Was sollten sie denn jetzt tun, fragten sich die Jünger und Freund:innen Jesu, nach seiner Kreuzigung, angesichts des leeren Grabes. Sie hatten ja nicht einmal einen Ort für ihre Trauer.

Sie versteckten sich. Sie waren ratlos und enttäuscht, fühlten sich hoffnungslos.

Zwei hielten es nicht mehr aus, liefen weg, wollten nichts mehr hören und sehen.

Heute haben wir ein neues Wort dafür: mütend: müde, wütend, erschöpft, enttäuscht.

Ausweglos erschien ihnen ihr Leben.

Es brauchte Zeit, lange Zeit, viele Gedanken und Gespräche um zu begreifen, zu verstehen, zu leben. Die Bibel fasst es in wundersamen Geschichten zusammen: ein taglanges Gespräch mit einem ihnen Fremden, der scheinbar nichts von allem weiß, und sie dann doch die Einsicht und Nähe spüren lässt, wie sie nur Jesus ihnen geben konnte.

Es brauchte viele Worte, mehr noch die vertraute Gemeinschaft miteinander, als sie miteinander das Brot brachen, erkannten sie es, erkannten ihn. Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter Ihnen. Seine Worte.

Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten brauchten sie - im Verborgenen.

Jesus wollte keine neue Religion, sagt Jürgen Moltmann, bekannter Tübinger Theologe, der dieser Tage 95 Jahre alt wurde. Zwei seiner Bücher haben mich im Studium dort beschäftigt: ‚Das Prinzip Hoffnung‘ und die ‚Kirche in der Kraft des Geistes‘. Neue Hoffnung, neues Leben entsteht dadurch, dass Kranke nicht ausgestoßen sondern geheilt werden. Und Ausgestoßene angenommen, an den Tisch, in die Gemeinschaft geholt werden. Christliches Leben ist keine Theorie sondern aktives Leben mit und für andere.

Ein anderer bedeutender katholischer Theologe, Hans Küng, ist diese Woche mit 93 Jahren gestorben. Berater im 2. Vatikanischen Konzil, lehrte mit Joseph Ratzinger seit 1960 in Tübingen. Dann trennten sich ihre Wege, er wurde zum radikalen Kritiker der katholischen Kirche, stritt mit den Päpsten um deren Unfehlbarkeit, den Zölibat, die Empfängnisverhütung, den Laienkelch und das gemeinsame Abendmahl aller Christen, forderte radikale Reformen. 

Ich saß 1979 in seiner Vorlesung über das Glaubensbekenntnis, als ihm die Lehrerlaubnis entzogen wurde. Die Hälfte der Vorlesungszeit ging es um den Streit mit der römischen Kirche. 

Die Uni richtete dann eigens für ihn einen Lehrstuhl für Ökumenische Theologie ein und er gründete die Stiftung Weltethos. „Es gibt keinen Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen“, war er überzeugt. Wir müssen voneinander mehr wissen, mehr verstehen, es braucht mehr Dialog. Es braucht weltweit verbindliche Normen, Werte, Ideale  und Ziele. Aufeinander zugehen, miteinander reden, miteinander leben.

Ostern bleibt kein unglaubliches Geschehen, wenn wir dies zu leben suchen.

Ele Brusermann, Pastor i.R.