenz ist da: das Leben ist grenzenlos. So sieht es jedenfalls aus, das ist ein Lebensgefühl in unserer Gesellschaft. Da wird maximaler Einsatz im Beruf erwartet. Überstunden sind selbstverständlich.  Oder da hat jemand viele hundert „FreundInnen“ bei Facebook und verbringt jeden Tag mehrere Stunden am Laptop, um Nachrichten und Mitteilungen zu lesen. Andere verhalten sich nicht nur sportlich, sondern betätigen sich beinahe grenzenlos im Sport, ohne Profi zu sein.

Unsere Welt ist grenzenlos geworden. Wir setzen alles ein für den Beruf, für die Familie, für die Freizeit, leben grenzenlos. Das kann durchaus lange Zeit funktionieren. Bis dann doch die eigenen Grenzen erreicht sind, bis Körper und Seele dieses grenzenlose Leben nicht mehr mitmachen. Hoffentlich geschieht das nicht in Form eines Zusammenbruches oder durch Depressionen, Notwendig ist eine massive Lebensänderung, nämlich durch das Wahrnehmen der eigenen Grenzen.

Denn wir haben Grenzen, jede und jeder von uns. Grenzen der Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Belastung. Diese können sehr verschieden sein.

Unser Leben kann eher gelingen, wenn es gelingt, die eigenen Grenzen anzuerkennen und mit ihnen zu leben. Das kann bedeuten, immer wieder bewusst Pausen einzulegen, Auszeiten zu planen oder kreativ tätig zu werden.

Übrigens: auch berühmte Männer und Frauen hatten und haben Grenzen. Sogar Jesus. Mitten im Trubel zog Jesus sich zum Gebet in die Einsamkeit zurück: „Und als Jesus sich von ihnen getrennt hatte, ging er hin auf einen Berg, um zu beten.“ (Lukas 6,46) Er leistete sich das, obwohl Menschen ihn suchten und von ihm Hilfe erwarteten.

Wenn Jesus solche Pausen nötig hatte und damit seine Grenzen beachtete, wieviel mehr gilt das dann  für uns!

Eine gute Woche wünscht Ihnen Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

 

 

Manchmal kommt er im Gespräch, manchmal unter der Dusche, manchmal in der Stille: Der Geistesblitz. Da ist sie, die Idee, etwas Neuartiges, etwas anders zu machen. Der Gedanke nimmt Formen an und wir immer präziser. Das ist noch nicht anstrengend, nur aufreibend. Das Anstrengende folgt erst noch: Anderen Menschen davon zu berichten, „Du, ich habe da eine Idee“. Das gibt es viele unterschiedliche Reaktionen, von „Ja, das hast Du recht“ bis „das klappt doch nie“. Das negative Feedback überwiegt meistens, aus ganz unterschiedlichen Gründen: Manch einer ärgert sich, nicht selber darauf gekommen zu sein, andere sehe ihre eigenen Grenzen zu eng und projizieren das auf den Ideengeber. Das schafft Frust, wenn die Idee totgeredet wird, bevor sie überhaupt ausprobiert wurde. Was ist denn möglich, was kann denn gelingen? In einem dörflich geprägten Umland von Wunstorf gibt es wenige Sponsoren und somit nicht so viel Anschubfinanzierung. Aber dafür viele Menschen, die selbstverständlich mit anpacken, die sehr hilfsbereit sind. Also: Warum nicht versuchen?  Was hält uns ab?

In der Bibel steht im Matthäusevangelium im 17. Kapitel: Jesus spricht: Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

Wie häufig haben wir das vergessen? Und dass, obwohl wir beim Osterfest letzte Woche genau an dieses Unmögliche, dass Berge und Steine versetzen kann, erinnert haben. Wie häufig zweifeln wir unseren Glauben und die Hilfe an? Der Versuch macht doch nach dem Volksmund klug. Der Glaube versetzt nicht nur Berge, sondern auch die eigenen Grenzen, Neues und Anderes erfolgreich auszuprobieren. Der christliche Glaube ist ein Glaube der Chancen und weniger der Risiken und das kann zu einer unheimlichen Stärkung der inneren Haltung verhelfen. Man sollte sich nur fernhalten von negativen Menschen: Die haben für jede Lösung ein Problem.

Jörg Mecke, Prädikant aus Idensen

„Nicht alle, die sterben, weinen, aber alle weinen, die geboren werden.“ Mit diesem sinnfälligen Satz versucht der Philosoph und Theologe Marsilio Ficinos im 15.Jahrhundert von Norditalien aus das dunkle Tor zum Mittelalter zuzustoßen. Endlich soll das Licht der Renaissance das Herz der Menschen erreichen. Die Seele des Menschen will er aufrichten. So wie es die zu Herzen gehenden Predigten Martin Luthers in Wittenberg bald vermochten. Man will das Mittelalter hinter sich lassen. Hatte es doch so viel Krieg, Angst, Pest und Gewalt über die Menschheit gebracht! Es hatte die Seelen verdunkelt. Die Welt sehnt sich nach Sinn und Schönheit. Ja, zu jedem Menschenleben gehört, dass uns auch Leid und Angst widerfährt. Schon zur Freude beim ersten Anblick eines Neugeborenen wird das Weinen des Kindes mitgeboren. Leben gibt es nicht ohne sein Gegenstück, den Tod. Mit beidem müssen wir uns auseinandersetzen. Doch auf welche Seite schaue ich zuerst. Wem schenke ich mein Herz? Dem Leben oder dem Tod? Dem Lachen oder dem Weinen? Manchmal vergeht einem das Lachen. Da erscheint einem sogar diese moderne Welt des 21.Jahrhunderts recht mittelalterlich. Etwa, wenn wir sehen, wie immer wieder Wellen von Gewalt über diesen Globus rollen und die Religion den Ideologien dienstbar gemacht wird. Wenn wir ständig diese modernen Todestänze sehen, sinkt uns der Mut. Wir sehnen uns nach einem Licht in unserer Seele. Wir brauchen diesen hellen Schein, der in uns leuchtet. Es geht um uns. Worauf vertraust Du? Wem glaubst Du? Vielleicht dem, der sagt: „Ich bin das Licht der Welt“? (Johannes 8,12) Nun, der so von sich spricht: Er war tot gewesen. Doch Gott hat ihn auferweckt. Jesus fiel ins Dunkel. Und er stand auf im Licht. Er lebt. Jesus hat das ewige Gesetz dieser Welt sichtbar gemacht. Darum nennt man ihn Christus, den Gesalbten Gottes. Durch ihn erkennen wir immer wieder neu, dass hinter allem Abgründigen in diesem Leben am Ende ein ewiges Licht leuchtet. Man kann es mit dem bloßen Auge nicht erkennen. Man kann es aber glauben. Ostern ist ein Herzensfest. Gottes Licht leuchtet in uns. Wir nennen dies Glaube. Oder Liebe. Oder Hoffnung. Es sind diese Drei! Sie sind das Wichtigste in unserem Leben. Sie machen unser Leben hell.

Timan Kingreen, Pastor in Wunstorf und Hannover

Als er kam wurde er begeistert begrüßt. Die Leute erwarteten viel von ihm.  Einer der den Mund aufmachte. Der die Dinge beim Namen nannte. Keine Scheu hatte die Herrschenden anzugehen. Der für die Menschen des Volkes da war. Sie verstand, und sie verstanden ihn. Dachten sie. Es hatte sich herumgesprochen, dass er die kleinen Leute beachtete. Dass er für Kranke da war, für Leidende ein Ohr hatte, sich gegen Unrecht einsetzte. So feierten sie ihn. Bereiteten im einen großen Empfang, dem neuen Hoffnungsträger.

Und dann tat er, was er sagte. Räumte auf mit alten Vorstellungen, mit gewohnten Traditionen, mit dem vertraut Üblichen. Keine Opfer mehr! Er schmiss die Tische der Geldwechsler um, jagte die Händler aus dem Tempelhof, ließ die Opfertiere frei. Randale im Heiligtum.

‚Wie?’, fragten die Menschen, ‚Sollen wir kein Fest mehr feiern wie immer, gibt es keinen Opferbraten mehr wie seit Moses Zeiten, kein Festtagslamm?’

Und die Herrschenden gewannen wieder die Macht zurück, streuten falsche Informationen, verbreiteten Lügen über ihn, kippten die Stimmung.

Plötzlich schrien die ersten: ‚Kreuzigt ihn!’, dann alle. Da hatten die Mächtigen leichtes Spiel.

Und seither fragen sich und mich immer wieder Menschen, warum Gott das zulässt, soviel Leid und Unrecht in der Welt, Krieg und Zerstörung, Hunger und Ungerechtigkeit und diese schlimme Krankheit.

Müsste er da nicht eingreifen, wenn es ein liebender Gott ist?

Hat er doch, sage ich dann, er hat doch seinen eigenen Sohn geschickt, als Mensch unter Menschen. Aber die haben ihn ans Kreuz genagelt.

Und tun es noch und immer wieder. Wo sie nicht Mensch unter Menschen sind, sondern sich selbst als besser sehen, besser als die anderen.

Wo wir weggucken, wenn Menschen leiden, hungern. Wo wir Ängste schüren vor dem Fremden. Wo wir meinen, wir wären gerecht, aber so viele andere ungerecht.

Wenn das Volk entscheiden soll, dann gilt nicht Recht und Gesetz, zählen nicht Fakten und Wahrheiten. Dann wird Stimmung gemacht, werden Ängste geschürt, Gefühle manipuliert, Lügen verbreitet. Dann muss ein einfaches Ja oder Nein reichen, ein schnelles Dafür oder Dagegen.

Als wenn die Welt so einfach wäre. Darum ist das Sichabgrenzen und andere Ausgrenzen, das Trennende immer naheliegender, als das Miteinander, das Menschliche. Denn die Suche nach dem Gemeinsamen, dem Verbindenden braucht einen eigenen Standpunkt und die Anerkennung des anderen. Dann gibt es ein Leben miteinander, als Mensch unter Menschen.

Zwischen dem jubelnden Einzug Jesu, dem ‚Hosianna dem Sohne Davids’  und dem aufgebrachten ‚Kreuzigt ihn!’ lagen nur wenige Stunden. So schnell kann sich Volkes Meinung drehen. Um was drehen wir uns, und was dreht uns in dieser Karwoche, auf Ostern hin?

Ele Brusermann, Pastor im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Ich schaue mir gerne gute Filme an mit Szenen aus dem Leben gegriffen. Echt und anschaulich, weil das Leben genauso sein kann. Neulich habe ich in unserem Ort eine solche Szene gesehen und miterlebt. Filmreif oder auch ein Motiv für einen Maler, der den beeindruckenden Moment im Bild festhält. Eigentlich war der Alltag noch grau in grau. Die Straße, der Fußweg, die Hauswände, vorbeifahrende Autos und die ältere Frau auf der anderen Straßenseite mit ihren grauen Haaren. Plötzlich kommt Farbe ins Bild: Ein roter Luftballon wird auf dem Fußweg vom leichten Frühlingswind sanft vorwärts getrieben. Die Grauhaarige hat ihn im Blick, freut sich und ist doch gleichzeitig besorgt, er könne auf die Straße getrieben werden und durch Autoräder zerplatzen. Mit leicht gebeugten Knien und ausgebreiteten Armen geht sie voran, als wolle sie den kleinen roten Ballon schützen - retten - fangen. Und dabei bewegt sie sich elastisch und behände. Sie wirkt auf einmal beschwingt, dynamisch und jung. Viel jünger als sie vorher aussah. Dieser rote Luftballon hat Farbe in ihr Leben gebracht. Welch eine Szene! Das Rot lässt das Grau verschwinden. Gibt wieder neuen Schwung. Genauso empfinde ich es, wenn ich die ersten Frühlingsblumen mit ihren leuchtenden Farben sehe. Die Natur erwacht, bricht auf. Nach der dunklen Jahreszeit, nach dem kalten, farblosen Winter erfreuen wir uns wieder am Licht, der Wärme und an der reichen Schöpfung Gottes, die uns in Bewegung bringt, uns Kraft gibt, beflügelt und das Grau aus unserem Leben vertreibt. Welch ein Geschenk! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund wieder fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.(Ps.103, 2-5) Wie gut passt dieses alte Wort aus dem Psalm Davids in unsere jetzige Zeit! Die Passionswochen nähern sich dem Ende. Die Zeit des Verzichts, des Wartens und der Trübsal haben wir bald überstanden. Sie muss dem nahestehenden Aufbruch zu etwas Neuem und der großen Freude, die wir mit der Auferstehung Jesu Christi erleben, weichen.

Angelika Dömland, Prädikantin in Luthe

Im Zentrum der Schule gelegen – und trotzdem ein Ort der Ruhe. Ein Raum mit hellem Holzfußboden, großen Stufen um darauf zu sitzen, an einer Seite mit einer kompletten Glasfront, die den Blick auf den dahinterliegenden Garten frei lässt. In dem Garten steht eine Eiche – gepflanzt, als die Schule in den 70er Jahren gebaut wurde.

Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. (1. Mose 2,8-9a.15)

Am 24. April ist es endlich soweit: Die Schülerinnen und Schüler und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ev. IGS ziehen in den Neubau ein. Viele Jahre und Monate haben wir gewartet – waren gespannt und neugierig. Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen: Das neue Gebäude wird nach den Osterferien unser neuer Arbeits- und Lernort sein.

Einen ersten Eindruck haben wir in der vergangenen Woche bekommen, als wir die neuen Räumlichkeiten besichtigen durften. Alles ist in frischen Farben gehalten – hell und weit.

Und direkt gegenüber dem Haupteingang – abgehend von der Pausenhalle, liegt der Andachtsraum. Ein Ort – anders als die anderen Räume der Schule. AndernOrts.

Hier ist Platz: Für einen ganzen Jahrgang – zum Andachten feiern. Für größere Gruppen – vielleicht zum Musizieren. Für einzelne Klassen – um anders zusammenzukommen – zum Beispiel auch bestimmte Dinge des Sozialen Lernens einzuüben. Und für Einzelne – um im Alltag der Schule einmal einen Ort der Ruhe zu finden, eine Kerze anzuzünden, ins Gespräch zu kommen.

Wir als Schule bekommen neue Räumlichkeiten.

Für uns alle ist das wie ein Geschenk. Und gleichzeitig auch: Verantwortung. Das, was gut ist, mit hinüber zu nehmen und zu erhalten. Und Neues zu schaffen. Zu bebauen und zu bewahren.

Franziska Oberheide, Schulpastorin Evangelische IGS Wunstorf

Was können Sie besonders gut und was traust Du Dich öffentlich? Manche können gut ein Instrument spie-len, andere sind handwerklich geschickt, die Eine hat einen grünen Daumen und der Andere ist ein groß-artiger Bäcker feiner Torten. Manche haben eine tolle Stimme und können wunderbar vorlesen oder singen. Manche haben ein gutes Händchen im Umgang mit Kindern und andere können gut mit älteren Menschen. Was immer wir können: Andere profitieren davon. Es spielt keine Rolle, ob andere sich nicht trauen, oder es nie probiert haben – wer in Erscheinung tritt mit seinen Gaben, den fragt man danach an.

Was bringen Sie, was bringst Du ein? Manches ist vielleicht nicht so offensichtlich. Einige Menschen sind echte Stimmungskanonen. Das fällt auf. Andere sind ausnehmend freundlich. Das fällt zunehmend auch auf; denn die Gegensätze im Aufeinandertreffen von Menschen werden größer.

Einige Menschen nehmen sich bewusst zurück. Sie sind gute Vermittler und können Streit schlichten. Und viele werden sie kennen, die, die mit ihrer zugewandten Art anderen Menschen Mut machen und die, die für ein gutes Betriebsklima sorgen – nicht als laute Stimmungskanonen, sondern eher im Hintergrund.

Es lohnt sich, mit offenen Augen durch´s Leben zu gehen und die Vielfalt der Begabungen von Menschen zu entdecken, genau hin zu sehen, was jemand mit bringt und einbringen kann. Es geht allerdings nicht immer nur darum, was jemand einbringen kann. Manchmal muss es darum gehen, hinzusehen, was Men-schen brauchen, damit es ihnen gut geht. Oft brauchen wir dafür mehr als unsere Augen. Die Frage dessen, was wir sehen und entdecken, ist in weiten Teilen eine Frage dessen, was wir zu entdecken vermögen, eine Frage von eigener Haltung und Einstellung.
Der kommende Sonntag heißt nach einem Psalmwort, Okuli: Meine Augen sehen stets auf den HERRN. Wir sind gefragt, wonach und wohin wir uns ausrichten und manchmal auch angefragt zu prüfen, ob unsere Blickrichtung stimmt. Da ist es selbstverständlich, dass wir an unsere eigenen Grenzen stoßen und ab und an werden wir merken, dass unsere Blickrichtung eine Änderung vertragen könnte. Manchmal stehen wir vielleicht allzu sehr selbst im Mittelpunkt unseres Sehens auf die Welt. Manchmal, haben wir uns vielleicht auch aus dem Blick verloren und es tut gut zu wissen, dass jemand auf uns schaut. Wenn ich meinen Blick auf ein Gegenüber richte, so bekomme ich meist eine “Antwort”. Ich bleibe nicht unangesehen, sondern ernte eine Reaktion. Das kann mal eine kritische Betrachtung sein und mit Anfragen verbunden, es kann ein Lächeln sein und Freundlichkeit, es kann auch Lob sein, das mich stärkt. Wenn mein Gegenüber mich gut kennt, dann wird es eine Mischung aus allem werden. Gott sieht uns voll Güte und Liebe an. Er sieht uns an, wie wir sind. Wohin blicken Sie – wohin blickst Du?

Diakon Heinz Laukamp

Einem glücklichen Menschen steht die Welt offen. Er verlässt verschlossene Räume. Er atmet gern im Freien frische Luft. Er grüßt die, die ihm begegnen. Er lässt offenen Kontakt mit anderen zu. Ohne Scheuklappen. Sieht nicht nur die Oberfläche. Er ist offen für neue Erfahrungen. Darauf fußt doch sein Glück: Er kann sich frei bewegen und entfalten, und er ist in einem offenen Kontakt verbunden mit anderen Menschen. Und mit Gott. Die Lebensfreude hat viel Raum. Und ich?

Ich stehe doch hier vor dieser verschlossenen Tür. Ich klingel. Ich klopfe an. Es rührt sich nichts. Es ist nichts zu hören. Ich komm da nicht rein. Die Begegnung findet nicht statt. Keine Begrüßung. Kein freundliches Wort. Kein Händeschütteln. Nach dem heftigen Meinungsstreit, der nicht ohne persönliche Beleidigungen ausgekommen ist. Leider! Und jetzt ist da verletztes Schweigen. Wie lange?

Dann geh ich mal wieder. Ich gehe, ohne dass wir uns wieder vertragen haben. Nein, hier und jetzt zähle ich nicht zu den Glücklichen. Da ist was kaputt gegangen. Ob das wieder in Ordnung zu bringen ist? Oder wird sich jeder in seine Kammer zurückziehen? Tür zu. Mauer gebaut. Glück ade.

Ich weiß: ich lebe jenseits von Eden. Und doch bleibt da diese Einladung Gottes, durch die Tür zu gehen, die Jesus Christus uns aufgemacht hat. Die Einladung Gottes, den Frieden im Auge und im Herzen zu behalten, den er uns schenkt. Durch den, der in allen Konflikten geduldig geblieben ist, offen geblieben selbst gegenüber dem, der aggressiv und unversöhnlich handelt. Der daran gestorben ist. Der sich aber nicht erst am Ende als der Glückliche und Lebendige

zeigt. Die Tür zum Frieden steht offen. Da bekomme ich vielleicht sogar wieder offene Augen für den anderen hinter der Tür. Das kann mich glücklich machen.

 

Wochenspruch zum kommenden 2. Sonntag der Passionszeit „Reminiszere“ (Gedenke, Gott, an deine Barmherzigkeit): Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.      Brief an die Römer 5, 8

Pastor Hartmut Peters

Mit der Passionszeit hat am Aschermittwoch auch die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ der evangelischen Kirche begonnen. Seit mehr als 30 Jahren lädt „7 Wochen Ohne“ dazu ein, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusst(er) zu erleben und zu gestalten. Millionen Menschen lassen sich jährlich durch die Fastenaktion der evangelischen Kirche ein wenig aus ihrem alltäglichen Trott bringen. In diesem Jahr steht die Passionszeit unter dem Motto: „Augenblick mal! – Sieben Wochen ohne sofort“.

So begleitet mich in dieser Woche der Spruch des Philosophen und Autoren Manfred Hinrich: „Hetz mal den Apfel reif!“ Diesen Spruch musste ich auch erst zweimal lesen, bevor ich diesen und das dazu gehörigen Bild eines kleinen Zweiges eines Apfelbaumes mit zwei kleinen und wahrscheinlich noch nicht ganz reifen Früchten verstand. „Hetz mal den Apfel reif“ – schlagartig wurde mir die Unmöglichkeit dieses Vorhabens deutlich. „Alles hat seine Zeit“ ist die Woche vom 1. bis 7. März 2017 weiterhin überschrieben und ich möchte ergänzen: Alles braucht nun einmal seine Zeit. So braucht der Apfelbaum die Frische des Frühlings und die Wärme des Sommers, im Laufe derer er aufblühen kann und seine Früchte heranreifen. Und im Spätsommer dann, wenn die Abende schon wieder kühler werden und sich das Laub beginnt bunt zu färben, ist es soweit: Die Äpfel werden geerntet und Mensch erfreut sich ihrer einmaligen Frische, ihres süßen Saftes und ihres vollmundigen Geschmacks.

