Wochenandachten 2020

Entzünde ein Lächeln - 28.11.2020

Morgen ist der 1. Advent und damit Zeit, mindestens eine Kerze anzuzünden. Aber was wird das für ein Advent? Ausgiebig einkaufen geht nicht. Für Freunde Kekse backen geht nur mit Handschuhen und Mundschutz. Der Punsch schmeckt nur dann gut, wenn man ihn für viele Menschen kocht – das fällt also auch weg.

In einer solchen Zeit der Einschränkungen braucht es eine andere Quelle der Freude. Wir hatten uns überlegt, den liebgewonnen lebendigen Adventskalender in Idensen und Mesmerode in diesem Jahr trotzdem stattfinden zu lassen: Menschen laden zu sich ein und lesen eine Geschichte vor oder singen ein Lied. Recht schnell war für jeden Tag eine Gastgeberin oder ein Gastgeber gefunden.

Mit großer Vorfreude haben sich alle vorbereitet, denn die Idee auch in diesem Advent beieinander zu sein, war uns allen enorm wichtig. Wir wollen uns sehen, die Stimme hören und die Stimmung transportieren in einer Vorfreude auf das Weihnachtsfest.

In den evangelischen Kirchen wird morgen gepredigt zu einem Text aus Sacharja, wo es heißt: „Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern“. Dieser Satz beflügelt unsere alljährliche Sehnsucht nach einer friedlichen Weihnachtszeit aller Menschen auf diesem Planeten. Krieg und Aggression mit Waffen oder Twitter gibt es zu viele, dass ein Wandel dringend nötig ist. Frieden in die Häuser zu bringen, Gemeinschaft zu stiften und sich die Ruhe und auf das Miteinander einzulassen, ist ein großes Bestreben in dieser Zeit.

Und daher haben sich auch die Gastgeberinnen und Gastgeber mit diesen Themen auseinandergesetzt: Mal nachdenklich und mal augenzwinkernd setzen alle sich mit der Adventszeit auseinander. Und warum tun sie das trotz Corona? Sie machen es wegen Corona. Sie haben sich in ihrem Wohnzimmer filmen lassen und sehr bewusst eine geliebte Geschichte ausgewählt. Sie laden ein – wenn auch nur virtuell -, um nicht nur ein Licht zu entzünden, sondern auch das Lächeln dazu zu schenken.

P.S.: Die Videos finden Sie unter www.Kirche-Idensen.de

Jörg Mecke, Prädikant aus Idensen

Selig sind die Friedensstifter - 14.11.2020

Am Sonntag wird man sich versammeln: An den Denkmälern, in den Kirchen und an besonderen Orten des Erinnerns. Es ist Volkstrauertag. Man blickt zurück in die Vergangenheit der Weltkriege und auf den Völkermord an den Juden. Die Erinnerung an das Leid und an das Unrecht lebt weiter – solange wir Mut haben, darüber zu sprechen und es weiterzuerzählen. Dieses Jahr gehen wir auf Abstand! – Wegen Corona tragen wir auch Masken. Das tun auch die Menschen, die ansonsten keine Scheu haben, ihr Gesicht zu zeigen. Sie gehen mit Anstand auf Abstand, um sich und andere zu schützen. Viele meinen, dass sei nicht zu viel verlangt, sondern notwendig und sinnvoll, um sich und andere vor Ansteckung zu schützen. Anderen reicht es! Sie protestieren gegen die Auflage des Staates und gegen Hygienevorschriften. Manche werden zu Querdenkern. So nennen sie sich selbst. Querdenker machen am Rande der Corona Krise zurzeit laut durch Demonstrationen auf sich aufmerksam. Erschreckend viele Menschen sehen hinter der Pandemie und in dem Virus das Wirken dunkler Mächte. Das findet Glauben, es findet Anhänger in einer beachtlichen Vielfalt und Radikalität – so am letzten Wochenende in Leipzig! Und auch für Hannover sind solche Demonstrationen geplant. Manche sagen sogar, dass hätte viel gemeinsam mit eiferndem religiösem Denken. Gar nicht selten kommen Sprache und Bilder aus dem religiösen Umfeld. Doch da – wo unser Glaube von Vertrauen, Liebe und Hoffnung spricht, regiert hier der Zorn, Angst und Wut.

Als Christen können wir uns nicht aus allem raushalten. Wir brauchen einen klaren Standpunkt. Ich möchte Ihnen das an einem Beispiel deutlich machen: Wir haben in den letzten Monaten gelernt in Hygienekonzepten zu denken! Wir sind dabei auf Abstand gegangen und tragen Masken zum eigenen und zum Schutz anderer. Aber neben der äußeren Hygiene gibt es auch Notwendigkeit für eine innerliche Klärung.

Dazu hilft mir ein Vers aus dem Matthäusevangelium: Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen (5,9). Als Christen sehen wir die Kraft der Versöhnung tief in unserem Glauben verwurzelt. Dazu mahnt und erinnert auch der Volkstrauertag. Es ist Dietrich Bonhoeffer, der als Pastor und Theologe im 2. Weltkrieg an die guten Mächte erinnert. An Gott selbst, der Segen gibt und Hoffnung weckt – gegen die Angst. Seinen Segen gebe ich Ihnen gerne mit in dieses Novemberwochenende der kollektiven Trauer für die Opfer von Terror, Gewalt, Krieg und Vertreibung als Folge der Weltkriege bis heute. „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Bleiben Sie behütet!

Dagmar Brusermann,  theologischer Vorstand der Diakonischen Altenhilfe in Wunstorf

 

Ich habe gebetet, als könnte ich nicht rudern - 31.10.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
seit vielen Jahren begleitet mich immer mal wieder eine kleine Geschichte aus der orthodoxen Tradition. Ein Mann ist mit einem kleinen Ruderboot auf einem großen See unterwegs. Als es ungefähr gleich weit zum Start und zum Ziel ist, zieht ein schweres Unwetter auf. Allem Unwetter zum Trotz: Er kommt gut am Ziel an! Dort wird er schon
bang erwartet. Und man staunt, wie er das geschafft hat: solche Wellen, solch ein Regen, solche Blitze und Donner – beängstigend. Wie hat er das bloß überstanden? Auf diese Frage antwortet der Mann: Ich habe gebetet, als könnte ich nicht rudern. Und ich bin gerudert, als könnte ich nicht beten!
In diesen Tagen der Pandemie geht mir diese kleine Erzählung öfter durch den Kopf. Die stetig steigenden Infektionszahlen, das neuerliche Einsickern der Infektionen in Häusern der stationären Wohneinrichtungen, der langsame Anstieg der Belegung auf den Intensivstationen – da braut sich ein Unwetter zusammen!
Und, um im Bild der Geschichte zu bleiben: Was machen wir – Sie und ich? Mein Eindruck: Wir rudern – ein bisschen. Der Umgang mit den Einschränkungen beschwert. Empfohlenene Kontaktbeschränkungen fallen schwer. Die Maske nervt. Und so gar nicht reisen – nicht einmal in den Herbstferien? Wir rudern – ein bisschen.
Beten wir? Bitten wir Gott um Bewahrung in dieser Zeit? Um Schutz für die Menschen, die wir lieb haben und um Bewahrung derer, die in den Häusern der Altenhilfe und der Eingliederungshilfe wohnen und arbeiten? Um Segen für das Ringen um das Leben der beatmungspflichtigen Patienten in den Intensivstationen? Persönlich gesprochen: Ich bete – ein bisschen.
Die kleine Geschichte kann ein Impuls sein, es so zu halten wie der fromme Mann aus der orthodoxen Tradition: Beten, als könne man nichts machen; Vorsicht walten lassen, als könne man nicht beten.
Bleiben sie behütet!

Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher Diakonie in Niedersachsen / Oberlandeskirchenrat

Der Herr ist mein Hirte - 24.10.2020

Spätestens seit März gibt es kaum ein Gespräch, indem nicht das Wort „Corona“ fällt. Nach dem relativ entspannten Sommer wurde in den vergangenen beiden Wochen fast ununterbrochen über die drastische Zunahme der Neuinfektionen und die erforderlichen Gegenmaßnahmen diskutiert. Die Politiker haben strengere Regeln für Regionen mit starkem Infektionsgeschehen beschlossen. Und die Kanzlerin rief dazu auf, deutlich weniger Menschen zu treffen und ab sofort auf nicht notwendige Reisen und Feiern zu verzichten.

Viele besinnen sich jetzt auf grundlegende Dinge im Leben zurück. Auf Gesundheit oder Familie. Auch der Glaube wird für viele wichtiger. Welche Wege führt uns Gott in diesen Tagen des Zweifels und der Unsicherheit? Einer der bekanntesten Texte der Bibel. der Psalm 23, gibt da vielleicht eine Antwort. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ heißt es da. Diese Worte haben Menschen in Not schon immer gesprochen.

Der Hirte ist wohl das älteste Bild von Gott, das wir in der Bibel finden und es hat bis heute nichts von seiner Strahlkraft verloren: Von der Umsicht des Hirten, von seiner richtigen Einschätzung der Kräfte und von seinem Gespür für das Notwendige hängt alles ab. „Der Herr ist mein Hirte“. Das ist ein Bekenntnis, das wie ein Fels im Meer der Unsicherheiten steht. Bis heute trauen Menschen diesem Gott zu, dass er auch ihnen neue und andere Wege zeigt.

Und so bereiten Gemeinden kreativ und mit kühlem Kopf all die Gottesdienste vor, die in den nächsten Wochen sattfinden: Am Reformationsfest und am Toten- bzw. Ewigkeitssonntag. Natürlich ohne gemeinsames Singen und mit Abstand. Niemand kann die Entwicklung der Pandemie vorhersehen - lokale Entwicklungen des Infektionsgeschehens können dazu führen, dass Pläne geändert werden müssen - das wissen alle Beteiligten inzwischen nur zu genau. Trotzdem lassen sich viele Kirchengemeinden nicht entmutigen und planen schon jetzt ihre Weihnachtsgottesdienste. Denn die anderen Veranstaltungsformate erfordern eine besondere Vorbereitung. Prinzipiell ist vieles möglich - von mehreren, kürzeren Gottesdiensten in der Kirche bis hin zu einem größeren Weihnachtsgottesdienst auf dem Marktplatz.

Persönlich kann auch jede und jeder dazu beitragen, wie wir den Winter und Weihnachten erleben. Abstand zu wahren und zu Hause zu bleiben ist sicherlich ein schwerer Verzicht. Letztlich aber leisten wir ihn, wie Kanzlerin Merkel am letzten Wochenende sagte, für uns selbst und all diejenigen, denen wir diese Erkrankung ersparen wollen.

Danket dem Herrn - 17.10.2020

Liebe Leserinnen und Leser,

erst in diesen Tagen ginge ohne Covid-19 die Zeit der Erntefeste zu Ende. Die Ernte ist seit Jahrhunderten ein Anlass für Feiern gewesen. 

Dabei spielte der Dank eine wichtige Rolle. Und heute?

Sollten wir heute noch Gott danken? Oder macht unsere Arbeit, gleichgültig ob in der Landwirtschaft, in der Industrie, im Handwerk, in Verwaltungen und in allen anderen Lebensbereichen das Danken überflüssig? Wir setzen doch unsere Fähigkeiten ein, wir investieren Kraft und Zeit.

Die Corona-Pandemie hat mindestens dieses gezeigt: wir haben unser Leben nicht in den Händen. 

Unser Leben haben wir uns nicht selbst zu verdanken. Wir setzen unsere Gaben und Begabungen ein, sie sind uns gegeben. Und wir setzen unsere Zeit und unsere Kräfte ein.

Und trotzdem haben wir Grund, dankbar zu sein.   

Wir können für das danken, was da ist. Da spielt es keine Rolle, ob das, was uns zur Verfügung steht, viel ist oder gerade ausreicht. Wir können danken, auch wenn das Leben bedroht ist oder die Erträge der Arbeit nur gerade eben das Leben sichern können. So haben wir auch in diesem Jahr Grund, Gott zu danken, trotz des Corona-Virus und dessen Folgen für uns alle. Das gilt auch trotz eher durchschnittlicher Ernten in der Landwirtschaft. Danken schließt auch die wirtschaftlich nicht einfache Lage in vielen Branchen und die ziemlich unsichere Zukunft ein. 

Noch mehr als die Klage ist der Dank ein Grundthema in der Bibel, insbesondere im Buch der Psalmen, so auch in Psalm 107: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“

Gott danken lohnt, schließlich lenkt danken unsere Blicke von uns weg hin zu Gott.

Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren   

 

Führt euer Leben als Weise - 10.10.2020

Ein Wisenschaftsblog wird mit dem Fernsehpreis ausgezeichnet, der Autor mit dem Bundesverdienstkreuz. Selten zuvor hat eine wissenschaftliche Diskussion so viel Aufmerksamkeit bekommen wie in diesem Jahr. Tiefgreifende politische und private Entscheidungen wurden auf der Basis der jeweils aktuellen Erläuterungen vorgenommen. Deutlich erkennbar in allen Veröffentlichungen: Der allmähliche Fortschritt des Wissens. So arbeitet Forschung. Daten werden gesammelt, ausgewertet und interpretiert. Neue Daten verändern die ersten Einschätzungen. Das ist gut so. Kluge Leute tauschen sich über ihre Beobachtungen aus und lassen sich von anderen Ergebnissen überzeugen. In den Natur- und Geisteswissenschaften funktioniert das seit vielen Jahrhunderten so. Unser Lebensstandard und die derzeitigen technischen Möglichkeiten sind das Ergebnis solcher Forschung.

Manche Erkenntnisse haben lange gebraucht, um sich durchsetzen zu können. Im Umgang mit einer hochansteckenden Krankheit braucht es schnellere Bewegungen. Nichtstun kostet Leben. Dankbar sehe ich im Rückblick, wie erfolgreich das Paket der Schutzmaßnahmen bei uns gewesen ist. Dankbar sehe ich auch, dass neuere Erkenntnisse es möglich machen, mit weniger drastischen Maßnahmen genauso gute Ergebnisse zu erzielen. Dankbar nehme ich wahr, dass es immer besser gelingt, Menschen mit schweren Krankheitsverläufen besser zu begleiten. Manch erfolgversprechende Entwicklung lässt darauf hoffen, dass es schneller als je zuvor gelingt, einen wirksamen und sicheren Impfstoff zu entwickeln.

Wenn Paulus darum im Epheserbrief schreibt: „Führt euer Leben als Weise“ (Epheser 5, 15), dann will ich mich gerne darauf einlassen. Weisheit ist ein immerwährender Lernprozess. Gott hat uns einen wachen Verstand gegeben, damit wir ihn einsetzen. Für den Umgang mit der Pandemie heißt das für mich, dass ich die gesetzlichen Regeln nicht bis ins Letzte ausreize, sondern ihre Intention in meinem Leben verankere. Weisheit engt dabei nicht ein, sondern eröffnet die Freiräume, die möglich sind.

