Liebe Leser und Leserinnen,

Abschiede sind oft schmerzhaft - das Zurückbleiben auf dem Bahnsteig, das Hinterherschauen hinter dem abhebenden Flugzeug, das Winken beim Abfahren des Autos. Einer bricht auf – vielleicht in einen neuen Lebensabschnitt, einer bleibt zurück. Es entsteht ein Gefühl von Leere und Verlust. Oft entstehen solche Abschiede, wenn Kinder groß werden: Das erste Ferienlager ohne Eltern, 4 Wochen Norwegen – ein großer Reisebus, der verschwindet. Winkende Eltern und die Sorge darum, dass alle wohlbehalten zurückkehren. Der Abschied am Flughafen vor einem Auslandsjahr. Der endgültige Auszug, um auf eigenen Beinen zu stehen. Manchmal gibt es berufliche Notwendigkeiten, die Paare in die Wochenendbeziehung drängen:  Abschiede am Sonntagabend. Diesen Abschieden ist gemeinsam, dass sie eine Perspektive haben. Kinder kommen zurück aus Ferienlager und Auslandsaufenthalten und die Verbindung reißt nicht ab, wenn sie ihren Lebensmittelpunkt woanders haben. Berufliche Herausforderungen ändern sich und machen einen gemeinsamen Alltag wieder möglich. Vielleicht sind all diese nicht-endgültigen Abschiede ja auch nur die Trainingseinheiten für die großen Abschiede, denen wir uns stellen müssen, wenn der Tod nach unserem oder dem Leben unserer Lieben greift. Im Kirchenjahr befinden wir uns gerade in so einer Abschiedszeit, der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Die Bibel erzählt von dem endgültigen Abschied Jesu von seinen Jüngern. Sie bleiben zurück und müssen die Wartezeit überbrücken, bis sich der Himmel an Pfingsten wieder für sie öffnet. In der Zwischenzeit sind sie hin – und hergerissen zwischen Hoffnung und Verzagen. Lohnt es sich dranzubleiben und in der Vorfreude auf ein Wiedersehn Gegenwart zu gestalten? Die Freunde Jesu fühlten sich schließlich neu von Gott berührt, begabt mit dem heiligen Geist und auf neue hoffnungsvolle Wege gewiesen. Ich wünsche es Ihnen und mir auch, dass nach den kleinen und großen Abschieden im Leben, immer wieder der Himmel aufreißt und wir neue Perspektiven erkennen und erleben dürfen. Von und mit der Hoffnung, dass auch beim  großen Abschied am Ende des Lebens Gott Leben und offenen Himmel schenkt, leben wir als Christen und Christinnen.

Nikola Lenke, Schulpastorin am Hölty-Gymnasium