„Hetz mal den Apfel reif“ – wie der Apfel seine Zeit braucht zu reifen, so hat auch jedes andere Ding unter der Sonne seine Zeit. Geben wir doch ein jedem seine Zeit und versuchen erst gar nicht den Apfel reif zu hetzen; zumindest sieben Wochen ohne SOFORT.

Und so grüßt Sie aus Kolenfeld und wünscht „Gutes Gelingen“

Ihre Vikarin Kerstin Wackerbarth

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! - deshalb sind sie einfach 'mal stiften gegangen …

Sie, das sind die Gründungsmitglieder der Stiftung 'Zukunft mit Kirche', M. von Hugo, K.-R. Zöllner, W. Küthmann und G. Rohe-Kettwich, die auch heute noch dem Vorstand der Stiftung angehört. Über 10 Jahre ist das jetzt her. Mittlerweile ist die Stiftung eine unverzichtbar für die Arbeit in den dazugehörigen Kirchengemeinden in Bokeloh, Dedensen, Gümmer, Idensen-Mesmerode, Kolenfeld, Luthe, Munzel-Landringhausen, Schloß Ricklingen und Wunstorf. Motiviert hat die damaligen Stiftungsinitiatoren, kirchliche Arbeit und engagierte Projekte nicht am fehlenden Geld scheitern zu lassen. Stattdessen sollen diese langfristig gesichert und interessante Angebote durch Zuschüsse unterstützt werden. Schwerpunkte sind dabei die Jugendarbeit, Kirchenmusik und Diakonie.
In diesem Sinne hat die Stiftung viel Gutes ermöglicht. Über 55 Projekte wurden bezuschusst, wie die Konfirmanden-Ferienseminare in Altenstein oder Südtirol, gospel-workshops oder die Kalender 2016 von 'Kurze Wege'. Mehr als 2000 Jugendliche und Erwachsene profitierten davon. Das kann sich wirklich sehen lassen.
Dieses Engagement soll weiter ausgebaut werden. Dazu ist vor allem eins nötig: Zustiftungen für die Stiftung, um noch mehr gute Arbeit fördern zu können, Menschen im Glauben zu verwurzeln und für christliches Leben zu begeistern.
Deshalb lässt 'Zukunft mit Kirche' wieder von sich hören: am Samstag, den 4. März 2017 lädt sie zum Benefiz-Konzert der Gruppe str8voices ins Stadttheater Wunstorf ein. Viele Menschen sollen angesteckt werden, selber Gutes zu tun: Gerne durch Zustiftungen, gerne durch ehrenamtliches Engagement für die Stiftung, gerne durch interessante Projekte.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
Ich arbeite übrigens gerne im Vorstand der Stiftung mit M. Gröne, D. Otte, G. Rohe-Kettwich und J. Rohrbach zusammen.
Und ich freue mich schon, Sie am 4. März beim Konzert zu treffen!

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Du, Gott, hör mal - so haben wir unsere Kirche für Knirpse an diesem Sonntag überschrieben.

Es geht ums Beten, also um alles, was wir Gott erzählen möchten. Ich finde es wichtig, Kindern das Beten nahe zu bringen. Es tut gut, zum Beispiel abends zu beten und damit über alles, was uns am Tag ausgefüllt hat, nachzudenken, es Gott anzuvertrauen und nicht mehr allein damit zu sein. Eine alte Dame sagte: „Ohne mein Abendgebet kann ich nicht einschlafen. Ich bete für jede und jeden aus meiner Familie.“ Viele Menschen teilen nicht mehr diese Erfahrung und finden es schwierig, Gott von sich zu erzählen. Vielleicht sind sie nie damit vertraut geworden.

Da mag helfen, was wir mit Kindern und Konfirmanden dazu überlegen: wie geht es mir, wenn ich mich freue und was sage ich dann? Wenn ich traurig oder verzweifelt bin - wie kann ich das in Worte fassen? Wie beschreibe ich es, wenn ich zum Beispiel einen Sonnenaufgang in den Bergen großartig finde? Und was liegt mir alles auf dem Herzen, für mich und für andere? So kommen wir auf vier verschiedene Dimensionen des Gebets: Dank und Klage, Lob und Bitte, bzw. Fürbitte. Die Kinder und Konfirmanden fädeln dazu Perlen auf in den Farben rot für Dank, blau für Klage, gelb für Lob und grün für Bitte/Fürbitte. Dann  können sie anhand der Farben überlegen, ob es etwas gibt, worüber sie sich gefreut haben und wofür sie danken möchten. Oder es fällt ihnen etwas ein, was sie sich wünschen für sich oder andere. Ihre Gebete sind oft eindrücklich: „ Bitte, mach dass Opa gesund wird und wieder mit mir Fußball spielen kann.“  „Es ist klasse, dass ich eine so gute Freundin gefunden habe – lieber Gott, vielen Dank dafür, dass wir uns begegnet sind.“  Eine goldene Perle gehört immer dazu als Gottesperle, damit wir wissen, zu wem wir beten.

„Du, Gott, hör mal“, versuchen sie es einfach: erzählen sie Gott, was ihnen gerade auf dem Herzen liegt – allein für sich oder auch am Sonntag gemeinsam im Gottesdienst. Ich bin mir sicher, Gott hat große Ohren und ein großes Herz für Sie.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld

Was Menschen wirklich bewegt, erfährt man manchmal, wenn man sie gefragt, sondern einfach nur liest, was sie von sich geben. Und so habe ich mal wieder im Gästebuch der Sigwardskirche geblättert. Es liegt im Eingangsbereich aus und da die Kirche jeden Tag geöffnet ist, kann sich jeder Besucher während des Besuches eintragen.

Es ist nicht nur interessant, wo die Menschen herkommen – aus ganz Deutschland, auch Frankreich oder Italien und sogar Japaner haben sich verewigt. Es ist auch faszinierend, was sie bewegt. Denn das sind nicht nur die Fresken in der Kirche, sondern auch (und gefühlt gleichwertig) die Atmosphäre und die Stille in diesem sakralen Raum.

Bei einer Gesellschaft, bei der sich alles schneller bewegt und sich jeder irgendwie daran gewöhnt hat, ist es bemerkenswert. Denn heute geht alles sofort, warten ist out. Die Erkenntnis ist: Stille hat einen Wert, einen Erholungswert für Geist und Seele. Einfach mal in eine Bank setzen und die Gedanken schweifen lassen. Vielleicht geht es in der Sigwardskirche sogar noch besser als beispielsweise in der Stiftskirche in Wunstorf, weil sie kleiner, man könnte fast sagen „intimer“ ist. Deswegen ist im Gästebuch auch immer das Wort „Kleinod“ zu lesen, ein Wort, was im normalen Wortschatz ausgestorben ist.

Diese Stille kann man gut eine Zeit aushalten, da sollte keiner drängeln. Wie lange eine Stille gut ist, hängt von jedem Menschen ab: Was wir erlebt haben, was uns bewegt, was vor uns liegt. Sie berührt jeden Menschen, egal welchen Glaubens und auch die Atheisten.

Für die Christen bietet die Stille aber noch etwas Besonders, dieses gewisse Extra. Bereits im Psalm 62 steht: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn die Stille schafft Raum für das Zwiegespräch mit Gott und für das Gefühl der Geborgenheit. Auch das Verlangen nach dem materiellen Nichts ist in uns drin: Geborgenheit brauchen nicht nur Kinder sondern alle, immer wieder.

Probieren Sie es einmal aus: Es wird eine gute Zeit.

Prädikant Jörg Mecke, Idensen

In der Tat, die Weihnachtszeit ist erst zum 2. Februar zu Ende gegangen. Ich weiß von einigen Familien, in denen der Weihnachtsbaum noch bis in diese Woche hinein stehenbleiben sollte.

Dabei geht doch vieles auf Ostern zu. Beim Einkaufen fallen Osterartikel ins Auge, auch die ganz anderen Farben als in der Weihnachtszeit: hellgrün, gelb. Und die letzten Schoko-Weihnachtsmännern sind längst verkauft.

Auch wenn Sie sich jetzt wundern: Was soll das jetzt mit Weihnachten? Aus einem Gespräch an einem Weihnachtsfest vor wenigen Jahren. Da fragte jemand: „Ist etwa heute noch Weihnachten?“ Meine Antwort: „Natürlich, wir haben ja heute den ersten Weihnachtsfeiertag.“ Ein ratloser Gesichtsausdruck war die Antwort meines Gegenüber.

Wenn ich dann daran denke, dass im Einzelhandel Weihnachtsgebäck bereits an Anfang September zu bekommen ist (auch wenn es Herbstgebäck genannt wird), dann ist die Weihnachtszeit bis zum zweiten Weihnachtstag recht lang.

Könnte es sein, dass es unsere Hektik ist, die dafür sorgt, dass wir besondere Zeiten und Ereignisse immer mehr vorziehen? Und wenn es dann wirklich soweit ist (beispielsweise Weihnachten), hat man das Gefühl, das ist schon vorbei. Könnte es sein, dass wir immer mehr in der Zukunft leben, anstatt die Gegenwart bewusst zu erleben und auszukosten? Nach dem Motto: „Wenn Du gehst, dann gehe.“ Und nicht: „wenn du gehst, dann mach schon was anderes.“  „Wenn Spätherbst ist, ist noch nicht Weihnachten.“

Die Gegenwart bewusst erleben, daran erinnern Worte aus dem Buch Prediger „Ein jegliches hat seine Zeit.“ Und dann werden verschiedene Tätigkeiten aufgezählt wie „weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.“  (Prediger Kapitel 3)

Hektik macht unseren Alltag nicht nur schneller und gehetzter, sie treibt uns aus der Gegenwart in die Zukunft. Damit könnten wir das Leben verpassen.

Ich wünsche Ihnen bewusstes Leben

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardof und Schneeren

 

 

Der erste Monat des neuen Jahres ist vergangen. Fast alle guten Vorsätze gelten jetzt als gescheitert. Mehr Sport, weniger Essen, mehr Zeit mit Kindern oder Freunden - all das verliert sich, wenn nach dem Jahreswechsel der Alltag wieder beginnt. Da kann ich noch so motiviert in das neue Jahr gestartet sein, spätestens nach dem ersten Ausrutscher werden die meisten Vorsätze wieder aufgeben. „Ich bin ja doch zu schwach!“ Viele haben es ganz aufgeben, ihr Leben ändern zu wollen. Nach vielen vergeblichen Versuchen bleibt man lieber im alten Trott.

Dass es auch anders geht, erzählt die Bibel. Ganz bewusst haben die Verfasser der biblischen Bücher auch das Scheitern festgehalten. An diesem Sonntag wird von Petrus erzählt. Er sieht Jesus auf dem Wasser gehen und lässt sich von ihm auffordern, das auch zu tun. Und tatsächlich: die ersten Schritte gelingen. Dann kommen die Zweifel. Zu bedrohlich der brodelnde See um ihn her. Petrus beginnt zu sinken, bis Jesus die Hand ausstreckt und ihn rettet. Es geht natürlich in der Geschichte nicht um die Fähigkeit über das Wasser zu laufen. Das Bild der Jünger im Schiff ist ein Bild für die frühe Gemeinde in den Stürmen der Zeit. Petrus verlässt die Sicherheit des Gewohnten. Mutig stellt er sich den Herausforderungen des Lebens. Damit macht Petrus mir Mut. Die ersten Schritte sind möglich und auch das Scheitern ist keine Katastrophe. Gottes Hand ist da. Sie gibt Halt und hilft beim nächsten Schritt.

Ich bin dankbar, dass unsere Vorfahren die Geschichten des vermeintlichen Scheiterns bewahrt haben. Was den großen Helden der Vergangenheit erlaubt war, ist auch mir erlaubt. So kann ich nach dem Scheitern neu beginnen, mir neue kleine Schritte vornehmen

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Das Erstaunen über dieses wunderbare Erlebnis ist auch Tage später zu spüren, als sie ihre Zeilen an eine Freundin schreibt: „Das Blitzeis am Samstag überraschte uns nach einem Spaziergang in der Eilenriede. Wir schafften es noch bis an einen Ampelmast. Daran hielten wir beide uns fest. Die Füße rutschten hin und her. Wir hörten, wie Radfahrer stürzten, aber konnten überhaupt nicht helfen, weil wir – selbst an die Ampel geklammert – keinen sicheren Stand fanden. Da kam uns eine rettende Idee: Als wir gerade überlegten, wie wir die Schuhe ausziehen könnten, ohne hinzufallen, fuhr neben uns ein großer Mercedes in die freie Parklücke. Ein junger Mann stieg aus. Sicheren Schrittes kam er auf uns zu und fragte, ob er uns helfen könne. Zurück auf dem Fahrersitz fuhr er behutsam ganz dicht an uns heran und half uns nacheinander auf die Rückbank seines Autos. Seine Frau drehte sich vom Beifahrersitz um und erklärte, dass sie gerade aus Hildesheim gekommen seien, um in Hannover essen zu gehen. Wir beide stellten uns vor, die Hildesheimer nannten nur eben ihre Vornamen. In der Aufregung hatte ich sie auch gleich wieder vergessen. Vorsichtig kurvte der Fahrer um die nächsten Straßenecken, immer unseren Anweisungen folgend, bis vor unseren Hauseingang. Einzeln leitete uns dieser Unbekannte auf die trockenen Stufen und wartete, bis wir die Haustür sicher hinter uns verschlossen hatten. Wir haben uns zwar bedankt. Doch sind wir durch auf den Schreck nicht auf das Selbstverständliche gekommen, auf sein Nummernschild zu sehen. Aber wir sind sicher, dass die beiden ihre Flügel im Kofferraum verpackt hatten.“

„Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten, auf allen Deinen Wegen.“ (Psalm 91,11) Manchmal wird dieser beliebteste Taufspruch unserer Zeit auf ganz eigene Weise Wirklichkeit.

Mögen wir in diesen Tagen spüren, wann Engel an unserer Seite sind, die ihre Flügel im Rucksack oder Kofferraum verborgen halten, und wann es an uns ist, sich unserer Flügel zu erinnern.

Eine behütete Woche wünscht Ihnen Ihre Dr. Vera Christina Pabst, Pastorin in Bokeloh und Wunstorf

Eine Hochzeit. Viele von Ihnen werden mehr als nur eine im Leben erlebt haben. Mach jüngere sind sicher auch schon bei einer gewesen. Als Kind war ich super gespannt, wie es sein würde in der Kirche, wer alles dabei aus unserer weit verstreuten Familie, gespannt auf Tanz, Musik und Essen. Es gab immer von allem im Überfluss, vorallem Essen und Trinken. Großartig die Mitternachtsbuffets und Torten. Auch Weihnachten ist bekannt für zu viel Essen, zu viel Süßes und die Kilo, die man am Ende mehr auf die Waage bringt. Aber Weihnachten ist vorüber. Die Weihnachtsbäume haben viele Wohnzimmer verlassen und der Alltag ist wieder da. An machen Türen sieht man frische Spuren – weiße Kreide auf dunklem Grund. “CMB” - Christus schütze dieses Haus – und die Jahreszahl 2017. Was bleibt von Weihnachten? Geschenke? Eine Begegnung mit den Weisen aus Persien? Eine Erinnerung an die eigene Kindheit? Leuchtende Kinderaugen, etwas von dem Frieden, der Freude der Weihnacht und der Idee, dass Jesus, dass Gott uns nahe gekommen ist?
Heute oder morgen einen Sitzplatz in einer Kirche zu bekommen, dürfte nicht allzu schwer sein. Zumindest einfacher, als am Heiligen Abend. Vielleicht eine gute Gelegenheit sich schon mal wieder auf zu machen. Die Lieder werden immer noch von der Freude erzählen, die Gottes Anwesenheit in der Welt auslöst. Es ist wie bei einer Hochzeit. Es wird getanzt, gelacht, gesungen und getrunken und mittendrin ist der, von dem alle Freude ausgeht. Er feiert und ist bester Dinge. Etwas ganz Neues nimmt seinen Anfang. Offen und doch undeutlich sichtbar tritt da jemand auf. Nicht der Bräutigam des Festes, ein anderer. Na, klar, die, die da feiern kennen den Nachbarn und Freund, Angehörigen im weiteren Sinne. Da passiert, was so gar nicht zu einem solchen Fest passt: die Vorräte gehen zur Neige. Unverzeihlich. Doch bevor es bemerkt wird, ist die Abhilfe schon geschehen. Kein Eklat beim Fest. Statt dessen ist alles noch besser. Etwa 600 Liter großartigen Weines stehen zur Verfügung, zu einem Zeitpunkt, wie die der Erzähler der Geschichte unverblümt wissen lässt, da es weniger Qualität auch schon getan hätte - die Leute also schon genug hatten. Wer weiß, vielleicht geht es manchen auch grad so – genug des Trubels, der Alltag darf gern wieder Einzug halten. Vielleicht ist es aber auch Zeit, sich zurück zu lehnen und den Alltag einfach noch warten zu lassen und zu genießen, dass es ruhiger geworden ist und man einen Blick auf all den geschenkten Überfluss werfen kann. Zeit um zu feiern, dass das Leben voll sein kann mit Freude und Güte und Frieden mitten im Alltag. Vielleicht ist das Fest jetzt erst richtig schön, wo die ganze Vorbereitung vorbei und alle Anspannung weg ist und der Blick frei auf den, von dem wir alles haben – Jesus.

 Diakon Heinz Laukamp

Beim zweiten Anflug schafft es das Baby. Zielsicher landet es auf der Stange des Futterhäuschens. Da sitz schon die Frau Mama. Und das ist der Beginn eines lehrreichen Tages. Die erste Lektion ist: Da gibt es einen Ort, an dem  (fast) immer Futter zu finden ist. Den Weg dahin hat die Mutter gezeigt. Die zweite Lektion lehrt, dass Nahrung nicht immer aus weichen Teilen besteht. Bis zu diesem Morgen hat die Mutter Larven und ähnliches Weichgetier gesammelt, um es in der aufgesperrten gelben Pastille zu versenken. So ein Kind im Wachstum ist ständig hungrig. Und mangels Zähnen zum Zerkleinern der Mahlzeit wird nur geschluckt. Vielleicht ist das das Geheimnis des schnellen Wachstums. Jetzt pickt sie ein Körnchen heraus, entspelzt es,  bevor es – nicht ohne auffordernden kindlichen Pieps – im Schnabel des Kindes landet. Und noch ein Drittes lernt das Kind: Ein Futterplatz gehört einem nie allein. Da kommen ebenfalls hungrige Verwandte angeflogen. Mit Gezeter und Geflatter werden sie von der Mutter vertrieben. Schließlich denkt sie an ihr Kind zuerst. Gefüttert werden muss so lange, bis ein gewisser Sättigungsgrad erreicht ist. Das Kind macht den Abflug auf die Zaunstange. Mutter hinterher. Sie hat noch ein Körnchen im Schnabel. Das soll dem Heranwachsenden zu gute kommen. Diese Szene am Futterplatz auf dem Balkon an einem sonnigen Morgen  erinnert mich an das Buch des Propheten Jesaja, 49,15: ‚Doch der Herr sagt: „Bringt eine Mutter es fertig, ihren Säugling zu vergessen? Hat sie nicht Mitleid mit dem Kind, das sie geboren hat? Und selbst wenn sie es vergessen könnte, ich vergesse euch nicht.“ Nicht nur ein Vogelkind wird auf den ersten Schritten auf dem Lebensweg begleitet. Auch wir Menschenkinder dürfen uns der Fürsorge sicher sein, vom ersten bis zum letzten Atemzug und sogar darüber hinaus.

Helga Kaiser, Prädikantin

Surinam, dieses kleinste Land Südamerikas mit 550.000 Einwohnern und etwa doppelt so groß wie Österreich - ist das Land des diesjährigen Weltgebetstages.

Mit 7 Frauen stellen sie uns ihr Land vor. Da begegnen wir Willemien. Ihre niederländischen Vorfahren haben das Land als Kolonie stark geprägt und ihren protestantischen Glauben mitgebracht. Erst 1975 ist Surinam unabhängig geworden. Bis heute leben viele der Ureinwohner wie Alima im unzugänglichen Regenwald mit seiner großartigen Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Wenn sie mehr als 6 Jahre zur Schule gehen wollen, müssen sie aus ihren Dörfer in die weit entfernte Hauptstadt Paramaribo ziehen. Viele Afrikaner sind als Sklaven nach Surinam gebracht worden. Manche haben nach der Flucht von den Plantagen – auch mit Hilfe der Ureinwohner im Regenwald überlebt – Muyinga steht für diese Menschen, die viele afrikanische Traditionen bewahrt haben. Der größere Teil gehört zu den sogenannten Kreolen wie Carolina mit einem europäischen Vater und einer afrikanischen Mutter. Sie erinnern an die Geschichte der Unterdrückung. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1863 sind Vertragsarbeiter aus Britisch-Indien angeworben worden. Shanti gehört zu dieser Bevölkerungsgruppe, die ihre Religion, den Hinduismus, mitgebracht haben. Etwa 15 % der heutigen Bevölkerung hat ihre Wurzeln wie Kartini in Java - z.T. gehören sie dem Islam an. Viele der Menschen wie Mei Ling mit chinesischen Vorfahren arbeiten im Handel und in der Gastronomie. Der schmale Küstenstreifen, in dem sie leben, ist vom steigenden Meeresspiegel bedroht.