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Alle gute Gabe - 3.10.2020

„Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt!“ Das Kirchen landesweit so geschmückt werden geschieht nur zu Weihnachten und zum Erntedank, den wir an diesem Sonntag feiern.

Ganz wunderbar werden mit Erntegaben vom Feld, aus dem Garten, mit besonderen Broten und Eingemachtem Altäre geschmückt und die Gaben hinterher zumeist an Bedürftige verteilt. Weil wir anders leben, können weniger dazu beitragen, ist es schwieriger geworden, diese Tradition zu pflegen. Doch vielerorts werden noch kunstvoll Garben zu Erntekronen gebunden.

Eine uralte Tradition, Erntefeste gibt es in den meisten Ländern, Kulturen und Religionen.

Zum Ende der Ernte erinnern wir, was vom Menschen gefördert aber nicht gemacht werden kann. „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ (EG 508)

Die Bauern hatten mit grünen Kreuzen auf den Feldern und ihren Traktoren in den Städten daran erinnert, dass Lebensmittel nicht immer mehr und auch noch billiger erzeugt werden können, dass ihre Produkte ihren Wert haben müssen, die Grenzen des Wachstums doch schon lange erreicht oder gar überschritten sind, Qualität zu einem gerechten Preis über Quantität stehen muss. Die Ernte dieses Jahres lag etwas unter dem Durchschnitt, heißt es.

Dann wurde dieses Jahr durch das Coronavirus überschattet unser Leben neu bestimmt.

Nur wenige Kurzsichtige sehen es nur als nationales Problem, von Regierenden oder dunklen Mächten erschaffen das Volk zu gängeln. Und man müsste weit über 100 Jahre alt sein um sich persönlich an die Spanische Grippe, auch ein weltweites Virus, eine Pandemie, zu erinnern.

Die Natur bleibt unverfügbar. Der Mensch kann sie nutzen, bebauen, soll sie bewahren, aber nicht meinen sie besitzen zu können, erinnert die Bibel. „Hilf, das wir dies Gut der Erden treu verwalten immerfort. Alles soll geheiligt werden durch Gebet und Gottes Wort.“ (EG 512,6)

Viele haben sich in dieser Zeit wieder des Regionalen erinnert, das, was wir überschauen können. Haben selbst wieder Brot gebacken. Mehl und Hefe wurden zu Ostern knapp, waren nicht mehr zu bekommen, Bauernläden und regionale Märkte erlebten einen größeren Andrang, Herkunft und Bedeutung wurden hinterfragt, genauso wie Herstellung und Verarbeitung, besonders in der Fleischindustrie.

Das könnte doch ein Gewinn in dieser schwierigen Zeit sein. Wenn wir noch stärker fragen, was genug ist, wann es genug ist, was gut ist und wann es gut ist. Für die Landwirtschaft wäre es ein Segen, wenn wir Qualität mehr schätzen würden.

Was ist Zuviel, was ist Überfluss - nicht nur bei Lebensmitteln, auch im Leben. Was ist nur mehr Zerstreuung und Ablenkung, was bringt uns ist weiter, zueinander?

Viele sind dieses Jahr im Lande geblieben, haben das Land wieder stärker wahrgenommen. Die Weite der Felder, besonders im Norddeutschen, die Heide, auch eine Kulturlandschaft, von der Schäfer und Imker nur noch leben können, wenn sie vom Naturschutz unterstützt werden. Das Leben war entschleunigt, manchem eine Wohltat.

Unser Kirchenkreis hat seit 30 Jahren gute freundschaftliche Kontakte zu Menschen in der evangelischen Kirche im Süden Brasiliens. Durch diese gewachsene Partnerschaft und den direkten Austausch, den uns das Internet heute ermöglicht, erfahren wir fast täglich, was es heißt, wenn eine Regierung die Corona-Pandemie leugnet und nicht besonnen und vernünftig darauf reagiert.

Auch sie müssen sich umstellen, einschränken, Masken tragen. Auch wir konnten das Jubiläum der Partnerschaft nicht wie geplant mit Besuchen gemeinsam feien.
Bei unseren Freunden in Südbrasilien auf dem Lande ist das Abstandhalten fast naturgegeben, aber in den Ballungsräumen der Städte und besonders in den Favelas, den Armenvierteln und im Norden des Landes sind die Zustände verheerend, viel schlimmer als bei uns.

Wenn wir Erntedank feiern, erinnern wir, was dem Menschen nützt. Was zum Wohle dient, was krank macht und was gesund ist. Wir erinnern, das wir ein Teil der Natur, der Schöpfung Gottes sind, mit ihr, in ihr leben, alles sein Recht und seine Bedeutung hat.

Und wir erinnern, wer mit seiner Arbeit das Gute fördert, das Miteinander erhält, dem Menschen als Gottesgeschöpf dient.

Wer und was tut uns gut? Es sind die guten Gaben, die guten Lebensmittel, die Naturprodukte der Landwirtschaft. Es sind die Zuwendungen von Menschen, die helfen, heilen, pflegen und Leben fördern. Es sind auch die, die das Gute zum Klingen bringen, mit ihrer Musik und Kunst. Wir leben nicht nur von Früchte und Samen, auch von Sonnenstrahlen und Farben, heißt es im Kinderbuch von Frederik, der Maus in der alten Steinmauer.

Wer das Gute und Heilsame in der Natur sieht, findet und fördert, handelt als ein Gottesgeschöpf.

Die Relevanz des Lebens bedenken, das ist kein neuer Gedanke, aber jetzt gut neu zu bedenken.

Gott gesegnet! Ele Brusermann, Pastor iR.

Lasst uns beginnen mit Lied 324 - 26.9.2020

„Ich singe dir mit Herz und Mund" Wer mag, kann ja mit summen und den Text dazu lesen. Das hörten wir, als wieder GD in unserer Kirche gefeiert werden durfte. Ich merkte bald: Das Lesen und dazu die Lippen leise bewegen, gefiel mir. Ich überlegte, ob es das in unserer Kirche wohl schon mal so gab? Vielleicht am Anfang vor 326 Jahren, als die Lieder mit dem Kantor eingeübt wurden. Man summte, um die Melodie besser kennen zu lernen. Es gab ja noch keine Gesangbücher, keine Texte, keine Noten, jedenfalls nicht für die Dorf-Bevölkerung. Sie übten vor den GD mit viel Hingabe und sicher auch Freude. Der Kantor spielte auf der Orgel oder sang die Lieder vor. Während der Woche war auf den Höfen oft Gesang von Kirchenliedern zu hören. Es wurde für den nächsten Sonntag geübt. Ein schöner Brauch! Wer lesen konnte, hielt auch damals schon aufgeschriebene Liedtexte in der Hand und gab damit allen Singenden ein bisschen mehr Sicherheit. Zur Kirchen-Einweihung wurden übrigens fast ausschließlich selbst gedichtete Lieder gesungen.

Gerade als ich nach meinem 1. Summ-GD in dieser Corona-Zeit nach Hause kam, hörte ich ein leises Summen über der Garagentür. Ich entdeckte eine Riesen-Hornisse, die mich mit ihren blanken Knopfaugen musterte. Ein solches Exemplar, eigentlich wunderschön anzusehen mit langen antennenartigen Fühlern, hatte ich noch nie vorhergesehen. Ich machte mich schlau und las sehr viel Interessantes über diese Insekten und ihre Königin..." Das kannst du doch nicht zulassen, viel zu gefährlich für Euch alle. Du musst schnell handeln!" Gut gemeinte Ratschläge, aber den prüfenden Blick dieser Königin konnte ich nicht vergessen. Ich wusste: Sie und ihr Volk sind für uns wichtige Geschöpfe Gottes und dürfen bleiben! Plötzlich war sie aber wieder weg, wohlauf Hochzeitsflug. Es vergingen einige Wochen - und dann herrschte vor dem Loch in der Holzverschalung reges Treiben, und das blieb bis vor kurzem so. Emsig flogen unzählig viele Hornissen ein und aus, um den gesamten Staat zu versorgen. Die Ausfliegenden waren mit Futter-und Material-Suche und Verteidigung beschäftigt und die Drinbleibenden mit Zellenbau, Brutpflege, Säuberung, Königinnenschutz und Temperaturregelung usw. schwer am Werk Am Nettesten für; mich war das Gesumme und Geschwirre, mal laut mal leiser, aber ständig - bis zum Abend. Alle Hornissen lebten für die gleiche Sache: Einer kümmert sich um den anderen, total gelebte Solidarität.

In der Bibel werden sie zwar nicht namentlich erwähnt, wohl aber die fleißigen Ameisen, die ich immer mit unseren Bewohnern verglich. So fand ich in Sprüchen 6 'Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr. Wenn sie auch keinen Herrn hat, so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte. „Wir summen dir mit Herz und Mund ..." Manchmal war es mir so, als wenn aus dem verborgenen Prachtbau diese Melodie ertönte.

Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen

 

Alles anders – alles neu?!? - 19.9.2020

Man sagt: „Allem Neuen wohnt ein Zauber inne.“ Mit Corona wurde zwar alles anders und vieles musste neu gedacht werden, aber in meinem Empfinden wohnt dem kein Zauber inne, sondern eher Verlust von Dingen, auf die ich mich gefreut habe.

Vielleicht müssen wir erst noch dahin kommen, dass wir den Herausforderungen von uns aus begegnen: Was geht unter den Voraussetzungen mit denen wir leben müssen? Was gibt uns Sicherheit? Wie gelangen wir zu einem neuen Umgang mit der aktuellen Situation, so dass wir andere trotzdem verzaubern können?
Feste fallen anders aus, als gewohnt. Meine Verabschiedung aus der Kirchengemeinde, die aus dem Kirchenkreis – sie waren sehr unterschiedlich und beide sehr schön. Dennoch waren sie sehr anders, als sie ohne Corona gewesen wären. Wer weiß, ob wir sonst 2 Open-Air Gottesdienste gemacht hätten, wer weiß, ob es die Gelegenheit gegeben hätte, mit so Vielen persönliche Worte zu wechseln. Für mich wohnte dieser Art der Verabschiedung ein Zauber inne. Viele haben sich beteiligt und im Vorfeld Gedanken gemacht; viel der Arbeit der 15 Jahre war plötzlich wieder präsent – auch für mich in der Vorbereitung.

So gibt es jetzt auch andere Dinge, die Spaß machen: vielleicht die Vorbereitung auf ein Erntefest, auf Ernte Dank, mir die auf Weihnachten z.B.: Wo ist Platz für Gottesdienste bei denen man auch singen kann: Dorfplatz, Marktplatz, … Welche Halle ist groß/hoch genug, damit man dort feiern könnte? Welche öffentlichen Plätze sind „bespielbar“? und wen müssen wir ins Boot holen, damit es gut klingt – wer kann Musik machen und den Ton aussteuern, die Technik überhaupt erstmal aufbauen? Ja, es wird vieles anders werden. Aber das Andere kann unerwartet gut werden. Es stellt uns vor die Herausforderung nach außen zu gehen. Es stellt uns vor die Herausforderung Dinge anders und neu aufzubauen.
Der 1. Vers aus Psalm 127, der als Gebet für die kommende Woche vorgeschlagen ist lautet: „Wo der HERR nicht das Haus baut, arbeiten umsonst, die daran bauen.“
Was ist unsere Motivation und wovon lassen wir uns inspirieren? Gottes Geist gebe uns die Kraft und den Mut Neues zu wagen und dem Wort des Petrus zu folgen: „All Eure Sorge werft auf IHN (Christus); denn er sorgt für Euch.“

Ich hoffe auf viel Gutes, was Gott schenken möge, und viele Gründe, die wir entdecken können, um dankbar zu sein.

Diakon Heinz Laukamp

Alles hat seine Zeit - 12.9.2020

Drei Kinder spielen am Wasserrand des Steinhuder Meeres. Zwei Jungen und ein Mädchen.

Der eine wühlt mit seinem Fuß im Sand. Bohrt ein Loch, buddelt mit seinen Zehen. Und schüttet es mit dem anderen Fuß wieder zu. Der andere Junge wirft Steine ins Wasser. Immer nach dem gleichen Muster: Er bückt sich, pult einen Stein aus dem Sand, macht ihn an seinem T-Shirt sauber – wahweise auch mal an seiner Badehose – läuft dann zum Wasser und schmeißt ihn rein. Platsch!

Das kleine Mädchen – etwas weiter hinten, das sammelt Steine. Und baut einen Turm daraus. Solange, bis das Bauwerk in sich zusammenstürzt und die Steine durcheinanderkullern. Dann seufzt das Mädchen einmal kurz auf - und fängt wieder von vorn an.

Was für eine Geduld die drei haben. Sie vergessen beim Buddeln und mit den Steinen Zeit und Stunde, gehen ganz und gar in ihrem Spiel auf, müssen nichts beweisen, brauchen kein Ergebnis, sind ganz im Moment.

Und er, der Vater der Kinder - er liegt auf einem Handtuch und liest ein Buch. Eine interessante Abhandlung. Kann er ja vielleicht mal in die eigene Arbeit einfließen lassen.

Kurz denkt er: Die Kinder – die könnten doch auch ein bisschen Weitwurf üben. Oder einen Staudamm bauen. Etwas, das sie lehrt, bildet, weiterbringt.

"Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit" (Pred 3,5) - sagt der weise Prediger Salomo.

Weil wir Menschen das brauchen: zweckfreies Dasein, sinnlosen Zeitvertreib, herrliche Langeweile. Wenn wir Geist und Seele von den vernünftigen und zweckgerichteten Fesseln befreien, wenn wir mit dem Geist spazieren gehen und die Seele baumeln lassen, dann öffnen sich Räume, lösen sich Blockaden, entsteht Platz für Ungeahntes.

Plötzlich legt der Vater sein schlaues Buch weg und pult einen Stein aus dem Sand. Er betrachtet ihn von allen Seiten. Und schmeißt ihn ins Wasser.

Ich wünsche Ihnen in diesen Tagen des Spätsommers Zeit zum herrlichen, zweckfreien Tun!

Franziska Oberheide, Schulpastorin Ev. IGS Wunstorf

Unruhe in der Federmappe - 5.9.2020

„Es will mir einfach nicht in den Kopf“, sagt der Füller, „dass ich mit so gewöhnlichen Dingen wie euch zusammen sein muss, dabei stamme ich doch aus einer vornehmen Familie. Ein Cousin unterschreibt für die Bundeskanzlerin Verträge und ein Freund meiner Tante liegt auf dem Schreibtisch des Präsidenten von Frankreich. Und ich muss hier neben einem Bleistift und einem Kugelschreiber leben. Das passt mir aber gar nicht.“

Das ärgert den Kugelschreiber sehr, er sagt aber nichts.

