Liebe Leserin, lieber Leser,

begleiten Sie mich auf eine Gedankenreise in den Mai 2021: Vor  vier Wochen haben wir Ostern gefeiert – in allen Kirchen, mit viel mehr Menschen als in den Jahren zuvor. Wir haben unsere Freude über den Sieg des Lebens über den Tod laut hinausgesungen. Wir haben schon in den Wochen davor das schöne Wetter genossen, sind in Scharen spazieren gegangen oder Rad gefahren und haben einander dabei freundlich gegrüßt. Der regelmäßige Besuch bei der Oma im Seniorenheim gehört zum Alltag jetzt genauso  hinzu wie die Freude darüber, in einer der Eisdielen in unserer Fußgängerzone sitzen zu dürfen. Manche haben schon den ersten Frühjahrs-Grillabend mit Freunden gefeiert. Die Kinder haben die Osterferien wie jedes Jahr herbeigesehnt, haben sie genossen und sind nun voller Tatendrang in die Schule zurückgekehrt. Den ein oder anderen hat es vielleicht ein bisschen geärgert, dass der 1. Mai in diesem Jahr auf einen Samstag gefallen ist. Aber irgendwie wissen viele ihre Arbeit jetzt mehr zu schätzen und leben nicht mehr nur von Wochenende zu Wochenende. Und es war ja trotzdem noch Zeit genug für einen Ausflug in den Zoo oder an das Steinhuder Meer – voll war es. Aber manchmal tut ein Bad in der Menge auch gut.

Manchmal braucht man Visionen, Träume. Vielleicht gerade dann, wenn die Zeiten bedrückend und unsicher sind. Die alttestamentlichen Propheten haben das Volk Israel in schwierigen Zeiten oft mit solchen Visionen bei der Stange gehalten. Mit der Vision, wie schön es sein wird, wenn die nach Babylon Verbannten zurückkehren können in ihre Heimat. Träume und Visionen machen die Gegenwart heller. Das ist heute genauso wie damals. Wenn wir nicht die Hoffnung hätten, dass diese Zeit, die wir gerade erleben, auch irgendwann ein Ende finden würde, wäre es wahrscheinlich schlecht um uns bestellt. „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.“ (Wochenspruch aus Psalm 98)  Dieses Jahr singen wir nicht gemeinsam. Aber wenn wir alleine singen, tun wir es trotzdem mit der großen Hoffnung, dass Gott eben genau das tun wird: etwas Großes. Damit die Vision vom Mai 2021 Wirklichkeit wird und wir im nächsten Jahr hoffentlich mit Dankbarkeit auf die Überwindung dieser Krisenzeit zurückschauen können. In diesem Sinne: Hoffen Sie kräftig, singen Sie laut – wenn  vielleicht auch alleine -  und bleiben Sie behütet!

Nikola Lenke, Schulpastorin am Hölty-Gymnasium Wunstorf