Letztens fiel mir ein Notizbuch in die Hand, in das ich zuletzt vor drei Jahren hineingeschrieben hatte. Ich blätterte ein wenig und las darin. Ich fand Gedanken zu meinen Kindern, ein Exzerpt eines Buches zu Erziehungsfragen, Mitschriften aus Fortbildungen zu verschiedensten Themen und Gedankenfetzen, die ich irgendwo aufgeschnappt und im Büchlein festgehalten habe. Hängen blieb ich an einer Seite mit der Überschrift „Achtsamkeit - heute den Herzenshunger erkennen“. Welch schönes Wort: Herzenshunger. Wonach hungert mein Herz? Sofort kann ich antworten: Nach Kontakt! Und Begegnung, die ja immer mehr gerade wieder möglich ist. Zudem gibt es einen Hunger nach guten Gefühlen, nach Nähe, nach Anerkennung, nach Liebe, nach sich lebendig fühlen, nach angeregt werden, nach Austausch, nach Geselligkeit und auch nach Rückzug und Zeit mit mir.

„Ich bin das Brot des Lebens“ sagt Jesus in Joh. 6 „Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern…“ – das Brot des Lebens wird in Beziehung erfahren, der Herzenshunger in Begegnungen gestillt. Nie stand es mir so sehr vor Augen wie nach dieser Zeit des „social distancing“, der Videokonferenzen, der starken Reduzierung von live-Kontakten auf möglichst wenige und gleiche Kontakte.

 „Essen ist eine höchst emotionale Angelegenheit“ entnehme ich weiter meinen Notizen. Das stimmt, was gibt es für Debatten um gesunde Ernährung, um klimaverträgliche Ernährung, um veganes Essen. Und welches Essen tut mir eigentlich gut und macht mich zufrieden? Und wie schön ist es auch, in einer Runde mit anderen zu speisen uns leckeres Essen zu genießen!

Welche Nahrung brauche ich für mein Leben? Und welche Menschen stillen meinen Herzenshunger? Was ist Magenknurren, was Herzenslust? Das sind Fragen, die auch in der Lebensberatung bewegt werden: Heute den Herzenshunger erkennen!

Christine Koch-Brinkmann, Leiterin der Lebensberatung für Einzelne, Paare, Familien / Supervision des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg und Neustadt-Wunstorf