Der Bleistift sagt: „Viele große Maler haben mit Bleistiften aus meiner Verwandtschaft gearbeitet. Aber ich will nicht mit meiner Verwandtschaft protzen. Nein, Herr Füller, jeder von uns hat seinen eigenen Wert. Sie sind besonders gut geeignet für sehr wichtige und offizielle Texte, der Kugelschreiber ist super, wenn es mal regnet und mit mir kann man sehr gut zeichnen oder schnell ein paar Gedanken aufschreiben, die man vielleicht später wegradieren möchte. Jeder hier hat seinen Platz und eine besondere Aufgabe.“

In der Schule, die gerade wieder angefangen hat, geht es oft ähnlich zu. Da gibt es auch ab und zu Streit, weil einer meint, er kann etwas besser als alle anderen. Und das ist auch so. Aber wenn jemand nicht gut rechnen kann, dann kann er vielleicht ganz schnell laufen. Und wenn eine ganz schön ungelenkig ist, dann kann sie vielleicht besonders gut lesen. Dann hat einer so seine Schwierigkeiten mit den Buchstaben, kann aber richtig gut malen oder kann wunderbar zuhören und so weiter und so weiter.

Alle können irgendetwas besonders gut. Was das ist, das weiß man vielleicht schon oder man wird es noch herausfinden.

Wenn Ihr, liebe Schüler, mal traurig seid oder Euch jemand ärgert, dann denkt einfach daran, was Ihr besonders gut könnt. Niemand ist ein besserer Mensch, nur weil er etwas besser kann. Jede und jeder von euch ist besonders. Gott sei Dank.

Wir haben verschiedene Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. (Römer 12,6)

Karin Puy, Lektorin, Kirchengemeinde Luthe

Unsere ver-rückte Zeit:- 29.8.2020

Es ist eine verrückte Zeit: In Kolenfeld feiern wir am Wochenende nach den Sommerferien nicht nur die Einschulung sondern auch die Konfirmation. Das passt – zumindest in meiner eigenen inneren Uhr - kaum zusammen. Corona hat unsere Zeit gehörig durcheinander gebracht. Viele Veranstaltungen sind ganz ausgefallen. Anderes hat ganz anders als gewohnt mit kleinerer Personenzahl und dem notwendigen Abstand stattgefunden. Manches wird jetzt nachgeholt wie die Konfirmation. Viele Hochzeitsfeiern sind für das kommende Jahr neu im Kalender notiert. Zum eigenen Rhythmus gehören oft Schützenfest, Sportveranstaltungen oder bestimmte Geburtstage, die jedes Jahr wiederkehren.

In diesem Jahr ist alles anders und vieles zeitlich einfach ver-rückt. Manches ist in den Herbst gerückt, was wir eigentlich schon im Frühjahr gefeiert hätten. Anderes ist in seiner Einschätzung ver-rückt und hat sich verschoben von: „stand als ganz wichtig im Kalender“, zu: „hat sich als gar nicht so wichtig herauskristallisiert“. Mancher Kontakt hat sich als krisenfester erwiesen als vor der kontaktlosen Zeit wahrgenommen und ist in der Gewichtung nach oben gerückt. Einige Berufe, die früher eher ein Schattendasein geführt haben, sind in den allgemeinen Focus gerückt. Es ist eine ver-rückte Zeit, die uns herausfordert. Nutzen wir die Zeit zum Zurecht-Rücken im eigenen Leben und in der Gesellschaft: Prioritäten zu prüfen und gegebenenfalls neu zu setzen.  

Bei aller ver-rückten Zeit, bleibt vieles auch gleich. Natürlich werden Kinder eingeschult. Und die Jahreszeit jetzt bedeutet immer Erntezeit. Die Trecker auf den Feldern haben wir gesehen. Wir gehen auf den Herbst zu und werden wie in jedem Jahr Erntedank feiern.

Bei allem, was in diesem Jahr zeitlich verrückt bedacht und neu geplant werden muss, dürfen wir uns daran erinnern, dass wir mit all unseren Zeiten bei Gott gut aufgehoben sind. Ein Psalmbeter hat es in seinem Gebet an Gott so formuliert: meine Zeit steht in deinen Händen.

Mögen wir uns alle darin geborgen fühlen können.

Christa Hafermann, Pastorin in der ev.-luth. Kirchengemeinde Kolenfeld und stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

 

Freundschaft - 22.8.2020

Eine der Lehren aus der Corona Pandemie ist sicherlich, dass wir Menschen Beziehungen brauchen. Um gesund und stark durch das Leben zu gehen, brauchen wir andere Menschen an unserer Seite. Doch gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen zeigt sich, ob wir in den guten Zeiten zuvor Freundschaften gebaut haben. Mancher erkennt vielleicht auch, dass er gar nicht so viele gute Freundschaften hat. Wer ist eigentlich wirklich mein Freund? Und: Wie baut man gute Freundschaften?

Einsamkeit ist eine weitere „Pandemie“ in unserem Land.

Die Bibel zeigt auf, dass Gott uns auf Gemeinschaft hin geschaffen hat. „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist“ heißt es in 1. Mose 2,18. Wie gut, dass Gott uns in seinem Wort darüber hinaus erklärt, wie wir gute Freundschaften bauen können.

An einer herausragenden Freundschaft aus der Bibel können wir z.B. entdecken, wie echte Freundschaft gelingen kann. David und Jonathan, der Hirte und der Prinz, leben echte Freundschaft (nachzulesen ab 1. Samuel 18). Drei Punkte stechen aus ihrer Geschichte hervor:

  1. Echte Freundschaft ist selbstlos: Freunde suchen keinen Vorteil in der Freundschaft. Sie überfrachten die Beziehung nicht mit Erwartungen und selbstbezogenen Wünschen.
  2. Echte Freunde ermutigen einander: Mitten in einer schwierigen Situation sucht Jonathan David auf und ermutigt ihn. Wie sehr brauchen auch wir Menschen, die positiv und glaubensvoll unseren Blick wieder auf das Gute richten.
  3. Echte Freundschaft gibt es nicht zum Nulltarif. Sie kostet einen Preis: Um gute Freundschaft zu erleben, muss ich selber ein guter Freund sein, aktiv werden und auf den anderen zugehen.

Diese Punkte fordern uns heraus und mancher fragt sich vielleicht auch: Kann ich so ein Freund sein und wo finde ich solche Freundschaft?

Wie gut, dass es jemanden gibt, der jedem Menschen seine Freundschaft anbietet. Er hilft uns dadurch auch, selbst ein guter Freund zu sein. Die Rede ist von: Jesus Christus. Er sucht keinen Vorteil aus seinem Freundschaftsangebot, völlig selbstlos reicht er dir seine Hand. Sein Wesen ist Ermutigung. In der Freundschaft mit ihm finden wir Kraft und neue Perspektive. Er war bereit, einen unfassbar hohen Preis zu bezahlen, um dein Freund zu werden. Er gab sein Leben für dich!

Suchst du echte Freundschaft? Willst du selbst ein guter Freund sein? Zögere nicht, lass dich nicht aufhalten und schlag ein in Jesu Freundschaftsangebot!

Katja Sukowski, Pastorin der K21

Ich habe doch einen Namen… 15.8.2020

Kennen Sie das auch: Sie bekommen eine Nachricht über E-Mail oder einen Nachrichtendienst wie WhatsApp und es wird an der Anrede gespart? Eine Person, die Sie seit Wochen nicht gesehen haben, schreibt: Kannst Du mir das … mal ausleihen? Wie wäre es mit „Hallo Jörg!“? Mir passiert es immer häufiger, dass ich solche Nachrichten bekomme, wo jegliche Anrede fehlt oder wo ich schrieb „Sehr geehrter Herr…“ und bekam zurück: „Hallo, vielen Dank für die Information“.  Was? Ich habe doch einen Namen… Der steht sogar im Absender und ist gar nicht so schwierig zu tippen….

Das sind an sich komische Umgangsformen, die es tendenziell an Respekt und Freundlichkeit mangeln lassen. In der Rhetorik heißt es, der Mensch höre nichts so gerne wie seinen Namen. Ich kann diese These weder belegen noch widerlegen. Aber in der Tat schafft eine persönliche Anrede eine gute Beziehungsebene mit mehr Vertrauen und auch ein Stück Verbindlichkeit.  Warum kommt diese gute Sitte dann abhanden? Ist es Faulheit oder Desinteresse an der oder dem Nächsten?

Im Alten Testament steht bei Jesaja 43, 1b: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ So spricht Gott zum Volk Israel in einem Abschnitt mit dem Titel „Gott erlöst sein Volk“. Gott geht mit gutem Beispiel voran und das damals schon. Schöner wäre nur noch eine Vervollständigung des Satzes gewesen: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein Freund!“ oder „du bist mein liebenswertes Geschöpf!“ So wie Gott dem Volk Israel Nähe und Geborgenheit vermittelt wollte, ist es auch heute, wenn wir uns beim Namen rufen und uns dabei aus der Anonymität holen.

Es muss ja nicht immer so ausführlich sein. Aber jemanden mit dem Namen zu begrüßen und vielleicht noch etwas Nettes dazuzusagen, hat einen wunderbaren Effekt. So wie „Guten Morgen, Herr Meier. Ich hoffe, Sie kommen gut durch diese schwierige Zeit. Ich wollte Sie noch fragen…“. Ein gewisses Niveau in der Kommunikation zwischen Menschen ist Gold wert und schafft ein friedliches Miteinander, was sehr im Sinne eines christlichen Grundverständnisses ist.

Prädikant Jörg mecke, Idensen

Hoffnungszeichen - 8.8.2020

Gerade erst liegen sie hinter mir: Zwei Wochen „Ferien vor Ort“ für Kinder. In der ersten Woche entstand dieses Bild, ein Gemeinschaftsbild. Das Team unserer Kleingruppe hatte die Idee einen Regenbogen zu malen, die Kinder fanden, dass auch Sonne und Wolken dazu gehören. Und jedes Kind malte einen Teil unseres Bildes. Für mich steckt viel in diesem Bild, denn wir konnten gemeinsam ein Bild gestalten, trotz aller Einschränkungen in Zeiten von Corona. Noch dazu es ist ein Bild zu dem auch Wolken gehören, doch die bunten Farben des Regenbogens überwiegen und leuchten durch die Sonne noch viel Stärker. Der Regenbogen spielte schon in der Bibel eine wichtige Rolle, als Symbol des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Gott ist damals mit den Menschen in Verbindung getreten und er tut es auch heute. Oft fällt uns zuerst ein, was aus unserer Sicht negativ war und wo wir an Gott zweifeln. Doch Gott stellt die Verbindung von seiner Seite immer wieder her, und lässt zwischen allen Wolken, die Sonne aufgehen. Er sorgt dafür, dass unser Leben bunt bleit, auch mit Corona. Lass wir uns von dem leuchtenden Regenbogen ermutigen, positiv in den Tag, die neue Woche zu gehen, trotz aller Fragen, was wird kommen. Wir sind nicht allein, Gottes Verbindung steht – egal ob wir diese Verbindung nutzen oder nicht. Wir können uns Mut machen lassen, Energie tanken, Gemeinschaft erleben. Die Kinder haben uns diese Hoffnung neue in Herz gemalt.

Beate Degener, Kirchenkreisjugendwartin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf und Diakonin in der Kirchengemeinde Luthe und dem Kirchengemeindeverband Südland

Da liegt was in der Luft – Sommer und Wärme, - 1.8.2020

für manche vielleicht in diesen Tagen auch eine Briese vom Meer …

Salz
Salz in der Luft und auf der Haut.
Salz - Geschmack auf der Zunge, im Mund.
Salz - Kristalle in der Sonne, auskristallisiert von der Sonne aus dem Wasser.
Salz - Stein geworden über Jahre, Jahrhunderte und Jahrtausende.

Salze brauchen wir zum Leben.
Salz konserviert.
Manchmal bekommt man es in Wasser gelöst.
Salze Versorgung des Körpers mit Mineralstoffen
Trinken darf man vom Salz nicht zu viel.
Salz in der Suppe!
Kartoffeln ohne Salz?
Eine Prise an den Kuchen, an Süßes, an den Café?
Salz verleiht Geschmack.

Salz:
Im Badewasser finden wir Entspannung.
Im Meer fühlen wir uns leichter; an der See erfrischt,
ebenso, wie auf den Bergen.

Salz brauchen Menschen und es findet sich überall auf der Erde.
Salz ist kostbar.
Salz ist ein Kristall. Es besteht aus filigranen Strukturen.
Salz kann hart sein, wie Stein. Es gestaltet Landschaften und Lebensräume.
Salz, gelöst in Wasser, durchdringt mit seinem Geschmack.
Es lässt Wasser länger flüssig sein, trotz Frost.
Salz verleiht dem Wasser eine andere Struktur, verändert den Lebensraum.

Christus sagt zu denen, die von ihm lernen und die mit ihm unterwegs sind:
"Ihr seid das Salz der Erde."

Es braucht überall Menschen, die der Erde Kraft geben;
die das Leben geschmackvoll machen, es gestalten.

Es braucht überall Menschen, die miteinander in Gemeinschaft leben wollen, die filigrane Verbindungen schaffen und ihnen Stabilität verleihen.
Es braucht Menschen, die sich für andere einsetzen
und nicht zuerst auf sich schauen.

Es braucht Zeiten der Ruhe und der Entspannung und Menschen,
die Ruhe und Entspannt sein ausstrahlen. Seid Ihr Salz der Erde.
In diesem Sinne wünsche ich allen salzige Ferien und erholsamen Urlaub,
Kräftigung und Stärkung im Alltag.

Diakon Heinz Laukamp

Ein sorgloses Leben? Was wir von Kindern lernen können. - 25.7.2020

Ein sorgloses Leben? Finanzielle Sorgen, Gedanken um die eigene Gesundheit, oder die von Familie und Freunden. Und vielleicht einfach Sorgen um den geplanten Sommerurlaub.

Es gibt viele Dinge, die uns Sorgen machen können – gerade jetzt.

Und dann sind da Kinder, die einfach glücklich darüber sind, wieder auf dem Spielplatz spielen zu können. Deren Leben so unbeschwert und sorglos zu sein scheint.

Was ist das Geheimnis von Kindern? Und was können wir von ihnen lernen?

Zum Teil ist es die Klarheit darüber, nicht alles im Griff haben zu müssen, weil Mama und Papa da sind. Die können alles, die wissen alles.

Doch im Laufe des Erwachsenwerdens verlieren wir diese Klarheit. Es fällt schwer sich einzugestehen, dass man nicht alles im Griff hat. Und wer sollte da schon sein, der alles im Griff hat? Wer ist da schon, auf den ich mich wirklich verlassen kann?

Gott möchte dieser Jemand in unserem Leben sein. Er stellt sich in der Bibel als liebender Vater vor (Lukas 15). Und zu Ihm können wir mit allen Sorgen kommen: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1.Petrus 5,7)

Um sorglos zu sein, müssen wir uns die Welt nicht schönreden, sondern können mit dem reden, der die Welt geschaffen hat.

