„Es will mir einfach nicht in den Kopf“, sagt der Füller, „dass ich mit so gewöhnlichen Dingen wie euch zusammen sein muss, dabei stamme ich doch aus einer vornehmen Familie. Ein Cousin unterschreibt für die Bundeskanzlerin Verträge und ein Freund meiner Tante liegt auf dem Schreibtisch des Präsidenten von Frankreich. Und ich muss hier neben einem Bleistift und einem Kugelschreiber leben. Das passt mir aber gar nicht.“

Das ärgert den Kugelschreiber sehr, er sagt aber nichts.

Der Bleistift sagt: „Viele große Maler haben mit Bleistiften aus meiner Verwandtschaft gearbeitet. Aber ich will nicht mit meiner Verwandtschaft protzen. Nein, Herr Füller, jeder von uns hat seinen eigenen Wert. Sie sind besonders gut geeignet für sehr wichtige und offizielle Texte, der Kugelschreiber ist super, wenn es mal regnet und mit mir kann man sehr gut zeichnen oder schnell ein paar Gedanken aufschreiben, die man vielleicht später wegradieren möchte. Jeder hier hat seinen Platz und eine besondere Aufgabe.“

In der Schule, die gerade wieder angefangen hat, geht es oft ähnlich zu. Da gibt es auch ab und zu Streit, weil einer meint, er kann etwas besser als alle anderen. Und das ist auch so. Aber wenn jemand nicht gut rechnen kann, dann kann er vielleicht ganz schnell laufen. Und wenn eine ganz schön ungelenkig ist, dann kann sie vielleicht besonders gut lesen. Dann hat einer so seine Schwierigkeiten mit den Buchstaben, kann aber richtig gut malen oder kann wunderbar zuhören und so weiter und so weiter.

Alle können irgendetwas besonders gut. Was das ist, das weiß man vielleicht schon oder man wird es noch herausfinden.

Wenn Ihr, liebe Schüler, mal traurig seid oder Euch jemand ärgert, dann denkt einfach daran, was Ihr besonders gut könnt. Niemand ist ein besserer Mensch, nur weil er etwas besser kann. Jede und jeder von euch ist besonders. Gott sei Dank.

Wir haben verschiedene Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. (Römer 12,6)

Karin Puy, Lektorin, Kirchengemeinde Luthe