„Ich singe dir mit Herz und Mund" Wer mag, kann ja mit summen und den Text dazu lesen. Das hörten wir, als wieder GD in unserer Kirche gefeiert werden durfte. Ich merkte bald: Das Lesen und dazu die Lippen leise bewegen, gefiel mir. Ich überlegte, ob es das in unserer Kirche wohl schon mal so gab? Vielleicht am Anfang vor 326 Jahren, als die Lieder mit dem Kantor eingeübt wurden. Man summte, um die Melodie besser kennen zu lernen. Es gab ja noch keine Gesangbücher, keine Texte, keine Noten, jedenfalls nicht für die Dorf-Bevölkerung. Sie übten vor den GD mit viel Hingabe und sicher auch Freude. Der Kantor spielte auf der Orgel oder sang die Lieder vor. Während der Woche war auf den Höfen oft Gesang von Kirchenliedern zu hören. Es wurde für den nächsten Sonntag geübt. Ein schöner Brauch! Wer lesen konnte, hielt auch damals schon aufgeschriebene Liedtexte in der Hand und gab damit allen Singenden ein bisschen mehr Sicherheit. Zur Kirchen-Einweihung wurden übrigens fast ausschließlich selbst gedichtete Lieder gesungen.

Gerade als ich nach meinem 1. Summ-GD in dieser Corona-Zeit nach Hause kam, hörte ich ein leises Summen über der Garagentür. Ich entdeckte eine Riesen-Hornisse, die mich mit ihren blanken Knopfaugen musterte. Ein solches Exemplar, eigentlich wunderschön anzusehen mit langen antennenartigen Fühlern, hatte ich noch nie vorhergesehen. Ich machte mich schlau und las sehr viel Interessantes über diese Insekten und ihre Königin..." Das kannst du doch nicht zulassen, viel zu gefährlich für Euch alle. Du musst schnell handeln!" Gut gemeinte Ratschläge, aber den prüfenden Blick dieser Königin konnte ich nicht vergessen. Ich wusste: Sie und ihr Volk sind für uns wichtige Geschöpfe Gottes und dürfen bleiben! Plötzlich war sie aber wieder weg, wohlauf Hochzeitsflug. Es vergingen einige Wochen - und dann herrschte vor dem Loch in der Holzverschalung reges Treiben, und das blieb bis vor kurzem so. Emsig flogen unzählig viele Hornissen ein und aus, um den gesamten Staat zu versorgen. Die Ausfliegenden waren mit Futter-und Material-Suche und Verteidigung beschäftigt und die Drinbleibenden mit Zellenbau, Brutpflege, Säuberung, Königinnenschutz und Temperaturregelung usw. schwer am Werk Am Nettesten für; mich war das Gesumme und Geschwirre, mal laut mal leiser, aber ständig - bis zum Abend. Alle Hornissen lebten für die gleiche Sache: Einer kümmert sich um den anderen, total gelebte Solidarität.

In der Bibel werden sie zwar nicht namentlich erwähnt, wohl aber die fleißigen Ameisen, die ich immer mit unseren Bewohnern verglich. So fand ich in Sprüchen 6 'Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr. Wenn sie auch keinen Herrn hat, so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte. „Wir summen dir mit Herz und Mund ..." Manchmal war es mir so, als wenn aus dem verborgenen Prachtbau diese Melodie ertönte.

Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen