Nichts erwartet uns. Kein Weihnachtsmarkt. Keine Weihnachtsfeier. Gar nichts. Sozialer Rückzug hat bei uns Einzug gehalten. Das tut weh. Zudem ist Einsamkeit auch sehr gefährlich. Und wie viele Existenzen bangen um ihr Überleben. Welch eine Angst! Das ist ein sehr hoher Preis für eine Situation, die wir nicht wollten. Wenn wir uns machtlos fühlen, werden wir zornig oder einsichtig. Der Zorn leugnet die Situation. Er will mit Macht das Gewünschte wiederherstellen. Die Einsicht hingegen gestaltet die neue Situation. Sie ahnt, dass am Alten auch etwas nicht gestimmt hat. Vielleicht verlangt die heutige Zeit von uns Einsicht. Etwa, dass unsere menschlichen Gewissheiten bei weitem nicht ausreichen. Dass wir alle viel zu kurzatmig geworden sind im Warten. Wir haben verlernt, eine wirkliche Erwartungshaltung auszubilden. Die braucht’s aber, wenn Neues kommen soll. Was wirklich zählt, ist diese Bereitschaft, eine Erwartungshaltung auszubilden, die auf das gerichtet ist, was wir Menschen nicht selbst machen können. Der Glaube hält eine solche Erwartung für berechtigt. Er versteht Gottvertrauen nicht als ein Privileg der Frommen. Es ist eine Haltung, die allen Menschen offensteht. Wie paradox: wir sind isoliert und entdecken gerade in diesem Advent, der so viel stiller ist als all die anderen, eine große Gemeinsamkeit unter uns Menschen. Unser Leben liegt nicht in unserer Hand. Wir leben von Voraussetzungen, die wir nicht selbst machen. Was wirklich zählt ist Gottvertrauen. Das entsteht, wenn wir unsere Erwartung an ihn und nicht an uns oder andere richten. Gott ist wie ein Licht in dunkler Zeit. Wir müssen warten, dass sich unsere Augen daran gewöhnen. Doch dann sehen wir das Licht. Die stille Adventszeit hilft, dass wir unsere Erwartungen wieder mehr auf Gott ausrichten. Dieses Gottvertrauen wünsche ich uns allen in dieser dunklen Zeit. 

Pastor Tilman Kingreen, Hannover