„Ich könnte heulen, wie gemein die Menschen in der großen Politik sind. Könnte einem da nicht manchmal der Mut vergehen?“ Diese beiden Sätze sind nicht das Gejammer über unsere Politiker heutzutage, sondern stehen in einem Brief von Sophie Scholl.

Sophie, ihr Bruder Hans Scholl und einige andere leisten im „Dritten Reich“ Widerstand gegen Hitler. „Weiße Rose“ heißt ihre Untergrundgruppe in München, wo Hans und Sophie studieren. Heute ist der Todestag von Hans und Sophie. Am 22. Februar 1943 werden die Geschwister geköpft. Sie haben Flugblätter gegen Hitler ausgelegt. Einfach weil sie entsetzt waren über das tausendfache Sterben auf beiden Seiten der Kriegsfront. Als die deutsche Wehrmacht bei Stalingrad besiegt wird,  wagt die Widerstandsgruppe alles: Mitten in der Münchner Universität legen die jungen Menschen Flugblätter gegen Hitler aus. Nur wenig später werden sie verhaftet. Stundenlange Verhöre folgen. Erst einen Tag später erfahren die Eltern der Geschwister Scholl von deren Verhaftung. Vor dem Volksgerichtshof kommt es zum Verfahren. Der Anklagepunkt lautet: Hochverrat.

22. Februar 1943, 9 Uhr Verhandlungsbeginn. Die Eltern von Hans und Sophie werden aus dem Gerichtssaal gewiesen. Nach schneller Verhandlung ergeht gegen 14.30 Uhr das Todesurteil. Danach dürfen Sophie und Hans ihre Eltern noch ein letztes Mal sehen. Noch am selben Tag werden sie um 17 Uhr hingerichtet: zuerst Sophie, Minuten später Hans. Sophie war 21, Hans 24 Jahre jung.

Sophie weiß, was sie riskiert hat.

Sie schreibt in einem früheren Brief mit Bezug auf Jesus: „Wahrscheinlich hat es bisher nur ein Mensch fertiggebracht, ganz gerade den Weg zu Gott zu gehen. Aber wer sucht den heute noch?“ –

Meine Antwort heute ist: Ich schon.

Karin Puy