Es sind Zeiten, wo man nicht mehr weiß, wem man vertrauen kann. Es gibt „Leitwölfe“, die unser gesellschaftliches „Rudel“ mehr verwirren, als transparent zu führen. Es gibt Regeln, die niemand mehr versteht, was ja Grundlage für die Einhaltung ist. Und dazu kommt, dass in dieser Zeit das soziale Miteinander arg auf dem Prüfstand steht. Entfremden wir uns voneinander oder wachsen wir zusammen? Wird der Egoismus mehr gefördert oder die Solidarität?

Susanne Niemeyer bringt in ihrem neuesten Buch den Begriff des „Gesellschaftsarchitekten“ (m/w/d) auf, der mich sehr begeistert hat. Immerhin gibt es hier 7,8 Milliarden offene Stellen und die Qualifikationen sind Fantasie, Engagement und Integrationsfähigkeit. Ein Job mit einer überirdischen Bezahlung, den man sofort beginnen kann; eine Bewerbung ist nicht erforderlich.

Wie soll es mit unserer Gesellschaft weitergehen? Wieviel Rücksicht, wieviel Gemeinschaftssinn sollen in einem Dorf, einer Stadt, einem Land die Normalität sein? Und wie geht man mit den Menschen um, die sich partout an keine Regeln und keine Absprachen halten? Wie fordert eine Gesellschaft eine Solidarität und das Gemeinwohl ein?

Selten gab es in den letzten 50 Jahren die Möglichkeit, ein globales Ereignis wie die aktuelle Pandemie zu nutzen, um die gesellschaftliche Ordnung zu hinterfragen. Durch die Kontaktbeschränkungen haben wir viel freie Zeit, uns als Gesellschaftsarchitekt*in zu betätigen für eine Post-Covid-Kultur, die nicht aus einem übergroßen ICH und dem gepflegten Blabla besteht, sondern einen nachhaltigen Wandel befördert. Und letztendlich werden sich daran auch unsere Volksvertreter in diesem Superwahrjahr messen lassen müssen. Denn auch das steht im Matthäusevangelium: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“

Wenn Sie Lust haben: Willkommen als Gesellschaftsarchitekt*in!

Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf