Kennen Sie das auch: Sie bekommen eine Nachricht über E-Mail oder einen Nachrichtendienst wie WhatsApp und es wird an der Anrede gespart? Eine Person, die Sie seit Wochen nicht gesehen haben, schreibt: Kannst Du mir das … mal ausleihen? Wie wäre es mit „Hallo Jörg!“? Mir passiert es immer häufiger, dass ich solche Nachrichten bekomme, wo jegliche Anrede fehlt oder wo ich schrieb „Sehr geehrter Herr…“ und bekam zurück: „Hallo, vielen Dank für die Information“.  Was? Ich habe doch einen Namen… Der steht sogar im Absender und ist gar nicht so schwierig zu tippen….

Das sind an sich komische Umgangsformen, die es tendenziell an Respekt und Freundlichkeit mangeln lassen. In der Rhetorik heißt es, der Mensch höre nichts so gerne wie seinen Namen. Ich kann diese These weder belegen noch widerlegen. Aber in der Tat schafft eine persönliche Anrede eine gute Beziehungsebene mit mehr Vertrauen und auch ein Stück Verbindlichkeit.  Warum kommt diese gute Sitte dann abhanden? Ist es Faulheit oder Desinteresse an der oder dem Nächsten?

Im Alten Testament steht bei Jesaja 43, 1b: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ So spricht Gott zum Volk Israel in einem Abschnitt mit dem Titel „Gott erlöst sein Volk“. Gott geht mit gutem Beispiel voran und das damals schon. Schöner wäre nur noch eine Vervollständigung des Satzes gewesen: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein Freund!“ oder „du bist mein liebenswertes Geschöpf!“ So wie Gott dem Volk Israel Nähe und Geborgenheit vermittelt wollte, ist es auch heute, wenn wir uns beim Namen rufen und uns dabei aus der Anonymität holen.

Es muss ja nicht immer so ausführlich sein. Aber jemanden mit dem Namen zu begrüßen und vielleicht noch etwas Nettes dazuzusagen, hat einen wunderbaren Effekt. So wie „Guten Morgen, Herr Meier. Ich hoffe, Sie kommen gut durch diese schwierige Zeit. Ich wollte Sie noch fragen…“. Ein gewisses Niveau in der Kommunikation zwischen Menschen ist Gold wert und schafft ein friedliches Miteinander, was sehr im Sinne eines christlichen Grundverständnisses ist.

Prädikant Jörg mecke, Idensen