Am Sonntag wird man sich versammeln: An den Denkmälern, in den Kirchen und an besonderen Orten des Erinnerns. Es ist Volkstrauertag. Man blickt zurück in die Vergangenheit der Weltkriege und auf den Völkermord an den Juden. Die Erinnerung an das Leid und an das Unrecht lebt weiter – solange wir Mut haben, darüber zu sprechen und es weiterzuerzählen. Dieses Jahr gehen wir auf Abstand! – Wegen Corona tragen wir auch Masken. Das tun auch die Menschen, die ansonsten keine Scheu haben, ihr Gesicht zu zeigen. Sie gehen mit Anstand auf Abstand, um sich und andere zu schützen. Viele meinen, dass sei nicht zu viel verlangt, sondern notwendig und sinnvoll, um sich und andere vor Ansteckung zu schützen. Anderen reicht es! Sie protestieren gegen die Auflage des Staates und gegen Hygienevorschriften. Manche werden zu Querdenkern. So nennen sie sich selbst. Querdenker machen am Rande der Corona Krise zurzeit laut durch Demonstrationen auf sich aufmerksam. Erschreckend viele Menschen sehen hinter der Pandemie und in dem Virus das Wirken dunkler Mächte. Das findet Glauben, es findet Anhänger in einer beachtlichen Vielfalt und Radikalität – so am letzten Wochenende in Leipzig! Und auch für Hannover sind solche Demonstrationen geplant. Manche sagen sogar, dass hätte viel gemeinsam mit eiferndem religiösem Denken. Gar nicht selten kommen Sprache und Bilder aus dem religiösen Umfeld. Doch da – wo unser Glaube von Vertrauen, Liebe und Hoffnung spricht, regiert hier der Zorn, Angst und Wut.

Als Christen können wir uns nicht aus allem raushalten. Wir brauchen einen klaren Standpunkt. Ich möchte Ihnen das an einem Beispiel deutlich machen: Wir haben in den letzten Monaten gelernt in Hygienekonzepten zu denken! Wir sind dabei auf Abstand gegangen und tragen Masken zum eigenen und zum Schutz anderer. Aber neben der äußeren Hygiene gibt es auch Notwendigkeit für eine innerliche Klärung.

Dazu hilft mir ein Vers aus dem Matthäusevangelium: Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen (5,9). Als Christen sehen wir die Kraft der Versöhnung tief in unserem Glauben verwurzelt. Dazu mahnt und erinnert auch der Volkstrauertag. Es ist Dietrich Bonhoeffer, der als Pastor und Theologe im 2. Weltkrieg an die guten Mächte erinnert. An Gott selbst, der Segen gibt und Hoffnung weckt – gegen die Angst. Seinen Segen gebe ich Ihnen gerne mit in dieses Novemberwochenende der kollektiven Trauer für die Opfer von Terror, Gewalt, Krieg und Vertreibung als Folge der Weltkriege bis heute. „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Bleiben Sie behütet!

Dagmar Brusermann,  theologischer Vorstand der Diakonischen Altenhilfe in Wunstorf