Haben Sie vor dem letzten Kauf einer Zahnbürste vielleicht erst einmal drei Testberichte gelesen, um zu wissen welche denn die Beste ist? Haben Sie heute schon in den Spiegel gesehen nach der Dusche und „Perfekt!“ zu sich gesagt? Das geht ja gar nicht!

Diese Erkenntnis geht verloren. Das „Perfekte“ ist ausdrücklich das Ziel unzähliger Anstrengungen geworden. Jeder Betrieb müht sich ununterbrochen darum, „die Prozesse zu optimieren.“. Das ist auch sicherlich manchmal sinnvoll. Die Feststellung „Nichts ist perfekt.“ – ist bei manchen längst ersetzt worden durch das überschwängliche „Nichts ist unmöglich.“. Firmen fordern von Ihren Mitarbeitern deren „Selbstoptimierung“. Doch ist das überhaupt erreichbar: die perfekte Version meiner Person? Klar, da fallen mir so perfekte Menschen ein wie Martin Luther King, Mutter Teresa und Jesus natürlich. Wie sieht der das eigentlich?  Der spricht auch von Vollkommenheit! Er ermahnt seine Nachfolger*innen: „Deshalb sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ (Matthäus 5,48). Auch das noch! Wenn aber perfekt sein bedeuten würde: vollständig sein, zum Ziel gekommen sein, ganz sein? Dann wird aus dem Druck Perfekt zu sein, ein Werden, ein Zugehen auf Gott. Er ist das vollkommene Ziel, vollkommen liebevoll und barmherzig. Dann wird das perfekt sein, ein Weg zu mir und dem anderen. Das beginnt bei mir, beim barmherzigen Blick in den Spiegel am Morgen, setzt sich fort beim Blick auf meine Kinder, die das Zimmer nicht aufgeräumt haben, und endet bei der krummen Gurke auf dem Marktplatz. Also sowas!

Stefan Krüger