Tausende Kilometer entfernt - und doch hält die Freundschaft: brasilianische und deutsche Christinnen und Christen auf ständiger Stippvisite

 

Endlich waren sie da! Nach fast zwei Tagen mit Bus und Flugzeug spazierte die zehnköpfige Delegation aus Brasilien durch die Pforten des Flughafens Hannover. Noch ziemlich verschlafen sollte es direkt zur Begrüßung weiter nach Kohlenfeld gehen.

Für diejenigen, die zum ersten Mal dabei waren, erfüllte sich ein großer Traum, welcher anfangs noch nicht ganz realisiert werden konnte: „Ich kann es noch gar nicht glauben, endlich in Deutschland zu sein“ hörte man von mehreren Gästen. Die meisten sprechen seit ihrer Kindheit Deutsch.

Ihre Vorfahren waren nach Brasilien ausgewandert und hatten die deutsche Sprache und Kultur weiter gegeben - Zwei, vier, manchmal sechs Generationen lang. Dann entstand im Jahr 1990 eine Partnerschaft zwischen der brasilianischen Sínodo Urugai und dem Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf.

Seitdem besuchen sich immer wieder Delegationen beider Länder und tauschen sich drei Wochen lang über Kultur und Glaube aus.

Auf dem Terminplan stand vieles: Stadtführungen, Besuche beim Bürgermeister, bei der Tafel, auf den Dörfern und natürlich in ganz vielen Kirchen, sogar in Wittenberg.

Dort verfolgten sie nicht nur Luthers spuren, sondern pflanzten auch zum 25. Jubiläum der Partnerschaft einen Baum in den Luthergarten – für viele Besucher und Gastgeber einer der Höhepunkte.

Genauso wie die Fahrt nach Berlin. Fast alle hatten schon von der Mauer gehört, einige Deutschland sogar in Zeiten der Teilung besucht. Jetzt wollten sie sehen wie Berlin und die übrigen Stücke der Mauer heute aussehen. Außerdem besuchten sie das Reichstagsgebäude und die Bundestagsabgeordnete Caren Marks (SPD). Abends ging es mit dem Zug wieder zurück nach Neustadt. Auch das etwas Besonderes, denn in Brasilien gibt es so gut wie kein Schienennetz.

An ausruhen war nur selten zu denken. Einigen gefiel das sehr gut, denn schlafen könnten sie ja auch in Brasilien noch. Anderen hingegen kam die Zeit des Austausches und der Wahrnehmung ein bisschen zu kurz. Immerhin wollten sie auch den deutschen Alltag kennen lernen.

Über die Jahre entwickelten sich nicht nur die Sprachen auf eine andere Weise, sondern nahmen auch die Kulturen verschiedene Einflüsse auf. Während früher noch viele Deutsche in Brasilien unter sich blieben und zunächst Deutsch statt Portugiesisch lernten, integrieren sie sich heute ganz normal in die brasilianische Bevölkerung. Dennoch werden sie immer noch als Deutsche stigmatisiert, was in einem Gespräch für einen örtlichen Gemeindebrief deutlich wurde.

So lernten sie nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche in Deutschland, sondern auch die vielen anderen Bestandteile kennen: Die Konfirmandenarbeit, Freizeitgruppen, aber auch Beratungsstellen und andere Soziale Angebote.

Am Ende war der Besuch in Deutschland kein Traum mehr, sondern Wirklichkeit geworden. Wie bei vorherigen Besuchen entstanden viele neue Freundschaften, während alte wieder aufgefrischt werden konnten. Da passt es doch ganz gut, das der Setzling Wittenberg schon etwas größer war, erklärte einer der Gäste. Denn auch die Partnerschaft habe nun nach 25 Jahren stabile Wurzeln und hoffentlich noch ganz viel Zeit um weiter zu wachsen.

 

Text: Benno Wage

Bilder: Benno Wage