Liebe Leserin und lieber Leser,

knapp zwei Wochen ist es nun her, dass mit der Schließung von Kindergärten und Schulen großflächige Maßnahmen zur Begrenzung der Ansteckung eingeführt wurden. Mir kommt das wie eine Ewigkeit vor. Die Nachrichtenkanäle sind voll. Die Nerven liegen blank. Es fällt schwer, zur inneren Ruhe zu kommen. Täglich werden wir mit neuen Informationen überschüttet. Täglich gibt es grausame Bilder aus Weltregionen mit schlechter aufgestellten Gesundheitssystemen. Menschen sterben, weil es für sie keine Krankenhäuser gibt. Menschen sterben auch, weil nicht alle Staaten so umfangreiche wirtschaftliche Unterstützungen zusagen können.

Mir ist es wichtig in diesen Zeiten auf die kleinen Lichtblicke zu sehen. Bei aller Vereinzelung erlebe ich Menschen, die sich auf den Straßen fröhlich zuwinken. Wir dürfen uns nicht die Hände schütteln, wahrnehmen dürfen wir uns doch. Nachbarn gehen aufeinander zu, bieten Einkaufshilfe an. Anfang der Woche haben deutsche Krankenhäuser schwerkranke Patienten aus Italien und Frankreich aufgenommen, weil bei uns noch nicht alle Kapazitäten gebraucht wurden. Immer mehr Menschen drücken in kleinen Gesten ihren Dank an die aus, die jetzt durch ihre Arbeit die systemrelevanten Bereiche am Laufen halten. Kirchengemeinden finden kreative Wege um über die neuen Medien stützende Angebote zu machen. Pastorinnen und Pastoren stehen im Chat oder am Telefon für Seelsorge zur Verfügung. Konzerne wie facebook und youtube, sonst nur am Erfolg orientiert, reduzieren freiwillig das Datenvolumen, damit wir verbunden bleiben können. Fast alle tragen die belastenden Einschränkungen des Alltags gerne mit, weil so die Chance besteht, dass die besonders Gefährdeten vor Ansteckung bewahrt und alle anderen vor Krankheitsverläufen ohne den Rückhalt eines freien Krankenhausbettes geschützt werden. Im Wochenspsalm 43 heißt es: „Gott, sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten!“ In vielen Regionen zünden Menschen abends um 19 Uhr eine Kerze an und stellen sie in ein Fenster zur Straße. Hier brennt Gottes Licht. Wir bleiben in der Hoffnung auf ihn verbunden!

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf