so beginnt mein Konfirmationsspruch. Auch heute – gut vierzig Jahre nach meiner eigenen Konfirmation gefällt er mir sehr gut. Er passt zu einem – meinem – ganzen Leben.

Das Bild vom Weg für das eigene Leben hat mich schon als 14-jährige Jugendliche angesprochen. Und wenn ich an mein Leben denke, dann gab es viele Wegstrecken, die wie ein Spaziergang am Strand gewesen sind – mit dem weiten Meer vor Augen und dem frischen Wind um die Nase. Andere Wegstrecken sind wie Berge gewesen, die ich als große Herausforderung erlebt habe. Der Ausblick, wenn der Gipfel geschafft war, hat mich für manche Mühe entschädigt. Ganz oft sind Menschen auf meinem Lebensweg zu sehen, die einen Teil meines Weges begleitet haben und mir ans Herz gewachsen sind.

Wie könnte ich die aktuelle Zeit beschreiben? Vielleicht als ein Gehen auf sehr unsicherem Grund, wo wir nur tastend und von Tag zu Tag denkend vorankommen. Vielleicht als einen  Weg, an dem das Geländer fehlt, was mir Sicherheit gibt. Auf alle Fälle als einen völlig neuen und unbekannten Weg, den ich in keiner Weise mit irgendetwas vergleichen kann, wo ich schon mal gewesen bin oder was mir vertraut vorkommt. Und es ist ein Weg, bei dem ich das Ende noch nicht sehen kann. Ich kann es noch nicht abschätzen, wie lange der Weg noch geht und meine Kräfte entsprechend einteilen. Außerdem fehlt mir die Gemeinschaft von Menschen auf meinem derzeitigen Weg.

Weise mir Herr, deinen Weg. Da ist es gut, nochmal genau und ganz den biblischen Psalm zu hören: weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.

Vertrauen auf Gott, das hilft auch durch unsichere Zeiten und ungewisses Gelände. Es geht nicht allein um meinen Weg. Christliches Leben ist nie ein Leben nach dem Motto: „me first“ auf Kosten der anderen. Es geht vielmehr um seinen Weg, also um den Weg, den Gott für mich bereithält. Und Gott wird mich begleiten auf diesem Weg. Das gibt Sicherheit.

An diesem Sonntag hätten wir in Kolenfeld 16 Mädchen und Jungen konfirmiert und ihnen Gottes Segen für ihren Lebensweg mitgegeben. Sie werden sich bestimmt nicht an alles aus dem Konfer erinnern. Aber sie werden auch noch zur Goldenen Konfirmation erzählen können, dass ihre Konfirmation aufgrund des Coronavirus verschoben werden musste. Hoffentlich können sie auch von Gottes Begleitung auf ihrem Lebensweg erzählen und von dem, was sie mit ihrem Konfirmationsspruch erlebt haben. Konfirmation – das Wort bedeutet Stärkung, Bekräftigung. Ich hoffe, dass sie genau das mitnehmen: unser Glaube schenkt Kraft für einen ganzen Lebensweg - auch wenn er unsichere Zeiten beinhaltet.

Christa Hafermann, stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf und Pastorin in der ev.-luth. Kirchengemeinde Kolenfeld