Auf surinamisch gibt es den Begriff: moksi, der bei der Vorbereitung für den Weltgebetstag in Deutschland zu einem Schlüsselwort geworden ist. Einerseits bezeichnet er so etwas wie Mischmasch und steht für das bunte Gemisch von vielen Volksgruppen aus vier Kontinenten, die seit Jahrhunderten zusammenleben. Moksi heißt andererseits aber auch gemeinsam, also Hindus und Muslime, Katholiken/-innen und Lutheraner/-innen, Herrenhuter und Reformierte. In Surinam leben sie friedlich miteinander.

Ich finde, es lohnt sich, für dieses Land und mit ihren Frauen gemeinsam zu beten – für eine wunderbare Schöpfung, die es zu erhalten gilt. Es lohnt sich aber auch, von diesem Land für unser Zusammenleben in Deutschland zu lernen, denn wir werden immer mehr „moksi“.

Seien sie herzlich eingeladen zu den Gottesdiensten zum Weltgebetstag, zum Beispiel bei uns in Kolenfeld am Freitag, 2.3.2018 um 19 Uhr mit unserer Weltgebetstags-Combo.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin aus Kolenfeld.      

Seine Kehle war trocken, der Schweiß lief seinen Nacken hinunter. Es war Hochsommer, 36 Grad. Brütende Hitze und ein schattiges Plätzchen suchte er gerade vergeblich. Für den tollen Ausblick hatte er schon gar kein Auge mehr. Er setzte einfach nur einen Fuß vor den anderen. Der Abstieg war fast anstrengender als der Aufstieg und er hatte kein Wasser mehr, die letzten Schlucke hatte er vor einer Stunde getrunken, jetzt war die Flasche leer, kein einziger Schluck war mehr übrig.

Die letzten Meter fühlten sich endlos an. Unten im Tal angekommen steht seine Freundin am vereinbarten Treffpunkt, ohne viel Worte, streckt sie ihm eine Flasche Wasser entgegen. Er lächelt sie dankbar an, genau das brauchte er jetzt.

In der Jahreslosung heißt es: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Durstig, das war er wirklich. Er konnte sich nicht erinnern je so durstig gewesen zu sein. Sein ganzer Körper hatte sich nach Wasser gesehnt. Eine Zeit lang ging es noch ganz gut, aber er hatte gespürt, wie seine Kraft nachließ und seine Beine schwer wurden. Er trinkt in langen Schlucken die Flasche leer. Es dauerte nicht lange, dann spürte er, dass er sich erholt hatte und so konnten sie zusammen zurück zum Hotel gehen.

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Wenn man so richtig durstig ist und sich die Gedanken nur noch um Wasser drehen, dann merkt man, wie wichtig Wasser für das Überleben ist. Ohne Wasser stellt der Körper irgendwann seinen Dienst ein. Und Gott schenkt uns von diesem Wasser, das uns lebendig macht, das uns erfrischt und wieder neue Kraft gibt. Wenn wir ausgelaugt und kraftlos sind, weil wir Sorgen haben oder eine Krankheit uns schwächt können wir darauf vertrauen, dass Gott uns wieder neue Kraft gibt. Kraft, die uns auch Durststrecken überwinden lässt. Er gibt uns neue Lebensgeister und lässt uns den Weg weiter gehen.

Vikarin Ann-Karin Wehling

Willkommen, liebes Weihnachtsfest! Ich freue mich und staune: Du bist tatsächlich wieder da. Das sah die letzten elf Monate in diesem Jahr ganz anders aus. Der Typ ‚Starker Mann’ beherrschte die Weltbühne. Ein „puer robustus“ - laut, stark, deftig – will die Menschheit befreien. Und er wird gewählt. Er möchte glänzen. Populismus trägt heute viele Namen. Persönlichkeiten leihen ihm ihre Gesichter. Und Du? Vertrautes Weihnachtsfest! Welchen Glanz bringst Du in unser Leben? Um Dich ist es eher still geworden. Frieden auf Erden? Uns macht das Thema still und verlegen. Oder ist Stille Dein Markenzeichen?

Laudate pueri. Ein Wort aus Psalm 113. Lobt ihr Kinder. Wer lobt schaut von sich weg. Er schaut auf die anderen. Weihnachten, bist Du ein solches „Schaut-einmal-auf-die-anderen-Fest“. Vielleicht? Und dabei hast Du es ja sogar zu Weltruhm gebracht. Auf die Niedrigen schauen. Da, wo wir keinen Glanz vermuten. Da siehst Du etwas funkeln. Und Du bringst es groß heraus. Es wird zum Lichtermeer in dunkler Zeit.

Drei Bitten hätte ich an Dich, liebes Weihnachtsfest. Bitte bleib ein Weihnachtsfest. Du bist kein Lichterfest. Ohne Geheimnis wird Licht zum Solarstudio für die Seele und Weihnachten zum Fitnessraum. Sodann bitte ich Dich, mit Deiner Friedensbotschaft in die große Kantorei der Religionen einzutreten und dort mit anderen Deine Stimme deutlich zu erheben zum Segen für diese Welt. Und zum Schluss bitte ich Dich, uns immer wieder daran zu erinnern, wo für Dich das Licht seine Quelle hat. Da war ein Kind mit Namen Jesus. In einem Stall geboren, blieb er sein Leben lang nah bei den Menschen. Erst als er starb, erkannten sie, wer er wirklich war. Seitdem geht diese Botschaft um die Welt: Dieses Kind war Gott. Und wir sind seine Kinder.

 

Tilman Kingreen, Pastor in Hannover.

Wonach suchen Sie, wonach sucht Ihr? Worauf wartest Du? Manchmal fragt man sich an Kreuzungen, worauf Menschen warten, die da stehen. Ein äußerer Anlass für das Warten ist zuweilen nicht erkennbar. Vielleicht ist der Ort zu dem jemand will nicht verzeichnet auf dem Schild an der Kreuzung? Zugegeben, im Zeitalter des Navi könnte man wissen, wo es lang geht. Aber man hat es ja nicht immer an und nicht jede und jeder hat eines. Manchmal ist Menschen auch die Situation zu unübersichtlich: Bin ich dran? Darf ich abbiegen? Wie schnell sind die Anderen? Schaffe ich das rechtzeitig?

Warum warten Sie? Was suchen Sie? Den richtigen Weg? Vielleicht noch eine zündende Idee für ein schö-nes Weihnachtsgeschenk? Eine Woche noch, dann ist Heilig Abend. In diesem Jahr sind wir dem Ziel schnell nahe gekommen. Nur drei Wochen Zeit, rauszufinden, was wir anderen schenken wollen, was wir uns von anderen wünschen … Geht es darum?

Aber halt: Wer beschränkt sich auf die Zeit der Vorbereitung zur Vorbereitung? Es ist doch alles schon fertig. Im September haben die Geschäfte uns erinnert, dass es Zeit ist für Stollen, Kekse und andere Leckereien. Da ist doch jetzt alle Zeit um zur Ruhe zu kommen und nicht mehr suchen zu müssen, oder?

Was sucht Ihr? Genauer müsste es eigentlich heißen: „Wen sucht ihr?“ oder „Wonach?“

Johannes der Täufer, Jesu Cousin, ist im Gefängnis. Er schickt seine Jünger zu Jesus und läßt sie seine Frage stellen: „HERR, bist Du es auf den wir gewartet haben?!“ Wenn der Advent die Zeit der Erwartung ist, die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu auf der Erde, worauf warten wir dann in diesen Tagen? Wo-nach suchen wir in dieser Zeit der Lichter und Kerzen, von Plätzchen und Glühwein? Erwarten und suchen wir noch etwas? Warten wir auf Gottes Erscheinen in unserer Welt und unserem Leben und hoffen wir da-rauf, dass Gott bei uns, bei jeder und jedem Einzelnen ankommt?

Vielleicht ist er auch längst da und erscheint uns in den Augen der Kinder, die voller Erwartung staunend sich umschauen, wenn es schneit, wenn der Nikolaus kommt – längst nicht nur am 06. Dezember, und deren Augen leuchten, manchmal an jedem Tag, wenn sie eine Tür oder ein kleines Päckchen am Adventskalender öffnen können. Vielleicht aber leuchten auch Ihre Augen, wenn sie etwas entdecken für sich. Das muss ja nicht immer ein Geschenk sein. Es kann eine freundliche Geste, eine eigene Entdeckung  im Miteinander mit anderen oder aber eine Entdeckung sein, die den eigenen Glauben breichert.

Ich habe einen Adventskalender mit Bildern und Geschichten. Obwohl ich ihn nicht zum ersten Mal habe, freue ich mich jedes Mal und bin gespannt, was die Macher sich Neues ausgedacht, was sie gefunden und entdeckt haben für die Zeit bis zum Dreikönigsfest.

Außerdem: Der Kalender mit seinen Bildern und Geschichten bringt mir jeden Tag ein paar Minuten zum Innehalten. Zeit für mich, Zeit für die Vorbereitung darauf, dass Gott wirklich an Weihnachten ankommen kann – nicht irgendwo, sondern bei mir. „Macht Euch bereit“, heißt es im Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ am Ende des alten Kirchenjahres vor dem 1. Advent. Ich hoffe, ich bin dann soweit, bin bereit, wenn es in einer Woche Heilig Abend ist, dass ich ganz da bin – beim Weihnachtsfest, bei Gottes immer wieder sich zu uns aufmachen und seiner Ankunft – dann hoffentlich bei Ihnen und mir.

von Diakon Heinz Laukamp 

Eine Wunstorfer Initiative – unterstützt von Sponsoren - lädt bedürftige Menschen zu einem vorweihnachtlichen Essen in ein feines Restaurant ein. Was es gibt, ist eine Überraschung. Wieviel es gibt, steht fest: Genug für Alle ! Dann werden die Bedürftigen freundlich und zuvorkommend bedient, die es sich im Laufe des Jahres eben nicht leisten können, mal eben zum Griechen um die Ecke oder zum Italiener am Marktplatz zu gehen.

Dieses alljährliche Weihnachtsessen ist ein Zeichen von gelebter Solidarität, ein Zeichen der Barmherzigkeit mit denen, die trotz Sonderangeboten in Supermärkten wahrscheinlich nur von einer Gänsekeule träumen oder manchmal auch mit knurrendem Magen in die Nacht gehen. Zumindest aber Solidarität mit denen, die den Euro einmal mehr umdrehen und betrachten müssen, eben anders, als die Mehrheit unserer Mitbürger.

Jesus hat vor knapp 2000 Jahren zu den Menschen gesagt: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“ Ich frage mich, was hätte er wohl zu dieser Aktion gesagt? Eine Aktion, von der ich wünschte, dass sie noch mehr Unterstützer und Nachahmer findet.

So wie bei Doris M. .Sie ist Rentnerin und Montags und donnerstags ist Ihr Tafeltag. Da schleppt Doris M. Kisten, sortiert und putzt Lebensmittel und bereitet sie „fürs Auge“ auf. Pünktlich um 14 Uhr öffnet sich die Tür im Tafelladen und die Schlange der bereits wartenden Menschen setzt sich ins Ladeninnere in Bewegung. Eines ist den Menschen gemein: sie leben vom finanziellen Minimum. Sie kommen aus einer ungewissen Vergangenheit und leben in einer ungewissen Gegenwart. Doris M. hat Not im eigenen Leben erfahren – damals als ihre Eltern nach dem Krieg als Flüchtlinge neu haben anfangen müssen und hier in Wunstorf aufgenommen wurden. Am Anfang war das nicht leicht, gerade für die Flüchtlingskinder…. aber die Menschen haben sich arrangiert. Doris M. hat nicht vergessen, dass sie und ihre Familie damals auch Hilfe erfahren haben, zum Überleben, zum Einleben und vor allem zum Weiterleben. Deshalb ist sie dabei, jede Woche ...solange es ihr Rücken zulässt.  Und sie weiß, dass ihre Hilfe wichtig ist für Menschen, die es wirklich brauchen. Sie hat ihre gestärkte Schürze schon rausgelegt. Für das Essen auf weißen Tischdecken. Mit Kerzen. Und mit Bedienung. Und immer mit einem freundlichem Lächeln im Gesicht!

Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, hat in seinem kurzen Leben eindringlich zur Barmherzigkeit aufgerufen. In der Stille höre ich ihn sagen: „Nehmt einander an, so wie ich euch angenommen habe. Helft einander. Schaut auf die, denen es nicht so gut geht. Zeigt Eure Solidarität mit den Bedürftigen. Gebt denen, die weniger haben als ihr selbst….. und nicht nur zu Weihnachten.“ 

Frauke Harland-Ahlborn, Lektorin in der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf   

Am Sonntag feiern wir den 1. Advent. Es beginnt die Adventszeit,  die Vorweihnachtszeit. Und in diesen Wochen haben Engelfiguren wieder Hochkonjunktur: Wir begegnen ihnen  aus Holz, aus Porzellan oder anderen Materialien. Wer hier in Wunstorf durch die Fußgängerzone geht; sieht sogenannte Engelsflügel an den Straßenlaternen hängen. Aber Engel, gibt es die? Glauben Sie an Engel?

Engel. kommen bereits im Alten Testament vor. Das hebräische Wort heißt Bote, Gesandter. Ein Engel nach biblischer Vorstellung ist ein Bote, ein Gesandter Gottes. Solchen Boten Gottes begegnen wir im Alten und Neuen Testament immer wieder. Sie sind im Auftrag Gottes unterwegs. Sie überbringen den Menschen im Namen Gottes eine Nachricht, sie mahnen und behüten, stärken und trösten. Denken wir an die Engel im Lukasevangelium, die den Hirten die Geburt Jesus verkündigten. Ja, Engel sind Boten Gottes, die von Gott mit einem bestimmten Auftrag zu den Menschen geschickt werden.  Sie können ihren Auftrag erfüllen, ohne dass wir es gleich spüren. Auch heute. Es  gibt  keine Grenzen für sie. Mauern und Zäune können Engel nicht aufhalten. Aber auch nicht mein dickes Fell oder mein verschlossenes Herz.

Glauben Sie an Engel?  Vor allem glaube ich an Gott. An Gott, der mir nahe ist, der mich begleitet.  Gott begegnet uns durch seine Boten, seien es unsichtbare Boten oder Menschen, die im richtigen Augenblick da sind und das Richtige sagen und tun. Folgende Zeilen von Regine Correns drückt dies wunderbar aus

Engel  - gibt’s die? Ich habe noch keinen gesehen. Ganz gewiss, doch neulich spürte ich einen an meiner Seite, der kühlte das hitzig erdachte Wort mir auf der Zunge.

Und gestern erst, da schnellte einer zwischen den Honda und meinen Ford, im Flug noch gebietend den Abstand. Ich hörte das Rauschen und zuckte vom Gas, um Haaresbreite wie man so sagt, das war mein Engel.

Und auch jenem Abend, als verlorene Schatten mich erschreckten, trat einer ins Haus aus Licht gehaucht und brachte  mir Frieden. Boten der Gnade  -  das sind Engel.

Marlene Richter, Prädikantin

Endlich mal Schluss machen mit dem Gedenken, die alten Geschichten und die Vergangenheit ruhen lassen! Ein verlockender Gedanke.

Ich habe von einem gehört, der das gemacht hat. Er hat sich sein Erbe auszahlen lassen. Nun war es kein Erbe mehr sondern einfach nur noch Besitz. Damit ließ sich die Zukunft gestalten. Er zog von zuhause aus, brach alle freundschaftlichen Kontakte ab, verabschiedete sich von seinem Leben.

Gedenktage schienen im blöd und sinnlos. Wozu Geburtstag feiern, wenn er doch jeden Tag neu ins Leben starten wollte. Welchen Sinn hätte es, an den Todestag seines Großvaters zu denken oder an den Hochzeitstag seiner Eltern. Alles zu rückwärtsgewandt war das doch. Er wollte nach vorne schauen.

Bis er sich in der Gosse wiederfand, wo er sich von Schweinefutter ernährte und mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt. Da kam ihm die Vergangenheit gar nicht mehr so übel vor. Ein Gedenktag der besonderen Art war das für ihn. Nicht schön aber hilfreich. Und er machte sich auf, um nach Hause zurückzukehren und an sein altes Leben anzuknüpfen. (Vergleiche die Bibel, Lukas 15, 11-32.)

Dieser junge Mann hat seine Identität erst gefunden, als er sich seiner Vergangenheit gestellt hat. Es ist nicht die einzige Geschichte in der Bibel, die mir dies erklärt: Ich werde nur zu mir finden, wenn ich auch nach hinten sehe. Ich bin Christ nur, wenn ich zurück blicke. Dabei muss ich mich auch den dunklen Erinnerungen stellen. Wir Christen haben Kreuzzüge organisiert, Hexen verbrannt und Andersglaubende verfolgt. Auch das macht uns aus. Leider.

Als Deutscher gehört es zu meiner Identität, dass ich aus dem Land von Goethe und Martin Luther stamme. Einem Land, das den Sozialstaat hervorgebracht hat und Künstler wie Bach und Campino, Brecht und Rammstein. Aber von hier sind auch Kriege ausgegangen, Mord und Leid. Dieser Erinnerung stellen wir uns morgen am Volkstrauertag. Er hilft uns dabei, echte Deutsche zu bleiben, die aus der Geschichte lernen wollen.

Andreas Behr, Pastor und Dozent für Konfirmandenarbeit am Religionspädagogischen Institut Loccum

Ein jegliches hat seine Zeit. ….und Advent ist im Dezember. Die Adventszeit – die Wartezeit auf den Geburts-Tag  Jesu Christi – ist auf den Dezember begrenzt. Auf- und anregend kann diese Zeit der kurzen Tage sein, wenn man sie bewusst mit alten, überlieferten oder auch mit neuen Traditionen erlebt. Und sie versucht, mit allen Sinnen wahrzunehmen. Das geht vom Lichterglanz der Kerzen über die Wohlgerüche der Bäckerei bis hin zur Musik.  Da gilt es Türchen zu öffnen und Leckereien zu genießen, Geschichten zu hören oder selber zu lesen oder eben an jedem Abend einfach nur eine weitere Kerze anzuzünden.  Konzerte oder Andachten laden in dieser Zeit ein, den Advent zu erleben.  „Hört , sie singen wieder“, so sagt es eine lebensältere Dame aus der Nachbarschaft, als der Lebendige Adventskalender in ihrer Nähe stattfindet. Eine recht junge, lebendige Tradition ist es, in der Adventszeit ab 1. Dezember jeden Abend vor einem anderen Haus ein Fenster festlich zu dekorieren. Vor oder auch im Haus, in einer Garage oder unter Gottes freiem Sternenhimmel treffen sich Menschen zu einer kurzen gemeinsamen Zeit zusammen. Es werden dann die alten Lieder von der Sehnsucht der Zeit gesungen. Geschichten erzählt. Es wird sich ausgetauscht oder einfach nur miteinander geschwiegen, mit einer Kerze und einem Liederheft in den Händen. Ein warmes Getränk, ein Schmalzbrot, ein leckerer Keks, alles ist erlaubt, aber kein MUSS. Das Smartphone aber dürfen Sie dann getrost zu Hause lassen.  „Hört, sie singen wieder“. Mir kommen spätestens dann erinnernde Gedanken an die Kindheitstage. Wenn ich morgens das Türchen des papierenen Kalenders am beschlagenen Schlafzimmerfenster öffnen durfte und mich an einem  Glitzerbild erfreut habe. Die Kalender mit Schokolade gab es erst viel später. Am kommenden Freitag geht es los. Und dann singen wir wieder, gemeinsam. Lassen Sie sich doch auch einmal darauf ein. Sie sind überall herzlich eingeladen und aufgenommen. Warten kann auch kurzweilig sein!  In der Zeitung oder im Internet sind die Termine und die Treffpunkte veröffentlicht. Veranstalter sind ab 1.Dezember 2017 Institutionen, Familien oder Nachbarschaften oder SIE? Vielleicht sehen wir uns ja, als Gastgeber oder als Wartender. Denn: Hört, Sie singen wieder!

von Frauke Harland-Ahlborn, Lektorin aus der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

Das Jahr neigt sich dem Ende. Man will es nicht wahrhaben, aber in drei Wochen ist bereits der 1. Advent. Zeit nicht nur für Spendensammler, Weihnachtsfeiern und Konsumrausch, sondern auch für Jahresrückblicke im Fernsehen, Radio oder auch in der Zeitung. Bereits morgen in zwei Wochen geht das Kirchenjahr zu Ende. Der Ewigkeitssonntag beschließt einen Jahreskreis und dann beginnt ein neues Jahr – im Sinne des Glaubens.

Einen Kirchen-Jahresrückblick sieht man hingegen nicht. Dabei wäre es doch interessant: Was ist mir in diesem Kirchenjahr in meiner Gemeinde passiert? Was hat sich verändert? Wo haben Ehren- und Hauptamtliche mich zum Staunen versetzt? Nein, es sind nicht die ganz großen Dinge, wie die Jahresrückblicke im Fernsehen. Aber es sind häufig viele kleine. Egal, wie groß die Gemeinde ist: Die Möglichkeit der Teilhabe und der Begegnung, des gemeinsamen Glaubens und des Glauben Feierns ist überall gegeben.

Bei uns in Idensen sind wir so eine kleine Gemeinde mit weniger als 800 Gemeindegliedern. Und bei uns ist viel passiert – Großes und Kleines hat sich bewegt. Und es geht schon eine besondere Energie von der Gemeinschaft aus, selbst wenn man „nur“ gemeinsam die Außenanlagen im Rahmen des Herbstputzes pflegt. Die stupideste Arbeit wird schön, wenn man sie in einer angenehmen Gemeinschaft vollzieht. Kirche ist da ein besonderer „Verein“: Es kann jeder mitmachen, egal, ob man Einschränkungen hat oder nicht die beste Kondition. Denn nachher waren wir alle an einer Tafel vereint: Glücklich über die Arbeitsergebnisse und glücklich über die Gemeinschaft.

Wir haben unzählige weitere Beispiele, wenn ich so das Kirchenjahr zurückblicke. Die Kirche bleibt in Bewegung – allein schon durch die Vielfältigkeit der Menschen, die mitmachen. Um es mit Paulus auszudrücken: Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. (1.Kor 12,12)

Prädikant Jörg Mecke, Idensen

Wissen Sie, wo Bukina Faso liegt? - Irgendwo in Afrika …
"Ja, genau. Mehr wusste ich auch nicht, bevor ich über ein Projekt in Togo in dessen kleines Nachbarland kam." berichtet Andreas Rimkus. Er ist zu Gast im Gottesdienst zur Woche der Diakonie zum Thema 'Glaube - Hoffnung - Nächstenliebe'. Andreas Rimkus, Schmiedekünstler aus Springe, möchte das Schmiedehandwerk am Leben erhalten, in Deutschland und weltweit. "Das Schmieden ist eines der wichtigsten Kulturgüter überhaupt! Es ist der Ausgangspunkt unserer heutigen Kultur," erläutert Rimkus sein Engagement. "Schmieden stellt eine Lebensgrundlage dar. Denn vom Werkzeug bis zum Kochtopf wurden und werden alle lebensnotwendige Arbeitsgeräte dadurch hergestellt. Wer schmieden kann, kann auch Reparaturen durchführen an Autos, Gartengeräten, Pfannen, … Deshalb war ich auch sehr schockiert, als ich vor Jahren nach Bukina Faso kam." erzählt Rimkus. "Dort gab es keine einzige Schmiede mehr. Die Kolonialherren haben in den 50er Jahren das Schmieden verboten. Seitdem ist dieses Handwerk dort ausgestorben. Das muss man sich einmal vorstellen. Die konnten da noch nicht mal ein Loch in einem Kochtopf reparieren - und ohne Kochtopf gibt es kein Essen! Das ließ mich nicht los. Ich machte mich auf die Suche - und fand zwei alte Schmiede, beide über 90 Jahre. Und mit ihnen habe ich das Schmiedehandwerk in Bukina Faso aufleben lassen.
Mittlerweile bilden die beiden alten Herren junge Männer zu Schmieden aus. Dabei unterstütze ich sie mit meinem Wissen. Einmal im Jahr lade ich drei Männer zu mir zu einem Schmiedekunstprojekt ein. Die Kunstobjekte werden ausgestellt. Aber das Wichtigste ist: zu Hause können die Jung-Schmiede wieder ihre Pflugscharen und Werkzeuge herstellen und alles schmieden, was sie brauchen. Und nicht zuletzt verdienen sie sich damit ihren Lebensunterhalt. Das ist meine ganz persönliche Form von Entwicklungshilfe," resümiert Andreas Rimkus. Und, darin sind sich alle Gottesdienstbesucher einig, eine besondere Form von gelebter Nächstenliebe!

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Eine Gratisprobe von Weinen aus der Pfalz? Einen Gutschein für eine stark vergünstigte Reise? Ein Probeabonnement der Zeitung, aus der mir dieser Werbeflyer entgegenfallen? Vieles könnte ich an diesem Wochenende kostenlos bekommen und ausprobieren, wenn ich nur eine E-Mail an die angegebene Adresse schreibe, die vorfrankierte Antwortkarte mit meinen persönlichen Daten ausfülle… Was könnte ich mir alles schenken lassen! Aber zu welchem Preis? Keine Werbeaktion ist umsonst. Adressangaben sind viel Geld wert – gerade wenn zugestimmt wurde, dass diese für Werbezwecke genutzt werden dürfen.

Wer als Kind gelernt hat, dass nur brave Kinder ein Geschenk verdienen, dem fällt es auch später schwer, ein Geschenk einfach dankbar anzunehmen. Viele bekommen ein schlechtes Gewissen, fühlen sich unter Druck gesetzt, es mit einem mindestens gleichwertigen Geschenk auszugleichen. Wer nicht von Herzen schenken und sich beschenken lassen kann, gerät leicht in einen Kreislauf der gegenseitigen Geschenke. Sie werden zur Währung, in der Zuneigung gemessen wird, wenn Beziehungen durch Verunsicherung, nicht durch Vertrauen geprägt sind. Solche Geschenke haben einen Preis, der den materiellen Wert weit übersteigt! Wie kostbar können selbstgemachte Kleinigkeiten, ein persönlicher Gruß zur rechten Zeit sein, wenn diese Geste einfach ein Ausdruck der Freundschaft ist, mich nicht in Frage stellt, sondern in schwierigen Zeiten stützt. Ich spüre in den Zeilen: Hier sieht jemand meine Situation, hat sich Gedanken um mich gemacht. Eine Blume aus dem eigenen Garten, ein Stein oder eine Muschel, sie sind kostenlos, aber bestimmt nicht umsonst.

Für Paulus liegt genau darin das Geheimnis des Glaubens: Gott selbst hat der Aufrechnerei ein Ende gesetzt, weil er uns gratis beschenken wollte. Jahrhunderte später brachten seine Zeilen die Lebenswende für einen Mönch, als er diese Worte von Gottes Gerechtigkeit und Liebe als an sich persönlich adressiert verstand. Die Konsequenzen dieser Erkenntnis wollte er auch mit Kollegen und Studenten diskutieren und hängte seine Thesen dazu am 31. Oktober 1517 aus...

Uns wird in diesem Jahr ein freier Tag geschenkt, damit wir miteinander Gottes Zuwendung zu uns feiern können. Einen gesegneten Reformationstag wünscht Ihnen

Ihre Dr. Vera Christina Pabst,
Pastorin in Bokeloh und Wunstorf

Es waren nur zwei Stunden Sturm - und Kunden der Bahn in Norddeutschland strandeten in Bahnhöfen. Nichts ging mehr - am Donnerstag, au fvielen Strecken auch am Wochenende nicht. Und voll befahrbar werden einige Bahnstrecken erst im Luafe dieser Woche sein.

Hat die Bahn versagt? viele sind dieser Meinung.

Was sich auf jeden Fall gezeigt aht: So ein "kleiner" Sturm kann unseren Alltag ziemlich durcheinander bringen. für die Betroffenen war die Lage lange unklar. Schlimm war es für alle, deren Reisepläne durch den Sturm durchkreuzt woren sind.

Glücklicherweise sind nicht allzuviele Menschen gestorben, die Sachschäden halten sich auch in Grenzen. Böen mit einer Windstärke von 12 werden in der Karibik eher belächelt. Betroffene werden noch immer an den Hurrikan "Irma" denken, der vor wenigen Wochen Inseln in der Karibik verwüstet und Menschen getötet hat.

wir sind am Donnerstag gut davon gekommen. Trotz mancher ramponierter Gärten und vieler umgestürzter Straßenbäume. Es war schon ein besonderes Erlebnis, zu erleben, wie der Sturm eie starke Eiche innerhalb von Sekundenbruchteilen zu Boden drückt - wie durch eien unsichtbae Reisenhand.

Wir haben Grund, dankbar zu sein. Auch für Schutz udn Bewahrung und für den einsatz der Männer und Frauen in dne Feuerwehren und den anderen Hilfsorganisationen.

Gott sei Dank - was manchmal nur nebenbei oder gedankenlos gesagt wird, hat hier seinen guten Platz. Wir haben Grund, dankbar zu werden, auch für das, was gelungen ist und misslungen. Für Misserfolge und Erfolge, für Glück - und manchmal auch für Verlust.

Gott danken ist ein wichtiges Thema in der Bibel. Das zeigt sic hdarin, dass genau diese Worte im Alten Testament genannt werden: "Danket dem HERRN, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich." (Psalm 106, 1)

Wir haben Grund zum Danken, nicht erst durch den Sturm.

Pastor Friedrich Kanjahn, Mardorf

Er steht vor dem Spiegel und streicht noch einmal die Krawatte glatt. Fünf Anläufe hatte er gebraucht um sie zu binden, so zittrig waren seine Hände. Am liebsten würde er seine Wohnung heute gar nicht mehr verlassen. Er schließt kurz die Augen und versucht das mulmige Gefühl im Bauch beiseite zu schieben. Nervös läuft er noch einmal durch die Wohnung. Dann bleibt er stehen, atmet tief durch und nimmt seine Jacke. Kurz hält er inne, aber dann lässt er die Tür doch hinter sich ins Schloss fallen.

Er macht sich auf den Weg. Jeder Schritt fällt ihm schwer, im ganzen Körper spürt er die Anspannung. Mehr als ein Mal überlegt er, ob er nicht einfach wieder umkehren sollte – zurück in die Wohnung. Als er an dem großen, weißen Backsteingebäude ankommt bleibt sein Herz kurz stehen, um dann sofort in doppeltem Tempo weiter zu schlagen. Er knetet die Hände, traut sich aber nicht die letzten Schritte zu gehen und starrt auf die große Eingangstür. Da sieht er seinen Freund auf sich zukommen. Ohne Worte lächelt dieser leicht, nickt ihm zu und nimmt ihn in dem Arm. Er nimmt seine Hand und geht mit ihm zur Tür, so gehen sie hinein.

Er drückt die Hand seines Freundes: „Danke, dass du da bist.“

„Du bist da.“ Das betet auch der Beter des 23. Psalms. Manchmal brauchen wir eine Hand, die sich nach uns austreckt. Wenn wir einen Weg gehen müssen, den wir eigentlich nicht gehen wollen, der uns unangenehm ist oder uns schwer fällt. Wenn dann jemand da ist, der uns bei der Hand nimmt und diesen Weg mit uns geht, dann kann uns das diesen Weg erleichtern. Wir werden bei der Hand genommen und können ein bisschen Anspannung oder Nervosität an den anderen abgeben, mit dem anderen teilen. „Du bist da.“ Der Beter sagt hier: „Gott, du nimmst  mich bei der Hand und begleitest mich auf meinen schwierigen Wegen. Ich muss sie nicht allein gehen. Ich kann mich darauf verlassen, dass du meine Hand nicht loslässt, sondern den ganzen Weg mit mir gehst. Danke, dass du da bist.“

Ann-Karin Wehling, Vikarin in der Corvinusgemeinde Wunstorf

Es war am vergangenen Freitagabend: Kinder, junge Eltern, Großeltern strömen zum Stadttheater. Drinnen angekommen, spürt man das Kribbeln, das in der Luft liegt: Das Musical „Luther macht Schule“ von Birgit Pape wird von Wunstorfer und Neustädter Schulkindern vor voll besetztem Haus aufgeführt. Ich bin voller Vorfreude, habe mich hier mit einigen Schülern und deren Eltern verabredet und bin gespannt, ob es gelingt, Menschen von heute mit Martin Luthers Botschaft anzusprechen. Immerhin: Seine Glaubenserkenntnisse sind 500 Jahre her! Und die biblische Botschaft „Zur Freiheit hat Christus uns befreit“ ist noch viel älter. Ich wünsche mir, dass es gelingt: dass auch kirchenferne, aber aufgeschlossene Menschen etwas von der befreienden Kraft, die dem Evangelium innewohnt, erfahren. Denn dafür ist der Glaube an Christus doch da: dass wir im Alltag die Kraft bekommen, schwere Situationen durchzustehen. Dass wir frei werden von zu großen Ängsten oder von blockierenden Gefühlen wie Hass, Neid, Unterlegenheit. Dass wir SEINE Liebe spüren und weitergeben können.

Bei mir selbst denke ich: Das sind ziemlich steile Gedanken. Hat die Komponistin sie umgesetzt? Können die mehr als 70 Schulkinder, die auf der Bühne agieren, diese Botschaft transportieren?

Die Zuschauer waren begeistert, viele sogar ergriffen. Die Botschaft kam eindeutig an! Mein persönlicher Höhepunkt war das Lied „Frei sein“. Da tanzten die Hauptdarsteller fröhlich auf der Bühne, während der große Chor inbrünstig, aber konzentriert schmetterte: „Wir sollen frei sein, um Gott und den Menschen zu dienen, frei sein, die Liebe zu üben, die Gott schenkt.“

Besonders berührt hat es mich, als Birgit Pape am Schluss den Musical-Kindern die Entscheidung überließ, welche Zugabe sie singen wollten. Es war „Frei sein“. So stand der Abend unter diesem Motto: Der Glaube an Christus macht frei. Unsere eigene Aufgabe ist es jedoch, dieser Botschaft etwas zuzutrauen und unser Leben darauf zu gründen.

Susanne v. Stemm, Schulpastorin am Hölty-Gymnasium Wunstorf

Kennen Sie Dagobert Duck? – Diesen nimmersatten, geizigen und vergrämten Enterich aus der legendären Walt Disney-Serie Donald Duck. Dagobert Duck ist der Neffe von Donald Duck. Um ihn noch einmal vor Augen zu führen, ein kurzer Steckbrief zu ihm. Wohnort: Entenhausen, Lästigste Verehrerin: Gitta Gans, Erzfeinde: Die  Panzerknacker, Lieblingsfarbe: Goldgelb, Lieblingstier: Goldesel, Lieblingspflanze: Talerbaum, Bestes Stück: Glückszehner, Hobbies: Im Geld baden und Schatzsuchen. Berufe: Er macht alles, was Taler bringt. Was würde Dagobert mit einer Million Taler machen? Bestimmt nicht ausgeben!

An diesem Wochenende feiern Christinnen und Christen „Erntedankgottesdienste“. Vor den Altären liegen Früchte des Feldes, der Bäume und der Sträucher, schön aufgebaut und dekoriert. Heute, an Erntedank, danken Christinnen und Christen traditionell Gott für diese Schätze.

Martin Luther sagte einmal: „Woran Du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ Das Herz des Menschen kann an vielen Schätzen hängen: an Besitz, Erfolg, Geld. Natürlich hängt das Herz der Menschen an den Dingen, die sie sich, oft über lange Zeit, erarbeitet haben. Die Schätze können auch eine negative Seite haben wie bei Dagobert Duck: Er hatte Angst um seine Taler und war gerade darum so grießgrämig.

Walt-Disney-Zeichner Carl Barks wollte mit der Figur von Dagobert Duck eine gesellschaftskritische Haltung einnehmen – im Jahr 1934. Und über das Medium Comic der amerikanischen Gesellschaft ein Spiegel vor Augen halten: Wie es ist, wenn Menschen nur an ihr eigenes Kapital, ihre eigenen Schätze, denken und wörtlich „ihr Herz dran hängen?“

Konkret: Was sind weitere Schätze?: vielleicht die Liebe eines anderen, das Lächeln des Nachbarn, die Begegnung mit einem Menschen, der das Leben verändert, Melodien, Bilder, die uns anleiten, sich selbst neu zu begegnen.

Am Erntedankfest schauen Christinnen und Christen bewusst auf die Gaben, die vor und auf dem Altar liegen und die zur Dankbarkeit auffordern. Gleichzeitig leiten sie dazu an, auf das Wesentliche im Leben zu schauen: Die Dankbarkeit für das, was ich bin und habe, und das Besinnen darauf, dass „alle gute Gabe“ von Gott herkommt.

Ihr Pastor Marcus Buchholz, Liebfrauenkirche, Neustadt

Karin PuyWenn ich im Zug sitze, hole ich mein Handy raus. Da befinde ich mich in ziemlich guter Gesellschaft, um mich herum tun das fast alle. Ich sende allerdings keine Nachricht, ich spiele auch nicht irgendein Spiel. Ich könnte wegen der Bundestagswahl am Sonntag auch noch einmal den Wahl-O-Mat öffnen, aber ich öffne eine ganz andere App. Nicht das Wetter, nicht die Nachrichten, sondern die Lutherbibel-App.

Ich tauche „app“, morgens auf dem Weg zur Arbeit und nachmittags auf dem Rückweg. Zwischen Schulbroten schmieren und Schreibtisch und zwischen Schreibtisch und Einkaufswagen.

Natürlich könnte ich auch eine Bibel, also ein echtes Buch aus Papier, in der Tasche haben, aber mit Büchern bin ich pingelig. Und so ein altes – für mich – wertvolles Buch im Hosentaschenformat, das finde ich toll. Ein Buch bleibt es für mich trotzdem. Meistens lese ich die vorgeschlagene Textstelle des Leseplans, aber manchmal wähle ich auch ganz zufällig eine Bibelstelle aus.

Ich tauche „app“ ... „app“ aus dem Alltag.

Für einen kleinen Moment lege ich die Dinge des täglichen Lebens ab, für einen kleinen Moment sind die alltäglichen Dinge app-geschaltet. Die App holt mich im Alltag ab und das kleine Stückchen Bibel bringt mich gestärkt wieder in den Alltag zurück.

Sehr oft mit neuen Gedanken aus einem alten wertvollen Buch.

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Psalm 119,105

Karin Puy, Lektorin der Kirchengemeinde Luthe

Sie haben es bestimmt erkannt! Dieser Vers stammt aus Psalm 23.
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. So heißt es da.
Der 23. Psalm ist einer der bekanntesten Psalmen. Bei uns in der Gemeinde ist er seit Jahren der Lieblingspsalm der Konfirmanden. Jedes Jahr sucht sich die Mehrzahl der Jugendlichen diesen Psalm als Begleiter für ihren Lebensweg aus. Oft bleiben die Konfirmanden an dem Wort ‚erquicket‘ hängen. Was bedeutet das?
Wenn man dem Wort ‚erquicket‘ auf den Grund geht, dann findet man da: Leben, Lebendigkeit! Quicklebendig‘ – was das bedeutet, weiß jeder.
Quicklebendig wird man besonders durch eine Erfrischung. Körperlich erlebt man das durch ein belebendes Bad im kühlen Meer, durch eine erfrischende Dusche nach der Hitze des Tages oder durch ein anregendes Getränk nach einer langen Wanderung.
Eine solche erquickende Erfahrung haben die Konfirmanden auf ihrem Konfirmandenferienseminar in Südtirol gemacht. Über zwei Stunden sind sie im Hochgebirge zu einer Alm gewandert. Verschwitzt und erschöpft kamen sie dort an. Und dann gab es Apfelschorle oder einen leckeren Kakao mit Sahne oben drauf. Das tat gut, weckte die Lebensgeister und dann konnte es wieder zurückgehen.
Mit dieser Erfahrung wird auch die zweite Bedeutung von erquickend deutlich: Stärkung und Ermutigung. Nach dem Innehalten und dem Erfrischen konnten die Konfirmanden wieder aufstehen und ihren Weg gestärkt fortsetzen.

Du erquickest meine Seele‘. Das bedeutet ganz schlicht, dass Gott uns quicklebendig macht. Er erfrischt unsere Seele und gibt neue Kraft für unsere Wege.
Egal wie anstrengend ein Weg auch ist, Gott erquickt uns darauf immer wieder mit dem, was wir dazu brauchen. So erweist sich Gott als unser Hirte – und deshalb wird es uns an nichts mangeln.

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Das war mal wieder so eine Woche: Eine Woche, in der nicht alles gelungen ist und der vieles mühsam war. Ich wollte doch nur vorankommen und bin daran gescheitert, dass ich zu viele Menschen getroffen habe, die „nicht zuständig“ waren. Auch wenn man sehr freundlich fragt und den Helferinstinkt des Gegenübers adressiert. „Könnten Sie mir bitte helfen? Ich benötige…“ Dann kommt die ernüchternde Antwort: „Dafür bin ich nicht zu ständig.“ Das ist genauso ernüchternd wie die Antwort „Stören Sie mich nicht“. Und auch nicht wirklich konstruktiv.  Eine Antwort wie:  „Da habe ich keine Antwort, aber ich wüsste, wie man Ihnen helfen kann“ ist da gleich eine andere Nummer, aber viel hilfreicher. Frust staute sich auf und ich fühlte mich hilflos, man könnte auch sagen: ohnmächtig.

Und so hangelt man sich durch manche Tage, ratlos und hilflos. Gegen Wände zu rennen, immer und immer wieder, schafft massive Kopfschmerzen. Und die Wand versetzen, damit ich nicht dagegen rennen muss? Oder einen kleinen Umweg gehen? Im Kampf gegen die Entmutigung kommt mein Gedanke auf Senf. Da gab es doch einen Vers: „Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.“ So steht es im Matthäus-Evangelium im 17. Kapitel.

Ist mein Glaube so viel kleiner als ein Senfkorn, dass ich mich von einem „da bin ich nicht zuständig“ abschrecken lasse? Wo ist meine Kraft, mein Optimismus hin? Dieser einfache Vers sollte mir doch die Energie geben, mich nicht abschrecken zu lassen und Zuversicht zu versprühen. Denn meine Aufgabe ist nicht unbedingt, Berge zu versetzen. Aber diesen Mut machenden Glauben wünsche ich mir schon, damit ich den nicht hilfsbereiten Zeitgenossen in meinem Alltag mit der notwendigen Gelassenheit begegne und weiß: Gott ist mit mir und verleiht mir, wenn es eng wird, auch mal Flügel. Ich sollte anders an die Aufgaben rangehen…

Jörg Mecke, Prädikant in Idensen

Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe? Der Satz heißt doch ganz anders, werden Sie vielleicht denken. Ja, genau. Die 3 Worte sind Bestandteil eines prominenten Satzes. Manche kennen ihn vielleicht als Tauf- oder Konfirmationsspruch oder haben ihn als Vers für die eigene Trauung gewählt.

