Delegation trifft brasilianische Kirchenleitung

Neustadt/Wunstorf. Zum sechsten Mal besuchen Christinnen und Christen aus dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf den Partnerkirchenkreis in Brasilien. Zusammen mit Superintendent Michael Hagen und dem brasilianischen Gastpastor Carlos Luiz Ulrich sind zehn Delegierte für drei Wochen Brasilien gereist. Die Gruppe kehrt am 6. April kehrt zurück. Der dritte Reisebereicht erzählt von einschneidenden Erlebnissen:

Auf der Rückreise von ihrem 15-tägigen Besuch in der Synode (Kirchenkreis) Uruguai der Evangelisch-lutherischen Kirche Brasiliens wurde die Delegation des Kirchenkreises von der dortigen Kirchenleitung in Porto Alegre empfangen. Dort wurden die Besucher über die Herausforderungen dieser evangelischen Minderheitskirche in dem riesigen Land informiert: Noch nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung gehören zu dieser weitgehend von den Nachfahren deutscher Auswanderer abstammenden Kirche. Ihr Schwerpunkt liegt im Süden Brasiliens. Es stellt sich für diese lutherische Kirche die Frage, wie sie auf dem sehr viel bunteren Markt der Religionen als in Deutschland bestehen kann. Immer weniger junge Menschen sprechen Deutsch und zunehmend auch Menschen anderer Ethnien und Abstammungen gehören dazu. Dennoch hatte Superintendent Michael Hagen die Gelegenheit, über Karfreitag und Ostern dreimal in deutsch zu predigen.

 

Für viele Gottesdienstbesucher war dies ein bewegendes Erlebnis. In Palmitos sprach er in einer gutbesetzten Kirche vor 120 Gottesdienstbesuchern, in Aqua de Chapecco feierte Hagen mit der brasilianischen Kollegin Neiva Barg in einer ausgeräumten Garage Gottesdienst mit 20 Gemeindegliedern. Dabei sprach er auch eines der vielen Probleme der dortigen Gemeindeglieder an, mit denen die Besucher aus dem Kirchenkreis konfrontiert wurden: „Die Sorge der Bauern in Cunha Pora, ihr Land an die Indianer zu verlieren, macht mich sehr betroffen. Seit mehr als zwölf Jahren leben sie in großer Ungewißheit, was aus ihnen werden wird. Ein Unrecht, das geschehene Unrecht an der indigenen Bevölkerung,  durch  ein anderes Unrecht – in diesem Fall an den Siedlern auszugleichen, ist fragwürdig.” 

 

Anke Wortmann aus Mandelsloh/Neustadt beeindruckte bei den Ostergottesdiensten: „Die Gemeinden singen die Lieder in vielen Gottesdiensten a-capella. Musikalische Begleitung ist vielfach nicht vorhanden. Die Melodien sind aber bekannt und werden ohne Noten kräftig mitgesungen.” Vor ihrer Abreise wurde die Gruppe aus Neustadt und Wunstorf in Chapeco, dem Sitz des Synodalpfarrers, herzlich verabschiedet. In einem gemeinsamen Gottesdienst wurden auch dem kurz vor Ostern verstorbenen Mitglied der brasilianischen Partnerschaftsgruppe Burchard Decker im Gebet gedacht. Mehr als 20 Jahre hatte er diese Arbeit aktiv mitgestaltet.

 

Danach trat die Gruppe in einer nächtlichen Busfahrt die Reise in die knapp 500 Kilometer entfernte Metropolregion Porto Alegre am Atlantik an. Dort besuchte sie auch das Einwanderermuseum in San Leopoldo. Es enthält Zeugnisse über die seit 1824 stattfindende Einwanderung der Deutschen nach Brasilien. Es legt auch Zeugnis über das Ergehen der schwarzen und indigenen Bevölkerung ab, die damals dort lebte. Von Porto Alegre geht es für 6. Delegation des Kirchenkreises nur über Rio de Janeiro wieder heimwärts.“