Quelle: Evangelischer Kirchenfunk Niedersachsen-Bremen, J. Schultz „Nein, wir haben keinen Platz für euch!“ – diesen Satz kennen wir aus unzähligen Krippenspielen. Für Maria und Josef gab es keinen Raum in der Herberge. Letztlich kamen sie in einem Stall unter, „…. denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lk 2,7b). Eine „Herberge“ war ursprünglich eine „Bergung“, also eine Unterkunft für das Heer. Dieses altertümliche Wort wurde in den letzten Wochen und Monaten wieder häufiger in unserem Sprachgebrauch verwendet. Die Hotels und Ferienhäuser mussten schließen und selbst über Weihnachten ist es nicht erlaubt, jemanden zu „beherbergen“ - für Gastronomen und Hotelbetreiber eine schwierige Situation. Es ist wahrhaft eine seltsame Zeit, in der wir in dieses Jahr Weihnachten feiern. Vieles ist anders als sonst: kein Weihnachtsgesang in der Kirche, keine vollen Kirchen und deutlich weniger Menschen gemeinsam unter dem Tannenbaum. Was bleibt da noch von Weihnachten?

Auf die Frage von Journalisten, ob angesichts steigender Coronainfektionszahlen Weihnachten in diesem Jahr überhaupt stattfindet, antwortete der ev. hannoversche Bischof Meister jüngst: „Natürlich findet Weihnachten, das Fest der Menschwerdung Gottes, statt.“

Und weil dazu für viele Menschen auch Gottesdienste gehören, werden mit großer Sorgfalt Gottesdienste in Kirchen und im Freien geplant. Es gibt aber auch viele, die aus Sorge vor der Pandemie in diesem Jahr bewusst darauf verzichten. Doch selbst das hindert nicht daran Weihnachten zu feiern: Es gibt etliche Angebote wie Onlinegottesdienste oder Rundfunk- und Fernsehgottesdienste. Oder den Vorschlag, am Heiligabend selbst zu Hause zeitgleich mit vielen anderen Christenmenschen eine Hausandacht zu feiern (s. www.michaeliskloster.de/in-zeiten-von-corona/gottesdienst-zeitgleich/heiligabend-gottesdienst-zeitgleich). Das Fenster öffnen, auf die Glocken vor Ort hören und eine Kerze entzünden. Das muss nicht unbedingt vor dem festlich geschmückten Baum sein - vielleicht suchen Sie sich dazu bewusst einen unpassenden, unordentlichen Ort aus, der nicht so behaglich ist. Der erste Weihnachtsabend fand ja auch an einem kalten und dunklen Ort statt.

Denn das „Beherbergungsverbot“ im Lukasevangelium ist nur der zweite Teil des entscheidenden Verses der Weihnachtsgeschichte. Sein erster Teil lautet: „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; …“ (Lk 2,7a). Jesus wurde in einem armseligen Stall geboren. Dort wurde Gott Mensch. Das bedeutet: Gott kommt unter den widrigsten Umständen zu dir und zu mir! Gott lässt uns darin nicht allein! Er kommt mitten hinein in die Welt mit allem, was in ihr gut und auch schlecht ist. Er kommt trotz aller Widersprüche, allem Leid und aller Trauer und er setzt sich dem allen aus. Gott will mit dem Kind in der Krippe bei mir, Teil meines Lebens, sein. Jemand, der an meiner Seite ist, dem ich vertrauen kann. Zu ihm kann ich in den dunkelsten Stunden des Lebens kommen und mich ihm anvertrauen. Beherbergen wir ihn immer wieder in unserem Leben. Und geben wir in dieser besonderen Zeit auch denen eine „Herberge“, die keine haben.

Das kann an diesem Weihnachtsfest auch im übertragenen Sinne sein. Eine Herberge der guten Wünsche und Worte. Eine Herberge, die kontaktlos und mit der gebotenen Umsicht und Vorsicht, aber dennoch mit Freude und Einfallsreichtum signalisiert: Du bist nicht allein in dieser Zeit, ich bin bei dir!

Ihnen und Ihren Lieben auch in diesem Jahr eine gesegnetes Weihnachtsfest - trotz Beherbergungsverbot!

Ihr Michael Hagen, Superintendent