… die längst erstorben schien. Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.“ Nach und nach geht es wieder los – etwas ungeordnet, wie es scheint. Es darf wieder in allen Geschäften gekauft werden, auch Schulen haben zum Teil wieder geöffnet – jedenfalls für manche Klassenstufen und an manchen Orten auch für alle. Gottesdienste haben in vielen Gemeinden wieder begonnen und bestehen im Internet fort. Das Leben bricht sich Bahn und eine Form von „Normalität“ kehrt ein. Städte sind wieder voller, der Verkehr steht wieder still an manchen Stellen, wo sonst kaum welcher gewesen war und selbst Flugreisen scheinen wieder machbar – Urlaub und Sommerferien winken.

„Normalität“ – war ist das? Für 90% der Bevölkerung dieser Erde sind Flugreisen vollständig unnormal und viel zu teuer und Urlaub in der Ferne? Arbeit in der Ferne schon eher, z.B. in den Schlachthöfen bei uns für Menschen die 1.000de Kilometer entfernt wohnen und Zuhause nur Tage verbringen, wenn sie längere Zeit frei haben.

„Liebe lebt auf, die längst erstorben schien.“ Wir machen uns Gedanken über Homeoffice, Kinderbetreuung, über Menschen, die ihre sterbenden Verwandten begleiten wollen, ihre Väter, Mütter, Großeltern in Pflegeheimen besuchen wollen und die, die für andere da sind in Medizin, Pflege, …; darüber, wie wichtig Nähe, Geborgenheit und Gemeinschaft sind, um gesund werden oder bleiben zu können.

„Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“ Grün, Farbe der Hoffnung, neuer Anfang, Potential für Wachstum. Nicht für das der Wirtschaft vielleicht, sondern für das Notwendige: Liebe, Zuversicht, einen besseren Umgang mit anderen Menschen, mit der Schöpfung Gottes und die Erkenntnis, dass das Lebens-notwendige zwischenmenschlich ist und das Mittel zum Leben auf Feldern, Streuobstwiesen und in Gärten, auf Weiden und Äckern gedeiht und nicht durch höher, schneller, weiter, größer, mehr vom einen Kuchen für mich, statt auch ausreichend – auch für Andere.

Jesus hat gesagt: „Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr für mich getan.“ Die Ausrichtung des Lebens erfolgt für ihn von denen her, die Hilfe brauchen, die die Schwächsten sind und misst sich nicht an den Stärksten.

Exaudi heißt der morgige Sonntag: Höre! Die Jünger Jesu stehen alleine da. 40 Tage nach Ostern haben sie sich endgültig von Jesus verabschieden müssen. Er ist zurückgekehrt zu seinem und unsrem Vater. Christus ist in den Himmel aufgefahren, der HERR der Jüngerinnen und Jünger. Er hat versprochen, dass er wiederkommen wird – aber wann? Er hat versprochen, uns mit Hilfe und Trost auszustatten, damit seine Botschaft von der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen und zu seiner Schöpfung, zu jedem Menschen kommt und überall auf der Welt weitergesagt wird.
Bei denen, die bei Jesus in die Schule des Lebens gegangen sind, herrscht Traurigkeit über den Abschied von ihm und Vorfreude und gespannte Erwartung auf das, was kommt; auf das, was da Neues werden kann. Es lebt der Wunsch, ein Teil dessen zu sein, Teil einer neuen Gemeinschaft, die allein aus der Liebe Gottes und dem Vertrauen auf ihn leben kann; Trost und Hilfe erhalten und weitergeben können, für andere da sein und sich nicht zuerst um sich selbst sorgen.

Ich wünsche uns die Gewissheit, dass nicht die/nicht unsere „Normalität“ wiederkehren muss, sondern wir gemeinsam unser Miteinander neu gestalten können – bei uns vor Ort und in dieser Welt. Übrigens: „Höre!“ heißt der Sonntag nach Psalm 27 "Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich!“ Vielleicht haben auch Sie, hast auch Du eine Bitte. Beten können wir alle, nicht nur in der Not.
Für Bitten in einem Gottesdienst der kommenden Zeit: fuerbitte@email.de
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