"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.", so schreibt es Paulus an die Gemeinde in Korinth und beschreibt damit das Wesen der Liebe Gottes. Einer Liebe, die alles duldet, nicht nach ihrem Vorteil sucht, nicht eifersüchtig ist. Können wir so bedingungslos lieben? Vielleicht sollten wir es immerhin versuchen.

Die Einrichtungen der Diakonie helfen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen und besonders, wenn es schwierig wird. Die Angebote reichen von Beratung werdender Eltern, Begleitung am  Anfang des Lebens, bis zur Arbeit in Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe – die drei Worte beschreiben das Wesen der Diakonie, wie sie gedacht ist: als Dienst am Menschen.

Das geht für die, die da dienen davon aus, dass ihr Dienst dem eignen Glauben entspringt. Mein Glaube macht mich fähig anderen zu helfen, weil er mich stark macht, weil meine Hilfe, meine Kraft, sich aus der Liebe Gottes zu uns Menschen speist – ohne Ansehen von Herkunft, Glaube, Alter, Stand... Die Hilfe soll Hoffnung geben, die eigenen Stärken wach-rufen und mobilisieren. Manchmal, wenn keine Kräfte mehr da sind und die vorhandenen schwinden, dann kann es die Hoffnung sein, dass nach dem Leben noch etwas kommt.

Dienst am Menschen ist praktische, ist gelebte Nächstenliebe. Sie spart keinen Teil des Lebens aus. Die Liebe Gottes befähigt uns zu glauben, zu hoffen und dazu den Nächsten zu lieben und uns selbst. So hat Paulus gedacht, so haben die gedacht, die begannen, die Werke zu gründen, die wir heute als diakonische Werke kennen. So denken auch heute noch Menschen, die in diesen Werken, aber auch in jeder Gemeinde und bei uns im Kir-chenkreis diakonisch arbeiten. Sicher kennen auch Sie welche, die dazu gehören.

Morgen beginnt die Woche der Diakonie; Veranstaltungen werden angeboten. Weil an Gott alles liegt, beginnt die Woche mit einem Gottesdienst oder endet mit ihm am kommenden Sonntag. Ganz sicher auch in ihrer Gemeinde. Vielleicht ist der Einsatz für andere und mit anderen ja auch etwas für Sie. Vielleicht wollen Sie auch wissen, was für Sie angeboten wird? Schauen Sie doch einfach mal auf den bunten Strauß, der aus Gottes und der Menschen Liebe bei uns erwachsen ist:

http://www.diakonie-neustadt-wunstorf.landeskirche-hannovers.de/

Diakon Heinz Laukamp

 

Im Urlaub schaue ich mir gerne Kirchen an. Ich setze mich dort in eine Bank, lasse den Trubel hinter mir und spüre den Eindrücken der Urlaubstage nach. Vor einem Gottesdienst  genieße ich auch zu Hause die Stille unserer Kolenfelder Kirche. Im Moment ist es aber laut in unserer Kirche. Zimmerleute, Maler, Verputzer, Elektriker gehen ein und aus. Der Kirchenraum ist kaum wiederzuerkennen: komplett eingerüstet, das Dach an mehreren Stellen offen, Orgel, Altar und Taufstein sind mit Folien und Abdeckplatten verhüllt. Unsere Kirche wird renoviert. Es war an der Zeit – zumal Holzbalken im Dach vom Pilz befallen sind.

Wenn wir mittags Kaffee für die Handwerker in die Kirche bringen, freue ich mich, dass die Handwerker ihr Fachwissen und ihre Arbeitskraft für unsere Kirche einsetzen. Mit dem Kaffeebecher in der Hand sagen sie, dass die Arbeit in einer Kirche für sie etwas anderes ist als die Arbeit in einem Wohn- oder Geschäftshaus. Ich höre das ich in doppelter Weise: einerseits haben sie mir erklärt, dass es handwerklich etwas anderes bedeutet, ob sie in einem 300 Jahre alten Gebäude arbeiten oder an einem Neubau. Andererseits klingt für mich auch mit, dass sie eine Kirche als einen besonderen Raum empfinden – auch wenn der Taufstein gerade als Stehtisch genutzt wird für ihre Kaffeebecher.

Kirche sind besondere Räume. Seit Generationen haben Menschen in unserer Dorfkirche fröhlich gesungen zur Hochzeit oder Kraft und Trost gesucht in schweren Zeiten. Wie viele Menschen haben an diesem Taufstein gestanden und haben Gott für das neue Leben Danke gesagt. Singen, Beten, Gottesdienste feiern – seit 300 Jahren ist unsere Kirche davon erfüllt und geprägt. Gut, wenn trotz Gerüsten und Baulärm zu spüren ist: die Kirche ist ein besonderer Raum.

Als Kirchenvorstand wollen wir unsere Kirche zum Innehalten und Feiern erhalten. Wir sind beeindruckt, dass so viele Menschen die Kirchenrenovierung unterstützen und damit zeigen, dass sie unsere Kirche im Dorf nicht missen möchten. Sicher freuen wir uns alle, wenn der Stehtisch wieder zum Taufstein wird.

Kirchen sind besondere Räume. Viele Menschen spüren das – auch heute, wo es nicht mehr so selbstverständlich ist wie vor 300 Jahren, Kirchenmitglied zu sein: die Kirche als Raum tut gut, weil wir dort in besonderer Weise Gott nahe sein können und Orientierung für unser Leben finden können.

Probieren sie es aus. Gehen sie in eine Kirche – morgen am Sonntag zum Gottesdienst oder einfach so zum stillen Zwiegespräch mit Gott. Ich wünsche Ihnen, dass sie Gottes Nähe spüren.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld

Da liegt es also. Ich sehe es jetzt zum ersten Mal. Seit wann liegt es dort wohl? Es ist unscheinbar, grau, verbogen und angerostet. Dennoch macht es mich natürlich irgendwie neugierig…

Es handelt sich um ein Stückchen Draht, der auf meinem Nachtschrank liegt. Weiter nichts. Ist er nur verbogen oder gezielt in diese Form gebracht worden? Mit etwas Fantasie ähnelt es einem Herzen.

Es ist staubig und Staub liegt darum herum. Also muss das Herz schon etwas länger dort liegen. Aber: warum ist es mir nicht vorher aufgefallen? Hat es meine Frau mit verstecktem Hinweis dort qualifiziert deponiert? Wollte mir meine Tochter eine Botschaft schicken oder gar mein Sohn? Manchmal dauert es, bis nonverbale Aufmerksamkeiten gehört werden.

Ich mache mir das Herz zu eigen. Bald darauf säge, glätte und poliere ich ein besonders markantes Stückchen Lindenholz und befestige mein schmuckloses Herz daran. Es bedarf mehrerer Versuche beide Teile so zu verbinden, dass sie zu Einem werden. Das Ergebnis ist alles andere als unscheinbar oder schmucklos. Zumindest in meinen Augen.

Als meine Familie einmal ausgeflogen ist hänge ich das neue Kunstobjekt in den Flur. Es macht sich gut dort. Ich bin stolz. Als sie zurückkommen sage ich nichts. Schließlich lag das Herz auch plötzlich ohne ein Wort an meinem Bett.

Beiläufig und unvermittelt sagt meine Frau einige Tage später nur das eine Wort: „Schön“. Ich weiß sofort wovon sie spricht. „Also von Dir?“ frage ich sie. „Ja, Du warst so traurig, damals.“

Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben. Sprüche 4:23

Gunner Linde-Göers, Stifts-Kirchengemeinde

Waren Sie schon im Urlaub?

Hatten Sie Zeit für sich, für die Familie oder als Paar?

Mehr Zeit zu zweit kann – ohne die Ablenkung und Geschäftigkeit des Alltags - zu mehr Reibereien führen. Und es kann auch mehr entspannte Zeit geben, Zeit für die Beziehung, in der die eigene Aufmerksamkeit dem andern gerne gegeben wird, Zeit, in der spontan nach Lust und Laune und Wetter entschieden wird, wie man den Tag miteinander oder getrennt voneinander verbringt … mit Freiraum, Sonne, gutem Essen, chillen oder Aktion…

Und: Tanzen Sie? Tango? Oder kennen Sie den Tango Argentino, diese spezielle Form des Tangos, in der nicht festgelegte Schrittfolgen miteinander getanzt werden, sondern in der spontan entschieden und improvisiert wird? Wie im Urlaub? Der Tango wird vom Mann entwickelt, je nach Charakter der Musik und die Frau nimmt seine Impulse wahr, und je nach Tagesform, Temperament und Können wird der Tango einfacher oder aufwendiger getanzt. Kein Tango gleicht dem anderen. Manchmal harmoniert es besser, manchmal ist es nicht so einfach, aufmerksam für die Impulse des anderen zu sein und gemeinsam eine Form zu finden. Der Schriftsteller Jorge L Borges hat einmal geschrieben: „Tango ist … die Überzeugung, dass ein Streit auch ein Genuss sein kann.“ Tango ist auf jeden Fall Begegnung und ich wünsche Ihnen, dass Sie im Urlaub und danach hierfür immer wieder genug Zeit finden und sie sich füreinander nehmen.

Dem Kirchenvater Augustin wird ein recht bekannter Satz über das Tanzen im Himmel zugeschrieben: „Mensch, lerne tanzen, denn sonst wissen die Engel im Himmel mit Dir nichts anzufangen.“ Ich jedenfalls kann das Tanzen gut als Symbol für die „Hingabe an das Leben“ verstehen. Und empfehle es Ihnen!

 

Christine Koch-Brinkmann, Leiterin der Lebensberatung der Kirchenkreise Grafschaft Schaumburg und Neustadt-Wunstorf für Einzelne, Paare, Familien und Supervision

Das Ensemble für die Abendmusik wird vorgestellt: ein Cello, um mit dem optisch größten Instrument zu beginnen, eine Bratsche, eine zweite und eine erste Geige. Alle Damen, denn es handelt sich um Musikerinnen, sind hübsch anzuschauen. Dem Thema gemäß – Lateinamerikanische Rhythmen – haben sie sich in rot und schwarz gewandet. Das Konzert kann beginnen. Die Spielerinnen sehen sich an, die Instrumente werden in Position gebracht, die Bögen angesetzt, ein kurzes Kopfnicken und der erste Ton erklingt. Nun sollte man landläufig meinen, den Vortritt hätte die erste Geige, aber weit gefehlt. Das Cello hat übernommen, das Instrument mit der tiefsten Stimme im Ensemble. Mit energischem Bogenstrich bringt die junge Dame die Saiten zum Klingen. Sie führt nicht nur die Titel-Melodie in diesem Tango, sondern unterstreicht auch den eigenwilligen Rhythmus des Stückes. Ähnlich geht es weiter: einmal ist die Bratsche vorn, mal die Geige, mal  ist das Cello tonangebend. Nur in einem Stück spielt die Erste Geige tatsächlich die erste Geige. Jesus sagt: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein“ (Mk 10,43). So ist die erste Geige zwar unersetzlich im Orchester, aber eben nicht die größte Stimme.

Insgesamt stellt sich in dem Konzert ein Wohlklang ein, der die Zuhörenden die Spitzenposition einer Konzertmeisterin, der ersten Geige, vergessen lässt. Die Musikantinnen verstehen sich, und auch ihre Instrumente verstehen sich und können so zu einem vertrauten Miteinander finden. Das erinnert mich an Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Korinth:  „Es gibt zwar verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist. Es gibt verschiedene Aufgaben, aber es ist immer derselbe Herr. Es gibt verschiedene Wunderkräfte, aber es ist immer derselbe Gott. Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.“ (1. Kor. 12) So funktioniert auch das Zusammenleben in der Familie, in der Kirche, in Stadt und Land, in Europa, auf der Welt. Nur im Miteinander ist ein gedeihliches Konzert möglich.

Helga Kaiser, Prädikantin

Sommerregen Freude oder 'früher war alles besser'? Was ist nur wieder mit diesem Sommer und unserem Wetter los? Platz- oder trüber Dauerregen anstatt wolkenloser Himmel und das nur allzu häufig. Filmnachmittage anstatt Grillen auf der Terrasse bei die Woche 90% Regenwahrscheinlich-keit. Mancher Orte die Waldbrände, die sich nur schwer unter Kontrolle bringen lassen und in unseren Breitengraden, in unserer Region so viel Regen, dass der Boden das viele Wasser gar nicht mehr aufnehmen kann.

Sommerregen Freude also trotz Gummistiefel und überschwemmter Keller? Eines muss man dem Regen lassen. Er ist zwar nass, aber er ist nicht so kühl wie im Herbst. Ein schwacher Trost?! Kurt Rose dichtete 1989 dazu:

Schreib einen Brief der Liebe, kauf' einen Luftballon,

lauf' durch die mondhelle Brandung, schminke den öden Beton …

Bau' mit dem Kind ein Brücklein, male ein Demoplakat!

Gib dem Kranken ein Süpplein, sä' an der Ampel Spinat …

Lege im Hof einen Teich an, lerne ein Abendgedicht,

pflanz' einen Baum vor dem Panzer, nimm dem Hauptmann die Sicht.

Sommerregen Freude, Herzwind Ruh'

Länder, Länder, Straßen, ich und du.

Sommerregen Freude – der Sommer ist für mich die Jahreszeit, zu der die Siesta gehört. Eine Zeit, in der die Winde im Herzen sich legen; ich es mir bei Zeiten, wie die Cowboys in den Filmen, bequem mache, um mir mit einem lässigen Griff den Hut über die Augen zu legen. Nach den Frühlingsgefühlen ist der Sommer auch die Zeit, einfach einmal verrückte Dinge zu tun. Und so lege ich mich, sobald die Wolkendecke aufreißt, auf die Wiese und träume: „Jonny, give peace a chance!“

Sommerregen Freude – sich nicht die Laune verderben lassen; ist es doch genug, dass ein Teil der Ernte verregnet. Sommerregen Freude – das Beste aus der Situation machen, auch wenn die Sommer früher wohl sonniger, wärmer und überhaupt und alles in allem beständiger waren.

Sommerregen Freude und Gott befohlen!

Ihre Vikarin in Kolenfeld, Kerstin Wackerbarth

Wer reist, kann etwas erleben. Immer mehr unserer Bekannten kehren aus einem erholsamen Urlaub zurück. Voller Begeisterung erzählen sie von den Erlebnissen. Von schönen Stränden, einsamen Flüssen, weiten Wäldern. Viele erzählen mir von der Pracht und Schönheit der besuchten Kirchen. Besonders in Erinnerung aber bleiben die Begegnungen mit Menschen. Gerade da, wo man die Hotels und Pensionen verlässt und etwas tiefer in die besuchten Länder eintaucht, fällt die Herzlichkeit der Menschen auf.

Mir ist das zuletzt während der Jugendfreizeit in Norwegen und Schweden so gegangen. Ich hatte den Bus mit dem großen Anhänger voller Boote am Straßenrand einer einsamen Waldstraße geparkt und war zu Fuß unterwegs, um einen geeigneten Zeltplatz für die Nacht und einen Einsatzpunkt in den Fluss zu erkunden. Neben mir hält ein Auto und ein älterer Herr spricht mich auf norwegisch an. Ich verstehe nur wenig von dem, was er sagt. Bald aber ist er klar, er hat die Gruppe Jugendlicher am Auto gesehen und lädt uns ein, an seinem Haus zu zelten und einzusetzen. Er sei immer so alleine dort. Ich bin überrascht - wer traut sich bei uns einem Fremden, auf die Nase zu binden, dass man in einem einsam stehenden Haus allein ist?

Einige Tage später stehen unsere Zelte um Flussufer vor einem Wäldchen. Am Ufer ist ein schmaler Streifen gemäht. Wenig später erscheint ein Herr mittleren Alters auf einem Rasentrecker, um den Streifen zu verbreitern. In Schweden gibt es kaum öffentliches Land. Wir zelten sozusagen in seinem Vorgarten, auch wenn das Haus fast einem Kilometer hinter dem Wald steht. Ich mache mich aufs Einpacken und Weiterpaddeln gefasst und spreche ihn freundlich an. „Was für einen herrlichen Platz zum Zelten ihr gefunden habt. Herzlich willkommen in Schweden!, so seine Antwort“

„Übt Gastfreundschaft!“ schreibt Paulus im Brief an die Römer. „Überwindet das Böse dieser Welt dadurch, dass ihr Gutes tut.“  Ich hoffe, dass viele von Ihnen ähnlich gute Erfahrungen sammeln konnten. Noch mehr wünsche ich den Menschen, die uns besuchen, dass sie auch an unseren Türen willkommen geheißen werden.

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf

 

Gleich zu Beginn der Ferien waren wir mit 46 Kindern auf Freizeiten. Davon gehörten 20 zur Freizeit der zehn bis dreizehn jährigen Kinder. Der Abendabschluss war ein fester Programmpunkt im Tagesablauf. Jeden Abend saß die Gruppe im Kreis, es wurde mit einander gesungen und jeder durfte an Hand von verschiedenen farbigen Steinen zeigen und erzählen wie der Tag war: die grünen Steine standen für die tollen Erlebnisse, die gelben dafür wenn etwas eher mittelmäßig war und rot wenn man etwas ganz negativ erlebt hat. Es war spannend zu sehen was von den Einzelnen mit grün, gelb oder rot bewertet wurde. Auf diese Weise hatte jeder die Gelegenheit den Tag noch einmal kurz an sich vorüber ziehen zu lassen und sich auszutauschen welchen Wert das Erlebte hatte.

Können sie sich im Alltag auch so einen „Abendabschluss“, lassen sie den Tag noch einmal an sich vorüberziehen? Gibt es den Moment wo sie lächeln über das tolle Wetter, die netten Kollegen am Arbeitsplatz, das Erfolgserlebnis im Sport? Oder vielleicht auch festzustellen, dass ein Missverständnis mit einem Freund sich in einem Gespräch nicht klären ließ, die  Waschmaschine jetzt kaputt und die Rücklagen aber schon für die neuen Sommerreifen verbraucht wurden oder sie selbst nicht mehr wissen, worum es heute Morgen in der hitzigen Diskussion mit dem Partner eigentlich ging?

Die Kinder auf der Freizeit habe mir persönlich gezeigt wie gut es tut am Ende des Tages noch einmal inne zu halten und den Tag Revue passieren zu lassen. Nachzudenken wofür ich heute Gott danken kann, weil mich das Erlebte zum Lachen bringt. Oder auch zu merken, da ist ein Konflikt noch nicht ausgestanden und noch ein Gespräch fällig, weil der andere mir wichtig ist und ich das Problem nicht einfach nur aussitzen möchte. Sich Zeit und Ruhe gönnen, eben auch nicht alles als selbstverständlich hin zu nehmen, bewusster zu leben und auch mein eigenes Verhalten überdenken zu können. Es kostet nicht viel Zeit am Abend den Tag auf diese Weise abzuschließen. Dafür bleiben aber die kleinen, schönen Momente länger in Erinnerung und ich merke wo ich selbst noch einmal das Gespräch suchen muss, um ein Problem aus der Welt zu schaffen. In der Abendandacht haben die Kinder viel von ihrem Erlebten noch einmal in einem Gebet zusammengefasst, positives wie negatives. Auch diese Möglichkeit steht jedem Menschen offen, das Gespräch mit Gott zu suchen und ihm ganz einfach zu erzählen „Was für ein Tag…“.

Beate Degener, Diakonin und Kreisjugendwartin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Zuerst steckten sie nur ihr Köpfchen heraus, betrachteten eine Weile die Welt, die sich ihnen da auftat, erblickten zum ersten Mal das Grün der Wiese, die bunten Blumen, das Wogen der Zweige im Wind, das Blau des Himmels…. Und dann schlüpften sie heraus, flogen davon in das Neue, Unbekannte. So verließen nach und nach fünf kleine Blaumeisen das Dunkel ihrer Nisthöhle in meinem Garten.

Zum ersten Mal. Bei kleinen Kindern kann man beobachten, wie sie etwas zum ersten Mal entdecken: den Grashalm in ihrer Hand, den Käfer im Gras - und wie sie voller Staunen betrachten und schauen.

Für uns Erwachsene könnte es ein spannendes Spiel mit uns selbst werden:

Stellen Sie sich vor, Sie sehen alles zum ersten Mal. Stellen Sie sich vor, Sie lassen all die gewohnte Routine und alle Erfahrungen hinter sich. Sie öffnen die Tür an einem nach Sommer duftenden Sonnentag, blinzeln und schnuppern und entdecken draußen alles zum ersten Mal: die blühenden Hortensien vor dem Fenster, den flatternden Zitronenfalter, die weißen Wolken, die am Himmel vorbeisegeln, die sommerlichen Lichtpunkte, die in den Zweigen der großen Birke tanzen. Und du staunst und siehst: Gottes Welt ist schön.

So muss es dem Psalmbeter gegangen sein, als er in dem Psalm 104 sein Loblied auf Gott und die Schöpfung sang: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ Und er schließt: „Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!“

In der Fülle des Sommers Gott loben und danken! Stell dir vor, dir gehen die Augen über vor Staunen über eine wunderbare Schöpfung, und du hast keinen Moment Anlass, an der Existenz Gottes zu zweifeln.

Und auch wer in dieser Ferienzeit verreist ist und über die unendliche Weite des Meeres oder auf die majestätisch hohen Berge schaut, kann dann vielleicht einstimmen:

Gott, deine Werke sind groß,

wir staunen über deine Wunder,

von deinem Segen leben wir,

Gott, wir danken dir.

