Wir wissen gar nichts. Wir wissen weder, woher das Virus kommt. Wohin es uns führt. Noch was wirklich hilft, sich davor zu schützen. Selbst die Wissenschaft, deren Name verspricht, Wissen zu schaffen, erscheint verunsichert. Wen wundert es, dass so viel Unwissenheit zu unsinnigem Wissen verleitet. Einem Wissen, das nur behauptet, etwas zu wissen. Etwa, dass es dieses gefährliche Virus gar nicht gäbe. Nun macht es aber einen großen Unterschied aus, ob jemand aus Unwissenheit behauptet etwas zu wissen. Oder ob jemand weiß, dass er unwissend ist und redlich versucht, dieser Unwissenheit Wissen abzuringen. Letzteres unterscheidet seriöse Wissenschaft von allem unseriösen Wissensgebaren.

Nun behauptet der christliche Glaube auch etwas zu wissen. Und er feiert dieses Wissen sogar. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, lautet die Osterbotschaft. Dabei handelt es sich um kein Geheimwissen aus der Kategorie: „Ich weiß etwas, was du nicht weißt.“ Glaubenswissen ist Vertrauenswissen. Worauf vertrauen wir? Das wollen wir wissen. Wenn das Gegenüber unklar wird, schwindet Vertrauen. Das gilt überall. Beim Vertrauen in einen Menschen, in die Technik, in die Politik, in Gott. Vertrauen ist nicht nur eine Haltungsfrage: will und kann ich vertrauen? Vertrauen ist ein Wechselspiel. Es lebt von mir und von meinem Gegenüber.

Gott er-löst. Diesen Glauben feiern die Kirchen zu Ostern. Wir werden nicht ab-gelöst. Das Virus will uns ab-lösen. Es konsumiert den Menschen wie eine Beute. Das Virus nimmt in Kauf, die gesamte Menschheit  auf-zulösen. Darum haben wir vor ihm zu Recht Angst. Gott er-löst. Er nimmt alles Leid von uns. Er er-hebt uns aus diesem Jammertal. Was für ein Trost in dieser trostlosen Zeit! Unglaublich? Ja! Unglaublich! Der Glaube ringt mit dem Unglauben, wie das Wissen mit dem Unwissen. Darum: wie das Wissen die Schulen braucht und die Universitäten, so braucht der Glaube die Kirchen. Orte, den Glauben zu suchen und ihn festlich zu empfangen.    

Tilman Kingreen, Pastor in Wunstorf und Hannover