Drei Kinder spielen am Wasserrand des Steinhuder Meeres. Zwei Jungen und ein Mädchen.

Der eine wühlt mit seinem Fuß im Sand. Bohrt ein Loch, buddelt mit seinen Zehen. Und schüttet es mit dem anderen Fuß wieder zu. Der andere Junge wirft Steine ins Wasser. Immer nach dem gleichen Muster: Er bückt sich, pult einen Stein aus dem Sand, macht ihn an seinem T-Shirt sauber – wahweise auch mal an seiner Badehose – läuft dann zum Wasser und schmeißt ihn rein. Platsch!

Das kleine Mädchen – etwas weiter hinten, das sammelt Steine. Und baut einen Turm daraus. Solange, bis das Bauwerk in sich zusammenstürzt und die Steine durcheinanderkullern. Dann seufzt das Mädchen einmal kurz auf - und fängt wieder von vorn an.

Was für eine Geduld die drei haben. Sie vergessen beim Buddeln und mit den Steinen Zeit und Stunde, gehen ganz und gar in ihrem Spiel auf, müssen nichts beweisen, brauchen kein Ergebnis, sind ganz im Moment.

Und er, der Vater der Kinder - er liegt auf einem Handtuch und liest ein Buch. Eine interessante Abhandlung. Kann er ja vielleicht mal in die eigene Arbeit einfließen lassen.

Kurz denkt er: Die Kinder – die könnten doch auch ein bisschen Weitwurf üben. Oder einen Staudamm bauen. Etwas, das sie lehrt, bildet, weiterbringt.

"Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit" (Pred 3,5) - sagt der weise Prediger Salomo.

Weil wir Menschen das brauchen: zweckfreies Dasein, sinnlosen Zeitvertreib, herrliche Langeweile. Wenn wir Geist und Seele von den vernünftigen und zweckgerichteten Fesseln befreien, wenn wir mit dem Geist spazieren gehen und die Seele baumeln lassen, dann öffnen sich Räume, lösen sich Blockaden, entsteht Platz für Ungeahntes.

Plötzlich legt der Vater sein schlaues Buch weg und pult einen Stein aus dem Sand. Er betrachtet ihn von allen Seiten. Und schmeißt ihn ins Wasser.

Ich wünsche Ihnen in diesen Tagen des Spätsommers Zeit zum herrlichen, zweckfreien Tun!

Franziska Oberheide, Schulpastorin Ev. IGS Wunstorf