 

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf

Wann sie mit den Vorbereitungen begonnen haben, ist nicht bekannt. Wie viele Menschen involviert waren, um die Feierlichkeiten bis ins letzte Detail zu planen, hat niemand gezählt. Wer selbst einmal in Hochzeitsvorbereitungen eingebunden war, ahnt, wie viel Mühe und Zeit investiert werden, bevor die ersten Gäste eintreffen, die Feier beginnt.

Doch die verheißungsvoll beginnende Fest-Geschichte, die Jesus erzählt, mündet schnell in eine große Enttäuschung. Während aus den Küchen das Geklapper der letzten Handgriffe zu vernehmen ist, überbringen Boten schlechte Nachrichten: Die Gäste, die Tage vorher zugesagt hatten, werden nicht kommen. Sie ziehen es jetzt vor, ihre Neuerwerbungen zu besichtigen oder die eigene Hochzeit zu feiern. Solch eine Brüskierung des Gastgebers allein würde schon Schlagzeilen machen. Doch seine Reaktion ist noch skandalöser: Der Hausherr lässt Arme und Behinderte, Böse und Gute holen. Immer wieder schickt er Boten aus, damit jeder Platz besetzt ist und das Fest beginnen kann. Das Gleichnis vom großen Abendmahl – so der Evangelist Lukas (Lk 14,16-24) – ist in der Überlieferung des Matthäus (Mt 22,1-14) zur königlichen Hochzeit gesteigert. Die verständliche Enttäuschung des gekränkten Königs wird drastischer geschildert: Er zeigt sich durch Rachefeldzüge auch als Despot. Gäste in unpassender Kleidung werden vor die Tür gesetzt. Niemand soll sich zu sicher fühlen, dabei sein zu dürfen; zu hoch war der Preis, dieses Fest überhaupt ausrichten zu können. Welch ein Wechselbad der Gefühle!

Trotzdem ist das Gleichnis vom Hochzeits-Fest, zu dem eine unerwartet bunte Gesellschaft eintrifft, zum Hoffnungsbild des christlichen Glaubens geworden. Wer es selbst ausprobiert hat und mit erst völlig Fremden dann fröhlich gefeiert hat, hat einen Vorgeschmack auf das bekommen, was uns eines Tages in Vollkommenheit erwartet, denn: Alles ist bereit! Darin sind sich Lukas und Matthäus einig.

Überraschend fröhliche Feste mit interessanten Gästen wünscht Ihnen

Ihre Dr. Vera Christina Pabst, Pastorin in Bokeloh und Wunstorf

Was für eine Frage! Wer etwas erreichen will, kann doch nicht zufrieden sein! Unzufriedenheit ist eine Triebfeder unserer Leistungsgesellschaft. Denn wer zufrieden ist, muss seine Leistung nicht weiter steigern. Aber die Leistung soll doch immer weiter gesteigert werden oder nicht? Und wer zufrieden ist, könnte keine großen Wünsche mehr haben, muss nicht noch mehr konsumieren. Werbung würde dann ins Leere laufen. Wer alles hat, was für das eigene Leben wichtig ist, muss nicht das kaufen, was gerade „in“ ist.

Im Blick auf Herausforderungen in unserer Gesellschaft kann niemand zufrieden sein. Engagierte Menschen können Veränderungen bewirken. Dabei ist niemand von uns in der Lage, die (ganze) Welt zu retten – wir können uns nur in dem Maße einsetzen, wie es uns möglich ist.

Und trotzdem ist die Frage berechtigt: dürfen wir zufrieden sein?

Ich meine: ja, wir dürfen zufrieden sein. Zumindest wenn wir haben, was wir zum Leben brauchen – und davon haben die meisten von uns genug. Und dann wäre Zufriedenheit zutiefst sinnvoll: der Drang, immer noch mehr anzustreben, wäre nicht mehr da. Und wer in dieser Weise zufrieden ist, kann in sich selbst ruhen, und vielleicht auch in Gott.

In den Psalmen, dem Liederbuch des Alten Testaments, findet sich ein Aufruf, zufrieden zu leben, weil Gott sorgt: „Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der HERR tut dir Gutes.“ (Psalm 116, 7).

Das Gute in Gott suchen und entdecken, kann helfen, innere Zufriedenheit zu finden.

So können wir auch zu neuer Motivation und Kraft kommen, um uns für nötige Veränderungen einsetzen und Probleme anpacken können. Zufrieden werden bedeutet schließlich nicht, seinen Egoismus zu pflegen, sondern einen inneren Ruhepunkt zu finden. Die gerade begonnenen Sommerferien sind eine gute Möglichkeit, Zufriedenheit zu suchen und einzuüben.

 

Das wünscht Ihnen Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Es gibt viele Türen: Der Großteil davon wird jeden Tag ein paarmal benutzt. Ebenso die Schlüssel, die dazu gehören. Es gibt auch Türen, die sind so fest verschlossen, als wären sie seit Jahren nicht mehr geöffnet worden. Als wäre der passende Schlüssel nicht mehr vorhanden. Wo aber Türen einladend offen stehen, können sich Menschen begegnen. Und wenn die „Tür“ zwischen zwei Menschen offen ist, kann echte Begegnung stattfinden. Doch manchmal fallen Türen zwischen Menschen ins Schloss. Die Menschen verschließen sich voreinander, finden keinen Zugang mehr zueinander. Begegnung findet nicht mehr statt. Der „Schlüssel“ passt nicht mehr, die Tür lässt sich nicht mehr öffnen. Vielleicht will man sie gar nicht mehr öffnen oder manch einer merkt es gar nicht, dass er eine Tür zugeknallt hat. Traurig ist es dann, wenn niemand versucht, die zugeschlagene Tür wieder einladend zu öffnen. Wenn keiner versucht eine Begegnung zu ermöglichen.

Aber nicht nur zwischen Menschen können Türen zufallen, sondern auch zwischen Gott und uns Menschen. Bei ihrer Konfirmation bekräftigen  Konfirmanden das Versprechen, das ihre Eltern und Paten bei ihrer Taufe gegeben hatten. Sie sagen „Ja“ zu einem Leben mit Gott. Nichtsdestotrotz  fällt für viele danach die Tür zu Gott ins Schloss. Sie finden keinen Zugang mehr zu ihm, halten die Verbindung mit ihm für überholt. Sozusagen nicht mehr zeitgemäß. Manchmal  - nach Jahren -  merkt manch einer, dass da eine Tür zu Gott ist, eine Tür die man selbst öffnen kann. Zu der sie selbst den Schlüssel haben. Dieser Schlüssel heißt Vertrauen, Vertrauen in Gott, der uns auf allen Wegen unseres Lebens begleitet. Auch wenn wir es oft nicht wahrnehmen. Mit diesem Schlüssel des Vertrauens kann die Tür zu Gott wieder geöffnet werden. Gott schlägt keine Tür zu. Und mit dem Schlüssel des Vertrauens kann auch die Tür zu anderen Menschen wieder geöffnet werden.

Jeder Tag bietet die neue Chance, nach den Schlüsseln für die ins Schloss gefallenen und somit verschlossenen Türen zu suchen. Ein solcher Schlüssel kann die Bereitschaft zur Vergebung sein, kann neues Vertrauen, ein Lächeln, ein klärendes Wort sein. Und ein Gebet, ein Gespräch mit Gott.

Marlene Richter, Prädikantin, Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

In dieser Woche und erst Recht heute, am Sonnabend, müsste man es eigentlich spüren: die Kirchen müssten herausgeputzt sein, die Kirchenvorsteher und Ältesten müssten bei Prozessionen anzutreffen sein, die Pastoren und Bischöfe müssten, mit aufgekrempelten Ärmeln, die Kirchenräume noch einmal durchputzen, Plakate müssten aufgehängt, flammende Reden zur Zukunft der Kirche gehalten werden, Diskussionsgruppen aller Altersstufen müssten über die Zukunft ihrer Gemeinden diskutieren, Jugendgruppen müssten Pläne schmieden, um sich vorzubereiten auf die baldige Übernahme der Verantwortung in ihrer Kirche …

Warum? Nun, am Sonntag wird Trinitatis gefeiert. Der lateinische Name lässt die Bedeutung nur schwer erkennen: das Fest der Dreieinigkeit. Was damit gemeint ist, wird im Vergleich zu den großen Kirchenfesten gern unterschätzt. Mit dem Trinitatissonntag beginnt nämlich das sogenannte Halbjahr der Kirche. Weihnachten kommt Gott auf die Erde, uns nah und erkennbar. Ostern überwindet er den Tod und macht mutig gegen alles Todbringende und Angstmachende auf der Welt und Pfingsten schüttet er seinen Geist auf die aus, die in diesem Geist leben und wirken wollen. Von Weihnachten bis Pfingsten - das nennt man das Halbjahr des Herrn - macht Gott sich der Welt bekannt, sagt wer er ist, was er will und wovon wir leben können. Danach, also ab Trinitatis, gilt: Selber machen! Es ist ein bisschen so, wie mit dieser Baumarktwerbung: Respekt wer’s selber macht! Die Kirche soll von diesem Wochenende an sich selbst ausprobieren, soll reden und handeln, wie Gott gehandelt hat. Sie hat sein Wort, seine Macht, seinen Geist.

Tut sie das? Eine kleine Gruppe von Verantwortlichen tut es. Sie denkt, plant, organisiert und arbeitet eigenverantwortlich, manchmal begeistert, manchmal mit Mühe. Aber beim Blick auf die ganze Gemeinde habe ich oft den Eindruck, dass Menschen sich den Glauben, das Angebot der Gruppen und Kreise eher vorsetzen lassen wie eine Mahlzeit, die andere gekocht haben.

So ist aber Kirche nicht gedacht. Dafür hätte sich keiner ans Kreuz nageln lassen müssen.

Ich stelle mir vor, dass Gott freundlich auf die herab sieht, die in seinem Sinn einfach loslegen und höre ihn allen mutigen und fleißigen Verantwortlichen seiner Kirche zuflüstern: „Respekt, wer’s selber macht!“

Pastor Axel Sandrock, Hagenburg

Liebe Leserinnen und Leser,

jedes Jahr zu meinem Geburtstag erzählen mir meine Eltern, wie sie begonnen hat, meine Geschichte hier auf Erden. Da fallen so Sätze wie: „Jetzt sind wir ins Krankenhaus gefahren.“ Oder „Weißt Du noch, wie lange wir spazieren gegangen sind? Die Flure rauf und runter.“ Aber irgendwann – und besonders als Teenager habe ich diesen Zeitpunkt sehr herbeigesehnt - heißt es dann: „Jetzt warst du da. Herzlichen Glückwunsch!“ 

Wenn wir Geburtstag feiern, dann feiern wir den Tag, an dem unser Leben begonnen hat. Der Tag an dem es los ging, mit unserer Geschichte hier auf Erden. Auch die christliche Kirche hat einen solchen Geburtstag, an dem ihre Geschichte begann. Jedes Jahr an Pfingsten feiern wir ihn.

Es ist eine Geburtstagsfeier ohne Torte und Geschenke, aber dafür mit viel Musik und festlichem Rahmen in unseren Gottesdiensten. Auch wir erinnern uns gerne an das, was damals geschah und erzählen die Geschichte dieser ganz besonderen Geburt:

Die Jünger Jesu warten in Jerusalem. Sie wissen nicht genau, was da auf sie zukommt, noch wann es los gehen wird. So üben sie sich in Geduld und laufen die Straßen Jerusalems auf und ab. Der Geist Gottes wird kommen, soviel hatte ihnen Jesus noch verraten, bevor er in den Himmel aufgefahren war. Er soll sie für ihre neue Aufgabe bereitmachen, in aller Welt die frohe Botschaft von Jesu Sieg über den Tod zu verkünden. Und dann, endlich, als alle zusammensitzen, geht es los. „Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.“ (Apostelgeschichte 2,2-4; Neue Genfer Übersetzung)

Das berichtet die Apostelgeschichte über die Geburt der Kirche. Sie kam in die Welt, indem Gott seinen Geist zu den Jüngern schickte, so dass das Wort sich ausbreiten konnte. Die frohe Kunde ging von Jerusalem hinaus in alle Welt. Und so lebt die Kirche seitdem als ein Ort, an dem die frohe Botschaft weitergegeben und gelebt wird. Nicht nur hier in Wunstorf, sondern überall auf dieser Welt. Und auch nach fast 2000 lebt sie mit jeder und jedem von uns weiter. Jedes Jahr und jeden Tag aufs Neue – eine ganz eigene Geschichte, die es sich lohnt, immer wieder zu erzählen.

Pastorin Marit Ritzenhoff

Jedes Jahr wenn sich der Frühling breit macht, dann ist sie wieder da, die große Frage: „Ob ich wohl dieses Mal einen Maikäfer entdecke?“ In Kindestagen, da ließen sich die „Burschen“ ja fast gar nicht blicken. Nur die Alten erzählten von Maikäferplagen vergangener Tage. In den zurückliegenden Jahren tut sich nun aber was. Wohl nicht in jedem Frühling, jedoch immer häufiger entdecke ich welche. Manch einen finde ich nur noch erdrückt auf Straße und Bürgersteig. Um so größer ist dann meine Begeisterung, wenn tatsächlich so ein „Geselle“ brummend an mir vorbeischwebt.
Vier Jahre brauchen sie unter der Erde, um dann das Licht der Welt zu erblicken. Und nur vier Wochen später ist es um sie geschehen. Was für ein Aufwand - wie viel Energie und Vorbereitungszeit um grade mal vier Wochen so etwas wie „Insektenkönig der Lüfte“ zu sein! Aber während ich das schreibe, denke ich: So ganz anders ticken wir Menschen auch nicht. Ganz abgesehen von der langen Vorbereitungszeit, die wir brauchen, um Schule, Berufsausbildung oder Studium zu einem krönenden Abschluss zu bringen: Wie oft schlummern auch sonst Ideen, Hoffnungen, große und kleine Ziele über Jahre hinweg in uns, gären so vor sich hin und absorbieren zwischenzeitlich eine Menge Energie. Und längst nicht alles was wir so erwartungsvoll aushecken erweist sich dann im Nachhinein als so genial, wie wir uns das vorher versprochen haben – manches verliert relativ schnell seinen Glanz, anderes ist gar nicht erst lebensfähig. Aber neben all dem, was da glanzlos am Boden liegen bleiben mag, brummt dann doch der ein oder andere „Geselle“ an uns vorbei und begeistert uns – gelingt uns das ein oder andere unserer Ziele recht gut und erfreut je länger desto mehr das Herz.
Ich mag an dieser Stelle das Gebet des König Davids (Psalm 139,23-24), der mit einer gesunden Skepsis sich selbst und den eigenen Vorstellungen und Plänen gegenüber die Worte spricht: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich´s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege.“

Pastor Claus Carsten Möller, St. Johannes Wunstorf

 

Vier Tage war ich gerade zu Gast bei den Schwestern der 'Communität Kloster Wülfinghausen'. Das Leben dort ist klar strukturiert: Im Kloster geben Gebete zu festen Zeiten jeden Tag einen klaren Rhythmus; liturgische Gesänge verleihen diesen Gebeten einen besonderen Charakter. Gebete und Gesänge schaffen wiederum den Rahmen für den Inhalt der Tage: sich im Stillsein zu üben, in sich hinein zu hören, sich Gott zu öffnen und das eigene Leben betend vor Gott zu bringen.
Stille, das ist für mich eine Herausforderung, ganz klar. Gefühlt bin ich ständig am Reden, stehe laufend im Kontakt mit anderen per Telefon, Mail, Whats-App. "Stille ist mehr als nicht zu reden," sagen die Schwestern. "Stille ist schweigen und sich ganz auf sich und auf Gott zu konzentrieren." Deshalb sei es wichtig, alle Außenreize abzustellen.
Diese Stille musste ich erst mal für mich ermöglichen. Zuerst landeten mitgebrachte Bücher im Koffer, danach habe ich das Handy ausgestellt.
Als zweites habe ich nicht mehr mit den anderen Gästen geredet, außer zu den dazu verabredeten Zeiten, und mich auf das eingelassen, was in der Stille geschieht.
Für mich war das eine facettenreiche Erfahrung: Entlastend war es, nicht im ständigen Austausch sein zu müssen, nicht immer neue Infos zu hören und zu verarbeiten. Stattdessen konnte ich einfach nur da sein, einfach schmecken, sehen, riechen, fühlen. Bereichernd war es, den Gesang der Amsel, den Duft des Flieders, den Geschmack des Croissants intensiver wahrzunehmen. Wohltuend und heilsam war es, zur Ruhe zu kommen, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen aufsteigen zu lassen und das alles im Gebet vor Gott zu bringen: als Klage oder Bitte, als Dank oder Lob. Dazu beigetragen haben auch die biblischen Impulse und Gespräche mit den Schwestern.
Vier Tage in der Stille, das ist eine intensives Erlebnis. Es lohnt, sich darauf einzulassen.
Dazu gibt es in Wülfinghausen zahlreiche Angebote, zu finden sind sie unter www.kloster-wuelfinghausen.de.
Vielleicht ist ja etwas für Sie dabei.

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Stefan KrügerLautet das Sprichwort nicht „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?“ Den gewohnten Wortlaut des von Erwachsenen abgenutzten und von Jugendlichen wohl kaum geliebten Spruchs, kann man einfach ändern und so vielleicht für eine alternative Alltags-Haltung sorgen. Wenn wir doch einfach „nur“ die Einstellung vertreten würden, dass das Vertrauen bei jungen Menschen und auch in den Beziehungen zwischen Erwachsenen eine wichtigere Rolle spielt als die gegenseitige Kontrolle. Vertrauen ist besser!

Menschliches Miteinander beruht auf Vertrauen. Das fängt in der Familie an, setzt sich unter Freunden, Nachbarn und Bekannten fort und endet beim Zusammenleben in Stadt und Land. Ohne Vertrauen ist kein Miteinander möglich. Und je mehr Misstrauen unseren Alltag bestimmt, umso mehr wird Vertrauen zum gefragten und kostbaren Gut.

Dem Arzt Vertrauen schenken, dass er die richtige Diagnose stellt, den Rettungskräften vertrauen, wenn sie helfen wollen, den Polizisten vertrauen, wenn sie schützen wollen. Der Lehrerin das Kind anvertrauen, der Nachbarin den Schlüssel zur Wohnung.

Einfach so, ohne Kontrolle. Das ist zu schwierig? Sie haben zu viel Enttäuschung erlebt?

Frère Roger, Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, schrieb einmal: „Das Vertrauen ist der Anfang aller Dinge.“  Seien Sie also mutig und wagen Sie wieder einmal Vertrauen. So kann manche Beziehung wieder neu begonnen werden.

Jesus hat schon zu seinen Lebzeiten auf Erden neues Leben in die Beziehungen von Menschen gebracht. Sein bevorzugtes Mittel dafür war das Vertrauen, das er Gott und Menschen entgegenbrachte. „Glaube“ sagte er zu dem Kranken, „und du wirst leben.“ Zu Petrus sagt er nur “Komm“ und solange Petrus vertraute, ging er nicht unter. Sein Zweifel ließ ihn erst die vielen Wellen im Leben sehen, der Sturm der Entrüstung über naives Gottvertrauen im Ohr, verstellte ihm den Blick auf Jesus. Und er wird doch gerettet, weil Jesus ihn sieht, ihm nahe ist.  Glauben heißt Vertrauen und bedeutet, dem Guten eine Chance zu geben.

Schenken Sie den Menschen in Ihrer Umgebung, so weit möglich, Vertrauen. Schütteln Sie Hände, üben Sie Gastfreundschaft. Suchen Sie das offene Gespräch, hören Sie zu. Machen Sie deutlich, dass Ihr Gegenüber Ihnen vertrauen kann, zeigen Sie so, dass echte Gemeinschaft gelingen kann. Vertrauen ist besser- für uns alle.

Von Diakon Stefan Krüger, Wunstorf

... und das nicht nur im Ostergottesdienst! Der liegt zwar schon länger hinter uns, aber mich interessierte, wie es zu dem Osterlachen kam, von dessen vereinzeltem Aufleben in Gemeinden ich gelesen hatte: Im 14.Jahrh. ging es los und war bis ins 19.Jahrh. weit verbreitet am Ostersonntag. Luther tat es als albernes Getue ab, und es war ihm ein Dorn im Auge, wenn die Pastoren auf der Kanzel Handstand machten, Grimassen zogen, zweideutige Witze erzählten, wie Gänse schnatterten oder immer Kuckuck schrien. Oft beförderten sie auch laut gackernd ein Ei unter ihrem Talar hervor oder krochen auf allen Vieren quiekend durch die Kirche.

Er lehnte nur diese Auswüchse ab, Humor im Gottesdienst aber nicht: „Wenn Gott keinen Spaß verstünde, so möchte ich nicht im Himmel sein.“

Aber was sollte das Osterlachen eigentlich bewirken ? Der Grundgedanke war : Die Erlösung durch die Auferstehung Christi betrifft den Menschen mit Leib und Seele. Die Osterfreude soll zum Ausdruck gebracht werden. Es symbolisiert den Sieg über den Tod. Ich fand eine Erklärung des Tübinger Theologen Kuschel : Die Auferstehung Christi lässt sich als Gottes Gelächter über den Tod verstehen. Liturgie und Lachen müssen sich keinesfalls ausschließen. Er bedauert, dass kirchl. Autoritäten heute in vielen Fragen oft nicht den geringsten Spaß verstehen und unter Christen mehr gezittert und gezetert als gelacht wird.

