Da liegt es das Kindlein auf Heu und auf Stroh. Es sind nur noch wenige Tage. Dann feiern wir Weihnachten, die Geburt eines ganz besonderen Kindes.

Ein Kind – dafür gibt es dieses Fest, das wir so gerne mit liebevoller Dekoration, mit strahlender Musik, mit festlichem Menü, mit vielen Gästen und teuren Geschenken feiern.

Ein Kind, das noch nichts Besonderes geleistet hat und doch etwas ganz Besonderes ist.

Ein Kind, das an einem besonderen Ort geboren ist: Bethlehem, der Ort mit königlicher Tradition – ein Königskind.  

Ein Kind, das nicht im eigens für ihn ausgestatteten Kinderzimmer die ersten Tage verbringt sondern in einem einfachen Stall – ein armes Menschenkind.

Ein Kind, das unterwegs zur Welt kommt, angewiesen auf die Freundlichkeit fremder Menschen, die Herberge und Unterkunft zur Verfügung stellen – es braucht keinen großartigen Palast.  

Ein Kind, dessen Leben unter keinem guten Stern zu stehen scheint. Und doch führt ein Himmelszeichen die Vertreter der fremden Kontinente bei diesem Kind zusammen.

Ein Kind, dessen Leben sofort bedroht ist. König Herodes zögert nicht, alle kleinen Kinder in seinem Umfeld zu töten, um seine Macht abzusichern. Aber Gott hat seine schützende Hand über dieses Kind gehalten. Maria und Josef sind mit ihm schon auf der Flucht ins Nachbarland als Herodes seinen grausamen Plan in die Tat umsetzt.   

Ein Kind - nur ein Kind? Könnte man in diesem so ganz anderen Jahr nicht einfach auf diesen Kindergeburtstag verzichten? Es ist doch nur ein Kind.

Doch: Weihnachten fällt nicht aus. Denn die Geburt dieses Kindes will gefeiert, muss besungen und darf bestaunt werden.

Das Kind, in dem sich Gott uns Menschen zeigt – das Gotteskind.

Das Kind, das uns Gott so anders zeigt: klein und verletzlich.

Das Kind, das uns zeigt, dass Gott das Leben will – sogar wenn er selbst in diesem Kind Jahre später in den Tod geht.

Das Kind, das uns zeigt, dass wahres Menschsein bedeutet, Leben zu schützen und zu bewahren.

Ein Kind, das so viel bewirkt und so viele bewegt - Gott im Menschenkind.

Ein Kind – ja, nur ein Kind, aber mehr als ein Grund, Weihnachten zu feiern.

Christa Hafermann, Pastorin in der ev.-luth. Kirchengemeinde Kolenfeld

und stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf