Was messen wir momentan nicht alles? Den Abstand, den Reproduktionsfaktor R und vieles andere mehr. Manchen Menschen geht es viel zu weit und andere Menschen haben Angst, dass es nicht weit genug geht. Von der Freiheit in der Entfaltung bis zur Verschonung vor einer zweiten Corona-Welle ist alles an Meinungen dabei. Unsere gewählten Vertreter in Gremien, die ja der Lehre nach ein Abbild der Gesellschaft sind, handeln dabei im Sinne des Volkes und erlassen entsprechende Regeln. Auch wenn die Regeln unserer Gesellschaft nicht immer durchsichtig sind, helfen sie doch beim Miteinander unheimlich: Wann darf ich was machen? Nur wenn für alle die gleichen Regeln gelten, merken wir, dass eine Gemeinschaft gerecht ist. Begonnen mit den 10 Geboten der Bibeln bis zur Auswirkung in den heutigen Gesetzestexten sind sie vom Grundsatz her für alle gleich und Verstoße werden geahndet – mit Geldbußen oder anderen Strafen. Das kann man gut finden oder nicht. Es ist nur so, dass es ohne Sanktionierung eines Regelbruchs zum „Verfall der Sitten“ kommt. Warum soll ich mich an eine Regel halten, wenn jemand anderem das nicht zur Last gelegt wird? Das ist gut zu beobachten beim Sport, beispielsweise beim Handball. Die Spielenden beobachten sehr genau, wie die Schiedsrichter sanktionieren. Und so verschieben sich Grenzen anhand einer imaginären Linie, was erlaubt ist und was nicht. Und schnell wird bei den Fans klar: Freude hat man im Spiel nur, wenn sich alle an die Regeln halten und/oder der Verstoß sanktioniert wird.

Nicht anderes ist es bei der Arbeit, in Vereinen und Verbänden und sogar in der Kirchengemeinde: Wirkliche gemeinsame Freude kommt nur dann auf, wenn sich alle an die verabredeten Regeln halten. Dann wird gemeinsam gelacht, dann entsteht das Wir-Gefühl. Deswegen ist es der größte Respekt gegenüber unseren Mitmenschen, wenn wir uns an die Regeln halten, die sich eine Gruppe gegeben hat. Und deswegen ist das auch die wichtigste Regel (Matth. 22) »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Damit erklärt sich alles von selbst.

Jörg Mecke, Prädikant Idensen