Die beeindruckende Größe und Erhabenheit der Kuppel der Blauen Moschee, fand ihren Gegensatz im Büro des Imam, in dem sich zum interreligiösen Austausch etwa 37 Personen (die Frauen mit bedecktem Haupthaar) versammelten.

Die Reisegruppe verteilte sich auf allem, was sich zum Sitzen eignete -  einschließlich des Fußbodens – und füllte so das Büro komplett aus.

Das Gespräch wurde auf Englisch geführt und der Imam  „Isaak“ beschrieb zunächst routiniert die Voraussetzungen für seine Tätigkeit.

Als Imam muss er den Koran auswendig kennen und er ermunterte seine Gäste direkt dazu, ihn zu prüfen. Ein Imam ist kein „Geistlicher“ sondern ein Lehrer und Beamter des (türkischen) Staates.

Er leitet die ritualisierten Gebete (fünfmal am Tag), die von Gesten und Bewegungen begleitet werden und sehr stark von Wiederholungen geprägt sind. Manche Gebetsformeln werden mehr als 30mal nacheinander gesprochen. Frauen und Männer beten getrennt und in der blauen Moschee sind den Frauen vor allem die Emporen vorbehalten. Sie dürfen aber auch zu Hause beten, wenn sie die Kinder und den Haushalt versorgen müssen.

Der Imam unterrichtet außerdem an Koranschulen und kümmert sich um Besuchergruppen.

Islam bedeutet „Unterwerfung“ unter Gottes Willen, der im Koran durch den Propheten Mohammed wortwörtlich festgehalten wurde. Darum sollte der Koran möglichst in arabischer Sprache gelesen werden, weil jede Übersetzung auch Veränderung bedeutet.

Die Unterschiede zum Christentum deuten sich schon im Grundbekenntnis des Koran an: Allah ist groß und Allah ist einer.

Der Imam drückt es so aus, dass Gott keine „Familie“ hat. Zwar wird Jesus im Koran als Prophet gesehen, aber der trinitarische Gedanke (Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist) ist im Koran undenkbar.

Danach gefragt, ob Christen für ihn, bzw. aus Sicht der Muslime „Ungläubige“ seien, sagte der Imam: Gott hat den Menschen den Koran gegeben und jeder, der danach lebt, kann ins „Paradies“ gelangen. Und jeder kann immer noch umkehren und sich zum Islam bekennen...

Auf die Frage nach seiner Beurteilung sogenannter „Ehrenmorde“, weist der Imam darauf hin, dass der Koran die Gegenwehr erlaubt, wenn das eigene Leben oder das eines anderen, mir nahestehenden Menschen bedroht wird. Dann darf man sich wehren und ggf. auch dem anderen das Leben nehmen.

Es wäre sicher lohnend gewesen, manche Themen zu vertiefen, aber dafür fehlte die Zeit.

Astrid Hoidis