Keine andere Form von Verben bringt die Zuhörenden so zur Weißglut und die Akteure gleichzeitig so in Wohlgefallen wie der Konjunktiv. In Sitzungen von Gremien in Politik, Vereinen und auch der Kirche ist der zu finden, füllt die Sitzung und lässt ein gutes Gefühl zurück. Dabei sagt es nichts aus: „Man müsste mal…“, „man könnte doch…“, „wir sollten auch…“. Der uns in der Schule als „Möglichkeitsform“ vermittelte Konjunktiv, sagt noch nicht einmal aus, ob es möglich ist.  Und so kann man sich ergehen in Floskeln, ohne wirklich etwas zu bewegen. Herrlich für die einen, frustrierend für die, die warten.

Dem Ex-Präsidenten der USA Dwight D. Eisenhower wird ein Prinzip zugeschrieben, das immer wieder fragt, was ist dringend und was ist wichtig. Das Eisenhower-Prinzip dient der Priorisierung: Zuerst das, was dringend und wichtig ist, dann das Wichtige, dann das Dringende. Alles, was weder noch ist, kann wegbleiben. Wenn wir Menschen danach handeln, werden es diese dringlich-wichtigen Aufgaben kategorisch verbieten, herum zu lamentieren. Man wird vielmehr den Fokus auf die Erledigung der Aufgabe setzen.

Alle Zuschauenden verstehen es nicht, wenn anvertraute Aufgaben nicht erledigt werden oder wenn es keinen sichtbaren Erfolg gibt. Es muss allen Amtsträgern klar sein, dass sie immer wieder unter Beobachtung stehen: Machen sie was oder reden sie nur? Für ein „Man müsste mal“ ist da keine Zeit, kein Platz und kein Verständnis. Schöne Worte helfen nicht, sondern das Handeln: Verändern, Gestalten, Helfen.

In diesem Jahr sind die Christen im deutschsprachigen Raum durch eine Jahreslosung, die man wie ein Motto sehen kann, besonders zur Barmherzigkeit aufgerufen, diese Art der praktischen Nächstenliebe. „Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Sie muss sich in Taten zeigen, die der Wahrheit entsprechen: der Liebe, die Gott uns erwiesen hat“. So steht es im 1. Brief des Johannes. Keine schönen Worte, handeln. Ohne Konjunktiv.

Ab 17. Februar ist Fastenzeit. Ein „Konjunktiv-Fasten“ – ein bewusstes Verzichten auf die Möglichkeitsform bis Ostern – ist dabei ein gutes Ziel, damit wir als Gesellschaft einen echten Schritt nach vorne kommen.

Prädikant Jörg Mecke, Idensen