Auf dieser Seite sammeln wir die wöchentlichen Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger. Sie sind auch bei Radio Leinehertz zu hören. Im Bild unsere Sprecher Gunner Göers und Carlo Pengel.

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Wochenandachten 2021

Noch mehr Verzicht? - 27.2.2021

Vor eineinhalb Wochen hat die Passionszeit begonnen, und damit gibt es auch wieder Vorschläge, diese Zeit bewusster zu gestalten. Am bekanntesten ist die Aktion „Sieben Wochen ohne“. Sind Sie mit dabei? 

Passt diese Aktion in dieser Zeit, in der  nicht wenige Selbständige um das wirtschaftliche Überleben kämpfen? In der wir alle in verschiedenen Bereichen verzichten müssen.

Die Meinungen dazu sind sehr verschieden: manche lehnen weiteren Verzicht grundsätzlich ab, weil der erzwungene Verzicht schon etliche Wochen andauert. Andere meinen, dass mit einem freiwilligen Verzicht die Passionszeit bewusster gestaltet werden kann. Und in der Tat: Verzicht in der Passionszeit unterscheidet sich grundsätzlich von dem erzwungenen Verzicht aufgrund des Lockdowns: erstens ist dieser Verzicht freiwillig: wenn ich mich beteilige, dann suche ich mir einen Bereich, der mir persönlich wichtig ist: Verzicht auf Süßigkeiten, auf Salzgebäck, auf Alkohol oder Lieblingsangewohnheiten.

Es gibt einen weiteren Unterschied: dieser persönliche Verzicht ist begrenzt. Mit Ostern endet die Passionszeit, damit auch die Aktion „Sieben Wochen ohne“. Der erzwungene Verzicht ist darum so schwierig, weil wir alle nicht wissen, wann es Lockerungen geben wird.

Darum gibt es auch in diesem Jahr den Aufruf, sich an „Sieben Wochen ohne“ zu beteiligen – auch jetzt können Sie sich noch beteiligen. Dabei geht es nicht darum, irgendeine Leistung zu erbringen oder zu beweisen, auf was alles Sie verzichten können. „Sieben Wochen ohne“ will das Leiden Jesu näher bringen, bewusster machen für das eigene Leben. Darum geht es nicht nur um Verzicht, sondern genauso um mehr Zeit für die Stille vor Gott und für das persönliche Gebet. So können „Sieben (jetzt noch fünf) Wochen mit“ neuen Erfahrungen werden.

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Die Schönheit des Winters - 20.2.2021

Haben Sie sie gesehen? Die Schönheit des Winters! Glänzende weiße Pracht, und sogar bei Dunkelheit leuchtet die Welt. Außerhalb von Stadt und Dorf ein Gefühl von Weite: weite, glitzernde Flächen. Doch begebe ich mich hinein in diese Winterwelt und wandere über verschneite Feldwege, kann ich auch die Stille vernehmen, die der Schnee mit sich bringt. Alle Geräusche klingen nur gedämpft. Außer dem eigenen Atem und dem Knirschen des Schnees unter den Schuhsohlen ist nichts zu hören.

In Malerei und Poesie wird der Winter mit der letzten Lebensphase verglichen – dem Alter und Sterben. Weil in der Natur bei wochenlangen Minusgraden alles abstirbt. Nach dem Frühling meines Lebens – Geburt und Kindheit, Schulzeit, erste Liebe – folgen Sommer – das Erwachsenwerden, Berufsstart, Kinder in die Welt setzen – und Herbst – Wechseljahre, die Kinder verlassen das Haus, die eine oder der andere startet beruflich noch einmal durch, und man muss die eigenen Eltern loslassen, die Berufszeit abschließen. Und dann naht der eigene Winter mit seinen Beschwerlichkeiten und seiner Schönheit.