Dabei spricht Jesus für den Himmel in Luk.6, 21 „Ihr werdet lachen“

Aufklärung und Rationalismus verbannten sogar in manchen Gegenden schon ab 18.Jahrh. solche ganzheitliche Osterfreude aus der Kirche. Sie klingt aber heute noch in einigen Psalmen und Chorälen an. „Da wird unser Mund voll Lachens sein und unsere Zunge voll Rühmens oder im Lied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“, im 5. Vers „Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn…“ Natürlich bin ich bei meinen Erkundungen auf Witze gestoßen, die auf der Kanzel erzählt wurden, wie z.B: Über dem Portal einer großen Kirche steht „Das ist Gottes Haus, die Tür zum Himmel“- an der Tür „Während der kalten Jahreszeit bleibt diese Tür geschlossen.“

Ein Student, 1.Sem. im Predigtnachgespräch, hart diskutiert „Ob es die Auferstehung wirklich gibt, Herr Pfarrer, werden wir hier nicht entscheiden. Also sterben wir erstmal, und reden dann weiter.“

Im Examen sitzt ein ziemlich hoffnungsloser Fall, zus. gesunken vorm Prof. „Sie wissen ja überhaupt nichts - Können Sie wenigstens einen einzigen Satz aus dem NT auswendig ? Zaghaft „Ja: Doch Freuet euch in dem Herrn“-“Naja, und vielleicht noch einen anderen Satz ?“ Da strahlt der Kandidat „Und abermals sage ich, freuet euch.“-- Möge die Osterfreude uns immer begleiten!

Ursula Wiebe, Prädikantin

Als ob jemand die Welt retten könnte, mal eben im Vorübergehen. Aber die Tendenz ist da: das Leben ist grenzenlos. So sieht es jedenfalls aus, das ist ein Lebensgefühl in unserer Gesellschaft. Da wird maximaler Einsatz im Beruf erwartet. Überstunden sind selbstverständlich.  Oder da hat jemand viele hundert „FreundInnen“ bei Facebook und verbringt jeden Tag mehrere Stunden am Laptop, um Nachrichten und Mitteilungen zu lesen. Andere verhalten sich nicht nur sportlich, sondern betätigen sich beinahe grenzenlos im Sport, ohne Profi zu sein.

Unsere Welt ist grenzenlos geworden. Wir setzen alles ein für den Beruf, für die Familie, für die Freizeit, leben grenzenlos. Das kann durchaus lange Zeit funktionieren. Bis dann doch die eigenen Grenzen erreicht sind, bis Körper und Seele dieses grenzenlose Leben nicht mehr mitmachen. Hoffentlich geschieht das nicht in Form eines Zusammenbruches oder durch Depressionen, Notwendig ist eine massive Lebensänderung, nämlich durch das Wahrnehmen der eigenen Grenzen.

Denn wir haben Grenzen, jede und jeder von uns. Grenzen der Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Belastung. Diese können sehr verschieden sein.

Unser Leben kann eher gelingen, wenn es gelingt, die eigenen Grenzen anzuerkennen und mit ihnen zu leben. Das kann bedeuten, immer wieder bewusst Pausen einzulegen, Auszeiten zu planen oder kreativ tätig zu werden.

Übrigens: auch berühmte Männer und Frauen hatten und haben Grenzen. Sogar Jesus. Mitten im Trubel zog Jesus sich zum Gebet in die Einsamkeit zurück: „Und als Jesus sich von ihnen getrennt hatte, ging er hin auf einen Berg, um zu beten.“ (Lukas 6,46) Er leistete sich das, obwohl Menschen ihn suchten und von ihm Hilfe erwarteten.

Wenn Jesus solche Pausen nötig hatte und damit seine Grenzen beachtete, wieviel mehr gilt das dann  für uns!

Eine gute Woche wünscht Ihnen Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

 

 

Manchmal kommt er im Gespräch, manchmal unter der Dusche, manchmal in der Stille: Der Geistesblitz. Da ist sie, die Idee, etwas Neuartiges, etwas anders zu machen. Der Gedanke nimmt Formen an und wir immer präziser. Das ist noch nicht anstrengend, nur aufreibend. Das Anstrengende folgt erst noch: Anderen Menschen davon zu berichten, „Du, ich habe da eine Idee“. Das gibt es viele unterschiedliche Reaktionen, von „Ja, das hast Du recht“ bis „das klappt doch nie“. Das negative Feedback überwiegt meistens, aus ganz unterschiedlichen Gründen: Manch einer ärgert sich, nicht selber darauf gekommen zu sein, andere sehe ihre eigenen Grenzen zu eng und projizieren das auf den Ideengeber. Das schafft Frust, wenn die Idee totgeredet wird, bevor sie überhaupt ausprobiert wurde. Was ist denn möglich, was kann denn gelingen? In einem dörflich geprägten Umland von Wunstorf gibt es wenige Sponsoren und somit nicht so viel Anschubfinanzierung. Aber dafür viele Menschen, die selbstverständlich mit anpacken, die sehr hilfsbereit sind. Also: Warum nicht versuchen?  Was hält uns ab?

In der Bibel steht im Matthäusevangelium im 17. Kapitel: Jesus spricht: Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

Wie häufig haben wir das vergessen? Und dass, obwohl wir beim Osterfest letzte Woche genau an dieses Unmögliche, dass Berge und Steine versetzen kann, erinnert haben. Wie häufig zweifeln wir unseren Glauben und die Hilfe an? Der Versuch macht doch nach dem Volksmund klug. Der Glaube versetzt nicht nur Berge, sondern auch die eigenen Grenzen, Neues und Anderes erfolgreich auszuprobieren. Der christliche Glaube ist ein Glaube der Chancen und weniger der Risiken und das kann zu einer unheimlichen Stärkung der inneren Haltung verhelfen. Man sollte sich nur fernhalten von negativen Menschen: Die haben für jede Lösung ein Problem.

Jörg Mecke, Prädikant aus Idensen

„Nicht alle, die sterben, weinen, aber alle weinen, die geboren werden.“ Mit diesem sinnfälligen Satz versucht der Philosoph und Theologe Marsilio Ficinos im 15.Jahrhundert von Norditalien aus das dunkle Tor zum Mittelalter zuzustoßen. Endlich soll das Licht der Renaissance das Herz der Menschen erreichen. Die Seele des Menschen will er aufrichten. So wie es die zu Herzen gehenden Predigten Martin Luthers in Wittenberg bald vermochten. Man will das Mittelalter hinter sich lassen. Hatte es doch so viel Krieg, Angst, Pest und Gewalt über die Menschheit gebracht! Es hatte die Seelen verdunkelt. Die Welt sehnt sich nach Sinn und Schönheit. Ja, zu jedem Menschenleben gehört, dass uns auch Leid und Angst widerfährt. Schon zur Freude beim ersten Anblick eines Neugeborenen wird das Weinen des Kindes mitgeboren. Leben gibt es nicht ohne sein Gegenstück, den Tod. Mit beidem müssen wir uns auseinandersetzen. Doch auf welche Seite schaue ich zuerst. Wem schenke ich mein Herz? Dem Leben oder dem Tod? Dem Lachen oder dem Weinen? Manchmal vergeht einem das Lachen. Da erscheint einem sogar diese moderne Welt des 21.Jahrhunderts recht mittelalterlich. Etwa, wenn wir sehen, wie immer wieder Wellen von Gewalt über diesen Globus rollen und die Religion den Ideologien dienstbar gemacht wird. Wenn wir ständig diese modernen Todestänze sehen, sinkt uns der Mut. Wir sehnen uns nach einem Licht in unserer Seele. Wir brauchen diesen hellen Schein, der in uns leuchtet. Es geht um uns. Worauf vertraust Du? Wem glaubst Du? Vielleicht dem, der sagt: „Ich bin das Licht der Welt“? (Johannes 8,12) Nun, der so von sich spricht: Er war tot gewesen. Doch Gott hat ihn auferweckt. Jesus fiel ins Dunkel. Und er stand auf im Licht. Er lebt. Jesus hat das ewige Gesetz dieser Welt sichtbar gemacht. Darum nennt man ihn Christus, den Gesalbten Gottes. Durch ihn erkennen wir immer wieder neu, dass hinter allem Abgründigen in diesem Leben am Ende ein ewiges Licht leuchtet. Man kann es mit dem bloßen Auge nicht erkennen. Man kann es aber glauben. Ostern ist ein Herzensfest. Gottes Licht leuchtet in uns. Wir nennen dies Glaube. Oder Liebe. Oder Hoffnung. Es sind diese Drei! Sie sind das Wichtigste in unserem Leben. Sie machen unser Leben hell.

Timan Kingreen, Pastor in Wunstorf und Hannover

Als er kam wurde er begeistert begrüßt. Die Leute erwarteten viel von ihm.  Einer der den Mund aufmachte. Der die Dinge beim Namen nannte. Keine Scheu hatte die Herrschenden anzugehen. Der für die Menschen des Volkes da war. Sie verstand, und sie verstanden ihn. Dachten sie. Es hatte sich herumgesprochen, dass er die kleinen Leute beachtete. Dass er für Kranke da war, für Leidende ein Ohr hatte, sich gegen Unrecht einsetzte. So feierten sie ihn. Bereiteten im einen großen Empfang, dem neuen Hoffnungsträger.

Und dann tat er, was er sagte. Räumte auf mit alten Vorstellungen, mit gewohnten Traditionen, mit dem vertraut Üblichen. Keine Opfer mehr! Er schmiss die Tische der Geldwechsler um, jagte die Händler aus dem Tempelhof, ließ die Opfertiere frei. Randale im Heiligtum.

‚Wie?’, fragten die Menschen, ‚Sollen wir kein Fest mehr feiern wie immer, gibt es keinen Opferbraten mehr wie seit Moses Zeiten, kein Festtagslamm?’

Und die Herrschenden gewannen wieder die Macht zurück, streuten falsche Informationen, verbreiteten Lügen über ihn, kippten die Stimmung.

Plötzlich schrien die ersten: ‚Kreuzigt ihn!’, dann alle. Da hatten die Mächtigen leichtes Spiel.

Und seither fragen sich und mich immer wieder Menschen, warum Gott das zulässt, soviel Leid und Unrecht in der Welt, Krieg und Zerstörung, Hunger und Ungerechtigkeit und diese schlimme Krankheit.

Müsste er da nicht eingreifen, wenn es ein liebender Gott ist?

Hat er doch, sage ich dann, er hat doch seinen eigenen Sohn geschickt, als Mensch unter Menschen. Aber die haben ihn ans Kreuz genagelt.

Und tun es noch und immer wieder. Wo sie nicht Mensch unter Menschen sind, sondern sich selbst als besser sehen, besser als die anderen.

Wo wir weggucken, wenn Menschen leiden, hungern. Wo wir Ängste schüren vor dem Fremden. Wo wir meinen, wir wären gerecht, aber so viele andere ungerecht.

Wenn das Volk entscheiden soll, dann gilt nicht Recht und Gesetz, zählen nicht Fakten und Wahrheiten. Dann wird Stimmung gemacht, werden Ängste geschürt, Gefühle manipuliert, Lügen verbreitet. Dann muss ein einfaches Ja oder Nein reichen, ein schnelles Dafür oder Dagegen.

Als wenn die Welt so einfach wäre. Darum ist das Sichabgrenzen und andere Ausgrenzen, das Trennende immer naheliegender, als das Miteinander, das Menschliche. Denn die Suche nach dem Gemeinsamen, dem Verbindenden braucht einen eigenen Standpunkt und die Anerkennung des anderen. Dann gibt es ein Leben miteinander, als Mensch unter Menschen.

Zwischen dem jubelnden Einzug Jesu, dem ‚Hosianna dem Sohne Davids’  und dem aufgebrachten ‚Kreuzigt ihn!’ lagen nur wenige Stunden. So schnell kann sich Volkes Meinung drehen. Um was drehen wir uns, und was dreht uns in dieser Karwoche, auf Ostern hin?

Ele Brusermann, Pastor im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Ich schaue mir gerne gute Filme an mit Szenen aus dem Leben gegriffen. Echt und anschaulich, weil das Leben genauso sein kann. Neulich habe ich in unserem Ort eine solche Szene gesehen und miterlebt. Filmreif oder auch ein Motiv für einen Maler, der den beeindruckenden Moment im Bild festhält. Eigentlich war der Alltag noch grau in grau. Die Straße, der Fußweg, die Hauswände, vorbeifahrende Autos und die ältere Frau auf der anderen Straßenseite mit ihren grauen Haaren. Plötzlich kommt Farbe ins Bild: Ein roter Luftballon wird auf dem Fußweg vom leichten Frühlingswind sanft vorwärts getrieben. Die Grauhaarige hat ihn im Blick, freut sich und ist doch gleichzeitig besorgt, er könne auf die Straße getrieben werden und durch Autoräder zerplatzen. Mit leicht gebeugten Knien und ausgebreiteten Armen geht sie voran, als wolle sie den kleinen roten Ballon schützen - retten - fangen. Und dabei bewegt sie sich elastisch und behände. Sie wirkt auf einmal beschwingt, dynamisch und jung. Viel jünger als sie vorher aussah. Dieser rote Luftballon hat Farbe in ihr Leben gebracht. Welch eine Szene! Das Rot lässt das Grau verschwinden. Gibt wieder neuen Schwung. Genauso empfinde ich es, wenn ich die ersten Frühlingsblumen mit ihren leuchtenden Farben sehe. Die Natur erwacht, bricht auf. Nach der dunklen Jahreszeit, nach dem kalten, farblosen Winter erfreuen wir uns wieder am Licht, der Wärme und an der reichen Schöpfung Gottes, die uns in Bewegung bringt, uns Kraft gibt, beflügelt und das Grau aus unserem Leben vertreibt. Welch ein Geschenk! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund wieder fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.(Ps.103, 2-5) Wie gut passt dieses alte Wort aus dem Psalm Davids in unsere jetzige Zeit! Die Passionswochen nähern sich dem Ende. Die Zeit des Verzichts, des Wartens und der Trübsal haben wir bald überstanden. Sie muss dem nahestehenden Aufbruch zu etwas Neuem und der großen Freude, die wir mit der Auferstehung Jesu Christi erleben, weichen.

Angelika Dömland, Prädikantin in Luthe

Im Zentrum der Schule gelegen – und trotzdem ein Ort der Ruhe. Ein Raum mit hellem Holzfußboden, großen Stufen um darauf zu sitzen, an einer Seite mit einer kompletten Glasfront, die den Blick auf den dahinterliegenden Garten frei lässt. In dem Garten steht eine Eiche – gepflanzt, als die Schule in den 70er Jahren gebaut wurde.

Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. (1. Mose 2,8-9a.15)

Am 24. April ist es endlich soweit: Die Schülerinnen und Schüler und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ev. IGS ziehen in den Neubau ein. Viele Jahre und Monate haben wir gewartet – waren gespannt und neugierig. Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen: Das neue Gebäude wird nach den Osterferien unser neuer Arbeits- und Lernort sein.

Einen ersten Eindruck haben wir in der vergangenen Woche bekommen, als wir die neuen Räumlichkeiten besichtigen durften. Alles ist in frischen Farben gehalten – hell und weit.

Und direkt gegenüber dem Haupteingang – abgehend von der Pausenhalle, liegt der Andachtsraum. Ein Ort – anders als die anderen Räume der Schule. AndernOrts.

Hier ist Platz: Für einen ganzen Jahrgang – zum Andachten feiern. Für größere Gruppen – vielleicht zum Musizieren. Für einzelne Klassen – um anders zusammenzukommen – zum Beispiel auch bestimmte Dinge des Sozialen Lernens einzuüben. Und für Einzelne – um im Alltag der Schule einmal einen Ort der Ruhe zu finden, eine Kerze anzuzünden, ins Gespräch zu kommen.

Wir als Schule bekommen neue Räumlichkeiten.

Für uns alle ist das wie ein Geschenk. Und gleichzeitig auch: Verantwortung. Das, was gut ist, mit hinüber zu nehmen und zu erhalten. Und Neues zu schaffen. Zu bebauen und zu bewahren.

Franziska Oberheide, Schulpastorin Evangelische IGS Wunstorf

Was können Sie besonders gut und was traust Du Dich öffentlich? Manche können gut ein Instrument spie-len, andere sind handwerklich geschickt, die Eine hat einen grünen Daumen und der Andere ist ein groß-artiger Bäcker feiner Torten. Manche haben eine tolle Stimme und können wunderbar vorlesen oder singen. Manche haben ein gutes Händchen im Umgang mit Kindern und andere können gut mit älteren Menschen. Was immer wir können: Andere profitieren davon. Es spielt keine Rolle, ob andere sich nicht trauen, oder es nie probiert haben – wer in Erscheinung tritt mit seinen Gaben, den fragt man danach an.

Was bringen Sie, was bringst Du ein? Manches ist vielleicht nicht so offensichtlich. Einige Menschen sind echte Stimmungskanonen. Das fällt auf. Andere sind ausnehmend freundlich. Das fällt zunehmend auch auf; denn die Gegensätze im Aufeinandertreffen von Menschen werden größer.

Einige Menschen nehmen sich bewusst zurück. Sie sind gute Vermittler und können Streit schlichten. Und viele werden sie kennen, die, die mit ihrer zugewandten Art anderen Menschen Mut machen und die, die für ein gutes Betriebsklima sorgen – nicht als laute Stimmungskanonen, sondern eher im Hintergrund.

Es lohnt sich, mit offenen Augen durch´s Leben zu gehen und die Vielfalt der Begabungen von Menschen zu entdecken, genau hin zu sehen, was jemand mit bringt und einbringen kann. Es geht allerdings nicht immer nur darum, was jemand einbringen kann. Manchmal muss es darum gehen, hinzusehen, was Men-schen brauchen, damit es ihnen gut geht. Oft brauchen wir dafür mehr als unsere Augen. Die Frage dessen, was wir sehen und entdecken, ist in weiten Teilen eine Frage dessen, was wir zu entdecken vermögen, eine Frage von eigener Haltung und Einstellung.
Der kommende Sonntag heißt nach einem Psalmwort, Okuli: Meine Augen sehen stets auf den HERRN. Wir sind gefragt, wonach und wohin wir uns ausrichten und manchmal auch angefragt zu prüfen, ob unsere Blickrichtung stimmt. Da ist es selbstverständlich, dass wir an unsere eigenen Grenzen stoßen und ab und an werden wir merken, dass unsere Blickrichtung eine Änderung vertragen könnte. Manchmal stehen wir vielleicht allzu sehr selbst im Mittelpunkt unseres Sehens auf die Welt. Manchmal, haben wir uns vielleicht auch aus dem Blick verloren und es tut gut zu wissen, dass jemand auf uns schaut. Wenn ich meinen Blick auf ein Gegenüber richte, so bekomme ich meist eine “Antwort”. Ich bleibe nicht unangesehen, sondern ernte eine Reaktion. Das kann mal eine kritische Betrachtung sein und mit Anfragen verbunden, es kann ein Lächeln sein und Freundlichkeit, es kann auch Lob sein, das mich stärkt. Wenn mein Gegenüber mich gut kennt, dann wird es eine Mischung aus allem werden. Gott sieht uns voll Güte und Liebe an. Er sieht uns an, wie wir sind. Wohin blicken Sie – wohin blickst Du?

Diakon Heinz Laukamp

Einem glücklichen Menschen steht die Welt offen. Er verlässt verschlossene Räume. Er atmet gern im Freien frische Luft. Er grüßt die, die ihm begegnen. Er lässt offenen Kontakt mit anderen zu. Ohne Scheuklappen. Sieht nicht nur die Oberfläche. Er ist offen für neue Erfahrungen. Darauf fußt doch sein Glück: Er kann sich frei bewegen und entfalten, und er ist in einem offenen Kontakt verbunden mit anderen Menschen. Und mit Gott. Die Lebensfreude hat viel Raum. Und ich?

Ich stehe doch hier vor dieser verschlossenen Tür. Ich klingel. Ich klopfe an. Es rührt sich nichts. Es ist nichts zu hören. Ich komm da nicht rein. Die Begegnung findet nicht statt. Keine Begrüßung. Kein freundliches Wort. Kein Händeschütteln. Nach dem heftigen Meinungsstreit, der nicht ohne persönliche Beleidigungen ausgekommen ist. Leider! Und jetzt ist da verletztes Schweigen. Wie lange?

Dann geh ich mal wieder. Ich gehe, ohne dass wir uns wieder vertragen haben. Nein, hier und jetzt zähle ich nicht zu den Glücklichen. Da ist was kaputt gegangen. Ob das wieder in Ordnung zu bringen ist? Oder wird sich jeder in seine Kammer zurückziehen? Tür zu. Mauer gebaut. Glück ade.

Ich weiß: ich lebe jenseits von Eden. Und doch bleibt da diese Einladung Gottes, durch die Tür zu gehen, die Jesus Christus uns aufgemacht hat. Die Einladung Gottes, den Frieden im Auge und im Herzen zu behalten, den er uns schenkt. Durch den, der in allen Konflikten geduldig geblieben ist, offen geblieben selbst gegenüber dem, der aggressiv und unversöhnlich handelt. Der daran gestorben ist. Der sich aber nicht erst am Ende als der Glückliche und Lebendige

zeigt. Die Tür zum Frieden steht offen. Da bekomme ich vielleicht sogar wieder offene Augen für den anderen hinter der Tür. Das kann mich glücklich machen.

 

Wochenspruch zum kommenden 2. Sonntag der Passionszeit „Reminiszere“ (Gedenke, Gott, an deine Barmherzigkeit): Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.      Brief an die Römer 5, 8

Pastor Hartmut Peters

Mit der Passionszeit hat am Aschermittwoch auch die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ der evangelischen Kirche begonnen. Seit mehr als 30 Jahren lädt „7 Wochen Ohne“ dazu ein, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusst(er) zu erleben und zu gestalten. Millionen Menschen lassen sich jährlich durch die Fastenaktion der evangelischen Kirche ein wenig aus ihrem alltäglichen Trott bringen. In diesem Jahr steht die Passionszeit unter dem Motto: „Augenblick mal! – Sieben Wochen ohne sofort“.

So begleitet mich in dieser Woche der Spruch des Philosophen und Autoren Manfred Hinrich: „Hetz mal den Apfel reif!“ Diesen Spruch musste ich auch erst zweimal lesen, bevor ich diesen und das dazu gehörigen Bild eines kleinen Zweiges eines Apfelbaumes mit zwei kleinen und wahrscheinlich noch nicht ganz reifen Früchten verstand. „Hetz mal den Apfel reif“ – schlagartig wurde mir die Unmöglichkeit dieses Vorhabens deutlich. „Alles hat seine Zeit“ ist die Woche vom 1. bis 7. März 2017 weiterhin überschrieben und ich möchte ergänzen: Alles braucht nun einmal seine Zeit. So braucht der Apfelbaum die Frische des Frühlings und die Wärme des Sommers, im Laufe derer er aufblühen kann und seine Früchte heranreifen. Und im Spätsommer dann, wenn die Abende schon wieder kühler werden und sich das Laub beginnt bunt zu färben, ist es soweit: Die Äpfel werden geerntet und Mensch erfreut sich ihrer einmaligen Frische, ihres süßen Saftes und ihres vollmundigen Geschmacks.

„Hetz mal den Apfel reif“ – wie der Apfel seine Zeit braucht zu reifen, so hat auch jedes andere Ding unter der Sonne seine Zeit. Geben wir doch ein jedem seine Zeit und versuchen erst gar nicht den Apfel reif zu hetzen; zumindest sieben Wochen ohne SOFORT.

Und so grüßt Sie aus Kolenfeld und wünscht „Gutes Gelingen“

Ihre Vikarin Kerstin Wackerbarth

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! - deshalb sind sie einfach 'mal stiften gegangen …

Sie, das sind die Gründungsmitglieder der Stiftung 'Zukunft mit Kirche', M. von Hugo, K.-R. Zöllner, W. Küthmann und G. Rohe-Kettwich, die auch heute noch dem Vorstand der Stiftung angehört. Über 10 Jahre ist das jetzt her. Mittlerweile ist die Stiftung eine unverzichtbar für die Arbeit in den dazugehörigen Kirchengemeinden in Bokeloh, Dedensen, Gümmer, Idensen-Mesmerode, Kolenfeld, Luthe, Munzel-Landringhausen, Schloß Ricklingen und Wunstorf. Motiviert hat die damaligen Stiftungsinitiatoren, kirchliche Arbeit und engagierte Projekte nicht am fehlenden Geld scheitern zu lassen. Stattdessen sollen diese langfristig gesichert und interessante Angebote durch Zuschüsse unterstützt werden. Schwerpunkte sind dabei die Jugendarbeit, Kirchenmusik und Diakonie.
In diesem Sinne hat die Stiftung viel Gutes ermöglicht. Über 55 Projekte wurden bezuschusst, wie die Konfirmanden-Ferienseminare in Altenstein oder Südtirol, gospel-workshops oder die Kalender 2016 von 'Kurze Wege'. Mehr als 2000 Jugendliche und Erwachsene profitierten davon. Das kann sich wirklich sehen lassen.
Dieses Engagement soll weiter ausgebaut werden. Dazu ist vor allem eins nötig: Zustiftungen für die Stiftung, um noch mehr gute Arbeit fördern zu können, Menschen im Glauben zu verwurzeln und für christliches Leben zu begeistern.
Deshalb lässt 'Zukunft mit Kirche' wieder von sich hören: am Samstag, den 4. März 2017 lädt sie zum Benefiz-Konzert der Gruppe str8voices ins Stadttheater Wunstorf ein. Viele Menschen sollen angesteckt werden, selber Gutes zu tun: Gerne durch Zustiftungen, gerne durch ehrenamtliches Engagement für die Stiftung, gerne durch interessante Projekte.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
Ich arbeite übrigens gerne im Vorstand der Stiftung mit M. Gröne, D. Otte, G. Rohe-Kettwich und J. Rohrbach zusammen.
Und ich freue mich schon, Sie am 4. März beim Konzert zu treffen!

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Du, Gott, hör mal - so haben wir unsere Kirche für Knirpse an diesem Sonntag überschrieben.

Es geht ums Beten, also um alles, was wir Gott erzählen möchten. Ich finde es wichtig, Kindern das Beten nahe zu bringen. Es tut gut, zum Beispiel abends zu beten und damit über alles, was uns am Tag ausgefüllt hat, nachzudenken, es Gott anzuvertrauen und nicht mehr allein damit zu sein. Eine alte Dame sagte: „Ohne mein Abendgebet kann ich nicht einschlafen. Ich bete für jede und jeden aus meiner Familie.“ Viele Menschen teilen nicht mehr diese Erfahrung und finden es schwierig, Gott von sich zu erzählen. Vielleicht sind sie nie damit vertraut geworden.

Da mag helfen, was wir mit Kindern und Konfirmanden dazu überlegen: wie geht es mir, wenn ich mich freue und was sage ich dann? Wenn ich traurig oder verzweifelt bin - wie kann ich das in Worte fassen? Wie beschreibe ich es, wenn ich zum Beispiel einen Sonnenaufgang in den Bergen großartig finde? Und was liegt mir alles auf dem Herzen, für mich und für andere? So kommen wir auf vier verschiedene Dimensionen des Gebets: Dank und Klage, Lob und Bitte, bzw. Fürbitte. Die Kinder und Konfirmanden fädeln dazu Perlen auf in den Farben rot für Dank, blau für Klage, gelb für Lob und grün für Bitte/Fürbitte. Dann  können sie anhand der Farben überlegen, ob es etwas gibt, worüber sie sich gefreut haben und wofür sie danken möchten. Oder es fällt ihnen etwas ein, was sie sich wünschen für sich oder andere. Ihre Gebete sind oft eindrücklich: „ Bitte, mach dass Opa gesund wird und wieder mit mir Fußball spielen kann.“  „Es ist klasse, dass ich eine so gute Freundin gefunden habe – lieber Gott, vielen Dank dafür, dass wir uns begegnet sind.“  Eine goldene Perle gehört immer dazu als Gottesperle, damit wir wissen, zu wem wir beten.

„Du, Gott, hör mal“, versuchen sie es einfach: erzählen sie Gott, was ihnen gerade auf dem Herzen liegt – allein für sich oder auch am Sonntag gemeinsam im Gottesdienst. Ich bin mir sicher, Gott hat große Ohren und ein großes Herz für Sie.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld

Was Menschen wirklich bewegt, erfährt man manchmal, wenn man sie gefragt, sondern einfach nur liest, was sie von sich geben. Und so habe ich mal wieder im Gästebuch der Sigwardskirche geblättert. Es liegt im Eingangsbereich aus und da die Kirche jeden Tag geöffnet ist, kann sich jeder Besucher während des Besuches eintragen.

Es ist nicht nur interessant, wo die Menschen herkommen – aus ganz Deutschland, auch Frankreich oder Italien und sogar Japaner haben sich verewigt. Es ist auch faszinierend, was sie bewegt. Denn das sind nicht nur die Fresken in der Kirche, sondern auch (und gefühlt gleichwertig) die Atmosphäre und die Stille in diesem sakralen Raum.

Bei einer Gesellschaft, bei der sich alles schneller bewegt und sich jeder irgendwie daran gewöhnt hat, ist es bemerkenswert. Denn heute geht alles sofort, warten ist out. Die Erkenntnis ist: Stille hat einen Wert, einen Erholungswert für Geist und Seele. Einfach mal in eine Bank setzen und die Gedanken schweifen lassen. Vielleicht geht es in der Sigwardskirche sogar noch besser als beispielsweise in der Stiftskirche in Wunstorf, weil sie kleiner, man könnte fast sagen „intimer“ ist. Deswegen ist im Gästebuch auch immer das Wort „Kleinod“ zu lesen, ein Wort, was im normalen Wortschatz ausgestorben ist.

Diese Stille kann man gut eine Zeit aushalten, da sollte keiner drängeln. Wie lange eine Stille gut ist, hängt von jedem Menschen ab: Was wir erlebt haben, was uns bewegt, was vor uns liegt. Sie berührt jeden Menschen, egal welchen Glaubens und auch die Atheisten.

Für die Christen bietet die Stille aber noch etwas Besonders, dieses gewisse Extra. Bereits im Psalm 62 steht: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn die Stille schafft Raum für das Zwiegespräch mit Gott und für das Gefühl der Geborgenheit. Auch das Verlangen nach dem materiellen Nichts ist in uns drin: Geborgenheit brauchen nicht nur Kinder sondern alle, immer wieder.

Probieren Sie es einmal aus: Es wird eine gute Zeit.

Prädikant Jörg Mecke, Idensen

In der Tat, die Weihnachtszeit ist erst zum 2. Februar zu Ende gegangen. Ich weiß von einigen Familien, in denen der Weihnachtsbaum noch bis in diese Woche hinein stehenbleiben sollte.

Dabei geht doch vieles auf Ostern zu. Beim Einkaufen fallen Osterartikel ins Auge, auch die ganz anderen Farben als in der Weihnachtszeit: hellgrün, gelb. Und die letzten Schoko-Weihnachtsmännern sind längst verkauft.

Auch wenn Sie sich jetzt wundern: Was soll das jetzt mit Weihnachten? Aus einem Gespräch an einem Weihnachtsfest vor wenigen Jahren. Da fragte jemand: „Ist etwa heute noch Weihnachten?“ Meine Antwort: „Natürlich, wir haben ja heute den ersten Weihnachtsfeiertag.“ Ein ratloser Gesichtsausdruck war die Antwort meines Gegenüber.

Wenn ich dann daran denke, dass im Einzelhandel Weihnachtsgebäck bereits an Anfang September zu bekommen ist (auch wenn es Herbstgebäck genannt wird), dann ist die Weihnachtszeit bis zum zweiten Weihnachtstag recht lang.

Könnte es sein, dass es unsere Hektik ist, die dafür sorgt, dass wir besondere Zeiten und Ereignisse immer mehr vorziehen? Und wenn es dann wirklich soweit ist (beispielsweise Weihnachten), hat man das Gefühl, das ist schon vorbei. Könnte es sein, dass wir immer mehr in der Zukunft leben, anstatt die Gegenwart bewusst zu erleben und auszukosten? Nach dem Motto: „Wenn Du gehst, dann gehe.“ Und nicht: „wenn du gehst, dann mach schon was anderes.“  „Wenn Spätherbst ist, ist noch nicht Weihnachten.“

Die Gegenwart bewusst erleben, daran erinnern Worte aus dem Buch Prediger „Ein jegliches hat seine Zeit.“ Und dann werden verschiedene Tätigkeiten aufgezählt wie „weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.“  (Prediger Kapitel 3)

Hektik macht unseren Alltag nicht nur schneller und gehetzter, sie treibt uns aus der Gegenwart in die Zukunft. Damit könnten wir das Leben verpassen.

Ich wünsche Ihnen bewusstes Leben

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardof und Schneeren

 

 

Der erste Monat des neuen Jahres ist vergangen. Fast alle guten Vorsätze gelten jetzt als gescheitert. Mehr Sport, weniger Essen, mehr Zeit mit Kindern oder Freunden - all das verliert sich, wenn nach dem Jahreswechsel der Alltag wieder beginnt. Da kann ich noch so motiviert in das neue Jahr gestartet sein, spätestens nach dem ersten Ausrutscher werden die meisten Vorsätze wieder aufgeben. „Ich bin ja doch zu schwach!“ Viele haben es ganz aufgeben, ihr Leben ändern zu wollen. Nach vielen vergeblichen Versuchen bleibt man lieber im alten Trott.

Dass es auch anders geht, erzählt die Bibel. Ganz bewusst haben die Verfasser der biblischen Bücher auch das Scheitern festgehalten. An diesem Sonntag wird von Petrus erzählt. Er sieht Jesus auf dem Wasser gehen und lässt sich von ihm auffordern, das auch zu tun. Und tatsächlich: die ersten Schritte gelingen. Dann kommen die Zweifel. Zu bedrohlich der brodelnde See um ihn her. Petrus beginnt zu sinken, bis Jesus die Hand ausstreckt und ihn rettet. Es geht natürlich in der Geschichte nicht um die Fähigkeit über das Wasser zu laufen. Das Bild der Jünger im Schiff ist ein Bild für die frühe Gemeinde in den Stürmen der Zeit. Petrus verlässt die Sicherheit des Gewohnten. Mutig stellt er sich den Herausforderungen des Lebens. Damit macht Petrus mir Mut. Die ersten Schritte sind möglich und auch das Scheitern ist keine Katastrophe. Gottes Hand ist da. Sie gibt Halt und hilft beim nächsten Schritt.

Ich bin dankbar, dass unsere Vorfahren die Geschichten des vermeintlichen Scheiterns bewahrt haben. Was den großen Helden der Vergangenheit erlaubt war, ist auch mir erlaubt. So kann ich nach dem Scheitern neu beginnen, mir neue kleine Schritte vornehmen

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Das Erstaunen über dieses wunderbare Erlebnis ist auch Tage später zu spüren, als sie ihre Zeilen an eine Freundin schreibt: „Das Blitzeis am Samstag überraschte uns nach einem Spaziergang in der Eilenriede. Wir schafften es noch bis an einen Ampelmast. Daran hielten wir beide uns fest. Die Füße rutschten hin und her. Wir hörten, wie Radfahrer stürzten, aber konnten überhaupt nicht helfen, weil wir – selbst an die Ampel geklammert – keinen sicheren Stand fanden. Da kam uns eine rettende Idee: Als wir gerade überlegten, wie wir die Schuhe ausziehen könnten, ohne hinzufallen, fuhr neben uns ein großer Mercedes in die freie Parklücke. Ein junger Mann stieg aus. Sicheren Schrittes kam er auf uns zu und fragte, ob er uns helfen könne. Zurück auf dem Fahrersitz fuhr er behutsam ganz dicht an uns heran und half uns nacheinander auf die Rückbank seines Autos. Seine Frau drehte sich vom Beifahrersitz um und erklärte, dass sie gerade aus Hildesheim gekommen seien, um in Hannover essen zu gehen. Wir beide stellten uns vor, die Hildesheimer nannten nur eben ihre Vornamen. In der Aufregung hatte ich sie auch gleich wieder vergessen. Vorsichtig kurvte der Fahrer um die nächsten Straßenecken, immer unseren Anweisungen folgend, bis vor unseren Hauseingang. Einzeln leitete uns dieser Unbekannte auf die trockenen Stufen und wartete, bis wir die Haustür sicher hinter uns verschlossen hatten. Wir haben uns zwar bedankt. Doch sind wir durch auf den Schreck nicht auf das Selbstverständliche gekommen, auf sein Nummernschild zu sehen. Aber wir sind sicher, dass die beiden ihre Flügel im Kofferraum verpackt hatten.“

„Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten, auf allen Deinen Wegen.“ (Psalm 91,11) Manchmal wird dieser beliebteste Taufspruch unserer Zeit auf ganz eigene Weise Wirklichkeit.

Mögen wir in diesen Tagen spüren, wann Engel an unserer Seite sind, die ihre Flügel im Rucksack oder Kofferraum verborgen halten, und wann es an uns ist, sich unserer Flügel zu erinnern.

Eine behütete Woche wünscht Ihnen Ihre Dr. Vera Christina Pabst, Pastorin in Bokeloh und Wunstorf

Eine Hochzeit. Viele von Ihnen werden mehr als nur eine im Leben erlebt haben. Mach jüngere sind sicher auch schon bei einer gewesen. Als Kind war ich super gespannt, wie es sein würde in der Kirche, wer alles dabei aus unserer weit verstreuten Familie, gespannt auf Tanz, Musik und Essen. Es gab immer von allem im Überfluss, vorallem Essen und Trinken. Großartig die Mitternachtsbuffets und Torten. Auch Weihnachten ist bekannt für zu viel Essen, zu viel Süßes und die Kilo, die man am Ende mehr auf die Waage bringt. Aber Weihnachten ist vorüber. Die Weihnachtsbäume haben viele Wohnzimmer verlassen und der Alltag ist wieder da. An machen Türen sieht man frische Spuren – weiße Kreide auf dunklem Grund. “CMB” - Christus schütze dieses Haus – und die Jahreszahl 2017. Was bleibt von Weihnachten? Geschenke? Eine Begegnung mit den Weisen aus Persien? Eine Erinnerung an die eigene Kindheit? Leuchtende Kinderaugen, etwas von dem Frieden, der Freude der Weihnacht und der Idee, dass Jesus, dass Gott uns nahe gekommen ist?
Heute oder morgen einen Sitzplatz in einer Kirche zu bekommen, dürfte nicht allzu schwer sein. Zumindest einfacher, als am Heiligen Abend. Vielleicht eine gute Gelegenheit sich schon mal wieder auf zu machen. Die Lieder werden immer noch von der Freude erzählen, die Gottes Anwesenheit in der Welt auslöst. Es ist wie bei einer Hochzeit. Es wird getanzt, gelacht, gesungen und getrunken und mittendrin ist der, von dem alle Freude ausgeht. Er feiert und ist bester Dinge. Etwas ganz Neues nimmt seinen Anfang. Offen und doch undeutlich sichtbar tritt da jemand auf. Nicht der Bräutigam des Festes, ein anderer. Na, klar, die, die da feiern kennen den Nachbarn und Freund, Angehörigen im weiteren Sinne. Da passiert, was so gar nicht zu einem solchen Fest passt: die Vorräte gehen zur Neige. Unverzeihlich. Doch bevor es bemerkt wird, ist die Abhilfe schon geschehen. Kein Eklat beim Fest. Statt dessen ist alles noch besser. Etwa 600 Liter großartigen Weines stehen zur Verfügung, zu einem Zeitpunkt, wie die der Erzähler der Geschichte unverblümt wissen lässt, da es weniger Qualität auch schon getan hätte - die Leute also schon genug hatten. Wer weiß, vielleicht geht es manchen auch grad so – genug des Trubels, der Alltag darf gern wieder Einzug halten. Vielleicht ist es aber auch Zeit, sich zurück zu lehnen und den Alltag einfach noch warten zu lassen und zu genießen, dass es ruhiger geworden ist und man einen Blick auf all den geschenkten Überfluss werfen kann. Zeit um zu feiern, dass das Leben voll sein kann mit Freude und Güte und Frieden mitten im Alltag. Vielleicht ist das Fest jetzt erst richtig schön, wo die ganze Vorbereitung vorbei und alle Anspannung weg ist und der Blick frei auf den, von dem wir alles haben – Jesus.

 Diakon Heinz Laukamp

Beim zweiten Anflug schafft es das Baby. Zielsicher landet es auf der Stange des Futterhäuschens. Da sitz schon die Frau Mama. Und das ist der Beginn eines lehrreichen Tages. Die erste Lektion ist: Da gibt es einen Ort, an dem  (fast) immer Futter zu finden ist. Den Weg dahin hat die Mutter gezeigt. Die zweite Lektion lehrt, dass Nahrung nicht immer aus weichen Teilen besteht. Bis zu diesem Morgen hat die Mutter Larven und ähnliches Weichgetier gesammelt, um es in der aufgesperrten gelben Pastille zu versenken. So ein Kind im Wachstum ist ständig hungrig. Und mangels Zähnen zum Zerkleinern der Mahlzeit wird nur geschluckt. Vielleicht ist das das Geheimnis des schnellen Wachstums. Jetzt pickt sie ein Körnchen heraus, entspelzt es,  bevor es – nicht ohne auffordernden kindlichen Pieps – im Schnabel des Kindes landet. Und noch ein Drittes lernt das Kind: Ein Futterplatz gehört einem nie allein. Da kommen ebenfalls hungrige Verwandte angeflogen. Mit Gezeter und Geflatter werden sie von der Mutter vertrieben. Schließlich denkt sie an ihr Kind zuerst. Gefüttert werden muss so lange, bis ein gewisser Sättigungsgrad erreicht ist. Das Kind macht den Abflug auf die Zaunstange. Mutter hinterher. Sie hat noch ein Körnchen im Schnabel. Das soll dem Heranwachsenden zu gute kommen. Diese Szene am Futterplatz auf dem Balkon an einem sonnigen Morgen  erinnert mich an das Buch des Propheten Jesaja, 49,15: ‚Doch der Herr sagt: „Bringt eine Mutter es fertig, ihren Säugling zu vergessen? Hat sie nicht Mitleid mit dem Kind, das sie geboren hat? Und selbst wenn sie es vergessen könnte, ich vergesse euch nicht.“ Nicht nur ein Vogelkind wird auf den ersten Schritten auf dem Lebensweg begleitet. Auch wir Menschenkinder dürfen uns der Fürsorge sicher sein, vom ersten bis zum letzten Atemzug und sogar darüber hinaus.

Helga Kaiser, Prädikantin