Ein „moderner“ Mensch verirrt sich in der Wüste. Erschöpft von der Hitze sieht er in der Ferne eine Oase. „Aha, eine Fata Morgana,“ denkt er, „eine Luftspiegelung, die mich narrt.“  Er nähert sich der Oase, aber sie verschwindet nicht. Immer deutlicher sieht er die Dattelpalmen, das Gras und vor allem das Wasser. „Natürlich eine Hungerfantasie, die mir mein halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt“, denke er. „Sowas bildet man sich bekanntlich in meinem Zustand ein!“ Dann hört er sogar das Wasser sprudeln. Kurze Zeit später finden ihn zwei Beduinen. Tot. „Kannst du so etwas verstehen?“ sagt der eine zum anderen, „die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund. Und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?“ Da antwortet der andere: „Er war ein moderner Mensch. Er traute seinen Augen nicht; er glaubte nicht einmal an seine 5 Sinne. Er hat sich zu Tode gezweifelt." 

Unglaube und Zweifel machen den modernen Menschen aus. Die Natur von uns Menschen ist so angelegt, dass wir für schlechte Nachrichten und Probleme empfänglicher sind als für Positives. In der menschlichen Entwicklungsgeschichte hat es sich bewährt, misstrauisch zu sein. Darum fällt es vielen schwer das Gute zu sehen und darauf zu vertrauen. Dabei können wir im Großen und Kleinen viel Positives erleben. Allein wieviel wurde jetzt zu Weihnachten wieder für Menschen in Not gespendet! Wieviele Menschen engagieren sich unermüdlich ehrenamtlich bei Feuerwehr und anderen Hilfsdiensten. Und viele Menschen in unserem Land sind trotz aller politischer Vorbehalte sehr wohl dazu bereit sich einzuschränken, damit diese Erde eine Zukunft hat.

Wir sollten das Wort „gut“ nur einfach öfter und bewusster verwenden. „Gut sein“ und „Gutes tun“ sind weltliche Formulierungen des Gebotes der Nächstenliebe. Manchmal liegen das Gute - so wie bei dem Menschen in der Wüste - zum Greifen nahe. Allem Misstrauen, allem Zweifel zum Trotz. Es ist nur wichtig, daran zu glauben. Falls uns das schwerfällt, dann können wir wie in der diesjährigen Jahreslosung zu Jesus rufen: „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24). Jesus verkörpert, worum es im Glauben geht. Er hat Macht, Leben gut werden zu lassen. Darum ist es auch im neuen Jahr lohnenswert, sich beherzt für das Gute zu engagieren!

Michael Hagen, Superintendent