In der vergangenen Woche durften wir üppig die Schönheit des Winters genießen. Auch sie gibt ein Bild für das Leben her: Wie ein großes weißes Feld breitet sich das Leben vor einem aus, wenn man zurückblickt. Klar und hell, vielleicht auch stechend steht es vor Augen. Doch ich darf es anschauen, muss nicht die Augen verschließen, muss mir nichts schöner reden, als es gewesen ist – Schönheit liegt dennoch darin: Trotz der dunklen Flecken ist es überzogen von Millionen glitzernder Kristalle.

So ein ehrlicher Rückblick ist nicht einfach. Dazu braucht man Übung. Eine Person des Vertrauens. Selbstliebe, eigene Schönheit anzuerkennen. Mut, Fehler einzugestehen. Doch zuallererst und zuletzt das Vertrauen, in Gottes Zeit und Ewigkeit aufgehoben zu sein. Hier ist Schönheit.

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. (Psalm 73,23-24)

Pastorin Susanne v. Stemm, Bokeloh

Augen auf für die Liebe – nicht nur am 14. Februar - 13.2.2021

Morgen ist Valentinstag, der Tag der Liebenden. Der Bischof Valentin hat der Überlieferung nach Liebespaaren Blumen geschenkt. Ob er mit den Blumen sagen wollte: lasst eure Liebe wachsen wie die Blumen? So wie die Blumen die Menschen erfreuen, so könnt auch ihr mit eurer Liebe Freude schenken? Umsorgt eure Liebe so wie die Blume Wasser und Licht benötigt? Ich kann ihn das nicht mehr fragen. Er selbst soll am 14. Februar 269 wegen seiner Treue zu Christus als Märtyrer gestorben sein. Schön finde ich, dass dieser Bischof wohl ganz offene Augen gehabt hat für die Liebe der Menschen. Mir begegnet die Liebe in ganz verschiedenen Momenten:

Wenn Sara auf der Kinderfreizeit ein großes Herz malt für ihre Eltern und ihre kleine Schwester. Auch ihren Hund vergisst sie nicht. Wenn Leonie und Alexander vor der kirchlichen Trauung erzählen, dass sie sich über das Internet kennengelernt haben und sie sich sofort super verstanden haben. Natürlich legen sie ein Herz aus Buchsbaum um die Stühle in der Kirche. Wenn August mit leuchtenden Augen von der ersten Begegnung mit seiner Inge erzählt. Sie feiern gerade ihren 60. Hochzeitstag. Wenn Maria im Pflegeheim der alten Frau zum Geburtstag Rosen schenkt. Der Duft erinnert sie an die Rosen im eigenen Garten. Wenn Britta mit den Tränen kämpft, weil die Liebe zu Sven im Alltag untergegangen ist. Sie ist erstmal aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Wenn ich die faltige Hand von Kurt sehe, mit der er am Sterbebett die Wange von seiner Frau streichelt. Worte brauchen die beiden nicht. Wenn Charlotte erzählt, dass ihre Freundin sie im lockdown jede Woche anruft. Wenn es wieder erlaubt ist, will sie sich mit einer Umarmung bei ihr bedanken. Wenn Markus seinem Patenkind Max verspricht, immer für ihn da zu sein. Er will ihm von Gottes Liebe erzählen. Wenn ich die Rose auf dem Grab von Sophie sehe. Ihr Mann hat sie zu ihrem fünften Todestag hingelegt. Beim Spaziergang hat er mir seine neue Partnerin vorgestellt. Wenn Patrick auf dem Konfirmandenferienseminar gespannt darauf wartet, von Annika eine Gute-Nacht-Post zu bekommen. Vor drei Tagen hat er sie zum ersten Mal gesehen. Wenn …

Soviel Liebe. Ohne Liebe könnten wir nicht leben. Wie wunderbar, dass Gott uns Menschen liebt und uns mit der Fähigkeit zur Liebe geschaffen hat.