Gott löst die Situation dann nicht immer durch ein Wunder, aber hilft uns wieder durchzuatmen, richtig damit umzugehen und vielleicht selbst eine Lösung zu finden.

Dass Kinder ein sorgloses Leben haben, basiert auf dem Vertrauen, dass ihre Eltern für sie da sind. Dieses Vertrauen ist nicht einfach so da, es wächst durch ihre Beziehung zu ihnen.

Durch Jesus Christus können wir verstehen, wie sehr Gott uns liebt. Er ist auf die Erde gekommen und ist für unsere Schuld gestorben, damit wir in Beziehung zu Gott leben können. Durch die Beziehung zu Jesus lernen wir Gottes Herz kennen.

Und wie kann man eine Beziehung zu Jesus starten? Zuerst: Fang an zu beten, z.B. so: „Jesus Christus, wenn es dich gibt, dann zeig dich mir. Komm in mein Leben!“ Und dann? Lies in der Bibel, starte mit einem Evangelium aus dem neuen Testament und lade Gott ein zu dir zu reden. Und drittens: Du bist herzlich eingeladen, Gott im Gottesdienst zu erleben. Kirchen sind sicher nicht perfekt. Doch wir können die Glaubensreise auf Dauer nur gemeinsam mit anderen bestreiten.

Von Silas Lehmann, Pastorales Team der K21 – Kirche für das 21. Jahrhundert

Neue Wege - 18.7.2020

Liebe Leserinnen und Leser,

die Sommerferien haben begonnen. Für die einen endlich Ferien, Zeit für Entspannung und Urlaub, für andere schon jetzt eine Zeit der Langeweile.

Entspannung ist angesagt – und für manche Schülerinnen und Schüler ein Wechsel: von der Grundschule zu einer weiterführenden Schule. Oder neue Wege nach dem Ende der Schulzeit.

Abschied und ein neuer Weg sind wie die zwei Seiten einer Münze: Rückblick mit Schmerzen oder Erleichterung, meist mit einer Mischung vom Beidem – und vorsichtiger Blick nach vorn mit einer Mischung aus Neugier und Befürchtungen.

Wer denkt dabei nicht an Hermann Hesse: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben."

In der Bibel werden neue Wege für verschiedenen Personen beschrieben.

Besonders gilt das von Abram, der im Alter, also nach vielen Jahren als Viehzüchter und Nomade von Gott aus seinem Familienverband herausgerufen wurde und in die Fremde ziehen sollte, weit weg von dem Bereich, den er kannte.

„Gott sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.“

Ein neuer Weg, ein neuer Lebensabschnitt für Abram oder Abraham, ein völlig anderes Leben. Als Fremder in einem fremden Land leben. Er soll Stammvater eines großen Volkes werden – und er soll ein Segen sein. Ein großartiges Versprechen für eine große Herausforderung.

Für uns heute sind neue Wege eher wenig auffällig. Dieses aber ist gleich: Jeder neue Weg beginnt mit dem ersten Schritt, und damit das Wagnis. Abram sollte ein Segen sein. Segen bedeutet, dass Gott mitgeht, auch wenn das nicht unbedingt zu spüren ist (oder auch gar nicht).

„Du sollst ein Segen Gottes sein.“ Das gilt für jeden neuen Weg, ob im Schulwechsel, beim Weg in den Beruf oder einfach in die Ferien.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit

Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Auf der Suche nach Freude - 11.7.2020

Seit Wochen und Monaten hält das Leben für viele Menschen eher Schwierigkeiten als Freude bereit. Kinder und Jugendliche können sich nur mit Einschränkungen mit ihren Freunden treffen, viele Erwachsene haben Existenzsorgen um ihren Arbeitsplatz und die Älteren sehnen sich danach, ihre Enkelkinder wieder einmal in den Arm nehmen zu können.

Wo können wir jetzt freudige Momente finden? Was ist eigentlich Freude? Ein Begriffslexikon sagt: „Freude ist ein Gefühl, das sich plötzlich im Menschen ausbreitet und eine heitere beglückende Stimmung hervorruft.“ Wenn wir uns freuen, dann geht es uns gut. Dann lacht das Herz.

Der Theologe und Kirchenlieddichter Paul Gerhardt besingt in einem seiner bekanntesten und beliebtesten Lieder die Sommerzeit, die wir gerade jetzt erleben, als Grund zur Freude: Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Blühende Sommerwiesen und Gärten, schattige Wälder, zwitschernde Vögel, kühlende Bäche: Stophe für Strophe entfaltet der Dichter Bilder der Freude vor unseren Augen.

Mich beeindruckt, dass dieses jubelnde Lied jemand geschrieben hat, der wahrlich nicht nur die Sonnenseiten des Lebens kannte. Um sich herum und in seinem eigenen Leben hatte er vielmehr mit unsäglichem Leid und Schmerz zu tun.  Auch er hätte allen Grund gehabt, am Alltag zu verzweifeln. Aber er ruft seinem Herzen zu: Geh aus, mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben… Suche die Freude, suche sie in der Natur, die der Sommer zu einem einzigen großen Garten verwandelt hat. Doch er meint nicht einfach nur einen schönen Spaziergang in der frischen Sommerluft. Nein, er flüchtet sich zu Gottes Güte. An Gottes großem Tun richtet er sich auf. Alles, was er sieht und hört und riecht ist nicht die tägliche Last und Mühe sondern weckt seine Sinne neu für Gottes Schöpfergüte.

Wie ein Buch ist für Paul Gerhardt die Natur, in dem er überall die Spuren Gottes erkennt. Dieses Schauen auf Gottes Gaben belebt ihn, erfüllt ihn mit Freude und gibt ihm neue Kraft: Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen. Ich singe mit, wenn alles singt und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf

Wem Gott will seine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.... - 4.7.2020

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt, dem will er seine Wunder weisen, in Berg und Wald und Strom und Feld“ .Joseph von Eichendorf hat diese Worte geschrieben und Generationen haben sie gesungen. Ich auch …. damals im Schulchor. Heute ist das ein eher unbekanntes Liedgut. Und trotzdem.... wir dürfen ja wieder hinaus in die weite Welt, wir dürfen ja wieder....reisen. Wir dürfen wegfahren, mal wieder was anderes sehen. Wir dürfen erleben und uns erfreuen, nach all den Be- und Einschränkungen durch „C“.  Die Menschen, die sich um unser – und des Landes – Wohl sorgen, haben die Einschränkungen beschränkt und die Grenzen im Leben und zwischen den Ländern Zug um Zug wieder geöffnet. Und nun dürfen wir uns wieder auf den Weg machen. Gott sei Dank, rechtzeitig zu Ferienbeginn. Fahrrad putzen, Wanderschuhe an, Rucksack auf.. und dann los. Oder mit vier Rädern, mit Hund und Kind und Kegel. Hinein in Gottes schöne Welt. Und dann z.B. sehen und staunen, was die Landwirte und Bauern an Bienenpflege geleistet haben. (Das sind die bunt blühenden Streifen an den Feldern mit Margeriten, Mohn, Kornblumen, Akelei und Arnika.). Staunend über den Gartenzaun feststellen, was manch heimischer Gärtner  an Farbenpracht gezaubert hat. Im Land warten lange Pilgerwege mit ungeahnten Naturschönheiten auf den, der gut zu Fuß ist und seinem inneren Auge etwas gönnen möchte. Windmühlen am Wegrand zeugen von alter Handwerkskunst und manchmal klappern sie ja sogar wieder.Manch eine Kirche erwartet ihre Gäste zum Innehalten und stillem Gebet für Erlebtes und Bewahrung.

Ja, wem Gott will seine Gunst erweisen, den schickt er in die Welt hinaus und lässt seine Wunder sehen. Und diese Welt fängt direkt vor unserer Haustür an. Erleben SIE diesen Sommer Ihres Lebens, auch wenn er vielleicht nicht so freizügig ist und anders, als geplant verläuft. Wenn es mit Flug und Kreuzfahrt nicht klappt, dann klappern Sie doch die Schönheiten in Gottes weiter Welt direkt vor der Haustür ab..... und von der Haustür lässt sich manchmal auch ganz weit blicken.... bis zum Meer, zu den Bergen, bis zum Horizont...auf jeden Fall aber bis in Nachbars oder den nächsten Garten oder auf den Aue-Damm. Paul Gerhard hat diese Schönheiten in seinem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud...“ ebenso farbig, wie detailliert beschrieben. Wenn Sie also einen Kurz-Reiseführer für die Ferien brauchen, singen Sie es laut (Evangelisches Gesangbuch Nr. 503) und lassen Sie es auf sich wirken. Nicht nur die beschriebenen Bilder, sondern auch die Erkenntnis der Gunst und die Bitte um den Segen. Unser Leben geht weiter. Gott sei Dank. Gottes Gunst  - seine Gnade - und sein guter Segen werden uns begleiten... in diesem Sommer unseres  Lebens UND darüber hinaus.

Herzliche Sommer-Feriengrüße aus der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

Prädikantin Frauke Harland-Ahlborn

Wozu – um alles in der Welt – lebe ich? - 27.6.2020

Für mein erstes „Angedacht“ nehme ich mir direkt ein „dickes Brett“ vor. Sozusagen die ultimative Frage der Menschheit: Was ist der Sinn des Lebens? Wozu lebe ich?

Man kommt schnell an eine Weggabelung: Sind wir ein Produkt des Zufalls? Dann kann das „Wozu“, auf das ich mein Leben baue, eigentlich nur ein selbst „gebasteltes“ sein – möge es allem standhalten, was einem so begegnen kann...

Oder – zweite Möglichkeit – gibt es einen Schöpfer? Existiert ein Gott, der uns schuf und ganz bewusst wollte, dass wir leben? Wenn wir davon ausgehen – schon Oma sagte schließlich: „Von nichts kommt nichts!“ – dann wird deutlich, wer allein die Antwort wirklich geben kann...

Die Bibel ist klar (Kol. 1,16): „...Alles ist durch ihn und für ihn erschaffen.“ Gemeint ist: Jesus Christus. Wow! Wir wurden für ihn erschaffen? Nicht für uns?

Es geht in unserem Leben nicht um Selbsterfüllung und persönliches Glück. Eine gesunde Familie, erfolgreiche Karriere oder was immer sonst zu unseren Lebensträumen zählt, ist nicht der eigentliche Sinn.

Versteh mich nicht falsch: Alles bedeutsam – Gott, der uns liebt, hat dazu gute Gedanken für uns! Er ist keineswegs griesgrämig, erbsenzählend und freudenfeindlich (wie mancher annimmt), sondern ­­will wirklich nur Gutes für uns!

Doch zum wahren „Wozu?“ führt nur die Einsicht: „In meinem Leben geht es nicht um mich!“ Normal, dass das „piekst“ – schließlich kennzeichnet uns im Allgemeinen umfassende Selbstbezogenheit. Nicht um mich??? Genau!

Der Schöpfer schuf uns für sich – nicht für uns selbst. Das von Herzen zu bejahen ist alles andere als ein Verlust – es ist befreiend!

Für ihn zu leben bedeutet, das „Dein Wille geschehe“ des Vaterunsers ganz ernst zu meinen – auch ganz persönlich. Doch es bedeutet auch, meine Zukunft in Gottes guter Hand zu wissen. Diese Zusage ist wirklich erlebbar: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petr. 5.7)

Tiefe Sehnsucht geweckt? Was nun? - Zuerst: Fang an zu beten, z.B. so: „Jesus, wenn es dich gibt, dann zeig dich mir. Komm in mein Leben – ich gebe es dir. Sei mein Herr!“

Und dann? Das Neue Testament zu lesen ist eine super Idee. Starte mit einem Evangelium und lade Gott ein, zu dir zu reden - er wird es tun!

Als Letztes: Du bist herzlich eingeladen, Gott im Gottesdienst zu erleben. Kirchen sind sicher nicht perfekt. Und doch können wir die Glaubensreise auf Dauer nur gemeinsam mit anderen bestreiten.

Probier’s aus! – Gott will Dir begegnen!

von Tim Sukowski, Pastor der K21 – Kirche für das 21. Jahrhundert

„Ein Herz und eine Seele“ - 13.6.2020

Heinz Laukamp
Heinz Laukamp

Wie schön ist es, wenn wir das über jemanden und uns sagen können, wenn wir andere sehen und erleben, auf die das zutrifft. Wenn wir die Nachrichtensendungen sehen, erleben wir aktuell beides: große Differenzen und große Solidarität. Das ist allerdings noch längst nicht dasselbe, wie „Ein Herz und eine Seele sein“. Ich erlebe derzeit oft das Gegenteil – auch um uns herum.

Ja, das gilt auch bei der Frage, welche Regeln in Zusammenhang mit Corona von wem, wie ernst ge-nommen werden und was zur Begründung der eigenen Standpunkte vorgebracht wird zuweilen. Das kennen wir aber auch aus ganz anderen Zusammenhängen – schon immer. Ob es beim Fußball ist, der weit mehr „Trainer“ hat, als es Vereine gibt oder ob es darum geht, wie man am besten die Schöpfung oder den Wohlstand bewahrt – als ob das notwendig ein Gegensatz sein muss.

Wir Menschen sind uns regelmäßig uneinig. Wir blicken mit unserem eigenen Horizont an Wahrnehmung und aus unserem Umfeld auf die Realität des Lebens, auf unsere Lebensrealität. Wir wundern uns darüber, warum unsere Mitmenschen zuweilen alles ganz anders sehen als wir. Oft liegt es daran, dass wir nicht wahrhaben wollen, dass unser Gegenüber aus seiner Perspektive und mit seinen Erfahrungen unter Umständen genauso recht hat mit der eigenen Sicht, wie ich, oder doch mindestens das Recht auf die eigene, andere Sicht.

Nun gibt es Ansichten, die zurecht als Unzulässig gelten; solche zum Beispiel, die andere Menschen herab-würdigen, schlecht machen, die Würde beschädigen - meist damit man selber sich besser fühlt und auf Kosten anderer ins rechte Licht rücken kann. „Ein Herz und eine Seele“ wird man so nicht.

Oft reicht es bei solchen Formen des Umgangs nicht einmal für ein friedliches Miteinander. Dabei sehen wir grade, wie schwierig es ist, wenn alle nur auf sich schauen; egal ob als einzelner Mensch, als Branche, Konzern, Staat oder Staatenbund. Die, die glauben, allein würden sie alles viel besser machen und schaffen, geraten an ihre Grenzen. Es gibt zu viele Dinge, die grenzenlos sind – Viren und Bakterien in ihrer Zahl und der Möglichkeit – von uns beflügelt – um den Globus zu reisen. Hass und Gewalt, die überall gedeihen, wo wir nicht im Kleinen und Großen freundlich und zugewandt miteinander umgehen.

