Och nee, nicht schon wieder diese ollen Kamellen. Mancher Dinge sind wir überdrüssig. Jeden Tag dasselbe Thema. Kennt jede in- und auswendig. Und dann bringt eine einen neuen Aspekt in die Diskussion ein. Guckt von einer anderen Stelle aus. Und sieht etwas, was andere übersehen haben. Eine neue Blickrichtung. Alle Menschen sind musikalisch - alle Menschen können singen. Ja, ich weiß schon. Jetzt denkt gerade jemand: ich kenn aber einen, der kann's nicht, trifft keinen Ton. Sagt er ja selbst von sich. Nur: es geht nicht um's Töne Treffen. Es geht um's Singen. Und wenn dieser Mensch sich wohlfühlt, dann fängt er doch an zu singen. Wenn sie in ihrem Element ist, legt sie los. Unter der Dusche, beim Hören des Lieblingssongs. Gott sei Dank! Denn Singen tut gut. Singen drückt Lebensfreude aus und kann sie von Neuem wecken. Viele behaupten sogar, es fördere die Gesundheit. Gerade wenn sich die Angst verliert, sich zu blamieren. Wenn niemand die Nase rümpft, wenn selbstverständlich alle mitsingen können und jede Stimme wichtig genommen wird im vielstimmigen Chor des Lebens. Ohne Singen gäbe es keine Kirche und keinen beglückenden Überschwang im Glauben. Die Bibel fordert einfach alle auf zu singen, und sogar die Bäume klatschen dabei manchmal in die Hände. (Jesaja 55, 12) Alle singen und machen Musik ohne Unterschied, Inklusion pur. Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder (Psalm 98). Und der Haken? Zusammen singen ohne Maske in geschlossenen Räumen: geht jetzt nicht. Manche unter uns haben sich was Neues einfallen lassen: Chormitglieder etwa, die einzelne Stimmen zu einem Chorgesang zusammengefügt haben. Mit Hilfe der Technik. Hinaus gesendet in die Welt. Nicht wie gewohnt. Oder sie haben besondere Orte gefunden und aufgesucht, wo sie mit dem gebotenen großen Abstand doch gemeinsam singen konnten. Das zählt: Menschen singen ein neues Lied, zur Freude Gottes und zu ihrer eigenen. Und bewahren sich die Vorfreude auf die Zeit, in der das wieder ohne großen Abstand geht.

Hartmut Peters, Pastor