Du bist gut - 24.1.2026
Sicher haben Sie heute Morgen schon in einen Spiegel geschaut. Ein Spiegel ist dazu da, um sich selbst sehen zu können. Ich schaue in den Spiegel und sehe mein Gesicht, sehe vielleicht Falten und müde Augenringe, sehe vielleicht Augen leuchten und die glatte Haut nach einer Rasur, sehe vielleicht wie Haare zu Berge stehen oder ich entdecke ein paar neue graue Haare.
Stellen Sie sich nun vor, wie unten auf dem Spiegel in großen Buchstaben ein kurzer Satz klebt. Oben sehe ich mein Gesicht und darunter die Worte aus der biblischen Schöpfungsgeschichte „Und Gott sah, dass es gut war!“. Worte, die ich auch auf den ersten Seiten der Bibel sieben Mal lese, nachdem erzählt wurde, wie Gott das Weltall, die Sonne, Mond, Sterne und die Erde, Pflanzen, Tiere und Menschen erschaffen hat.
Die Botschaft dieses biblischen Spiegels lautet also: Du bist gut! Du hast so viele Stärken und Fähigkeiten von Gott geschenkt bekommen. Du hast so viele gute und positive Eigenschaften. Du kannst anderen Menschen ein Freund oder eine Freundin sein. Du kannst so viele Menschen erfreuen und glücklicher machen. Gut, dass du da bist. Gut, dass es dich gibt.
Dieser Spiegel Gottes lässt sogar tiefer blicken, lässt mehr sehen, als man vielleicht auf den ersten Blick erkennen kann. Er zeigt, was Gottes Herz sieht. Wunderbar ist dies im Kircheneingang der St. Konradkirche in Bokeloh dargestellt. Dort steht ein großer Spiegel, auf dem oben ein Zettel klebt „Hier siehst du einen Menschen den Gott liebt!“ Seine Botschaft: Gott hat uns Menschen nicht nur gut geschaffen, er liebt auch jeden Menschen, er sagt Ja zum Menschen in seiner Einmaligkeit: Mit allen Falten und grauen Haaren, mit den müden oder leuchtenden Augen, wenn wir ganz verkniffen sind oder fröhlich in die Welt strahlen, mit unserer Geschichte und Begabungen, mit unseren Ängsten und Hoffnungen.
Liebe Lesende!
Schauen Sie doch heute einfach mal in einen Spiegel und erinnern sich an die Worte der Bibel: „Und Gott sah, dass es gut war!“ Oder denken Sie an das Bild im Spiegel von Bokeloh: „Hier siehst du einen Menschen den Gott liebt!“
Stefan Keil, Gemeindereferent in der Kath. Pfarrgemeinde St. Bonifatius

Sie schlägt die Augen auf. Wie schön ist es, von einem warmen Sonnenstrahl im Gesicht geweckt zu werden. Kräftig streckt sie ihre Arme und Beine in alle Richtungen. Die Ruhe der Nacht hat gut getan und sie für eine kurze Zeit ihre Sorgen vergessen lassen. Endlich konnte sie mal wieder eine ganze Nacht durchschlafen. Sie schlägt die Bettdecke zurück, setzt sich auf und seufzt. Auf einmal werden ihre Glieder schwer wie Blei. Ach, lohnt es sich überhaupt aufzustehen? Seit fast einem Jahr ist sie auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Aber immer ist es das Gleiche. Auf ihre Bewerbung bekommt sie nur Absagen. Langsam verlässt sie der Mut. „Wird es mir überhaupt noch gelingen, wieder in die Arbeitswelt zu finden?“. Auf dem Weg ins Bad sieht sie noch einmal den Sonnenstrahl, der auf ihrer Bettdecke liegt. Sie lächelt. Wie fröhlich die kleinen Staubkörner in dem Licht tanzen. Im Badezimmer ist es kalt. Sie stellt die Heizung an. Zum Glück wird das Wasser in der Dusche schnell warm. Mit geschlossen Augen hält sie ihr Gesicht in den Wasserstrahl. „Es geht immer weiter“ hat ihre Oma immer zu ihr gesagt, wenn sie glaubte, die langen Schulwochen und die vielen Klassenarbeiten nicht zu schaffen. „Es geht immer weiter,“ spricht sie nun leise in den Wasserstahl hinein. Ihre Oma war eine Frau mit einem festen Glauben. Es faszinierte sie immer, wenn sie hörte, wie schwer ihre Oma es in ihrem Leben gehabt hat und wie stark sie der Glaube an Gott gemacht hat. Sie stellt das Wasser ab, greift nach ihrem Bademantel wickelt sich fest in den Frottierstoff ein. Auf dem Weg in die Küche zieht sie die Zeitung aus dem Postschlitz an der Tür. Als sie die Beilage der Zeitung herausnimmt, fällt eine Postkarte heraus. „Gott nahe zu sein ist mein Glück,“ liest sie halblaut. Sie lächelt und denkt wieder an ihre Oma. „Ja, Gott nahe zu sein ist mein Glück und es geht immer weiter.“ Gott sei Dank!