In den Texten zum morgigen Sonntag – dem ersten in der Reihe der Sonntage nach dem Fest der Einigkeit Gottes - an dem es darum geht, auf uns Menschen und unser Verhältnis zueinander und zu Gott zu schauen, können wir sehen, wie es im Leben sein kann. Eine Geschichte aus der ersten Gemeinde berichtet davon, wie es ist, wenn alle „ein Herz und eine Seele“ sind. Sie teilen den Besitz miteinander, damit alle haben, was sie brauchen. Sie sorgen dafür, dass alle am Leben in der Gemeinschaft teilhaben können und niemand ausgeschlossen wird wegen Reichtum oder Armut, Gesundheit oder Krankheit.

Wäre das nicht schön, wenn wir das über uns und jemand anderen sagen könnten; dass wir als Menschen „ein Herz und eine Seele sind“, weil das Verbindende schwerer wiegt, als das Trennende und jede und jeder zu seinem Recht kommt?

Diakon Heinz Laukamp

Messen, regeln, lachen - 6.6.2020

Was messen wir momentan nicht alles? Den Abstand, den Reproduktionsfaktor R und vieles andere mehr. Manchen Menschen geht es viel zu weit und andere Menschen haben Angst, dass es nicht weit genug geht. Von der Freiheit in der Entfaltung bis zur Verschonung vor einer zweiten Corona-Welle ist alles an Meinungen dabei. Unsere gewählten Vertreter in Gremien, die ja der Lehre nach ein Abbild der Gesellschaft sind, handeln dabei im Sinne des Volkes und erlassen entsprechende Regeln. Auch wenn die Regeln unserer Gesellschaft nicht immer durchsichtig sind, helfen sie doch beim Miteinander unheimlich: Wann darf ich was machen? Nur wenn für alle die gleichen Regeln gelten, merken wir, dass eine Gemeinschaft gerecht ist. Begonnen mit den 10 Geboten der Bibeln bis zur Auswirkung in den heutigen Gesetzestexten sind sie vom Grundsatz her für alle gleich und Verstoße werden geahndet – mit Geldbußen oder anderen Strafen. Das kann man gut finden oder nicht. Es ist nur so, dass es ohne Sanktionierung eines Regelbruchs zum „Verfall der Sitten“ kommt. Warum soll ich mich an eine Regel halten, wenn jemand anderem das nicht zur Last gelegt wird? Das ist gut zu beobachten beim Sport, beispielsweise beim Handball. Die Spielenden beobachten sehr genau, wie die Schiedsrichter sanktionieren. Und so verschieben sich Grenzen anhand einer imaginären Linie, was erlaubt ist und was nicht. Und schnell wird bei den Fans klar: Freude hat man im Spiel nur, wenn sich alle an die Regeln halten und/oder der Verstoß sanktioniert wird.

Nicht anderes ist es bei der Arbeit, in Vereinen und Verbänden und sogar in der Kirchengemeinde: Wirkliche gemeinsame Freude kommt nur dann auf, wenn sich alle an die verabredeten Regeln halten. Dann wird gemeinsam gelacht, dann entsteht das Wir-Gefühl. Deswegen ist es der größte Respekt gegenüber unseren Mitmenschen, wenn wir uns an die Regeln halten, die sich eine Gruppe gegeben hat. Und deswegen ist das auch die wichtigste Regel (Matth. 22) »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Damit erklärt sich alles von selbst.

Jörg Mecke, Prädikant Idensen

Und es war Abend - 30.5.2020

Irgendein Abend vor seinem Abschied. Der Abend, an dem die Jünger nur eines wollten: dass alles so bleibt wie es ist. Sie wollten ihn festhalten, diesen Augenblick, diesen Moment mit Jesus. Einfach die Zeit anhalten. Damit dieser Mann bei ihnen bleibt. Einfach festhalten.

Aber Jesus sagte:
Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. (Joh 16,5-7)

Halten was nicht zu halten ist.
Einen einzelnen Moment halten können, festhalten. Das wär´s!
Sich erinnern an das was war. Und die Zeit zurückspulen. Wie Ihr sonntags zusammen gegessen habt. Mit der ganzen Familie um einen Tisch.

Den Moment halten können:
Wenn Dein Kind Dir mit lachenden Augen entgegenstrahlt und die Arme um Dich schlingt.

Jetzt ist die Zeit in neue Abschnitte eingeteilt. Vor Corona. Seit Corona. Unser Leben verändert sich. Es gibt keinen Stillstand. Zurückdrehen können wir nicht. Und vorspulen auch nicht.
Und trotzdem: Wie sehr wünschen wir uns das manchmal: Einfluss zu nehmen auf die Zeit. Zu halten, was nicht zu halten ist.

Jesus sagt: Es ist gut für euch, dass ich weggehe.

Dieses Wochenende feiern wir Pfingsten.

Wir feiern, dass Gottes Geist auf die Erde gekommen ist. Wir wissen nicht, welche Veränderungen unsere Gesellschaft aus dieser Zeit mitnehmen wird. Wir wissen nicht, wie der Herbst, der Winter oder das kommende Jahr sein werden.

Am ersten Pfingstfest - plötzlich - da konnten die Jünger Jesus loslassen. Ihn hergeben und Neues annehmen. Sie wussten nicht, wie die Zukunft aussehen würde. Aber seit Pfingsten wussten sie: Gottes Geist ist mitten unter ihnen.

Franziska Oberheide, Schulpastorin Ev. IGS Wunstorf

„Liebe lebt auf..." - 23.5.2020

… die längst erstorben schien. Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.“ Nach und nach geht es wieder los – etwas ungeordnet, wie es scheint. Es darf wieder in allen Geschäften gekauft werden, auch Schulen haben zum Teil wieder geöffnet – jedenfalls für manche Klassenstufen und an manchen Orten auch für alle. Gottesdienste haben in vielen Gemeinden wieder begonnen und bestehen im Internet fort. Das Leben bricht sich Bahn und eine Form von „Normalität“ kehrt ein. Städte sind wieder voller, der Verkehr steht wieder still an manchen Stellen, wo sonst kaum welcher gewesen war und selbst Flugreisen scheinen wieder machbar – Urlaub und Sommerferien winken.

„Normalität“ – war ist das? Für 90% der Bevölkerung dieser Erde sind Flugreisen vollständig unnormal und viel zu teuer und Urlaub in der Ferne? Arbeit in der Ferne schon eher, z.B. in den Schlachthöfen bei uns für Menschen die 1.000de Kilometer entfernt wohnen und Zuhause nur Tage verbringen, wenn sie längere Zeit frei haben.

„Liebe lebt auf, die längst erstorben schien.“ Wir machen uns Gedanken über Homeoffice, Kinderbetreuung, über Menschen, die ihre sterbenden Verwandten begleiten wollen, ihre Väter, Mütter, Großeltern in Pflegeheimen besuchen wollen und die, die für andere da sind in Medizin, Pflege, …; darüber, wie wichtig Nähe, Geborgenheit und Gemeinschaft sind, um gesund werden oder bleiben zu können.

„Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“ Grün, Farbe der Hoffnung, neuer Anfang, Potential für Wachstum. Nicht für das der Wirtschaft vielleicht, sondern für das Notwendige: Liebe, Zuversicht, einen besseren Umgang mit anderen Menschen, mit der Schöpfung Gottes und die Erkenntnis, dass das Lebens-notwendige zwischenmenschlich ist und das Mittel zum Leben auf Feldern, Streuobstwiesen und in Gärten, auf Weiden und Äckern gedeiht und nicht durch höher, schneller, weiter, größer, mehr vom einen Kuchen für mich, statt auch ausreichend – auch für Andere.

Jesus hat gesagt: „Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr für mich getan.“ Die Ausrichtung des Lebens erfolgt für ihn von denen her, die Hilfe brauchen, die die Schwächsten sind und misst sich nicht an den Stärksten.

Exaudi heißt der morgige Sonntag: Höre! Die Jünger Jesu stehen alleine da. 40 Tage nach Ostern haben sie sich endgültig von Jesus verabschieden müssen. Er ist zurückgekehrt zu seinem und unsrem Vater. Christus ist in den Himmel aufgefahren, der HERR der Jüngerinnen und Jünger. Er hat versprochen, dass er wiederkommen wird – aber wann? Er hat versprochen, uns mit Hilfe und Trost auszustatten, damit seine Botschaft von der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen und zu seiner Schöpfung, zu jedem Menschen kommt und überall auf der Welt weitergesagt wird.
Bei denen, die bei Jesus in die Schule des Lebens gegangen sind, herrscht Traurigkeit über den Abschied von ihm und Vorfreude und gespannte Erwartung auf das, was kommt; auf das, was da Neues werden kann. Es lebt der Wunsch, ein Teil dessen zu sein, Teil einer neuen Gemeinschaft, die allein aus der Liebe Gottes und dem Vertrauen auf ihn leben kann; Trost und Hilfe erhalten und weitergeben können, für andere da sein und sich nicht zuerst um sich selbst sorgen.

Ich wünsche uns die Gewissheit, dass nicht die/nicht unsere „Normalität“ wiederkehren muss, sondern wir gemeinsam unser Miteinander neu gestalten können – bei uns vor Ort und in dieser Welt. Übrigens: „Höre!“ heißt der Sonntag nach Psalm 27 "Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich!“ Vielleicht haben auch Sie, hast auch Du eine Bitte. Beten können wir alle, nicht nur in der Not.
Für Bitten in einem Gottesdienst der kommenden Zeit: fuerbitte@email.de
Namen und Daten werden nicht verarbeitet und die Mails im Anschluss an die Übertragung der Gebets-anliegen gelöscht.

Gedankenreise in den Mai - 9.5.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

begleiten Sie mich auf eine Gedankenreise in den Mai 2021: Vor  vier Wochen haben wir Ostern gefeiert – in allen Kirchen, mit viel mehr Menschen als in den Jahren zuvor. Wir haben unsere Freude über den Sieg des Lebens über den Tod laut hinausgesungen. Wir haben schon in den Wochen davor das schöne Wetter genossen, sind in Scharen spazieren gegangen oder Rad gefahren und haben einander dabei freundlich gegrüßt. Der regelmäßige Besuch bei der Oma im Seniorenheim gehört zum Alltag jetzt genauso  hinzu wie die Freude darüber, in einer der Eisdielen in unserer Fußgängerzone sitzen zu dürfen. Manche haben schon den ersten Frühjahrs-Grillabend mit Freunden gefeiert. Die Kinder haben die Osterferien wie jedes Jahr herbeigesehnt, haben sie genossen und sind nun voller Tatendrang in die Schule zurückgekehrt. Den ein oder anderen hat es vielleicht ein bisschen geärgert, dass der 1. Mai in diesem Jahr auf einen Samstag gefallen ist. Aber irgendwie wissen viele ihre Arbeit jetzt mehr zu schätzen und leben nicht mehr nur von Wochenende zu Wochenende. Und es war ja trotzdem noch Zeit genug für einen Ausflug in den Zoo oder an das Steinhuder Meer – voll war es. Aber manchmal tut ein Bad in der Menge auch gut.

Manchmal braucht man Visionen, Träume. Vielleicht gerade dann, wenn die Zeiten bedrückend und unsicher sind. Die alttestamentlichen Propheten haben das Volk Israel in schwierigen Zeiten oft mit solchen Visionen bei der Stange gehalten. Mit der Vision, wie schön es sein wird, wenn die nach Babylon Verbannten zurückkehren können in ihre Heimat. Träume und Visionen machen die Gegenwart heller. Das ist heute genauso wie damals. Wenn wir nicht die Hoffnung hätten, dass diese Zeit, die wir gerade erleben, auch irgendwann ein Ende finden würde, wäre es wahrscheinlich schlecht um uns bestellt. „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.“ (Wochenspruch aus Psalm 98)  Dieses Jahr singen wir nicht gemeinsam. Aber wenn wir alleine singen, tun wir es trotzdem mit der großen Hoffnung, dass Gott eben genau das tun wird: etwas Großes. Damit die Vision vom Mai 2021 Wirklichkeit wird und wir im nächsten Jahr hoffentlich mit Dankbarkeit auf die Überwindung dieser Krisenzeit zurückschauen können. In diesem Sinne: Hoffen Sie kräftig, singen Sie laut – wenn  vielleicht auch alleine -  und bleiben Sie behütet!

Nikola Lenke, Schulpastorin am Hölty-Gymnasium Wunstorf

Ich bin der Weinstock - 2.5.2020

Liebe Leserinnen und Leser,

zwei Wochen mit spürbaren Lockerungen liegt hinter uns, Geschäfte haben wieder geöffnet, Der erste Schulunterricht hat begonnen. Und nun gehört der Mundschutz für so gut wie alle zum Alltag. Viele wünschen sich weitere Lockerungen der Beschränkungen und das möglichst schnell. Andere halten die ganzen Beschränkungen und deren gravierende Folgen für Unsinn. Und wieder andere wollen die Einschränkungen tragen, um die Ansteckungsgefahr weiter zu verringern. Denn nach wie vor gibt es weder erprobte Medikamente noch einen Impfstoff. Woran sollen wir uns halten, woran orientieren?

Worte für diesen Sonntag zeigen einen Weg. Jesus stellt sich seinen Freunden mit einem Bild vor: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“

Der Weinstock gehört für uns weniger zum Alltag als in Weinbauorten. Darum müssen wir dieses Bild immer übersetzen und deutlich machen: die Rebe, das heißt der Zweig, an dem die Trauben hängen, kann nur Trauben bringen, wenn er eine gute Verbindung mit dem Weinstock hat. Das ist klar. Und Jesus sagt: genauso ist das auch mit Euch, mit allen, die auf mich hören und mir vertrauen wollen: ihr bringt Frucht, euer Leben lohnt sich für Gott und für andere Menschen, wenn ihr in Verbindung mit mir lebt. Das bedeutet, auf Jesus hören. Für uns heute: in der Bibel lesen – und dazu die Nachrichten des Tages aufnehmen. Und Worte der Bibel können mit einem Mal einen neuen Blick auf die Situation geben.  

Auf Jesus hören heißt dann auch leben wie er es gewollt hat und will: Gott lieben und den Mitmenschen lieben wie sich selbst. Und das gibt dann einen Maßstab in dieser Zeit. Nicht zuerst auf das schauen, auf das ich verzichten muss, wo ich eingeschränkt werde, sondern auf andere schauen,. Auf Menschen, die sich aus Angst selbst isoliert haben. Auf Menschen, die allein leben und jetzt Einsamkeit erfahren. Und Sie können Ideen entwickeln, wie Sie solche Menschen ermutigen können, beispielsweise durch einen Gruß oder eine Karte. 

Bleiben Sie behütet!  Und bleiben Sie am Weinstock, an Jesus!

Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Aufräumen und weitergehen - 25.4.2020

Alle reden in der Zeit der Pandemie und den vielen Einschränkungen, die uns auferlegt wurden und werden, von dem „Exit“ und von „der Zeit danach“. Gepaart mit der Sehnsucht nach der Normalität setzen schon die Planungen ein: „Wenn ich doch erst wieder…“, „Ich freue mich schon auf…“ oder „Endlich treffe ich…“. Wonach sehnen wir uns? Nach der Zeit vor Corona oder nach einer neuen Zeit nach Corona? Es gibt viele die sagen, es wird nie wieder, wie es war. Und das glaube ich auch. Nicht wegen einer chronischen Angst, die sich gefestigt hat, sondern weil viele Menschen in dieser Zeit etwas gelernt haben. Die „Entschleunigung“ der meisten Personen führte dazu, dass eigene Handeln zu überdenken. Was ist mir wichtig? Was vermisse ich? Was hat mir Zeit und/oder Kraft geraubt? Eine Zäsur in unserem Leben kann Prioritäten im Alltag, in der Freizeit und in Freundschaften verändern. Die Besinnung auf die Werte des Miteinanders wie ein Handschlag, ein gemeinsames Lachen oder ein Runde Doppelkopf mit Freunden zeigt die wahren Werte des Lebens.

Wenn wir unser Leben mit Entschlüssen und Vorsätzen „aufgeräumt“ haben, geht daran, weiterzugehen in eine neue andere Welt, die hoffentlich mehr WIR und weniger ICH enthält. Mir fiel dazu mal wieder ein Segen in die Hände, den Gerhard Engelsberger formuliert hat. Möglicherweise gibt es Ihnen auch Mut für die Zeit danach, für Ihren Weg und Ihre Entscheidungen.

Geh Deinen Weg.

Es wird Deiner sein, wohin immer er führt.

Lass Dir Zeit, nachzudenken,

zu fragen, zu erinnern, abzuwägen.

Geh Deinen Weg.

Überstürze Dich nicht.

Lass Dich nicht aufhalten.

Wenn möglich, geh nicht allein.

Wenn nötig, trenne Dich.

Auf Deinem Gesicht liegt der Glanz Gottes.

In Deinem Herzen schlägt die Liebe Gottes.

Aus Deinen Händen entstehen Wunder Gottes.

Deine Füße reichen weit und sind tapfere als Deine Pläne.

Deine Arme sind lang genug,

um wenigstens einen Menschen zu umarmen.

Geh mutig Deinen Weg.

Auf Dir ruht der Segen Gottes. Amen.

Prädikant Jörg Mecke

Weise mir Herr, deinen Weg - 18.4.2020

so beginnt mein Konfirmationsspruch. Auch heute – gut vierzig Jahre nach meiner eigenen Konfirmation gefällt er mir sehr gut. Er passt zu einem – meinem – ganzen Leben.

Das Bild vom Weg für das eigene Leben hat mich schon als 14-jährige Jugendliche angesprochen. Und wenn ich an mein Leben denke, dann gab es viele Wegstrecken, die wie ein Spaziergang am Strand gewesen sind – mit dem weiten Meer vor Augen und dem frischen Wind um die Nase. Andere Wegstrecken sind wie Berge gewesen, die ich als große Herausforderung erlebt habe. Der Ausblick, wenn der Gipfel geschafft war, hat mich für manche Mühe entschädigt. Ganz oft sind Menschen auf meinem Lebensweg zu sehen, die einen Teil meines Weges begleitet haben und mir ans Herz gewachsen sind.

Wie könnte ich die aktuelle Zeit beschreiben? Vielleicht als ein Gehen auf sehr unsicherem Grund, wo wir nur tastend und von Tag zu Tag denkend vorankommen. Vielleicht als einen  Weg, an dem das Geländer fehlt, was mir Sicherheit gibt. Auf alle Fälle als einen völlig neuen und unbekannten Weg, den ich in keiner Weise mit irgendetwas vergleichen kann, wo ich schon mal gewesen bin oder was mir vertraut vorkommt. Und es ist ein Weg, bei dem ich das Ende noch nicht sehen kann. Ich kann es noch nicht abschätzen, wie lange der Weg noch geht und meine Kräfte entsprechend einteilen. Außerdem fehlt mir die Gemeinschaft von Menschen auf meinem derzeitigen Weg.

Weise mir Herr, deinen Weg. Da ist es gut, nochmal genau und ganz den biblischen Psalm zu hören: weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.

Vertrauen auf Gott, das hilft auch durch unsichere Zeiten und ungewisses Gelände. Es geht nicht allein um meinen Weg. Christliches Leben ist nie ein Leben nach dem Motto: „me first“ auf Kosten der anderen. Es geht vielmehr um seinen Weg, also um den Weg, den Gott für mich bereithält. Und Gott wird mich begleiten auf diesem Weg. Das gibt Sicherheit.

An diesem Sonntag hätten wir in Kolenfeld 16 Mädchen und Jungen konfirmiert und ihnen Gottes Segen für ihren Lebensweg mitgegeben. Sie werden sich bestimmt nicht an alles aus dem Konfer erinnern. Aber sie werden auch noch zur Goldenen Konfirmation erzählen können, dass ihre Konfirmation aufgrund des Coronavirus verschoben werden musste. Hoffentlich können sie auch von Gottes Begleitung auf ihrem Lebensweg erzählen und von dem, was sie mit ihrem Konfirmationsspruch erlebt haben. Konfirmation – das Wort bedeutet Stärkung, Bekräftigung. Ich hoffe, dass sie genau das mitnehmen: unser Glaube schenkt Kraft für einen ganzen Lebensweg - auch wenn er unsichere Zeiten beinhaltet.

Christa Hafermann, stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf und Pastorin in der ev.-luth. Kirchengemeinde Kolenfeld

Anders Ostern - 11.4.2020

Alles ist anders in diesen Tagen. Mit dem Corona-Virus ist etwas über uns gekommen, das unser Leben in kurzer Zeit radikal verändert hat: Öffentliche Veranstaltungen sind abgesagt. Auf manche hatten wir uns lange gefreut. Geschäfte und Restaurants mussten geschlossen werden. Reisen sind unmöglich geworden. Viele wurden ins Homeoffice geschickt. Eltern oder Großeltern im Altenheim dürfen nicht besucht werden. Und unsere Gottesdienste in den Kirchen mussten wir absagen. Das hat es noch nie gegeben! Um die weitere Verbreitung des Virus zu stoppen, sollen wir auch Ostern möglichst zu Hause bleiben. Alles ist anders an Ostern.

Für viele wird die Bedrohung inzwischen höchst existentiell. Sie fürchten um ihre wirtschaftliche Existenz. Und denjenigen, die in den Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten, tun alles, um zu helfen und Leben zu retten. Ärztinnen und Pfleger wissen nicht, wie oft sie bei dieser Pandemie vor schwere Entscheidungen gestellt werden, wem sie noch helfen können und wem nicht.

Aus Furcht in ihre Häuser zurückgezogen hatten sich auch in Jerusalem die Frauen und Männer, die Jesus nachgefolgt waren. Sie glaubten sich in großer Gefahr. Ihr großer Hoffnungsträger war am Karfreitag umgebracht worden. Er, der von Gott anders sprach und mit Menschen anders umging, als es damals üblich war. Umso mehr erstaunt es, dass seine Jüngerinnen und Jünger an Ostern wieder Hoffnung schöpften. Und sie taten das nicht aus eigener Kraft, sondern weil ihnen etwas widerfuhr, das ihnen wieder Hoffnung verlieh. Der Auferstanden überzeugte sie nicht durch gewaltige Erscheinungen, sondern durch Begegnungen: Jesus überrascht die hoffnungslosen Frauen auf dem Weg zum Grab. Und er hört seinen Jüngern auf ihren Weg von Jerusalem nach Emmaus zu. Er kennt ihre Zweifel, ihre Fragen; ihre Ängste und inneren Kämpfe.

Jesus hat den Tod überwunden. Diese Osterbotschaft nimmt uns Christen zwar nicht die Angst vor dem Tod. Aber die Angst lähmt uns nicht. Wir können sie bekämpfen, weil wir auf den Gott des Lebens vertrauen. Und der lässt immer wieder Zeichen der Hoffnung aufleuchten. Ein gewaltiges, einzigartiges war die Auferweckung Jesu. Viele andere kleine Hoffnungszeichen erleben wir jetzt in Zeiten von Corona. Es könnte doch sein, dass wir eine Revolution der Empathie und Achtsamkeit erleben. Eine grenzenlose Bewegung. Nicht wie das Virus, sondern stärker als das Virus und die Angst, die es verbreitet: Menschen, die Mitgefühl zeigen, die füreinander sorgen, die zusammenhalten, die sich auf das besinnen, was wirklich wichtig ist. Die Kontakthalten über Telefon, Briefe oder Mails und in der Nachbarschaft nachfragen. So erfüllt sich, was Dietrich Bonhoeffer in tiefster Nacht aufgeschrieben hat, nämlich „… dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“

Wir feiern in diesem Jahr anders Ostern. Nicht als großes Fest der Familie, bei dem wir alle gern zusammen rausgehen. Sondern eher still und zurückgezogen in unseren Häusern, so wie damals die Frauen und Männer in Jerusalem. Wir feiern anders - aber zusammen. Am Radio oder Fernsehern. Oder in so vielen digitalen Formaten, für die die Ideen gerade nur so hervorsprießen. Und wir machen die Erfahrung, dass wir auch darin Kraft bekommen. Diese Kraft Gottes bleibt – und kein Virus wird sie aufhalten können. Und die Welle der Hilfsbereitschaft, die durch Corona ausgelöst wurde, lässt uns Ostern anders erleben.

M. Hagen, Superintendent

Hosianna! Verhaltene Freude – großer Jubel!? - 4.4.2020

Auf den Straßen große Menschenmengen – im Moment völlig undenkbar. Niemand geht grade irgendwohin in einer großen Gruppe. Nachrichten kommen nach Hause über Internet und Fernsehen, Zeitungen und Anrufe. Bot-schaften machen sich breit: Überall auf der Erde ein Virus. Achtung! Die Wirkung: lebensgefährdend für ganz viele. Es hilft nur Abstand halten, Zuhause bleiben, wenig direkter Kontakt zu anderen Menschen. Es hilft auch ausschlafen, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, …

Fastenzeit mal ganz anders?! Vieles hat sich verändert, was unser Leben sonst ausmacht oder leichter, schöner, angenehmer. Zeit zu fragen und Antworten zu finden darauf, was für unser Leben wirklich elementar ist, dringend nötig. Die Ergebnisse sind sicher nicht für alle ganz gleich.

Worum geht es wirklich? In den Gottesdiensttexten letzten Sonntag ging es um Recht und Gerechtigkeit, um Klage und Anfrage: Gott, wo bist Du? Ergreifst Du für mich Partei? Bist Du für alle da?

Hosianna = Hilf doch! Da stehen sie dicht gedrängt in den Straßen mit Palmen-zweigen und jubeln ihm zu indem sie bitten. Erwartung! Von dem, der da kommt im Namen Gottes, erwarten sie schlicht alles. Die Rückkehr in ihr Leben. Keine Besatzung, keine Einschränkung, Freiheit für den Gottesdienst, Feste und Feierlichkeiten; nicht mehr von Roms Gnaden nur die halbe Freiheit.

Wir stehen am Beginn einer neuen Woche. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. Ende.

„Hilf doch!“ Das wünschen wir uns in diesen Tagen. Impfstoff, Medikamente, Rückkehr in ein Leben ohne Beschränkungen. Es schleichen sich auch Fragen ein. Soll hinterher wirklich wieder alles so sein, wie vorher?

Fastenzeit, Zeit der Vorbereitung auf das nach dem Ende. Zeit zum Einüben der Zuversicht, die uns tragen wird schon hier und jetzt in den Einschrän-kungen, bei den einschneidenden Veränderungen. Gelegenheit zu schauen, was sein soll und werden kann und was wir gestalten können, grade weil Vieles nicht stattfindet, was sonst ablenkt. Im Moment ahnen wir mehr, als wir wissen, dass es hinterher kein weiter wie bisher geben kann und geben wird. Zu groß die Umwälzungen bis nach und nach das wieder werden könnte, was wir vor ein paar Wochen unseren Alltag genannt haben.

Wer ein Samenkorn in die Erde legt oder einen Kern, weiß, dass es Geduld braucht, bis daraus etwas wächst und Neues entstehen kann und noch mehr Geduld, bis das, was wächst selber Früchte bringt.

Jene, die einst: „Hilf doch!“ gerufen haben, hatten feste Vorstellungen, von dem, was werden sollte. Aber alles ist ganz anders geworden als gewünscht. Die Antwort auf die Frage, für wen Gott da ist und wem er hilft, hat noch eine Weile gebraucht. Ich bin nicht sicher, ob sie viel Gehör gefunden hat. Sie gilt immer neu. Für mich wird sie in zwei Namen deutlich: „Ich bin da. (2. Mose 3,14)“ und „Gott mit uns.“ Bleiben sie getragen und behütet in dieser Zeit von dem, der sich in unser aller Leben erweisen kann als der, der da ist und von dem, der mit uns ist und neu zu uns kommt, Jesus.

Diakon Heinz Laukamp, Idensen

Sende dein Licht und deine Wahrheit - 28.3.2020

Liebe Leserin und lieber Leser,

knapp zwei Wochen ist es nun her, dass mit der Schließung von Kindergärten und Schulen großflächige Maßnahmen zur Begrenzung der Ansteckung eingeführt wurden. Mir kommt das wie eine Ewigkeit vor. Die Nachrichtenkanäle sind voll. Die Nerven liegen blank. Es fällt schwer, zur inneren Ruhe zu kommen. Täglich werden wir mit neuen Informationen überschüttet. Täglich gibt es grausame Bilder aus Weltregionen mit schlechter aufgestellten Gesundheitssystemen. Menschen sterben, weil es für sie keine Krankenhäuser gibt. Menschen sterben auch, weil nicht alle Staaten so umfangreiche wirtschaftliche Unterstützungen zusagen können.

Mir ist es wichtig in diesen Zeiten auf die kleinen Lichtblicke zu sehen. Bei aller Vereinzelung erlebe ich Menschen, die sich auf den Straßen fröhlich zuwinken. Wir dürfen uns nicht die Hände schütteln, wahrnehmen dürfen wir uns doch. Nachbarn gehen aufeinander zu, bieten Einkaufshilfe an. Anfang der Woche haben deutsche Krankenhäuser schwerkranke Patienten aus Italien und Frankreich aufgenommen, weil bei uns noch nicht alle Kapazitäten gebraucht wurden. Immer mehr Menschen drücken in kleinen Gesten ihren Dank an die aus, die jetzt durch ihre Arbeit die systemrelevanten Bereiche am Laufen halten. Kirchengemeinden finden kreative Wege um über die neuen Medien stützende Angebote zu machen. Pastorinnen und Pastoren stehen im Chat oder am Telefon für Seelsorge zur Verfügung. Konzerne wie facebook und youtube, sonst nur am Erfolg orientiert, reduzieren freiwillig das Datenvolumen, damit wir verbunden bleiben können. Fast alle tragen die belastenden Einschränkungen des Alltags gerne mit, weil so die Chance besteht, dass die besonders Gefährdeten vor Ansteckung bewahrt und alle anderen vor Krankheitsverläufen ohne den Rückhalt eines freien Krankenhausbettes geschützt werden. Im Wochenspsalm 43 heißt es: „Gott, sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten!“ In vielen Regionen zünden Menschen abends um 19 Uhr eine Kerze an und stellen sie in ein Fenster zur Straße. Hier brennt Gottes Licht. Wir bleiben in der Hoffnung auf ihn verbunden!

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Das Telefon klingelt - 21.3.2020

Ausgerechnet diesmal war meine Andacht  schon seit  einigen Tagen fertig, als die traurige Landeskirchen-Entscheidung  und damit auch die unseres Kirchenvorstandes, kam, alle kirchlichen Veranstaltungen abzusagen. Mit den Worten „Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ wurde diese Mitteilung eingeleitet. Durch dieses tröstliche Wort ermutigt, beschloss ich, bei meinem Text zu bleiben: „Würden Sie uns einmal in Ihrer schönen Kirche führen? fragte eine nette Stimme am Telefon –„Wann soll es denn sein? kam meine Gegenfrage. – „Am 29.Februar, dem Geburtstag meines Mannes. Er wird dann 80, und wir würden gern mit unseren Gästen den Tag in Schloß Ricklingen beginnen. Gern sagte ich zu und merkte, dass mir die Sache mit dem Schaltjahr erst vor kurzem richtig bewusst geworden war, als ich nämlich gelesen hatte: 366 mal gibt es den Satz in der Bibel „Fürchtet euch nicht“,  für jeden Tag einen, plus einen für den Extra-Tag im Schaltjahr. Das fand ich interessant. Dieser Satz ist zwar ein sehr prägender, auch in meinem Leben, aber so oft erwähnt? Tatsächlich, ich fand ihn in vielen verschiedenen Kombinationen.- Als ich dem Jubilar gratulierte und seine Familie und die Gäste mit diesem Satz, etwas abgewandelt und erklärend, begrüßte, war mir plötzlich klar, dieser Satz hat auch unseren Kirchen-Erbauer berührt und für die von ihm ausgesuchten Wand- Bilder angeregt. Auf jedem unserer, von norditalienischen Malern gestalteten, Bilder könnte man irgendeiner Figur das gesprochene`Fürchtet euch nicht` zuordnen. Natürlich freute ich mich, als ein Gast Näheres über die Gemälde wissen wollte, ob es Fresken-Malerei, wie in Idensen, sei?“ Unsere Bilder sind zwar nicht unbedingt Kostbarkeiten, aber liebevoll von den damaligen Kunstmalern gestaltet worden und gut erhalten. Manchmal heißt es „Ihre Kirche ist ja ein richtiges Bibel-Bilderbuch.“ Mit der Geburtstagsgesellschaft kam ich kurz ins Gespräch über die Schaltjahre, die wir ja nur alle 4 Jahre erleben und die sich an dem Tag Geborene immer lange herbei sehnen. Der Jubilar meinte, es sei gar nicht so schlimm, denn die Freude auf den echten Geburtstag wäre jedes Mal besonders schön gewesen: “Eigentlich war ich dem Herrgott dankbar dafür und bin es heute auch wieder und fürchte mich ganz gewiss nicht vor dem, was auf mich zukommt!“ Ich überlegte, dass es diesen 29.Februar wohl schon 81 mal für unsere Kirche gegeben, und wie oft kam „Fürchtet euch nicht“ in den Gottesdiensten vor! Es hat Menschen beruhigt, getröstet und neue Hoffnung und Zuversicht schöpfen lassen- aber manche auch verängstigt, und das Gottvertrauen ins Wanken gebracht. Der Satz steht ja nie allein, denn ihm folgt oder geht voran doch fast immer eine Ergänzung:…denn ich bin mit dir...stehet fest…dein Herz sei unverzagt…seid getrost…glaube nur… Aber öfter ist es auch ganz anders formuliert, wie z.B: Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten oder: Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst… Eine kleine Auswahl aus den 366 `Fürchte dich nicht-Sätzen`, die in der Bibel an den unterschiedlichsten Stellen zu finden sind. Sie können uns sagen: Wir müssen uns nicht fürchten, Gott ist für jeden von uns da, auch wenn seine Wege unergründlich sind. Daran dürfen wir glauben. Wie schön ist es, dass trotz aller sonstigen Absagen unsere Kirche täglich von 11-18 Uhr (außer montags) geöffnet ist und zur stillen Einkehr einlädt.

Ursula Wiebe  Schloß Ricklingen

Halb voll oder halb leer? - 7.3.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist das Glas halb voll oder halb leer? Auf den ersten Blick eine blöde Frage. Der gleiche Sachverhalt wird einfach anders beschrieben. Unterm Strich aber ist es schon ein Riesenunterschied, ob ich etwas eher positiv oder eher negativ empfinde.

Für mich ist das eine Frage der Haltung. Ich bin davon überzeugt, dass der Glaube an Gott uns in eine Haltung führt, in der wir zu danken lernen. Im zweiten Vers des  103. Psalms heißt es: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Offensichtlich ist es kein neues Phänomen, dass Bitten und Klagen leichter über die Lippen kommen als der Dank. Da ist es gut, wenn der Psalmbeter uns an den Dank erinnert. Es ist so wenig selbstverständlich im Leben. Dass wir zu essen und zu trinken haben – Grund zum Danken!  Dass ich in einem Land lebe, in dem ich ärztlich versorgt werde, wenn es nötig ist – Grund zum Danken! Dass ich gesund und munter bin – Grund zum Danken! Dass ich einen Sohn habe, an dem ich mich (meist bis fast immer) freuen kann – Grund zum Danken! Dass ich eine Frau habe, die mich trägt und manchmal auch erträgt, mit der ich Leben teilen kann – Grund zum Danken! Sie merken: ich könnte die Liste noch lange fortsetzen. Ich möchte Sie ermutigen, mal für sich selbst eine Liste zu schreiben, wofür Sie dankbar sind.

Im christlichen Glauben haben wir für unseren Dank einen Adressaten: Gott. Ihm danken wir. Ich habe mir angewöhnt, das Gespräch mit Gott  mit dem Dank zu beginnen. Oft bedenke ich die Bitten des Vortages im Gebet – und danke dann für so manches, was sich gut entwickelt und ergeben hat.  Mich verändert das – und meinen Blick aufs Leben.

Natürlich: es gibt auch manches, was es zu beklagen und zu bitten gibt. Da können und sollen wir Gott ruhig in den Ohren liegen.

Aus einer Haltung der Dankbarkeit heraus lebt es sich gut und mit einer getrosten Zuversicht, die gelassen macht. Gott hat so oft geholfen – daraus erwächst das Zutrauen, dass er auch in der Krise wieder helfen wird. Das Glas ist eben doch halb voll! Gott sei Dank!

In diesem Sinn grüße ich Sie mit einem herzlichen „Gott befohlen“

Ihr Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen|Oberlandeskirchenrat

Fastenzeit - oder Passionszeit? - 29.2.2020

Sie war noch immer wie in einer anderen Welt. Und ihre Kleidung der schwarze Schutzpanzer um ihren Körper und ihre Seele.

Niemals könnte sie sich vorstellen, wieder bunte Farben zu tragen. Froh zu sein, zu lachen. Wann war das das letzte Mal möglich gewesen?

Eigentlich hatte es ihr immer Spaß gemacht, sich etwas Neues zum Anziehen zu kaufen.

Aber was gibt es schon für eine Auswahl, wenn doch alles nur schwarz sein muss – das hatte ihr ihre Freundin gestern noch mit hochgezogenen Augenbrauen gesagt. Sieht doch eh alles gleich aus – so schwarz.

Ja, vielleicht stimmte das auch. Also hatte sie sich gestern in der Stadt für einen Rock entschieden. In Dunkellila. Immerhin – hatte ihre Freundin gesagt. Und sie hatte ihn heute auch angezogen. Nur das früher so herrliche Gefühl, wenn sie das erste Mal etwas Neues anhatte, das war weg.

Tief in Gedanken versunken lief sie die Straße entlang – guckte nicht nach links und nicht nach rechts.

Im Augenwinkel fuhr eine Frau auf einem Fahrrad an ihr vorbei.

„Du siehst toll aus“ hörte sie plötzlich. Aus ihren Gedanken gerissen drehte sie sich um. Die fremde Frau auf dem Fahrrad war schon weitergefahren. Aber: Sie drehte sich ebenfalls noch einmal kurz um und winkte, bevor sie um die Ecke fuhr.

 

Am Mittwoch hat die Passionszeit begonnen. Diese Wochen im Kirchenjahr sind dazu da, um uns an die Leidensgeschichte Jesu zu erinnern. Daran, dass er durch Judas verraten wurde. Dass er zu Unrecht und durch die Stimme der Menge zum Tode verurteilt wurde. Dass er gequält wurde, gehänselt und gefoltert. Und dass er dann schließlich am Kreuz gestorben ist.

Die Zeit vor Ostern, diese 7 Wochen, tragen in der Kirche die Farbe Violett.

Unser Blick richtet sich in dieser Zeit auf Gottes Weg mit uns Menschen. Dass er den schwierigen Weg gewählt hat, um uns voraus und nahe zu sein. Für uns - das ist Seine Liebeserklärung an uns, dass Gott uns auch in den Abgründen unseres Lebens voraus geht und mit uns trägt, was wir ertragen müssen. Bis in den Tod.

Gleichzeitig dienen diese 7 Wochen dazu, unseren Blick auch nach innen zu richten. Seit 1983 gibt es zu dieser besonderen Zeit im Kirchenjahr eine Aktion der Evangelischen Kirche. Dabei steht jedes Jahr unter einem bestimmten Motto.

Zuversicht! 7 Wochen ohne Pessimismus. Schlägt uns die Evangelische Kirche in diesem Jahr für die Zeit bis Ostern vor.

Sieben Wochen mit Zuversicht den Alltag zu begehen - das ist in manchen Situationen wohl kaum zu ertragen. Und doch: ER trägt uns. Geht uns voraus. Und weckt in uns die Hoffnung.

Sie ging die Straße weiter. Eine Windböe fegte plötzlich die Straße entlang. Reflexhaft schnellte ihre Hand auf ihren Rock. Sie schüttelte ihre Haare im Wind.

Was für ein Tag. Sie musste plötzlich lächeln.

Franziska Oberheide, Schulpastorin Ev. IGS Wunstorf

Ganz gerade den Weg - 22.2.2020

„Ich könnte heulen, wie gemein die Menschen in der großen Politik sind. Könnte einem da nicht manchmal der Mut vergehen?“ Diese beiden Sätze sind nicht das Gejammer über unsere Politiker heutzutage, sondern stehen in einem Brief von Sophie Scholl.

Sophie, ihr Bruder Hans Scholl und einige andere leisten im „Dritten Reich“ Widerstand gegen Hitler. „Weiße Rose“ heißt ihre Untergrundgruppe in München, wo Hans und Sophie studieren. Heute ist der Todestag von Hans und Sophie. Am 22. Februar 1943 werden die Geschwister geköpft. Sie haben Flugblätter gegen Hitler ausgelegt. Einfach weil sie entsetzt waren über das tausendfache Sterben auf beiden Seiten der Kriegsfront. Als die deutsche Wehrmacht bei Stalingrad besiegt wird,  wagt die Widerstandsgruppe alles: Mitten in der Münchner Universität legen die jungen Menschen Flugblätter gegen Hitler aus. Nur wenig später werden sie verhaftet. Stundenlange Verhöre folgen. Erst einen Tag später erfahren die Eltern der Geschwister Scholl von deren Verhaftung. Vor dem Volksgerichtshof kommt es zum Verfahren. Der Anklagepunkt lautet: Hochverrat.

22. Februar 1943, 9 Uhr Verhandlungsbeginn. Die Eltern von Hans und Sophie werden aus dem Gerichtssaal gewiesen. Nach schneller Verhandlung ergeht gegen 14.30 Uhr das Todesurteil. Danach dürfen Sophie und Hans ihre Eltern noch ein letztes Mal sehen. Noch am selben Tag werden sie um 17 Uhr hingerichtet: zuerst Sophie, Minuten später Hans. Sophie war 21, Hans 24 Jahre jung.

Sophie weiß, was sie riskiert hat.

Sie schreibt in einem früheren Brief mit Bezug auf Jesus: „Wahrscheinlich hat es bisher nur ein Mensch fertiggebracht, ganz gerade den Weg zu Gott zu gehen. Aber wer sucht den heute noch?“ –

Meine Antwort heute ist: Ich schon.

Karin Puy

Höre! - 15.2.2020

Hören können ist wichtig. Wir hören das Martinshorn, die Huppe, das Signal an der Ampel als Fußgänger, die Musik, die wir so sehr lieben und die Stimme der Menschen, die uns Gutes sagen.

Hören ist anstrengend. Wer eine fremde Sprache hört und sich schwer tut mit dem Verstehen, wer nicht mehr gut hören kann und sich schwer tut, sobald die Menschen zwar reden, aber einen nicht persönlich ansprechen oder auch nicht ansehen, wenn sie mit einem reden…

Zuhören ist mühsam. Es verlangt mir ab Dinge zu hören, die ich vielleicht gar nicht wissen wollte. Es nötigt mich, mich mit der Gedankenwelt von einem anderen Menschen auseinander zu setzen, die sich mir vielleicht nicht erschließt.

Hör hin. Hör zu. Hör mir doch mal zu! Sag nichts. Schweig! Nur wer schweigt, kann hören. Und nur wer ein offenes Herz hat, kann zuhören. Wenn wir mit anderen sprechen und unsere Antworten und Wünsche im Kopf haben, ja, wenn wir schon nur noch bestimmte Fragen stellen; dann sind die Antworten passend zu unserer Meinung, aber hinhören oder dem Gegenüber zuhören, das tun wir dann nicht mehr. Wenn wir schon den oder die reden hören, dann hören wir erst recht nicht mehr hin, weil wir meinen schon zu wissen, was gleich kommt. Und in aller Regel kommt etwas, wovon wir annehmen, dass es uns nicht interessiert, wir es schon kennen oder was sowieso und überhaupt absoluter Blödsinn ist. Vor allem aber ist es nicht, was wir hören wollen und somit haben wir den Widerspruch schon im Kopf.

Schweige und höre, neige Deines Herzens Ohr … Wir müssen unser Herz einschalten und nicht schon abschalten, noch bevor etwas gesagt wird.

