Plädoyer für ein bewusst gefeiertes Weihnachtsfest

In diesem Jahr war ich am 2. Weihnachtstag wirklich erledigt. Die Corona-Weihnacht hat Gottes ehren- und hauptamtlichem „Bodenpersonal“ in den Gemeinden viel abverlangt. Wenn auch diese Arbeit – und ganz besonders in diesem Jahr – eine unvergleichlich befriedigende und schöne ist.

Ich will auch nicht jammern. Ihnen mag es ähnlich ergangen sein, dass Sie vor lauter Vorbereiten und Feiern-Müssen die Andacht nicht mehr spüren, die uns das Weihnachtsfest bescheren will.

Ich jedenfalls dachte mir am 26. Dezember, Ausschlafen und ein paar Tage mit weniger Terminen ersetzen noch kein Weihnachtsfest. Ich wollte mehr: Ich wollte mir Zeit nehmen, um Weihnachten wirklich zu genießen, die „frohe“ Botschaft, das Evangelium in meinem Hause nachklingen zu lassen und mich daran zu erfreuen. Ich sang meiner Familie das Lied „The twelve days of christmas“ vor und gab bekannt, dass ich jeden dieser Weihnachtstage feiern wollte.

Und wie ich so dabei war, fiel mir etwas auf, das im Trubel des rasanten Alltags verloren gegangen war: Damit die Freude über das Kind in der Krippe ankommt, brauche ich weniger Einträge im Kalender, weniger Zeit am PC, überhaupt einfach weniger. Ich brauche weniger, und es entsteht mehr.

Zwei Beispiele dafür: Am fünften Weihnachtstag machte ich einen Besuch ohne anschließenden Termin. Und – o Wunder: Ohne Zeitdruck kamen im Gespräch Themen auf den Tisch, die lange nicht hervorgeholt worden waren. Hinterher draußen auf der Straße war ebenfalls Zeit, nochmal stehenzubleiben und mit jemandem, die ich von einem Trauergespräch kenne, ein bisschen zu reden.

Auch im Privaten: Am siebten Weihnachtstag nahm ich mir Zeit, endlich mal ein Brot zu backen, es zu probieren und beim Nachmittagskaffee zu diskutieren, welche Nüsse und Kerne drin schmecken und welche nicht. Und weil man da so gemütlich zusammensitzt, holt einer Karten raus, und es wird kräftig Uno gespielt. Dabei brennen die Kerzen am Tannenbaum, die anzuzünden schon 5 Minuten dauert.

Mein Resümee: Wenn ich mich bewusst entscheide, mit Zeit und Ruhe etwas zu machen, zieht es Kreise, nimmt andere mit hinein, Gespräche entstehen von selbst, Zufriedenheit breitet sich aus, Dankbarkeit für das besondere Weihnachtsgeschenk vom Kind in der Krippe: Ich brauche weniger, und es entsteht mehr.

Pastorin Susanne v. Stemm, Kirchengemeinde „Zum Heiligen Kreuz“ Bokeloh