Auf den Straßen große Menschenmengen – im Moment völlig undenkbar. Niemand geht grade irgendwohin in einer großen Gruppe. Nachrichten kommen nach Hause über Internet und Fernsehen, Zeitungen und Anrufe. Bot-schaften machen sich breit: Überall auf der Erde ein Virus. Achtung! Die Wirkung: lebensgefährdend für ganz viele. Es hilft nur Abstand halten, Zuhause bleiben, wenig direkter Kontakt zu anderen Menschen. Es hilft auch ausschlafen, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, …

Fastenzeit mal ganz anders?! Vieles hat sich verändert, was unser Leben sonst ausmacht oder leichter, schöner, angenehmer. Zeit zu fragen und Antworten zu finden darauf, was für unser Leben wirklich elementar ist, dringend nötig. Die Ergebnisse sind sicher nicht für alle ganz gleich.

Worum geht es wirklich? In den Gottesdiensttexten letzten Sonntag ging es um Recht und Gerechtigkeit, um Klage und Anfrage: Gott, wo bist Du? Ergreifst Du für mich Partei? Bist Du für alle da?

Hosianna = Hilf doch! Da stehen sie dicht gedrängt in den Straßen mit Palmen-zweigen und jubeln ihm zu indem sie bitten. Erwartung! Von dem, der da kommt im Namen Gottes, erwarten sie schlicht alles. Die Rückkehr in ihr Leben. Keine Besatzung, keine Einschränkung, Freiheit für den Gottesdienst, Feste und Feierlichkeiten; nicht mehr von Roms Gnaden nur die halbe Freiheit.

Wir stehen am Beginn einer neuen Woche. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. Ende.

„Hilf doch!“ Das wünschen wir uns in diesen Tagen. Impfstoff, Medikamente, Rückkehr in ein Leben ohne Beschränkungen. Es schleichen sich auch Fragen ein. Soll hinterher wirklich wieder alles so sein, wie vorher?

Fastenzeit, Zeit der Vorbereitung auf das nach dem Ende. Zeit zum Einüben der Zuversicht, die uns tragen wird schon hier und jetzt in den Einschrän-kungen, bei den einschneidenden Veränderungen. Gelegenheit zu schauen, was sein soll und werden kann und was wir gestalten können, grade weil Vieles nicht stattfindet, was sonst ablenkt. Im Moment ahnen wir mehr, als wir wissen, dass es hinterher kein weiter wie bisher geben kann und geben wird. Zu groß die Umwälzungen bis nach und nach das wieder werden könnte, was wir vor ein paar Wochen unseren Alltag genannt haben.

Wer ein Samenkorn in die Erde legt oder einen Kern, weiß, dass es Geduld braucht, bis daraus etwas wächst und Neues entstehen kann und noch mehr Geduld, bis das, was wächst selber Früchte bringt.

Jene, die einst: „Hilf doch!“ gerufen haben, hatten feste Vorstellungen, von dem, was werden sollte. Aber alles ist ganz anders geworden als gewünscht. Die Antwort auf die Frage, für wen Gott da ist und wem er hilft, hat noch eine Weile gebraucht. Ich bin nicht sicher, ob sie viel Gehör gefunden hat. Sie gilt immer neu. Für mich wird sie in zwei Namen deutlich: „Ich bin da. (2. Mose 3,14)“ und „Gott mit uns.“ Bleiben sie getragen und behütet in dieser Zeit von dem, der sich in unser aller Leben erweisen kann als der, der da ist und von dem, der mit uns ist und neu zu uns kommt, Jesus.

Diakon Heinz Laukamp, Idensen