Christa Hafermann, Pastorin in der ev.-luth. Kirchengemeinde Kolenfeld

und stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Jagd auf den Konjunktiv - 30.1.2021

Keine andere Form von Verben bringt die Zuhörenden so zur Weißglut und die Akteure gleichzeitig so in Wohlgefallen wie der Konjunktiv. In Sitzungen von Gremien in Politik, Vereinen und auch der Kirche ist der zu finden, füllt die Sitzung und lässt ein gutes Gefühl zurück. Dabei sagt es nichts aus: „Man müsste mal…“, „man könnte doch…“, „wir sollten auch…“. Der uns in der Schule als „Möglichkeitsform“ vermittelte Konjunktiv, sagt noch nicht einmal aus, ob es möglich ist.  Und so kann man sich ergehen in Floskeln, ohne wirklich etwas zu bewegen. Herrlich für die einen, frustrierend für die, die warten.

Dem Ex-Präsidenten der USA Dwight D. Eisenhower wird ein Prinzip zugeschrieben, das immer wieder fragt, was ist dringend und was ist wichtig. Das Eisenhower-Prinzip dient der Priorisierung: Zuerst das, was dringend und wichtig ist, dann das Wichtige, dann das Dringende. Alles, was weder noch ist, kann wegbleiben. Wenn wir Menschen danach handeln, werden es diese dringlich-wichtigen Aufgaben kategorisch verbieten, herum zu lamentieren. Man wird vielmehr den Fokus auf die Erledigung der Aufgabe setzen.

Alle Zuschauenden verstehen es nicht, wenn anvertraute Aufgaben nicht erledigt werden oder wenn es keinen sichtbaren Erfolg gibt. Es muss allen Amtsträgern klar sein, dass sie immer wieder unter Beobachtung stehen: Machen sie was oder reden sie nur? Für ein „Man müsste mal“ ist da keine Zeit, kein Platz und kein Verständnis. Schöne Worte helfen nicht, sondern das Handeln: Verändern, Gestalten, Helfen.

In diesem Jahr sind die Christen im deutschsprachigen Raum durch eine Jahreslosung, die man wie ein Motto sehen kann, besonders zur Barmherzigkeit aufgerufen, diese Art der praktischen Nächstenliebe. „Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Sie muss sich in Taten zeigen, die der Wahrheit entsprechen: der Liebe, die Gott uns erwiesen hat“. So steht es im 1. Brief des Johannes. Keine schönen Worte, handeln. Ohne Konjunktiv.

Ab 17. Februar ist Fastenzeit. Ein „Konjunktiv-Fasten“ – ein bewusstes Verzichten auf die Möglichkeitsform bis Ostern – ist dabei ein gutes Ziel, damit wir als Gesellschaft einen echten Schritt nach vorne kommen.

Prädikant Jörg Mecke, Idensen

Schütten wir Gott unser Herz aus - 16.1.2021

Liebe Leser*in,

ich kann/ mag es nicht mehr hören. Corona hier – Corona da. Weitere Kontaktbeschränkungen und steigende Todeszahlen. Ich sehe die Menschen, deren Leben durch das Corona-Virus verändert wurde. Die Erkrankten und diejenigen, die um einen geliebten Menschen trauern. All die vielen Selbstständigen, Betriebe und Läden, die ums Überleben kämpfen, weil sie nicht öffnen dürfen. Ich sehe die Schüler*innen, die sich den Herausforderungen des Homeschoolings stellen müssen, die erschöpften Eltern, die einsamen Alten. Die Lage ist schlimm und gefährlich. Ich mag mich an jedes mutmachende Wort klammern, an jede Erzählung von Menschen, die Covid-19 gut überstanden oder für sich gute Wege in der Krise gefunden haben.