Gestern war Valentinstag, Tag der Liebenden. Grade in Beziehungen ist das Zuhören und einander wahrnehmen besonders wichtig. Umso länger eine  Beziehung dauert, umso mehr verlassen wir uns darauf verstanden zu werden, legen den Worten vielleicht nicht mehr so viel Wert bei, glauben, blind ver-standen werden zu müssen, ohne unsere veränderte Lage, die sich wandelnde Liebe, die veränderten Bedürfnisse einander mitzuteilen. Manche hören dann auch nicht mehr hin oder glauben: Der/Die kriegt sich schon wieder ein.

Am Sonntag, geht es um das Zuhören um das Hinhören. Ganz besonders geht es natürlich um das Hören auf das, was Gott zu sagen hat. Die Geschichten erzählen von Erfahrungen: Mensch zu Menschen, Menschen mit Gott; der versucht Gehör zu finden, um durch sein Wort Frieden zu stiften. Sie erzählen von der Vergeblichkeit des Redens, wenn Menschen die Herzen verschlossen haben und sich auf nichts einlassen wollen.

Schweige und höre, lass Dich ein darauf konfrontiert zu werden mit Neuem, Unbekanntem, mit Dingen, die Dir nicht vertraut sind und die Dich fragend zurücklassen oder auch verunsichert. Neige Deines Herzens Ohr, damit Du und das Gegenüber eine Chance haben einander zu verstehen, wenn es anders ist als erwartet - fremd, was Dir begegnet. Schweige und höre, neige Deines Herzens Ohr, suche den Frieden. Wenn wir uns gegenseitig zuhören, mit unserem Herzen hinhören, um unser Gegenüber so zu verstehen, wie es Dinge meint; nicht wie wir denken, dass es sein sollte. Wenn wir uns einlassen können auf etwas, was uns nicht entspricht, dann ist Frieden möglich. Lassen wir uns nicht ein und haben keine Bereitschaft unser Herz zu öffnen, dann kann das Zusammenleben nichts werden. Dann erwarten wir immer, dass andere unsere Meinung haben müssen, so reagieren müssen, wie wir wollen und setzen uns und unsere Ansprüche absolut.

Damit es zum Hinhören kommt, haben wir uns Gedanken gemacht im Miteinander. Wenn sie etwas von den Ergebnissen mitbekommen mögen:

Sing&Praise, heute, 18:00h, Neue Kirche Idensen, zu „Schweige und Höre“ oder Punkt5, Sonntag 17:00h, Kirche in Dedensen

Heinz Laukamp

Willkommen bei den Machern - 8.2.2020

„Willkommen bei den Machern“ so begrüßt ein Landkreis seine Gäste. „Macher“ oder „Machende“ sind gefragt. Menschen, die das Leben meistern, die Leistung zeigen, die Probleme lösen, die ständig „unter Strom stehen“. Selbst Pausen dienen dazu, um sich selbst zu optimieren, um noch besser zu werden, die eigene Leistung zu steigern. Ich habe den Eindruck, dass eine solche Ideologie sogar bis weit in die ältere Generation hineinreicht. Als Rentner auch dann noch etwas für die Gesellschaft leisten. Im Alter kein „nutzloses Eisen“ sein, sondern sich selber einbringen. Das klingt gut und hat auch positive Seiten.

Aber kommt dabei nicht das zu kurz, was wir Seele nennen? Ist nicht auch eine Pause von nutzen, wenn es nicht zuerst darum geht, Kräfte zu sammeln, sondern einfach Pause, vielleicht sogar Schweigen und Stille?

Jemand sagte mir vor einiger Zeit: „ich freue mich auf den Gottesdienst, dann kann ich eine knappe Stunde abschalten, muss nichts leisten, sondern kann zuhören. Wenn ich will, kann ich mitsingen und beten. Auf jeden Fall kann ich zur Ruhe kommen.“

Der Gottesdienst bringt keine Leistungssteigerung, auch nicht im frommen Sinn. Mit anderen zusammen still werden, zuhören, singen und beten ist eher ein Innehalten, wie eine innere Bremse, wie ein Anhalten im Machen, in der Leistung.    

„Willkommen bei den Machern“ - im Gottesdienst gilt eher das Gegenteil Willkommen in der Pause. Und dann „Willkommen bei Gott“. Denn Gottesdienst ist weniger unser Tun, weniger unsere Leistung, sondern Gottes Gegenwart erleben und seine Liebe.

„Gott ist gegenwärtig, lasst uns anbeten“ so heißt es in einem alten Choral (Ev. Gesangbuch Nr. 165). „Machen“ können wir alle, mehr oder weniger. Wie wäre es mit einer Stunde Pause am Sonntagmorgen oder Sonntagaben – es gibt viele Gottesdienstmöglichkeiten rund um das Steinhuder Meer.  

Ihr Pastor Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Ausrede oder Ausgrenzung? - 1.2.2020

Viele haben die Berichterstattung über das Weltwirtschaftsforum in Davos verfolgt. Gleich am ersten Tag gab es ein Fernduell zwischen Greta Thunberg und Donald Trump. Die Kommentare von Beobachtern über Donald Trumps Äußerungen waren verheerend, zog er doch den Kampf von Greta Thunberg für den Klimawandel ins Lächerliche und nannte sie eine „radikale Sozialistin“. Natürlich ist es trivial, mit einem Alter von 73 Jahren über eine 17-Jährige zu urteilen, dass ihr die Erfahrung und ein Blick fürs Ganze fehlt. Im Fall einer vorhandenen Altersweisheit kann man auf Zusammenhänge hinweisen, aber niemals herabwürdigen.

Junge Menschen zu diskreditieren, ist völlig indiskutabel und ausgrenzend. Der daraus resultierende Frust, dass ein angestammtes System nicht wandelbar ist, führt auf Dauer meistens zur Resignation. Denn: Wer will auf Dauer für unfähig erklärt werden? So einen Fall kennt sogar die Bibel bei der Berufung des Jeremias: „Jeremia aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der Herr sprach aber zu Jeremia: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ (Jer 1, 6+7)

Sicherlich ist es fragwürdig, Greta Thunberg mit Jeremia vergleichen. Aber das, was passiert ist, ist eine Frage von Kultur. Junge Menschen sind genauso wertzuschätzen, wie ältere Menschen. Der Satz: „Sage nicht: ich bin zu jung“ kann genauso gut heißen „Sage nicht: ich bin zu alt“. Für ein Miteinander in der Gesellschaft zählt nicht das Alter, sondern der Wille, etwas gemeinsam zu bewegen. Das Alter kann keine Ausrede oder Begründung sein. Die Aufgaben, die vor uns als Gemeinschaft liegen, sind generationsübergreifend anzugehen und es zählt jeder Gedanke und jede helfende Hand.

Die einen machen das im Großen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, die anderen im Kleinen, in dem sie beispielsweise Menschen in Ausnahmesituationen beiseite stehen. Und das ist gut so, ob 17, 47 oder 77 Jahre alt.

Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Gipfelstürmer - 26.1.2020

Im Touristenbüro klingt alles ganz einfach: neben der Gondel, die den Berg hinauffährt, einfach rechts den Weg nehmen. Der Weg ist steinig, wie Stufen führen dicke Steine nach oben. Bereits nach 15 Minuten merken wir: dieser Weg ist nicht einfach. Die Sonne brennt auf den Nacken, in den Waden zieht es der Wind pfeift. Das Ziel, die Spitze des Berges ist noch weit entfernt. Zum Glück haben wir Wasser dabei – im Rucksack.

Ein Pfad geht in den anderen über. Die letzten dreihundert Meter sind anstrengend, 70 Grad Steigung. Das Wasser wird knapp, die Kräfte lassen nach. Wann ist endlich die Spitze des Tafelberges in Kapstadt erreicht. Wir fragen entgegenkommende Touristen: „Maximal noch 15 Minuten“, sagen sie. Wir, mein Sohn Jacob und ich, wir können nicht mehr. Dann endlich, die letzte Schneise zwischen Felsen: 100 Meter im Schatten, dann Sonne, wir sehen sie schon. Sie wird unsere Haut wärmen, uns Licht spenden. Wir hoffen darauf. Nochmal alle Kraft zusammen genommen, und tatsächlich, wir schaffen es.

Zusammen gehen wir Hand in Hand in die Sonne und wir haben den Tafelberg bestiegen. Nicht mit der Seilbahn, sondern zu Fuß. Aus dem Schatten ins Licht. Die Sonne bringt Hoffnung, schenkt uns Kraft und Wärme. Aus dem Schatten ins Licht – eine Erfahrung, die ich ab und zu im Leben mache. Aber diese Wandererfahrung auf den Tafelberg macht Mut. Jesus sagt: „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ (Johannes 12,46)

Für den Rückweg bergab haben wir die Seilbahn genommen. Es war schon spät am Nachmittag.

Pastor Marcus Buchholz, stellvertretender Superintendent im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

„Perfekt“ - 18.1.2020

Haben Sie vor dem letzten Kauf einer Zahnbürste vielleicht erst einmal drei Testberichte gelesen, um zu wissen welche denn die Beste ist? Haben Sie heute schon in den Spiegel gesehen nach der Dusche und „Perfekt!“ zu sich gesagt? Das geht ja gar nicht!

Diese Erkenntnis geht verloren. Das „Perfekte“ ist ausdrücklich das Ziel unzähliger Anstrengungen geworden. Jeder Betrieb müht sich ununterbrochen darum, „die Prozesse zu optimieren.“. Das ist auch sicherlich manchmal sinnvoll. Die Feststellung „Nichts ist perfekt.“ – ist bei manchen längst ersetzt worden durch das überschwängliche „Nichts ist unmöglich.“. Firmen fordern von Ihren Mitarbeitern deren „Selbstoptimierung“. Doch ist das überhaupt erreichbar: die perfekte Version meiner Person? Klar, da fallen mir so perfekte Menschen ein wie Martin Luther King, Mutter Teresa und Jesus natürlich. Wie sieht der das eigentlich?  Der spricht auch von Vollkommenheit! Er ermahnt seine Nachfolger*innen: „Deshalb sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ (Matthäus 5,48). Auch das noch! Wenn aber perfekt sein bedeuten würde: vollständig sein, zum Ziel gekommen sein, ganz sein? Dann wird aus dem Druck Perfekt zu sein, ein Werden, ein Zugehen auf Gott. Er ist das vollkommene Ziel, vollkommen liebevoll und barmherzig. Dann wird das perfekt sein, ein Weg zu mir und dem anderen. Das beginnt bei mir, beim barmherzigen Blick in den Spiegel am Morgen, setzt sich fort beim Blick auf meine Kinder, die das Zimmer nicht aufgeräumt haben, und endet bei der krummen Gurke auf dem Marktplatz. Also sowas!

Stefan Krüger

Gott sprach: Es werde Licht! - 11.1.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

„und Gott sprach: Es werde Licht!“, so steht es auf der ersten Seite der Bibel. Mit Licht hat es begonnen, das Leben auf der Erde. Ich empfinde den Januar immer als einen dunklen Monat. Die meisten Weihnachtsbäume sind nun abgeschmückt und auch die Kerzen und der Adventskram sind wieder im Karton verschwunden. Mir fehlen die Lichterketten und Schwippbögen, die so schön gegen die kurzen Tage angeschienen haben. Gegen diese Januar-Dunkelheit wollen die beiden Luther Künstlerinnen Angelika Dömland und Hildemut Bölsing anleuchten. „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg“, diesen Vers aus Psalm 119 haben sie sich zum leitenden Gedanken für ihre Ausstellung erkoren, die vom 12. bis 26. Januar in der Dorfkirche Luthe zu sehen ist. In ihren Bilder und Keramiken zeigen die Beiden bildhaft, wie Gottes Licht mit unseren Leben verbunden ist. Gott gibt Licht, in all das, was in unserem Leben dunkel erscheint. Durch Ihr Versprechen an uns, dass unsere ganze Existenz von Ihr gehalten wird, mit allen Entscheidungen, die wir treffen und allen Umständen, in denen wir uns vorfinden. Das ist das Wort, die frohe Nachricht, die in unser Leben leuchtet. Gott ist da. Auch in der Dunkelheit lässt Sie uns nicht allein.

Ihre Pastorin Marit Ritzenhoff, Luthe

Glaube und Unglaube - 4.1.2020

Ein „moderner“ Mensch verirrt sich in der Wüste. Erschöpft von der Hitze sieht er in der Ferne eine Oase. „Aha, eine Fata Morgana,“ denkt er, „eine Luftspiegelung, die mich narrt.“  Er nähert sich der Oase, aber sie verschwindet nicht. Immer deutlicher sieht er die Dattelpalmen, das Gras und vor allem das Wasser. „Natürlich eine Hungerfantasie, die mir mein halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt“, denke er. „Sowas bildet man sich bekanntlich in meinem Zustand ein!“ Dann hört er sogar das Wasser sprudeln. Kurze Zeit später finden ihn zwei Beduinen. Tot. „Kannst du so etwas verstehen?“ sagt der eine zum anderen, „die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund. Und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?“ Da antwortet der andere: „Er war ein moderner Mensch. Er traute seinen Augen nicht; er glaubte nicht einmal an seine 5 Sinne. Er hat sich zu Tode gezweifelt." 

Unglaube und Zweifel machen den modernen Menschen aus. Die Natur von uns Menschen ist so angelegt, dass wir für schlechte Nachrichten und Probleme empfänglicher sind als für Positives. In der menschlichen Entwicklungsgeschichte hat es sich bewährt, misstrauisch zu sein. Darum fällt es vielen schwer das Gute zu sehen und darauf zu vertrauen. Dabei können wir im Großen und Kleinen viel Positives erleben. Allein wieviel wurde jetzt zu Weihnachten wieder für Menschen in Not gespendet! Wieviele Menschen engagieren sich unermüdlich ehrenamtlich bei Feuerwehr und anderen Hilfsdiensten. Und viele Menschen in unserem Land sind trotz aller politischer Vorbehalte sehr wohl dazu bereit sich einzuschränken, damit diese Erde eine Zukunft hat.

Wir sollten das Wort „gut“ nur einfach öfter und bewusster verwenden. „Gut sein“ und „Gutes tun“ sind weltliche Formulierungen des Gebotes der Nächstenliebe. Manchmal liegen das Gute - so wie bei dem Menschen in der Wüste - zum Greifen nahe. Allem Misstrauen, allem Zweifel zum Trotz. Es ist nur wichtig, daran zu glauben. Falls uns das schwerfällt, dann können wir wie in der diesjährigen Jahreslosung zu Jesus rufen: „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24). Jesus verkörpert, worum es im Glauben geht. Er hat Macht, Leben gut werden zu lassen. Darum ist es auch im neuen Jahr lohnenswert, sich beherzt für das Gute zu engagieren!

Michael Hagen, Superintendent