Liebe Leserin, lieber Leser,

ist das Glas halb voll oder halb leer? Auf den ersten Blick eine blöde Frage. Der gleiche Sachverhalt wird einfach anders beschrieben. Unterm Strich aber ist es schon ein Riesenunterschied, ob ich etwas eher positiv oder eher negativ empfinde.

Für mich ist das eine Frage der Haltung. Ich bin davon überzeugt, dass der Glaube an Gott uns in eine Haltung führt, in der wir zu danken lernen. Im zweiten Vers des  103. Psalms heißt es: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Offensichtlich ist es kein neues Phänomen, dass Bitten und Klagen leichter über die Lippen kommen als der Dank. Da ist es gut, wenn der Psalmbeter uns an den Dank erinnert. Es ist so wenig selbstverständlich im Leben. Dass wir zu essen und zu trinken haben – Grund zum Danken!  Dass ich in einem Land lebe, in dem ich ärztlich versorgt werde, wenn es nötig ist – Grund zum Danken! Dass ich gesund und munter bin – Grund zum Danken! Dass ich einen Sohn habe, an dem ich mich (meist bis fast immer) freuen kann – Grund zum Danken! Dass ich eine Frau habe, die mich trägt und manchmal auch erträgt, mit der ich Leben teilen kann – Grund zum Danken! Sie merken: ich könnte die Liste noch lange fortsetzen. Ich möchte Sie ermutigen, mal für sich selbst eine Liste zu schreiben, wofür Sie dankbar sind.

Im christlichen Glauben haben wir für unseren Dank einen Adressaten: Gott. Ihm danken wir. Ich habe mir angewöhnt, das Gespräch mit Gott  mit dem Dank zu beginnen. Oft bedenke ich die Bitten des Vortages im Gebet – und danke dann für so manches, was sich gut entwickelt und ergeben hat.  Mich verändert das – und meinen Blick aufs Leben.

Natürlich: es gibt auch manches, was es zu beklagen und zu bitten gibt. Da können und sollen wir Gott ruhig in den Ohren liegen.

Aus einer Haltung der Dankbarkeit heraus lebt es sich gut und mit einer getrosten Zuversicht, die gelassen macht. Gott hat so oft geholfen – daraus erwächst das Zutrauen, dass er auch in der Krise wieder helfen wird. Das Glas ist eben doch halb voll! Gott sei Dank!

In diesem Sinn grüße ich Sie mit einem herzlichen „Gott befohlen“

Ihr Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen|Oberlandeskirchenrat