Im Buch der Psalmen finden sich viele Gebete von Menschen, die eine Krisenerfahrung erleben mussten. Man spricht hier von den sogenannten Klagepsalmen, sie sind sogar die am meisten vertretene Gattung in den Psalmen. Und sie laufen alle nach demselben Schema ab: Zuerst wird Gott angerufen, z.B. „Herr, wie lange willst du mich so ganz vergessen?“ (Ps 13,2). Daraufhin schildert der Betende Gott seine lebensbedrohliche Notlage, oft wird dabei nach dem Grund und Sinn dieses Leides gefragt. Es folgt die Bitte, dass Gott die Not beenden möge. Dann schließt der Klagepsalm mit der Versicherung, dass man auf Gott vertraue, z.B. „Ich traue aber darauf, dass du gnädig bist.“ (Ps 13,6)

Vielleicht müssen wir mehr Klagen. Und damit meine ich nicht das Beschweren darüber, dass man mit den Maßnahmen a), b), c) diese Situation besser in den Griff bekommen würde. Sondern lasst uns Gott unser Leid klagen. Jede*r für sich. Wir könnten die Tradition wieder aufleben lassen und Gott viel öfter unser Herz ausschütten. Denn nichts anderes ist die Klage, als Gott zu sagen, was uns belastet. Um am Ende darauf zu hoffen, dass wir diesen schweren Weg nicht allein gehen, sondern gemeinsam mit ihm.

Marit Ritzenhoff, Luthe

Ich brauche weniger, und es entsteht mehr! - 9.1.2021

Plädoyer für ein bewusst gefeiertes Weihnachtsfest

In diesem Jahr war ich am 2. Weihnachtstag wirklich erledigt. Die Corona-Weihnacht hat Gottes ehren- und hauptamtlichem „Bodenpersonal“ in den Gemeinden viel abverlangt. Wenn auch diese Arbeit – und ganz besonders in diesem Jahr – eine unvergleichlich befriedigende und schöne ist.

Ich will auch nicht jammern. Ihnen mag es ähnlich ergangen sein, dass Sie vor lauter Vorbereiten und Feiern-Müssen die Andacht nicht mehr spüren, die uns das Weihnachtsfest bescheren will.

Ich jedenfalls dachte mir am 26. Dezember, Ausschlafen und ein paar Tage mit weniger Terminen ersetzen noch kein Weihnachtsfest. Ich wollte mehr: Ich wollte mir Zeit nehmen, um Weihnachten wirklich zu genießen, die „frohe“ Botschaft, das Evangelium in meinem Hause nachklingen zu lassen und mich daran zu erfreuen. Ich sang meiner Familie das Lied „The twelve days of christmas“ vor und gab bekannt, dass ich jeden dieser Weihnachtstage feiern wollte.

Und wie ich so dabei war, fiel mir etwas auf, das im Trubel des rasanten Alltags verloren gegangen war: Damit die Freude über das Kind in der Krippe ankommt, brauche ich weniger Einträge im Kalender, weniger Zeit am PC, überhaupt einfach weniger. Ich brauche weniger, und es entsteht mehr.

Zwei Beispiele dafür: Am fünften Weihnachtstag machte ich einen Besuch ohne anschließenden Termin. Und – o Wunder: Ohne Zeitdruck kamen im Gespräch Themen auf den Tisch, die lange nicht hervorgeholt worden waren. Hinterher draußen auf der Straße war ebenfalls Zeit, nochmal stehenzubleiben und mit jemandem, die ich von einem Trauergespräch kenne, ein bisschen zu reden.

Auch im Privaten: Am siebten Weihnachtstag nahm ich mir Zeit, endlich mal ein Brot zu backen, es zu probieren und beim Nachmittagskaffee zu diskutieren, welche Nüsse und Kerne drin schmecken und welche nicht. Und weil man da so gemütlich zusammensitzt, holt einer Karten raus, und es wird kräftig Uno gespielt. Dabei brennen die Kerzen am Tannenbaum, die anzuzünden schon 5 Minuten dauert.

Mein Resümee: Wenn ich mich bewusst entscheide, mit Zeit und Ruhe etwas zu machen, zieht es Kreise, nimmt andere mit hinein, Gespräche entstehen von selbst, Zufriedenheit breitet sich aus, Dankbarkeit für das besondere Weihnachtsgeschenk vom Kind in der Krippe: Ich brauche weniger, und es entsteht mehr.

Pastorin Susanne v. Stemm, Kirchengemeinde „Zum Heiligen Kreuz“ Bokeloh