Ein Wisenschaftsblog wird mit dem Fernsehpreis ausgezeichnet, der Autor mit dem Bundesverdienstkreuz. Selten zuvor hat eine wissenschaftliche Diskussion so viel Aufmerksamkeit bekommen wie in diesem Jahr. Tiefgreifende politische und private Entscheidungen wurden auf der Basis der jeweils aktuellen Erläuterungen vorgenommen. Deutlich erkennbar in allen Veröffentlichungen: Der allmähliche Fortschritt des Wissens. So arbeitet Forschung. Daten werden gesammelt, ausgewertet und interpretiert. Neue Daten verändern die ersten Einschätzungen. Das ist gut so. Kluge Leute tauschen sich über ihre Beobachtungen aus und lassen sich von anderen Ergebnissen überzeugen. In den Natur- und Geisteswissenschaften funktioniert das seit vielen Jahrhunderten so. Unser Lebensstandard und die derzeitigen technischen Möglichkeiten sind das Ergebnis solcher Forschung.

Manche Erkenntnisse haben lange gebraucht, um sich durchsetzen zu können. Im Umgang mit einer hochansteckenden Krankheit braucht es schnellere Bewegungen. Nichtstun kostet Leben. Dankbar sehe ich im Rückblick, wie erfolgreich das Paket der Schutzmaßnahmen bei uns gewesen ist. Dankbar sehe ich auch, dass neuere Erkenntnisse es möglich machen, mit weniger drastischen Maßnahmen genauso gute Ergebnisse zu erzielen. Dankbar nehme ich wahr, dass es immer besser gelingt, Menschen mit schweren Krankheitsverläufen besser zu begleiten. Manch erfolgversprechende Entwicklung lässt darauf hoffen, dass es schneller als je zuvor gelingt, einen wirksamen und sicheren Impfstoff zu entwickeln.

Wenn Paulus darum im Epheserbrief schreibt: „Führt euer Leben als Weise“ (Epheser 5, 15), dann will ich mich gerne darauf einlassen. Weisheit ist ein immerwährender Lernprozess. Gott hat uns einen wachen Verstand gegeben, damit wir ihn einsetzen. Für den Umgang mit der Pandemie heißt das für mich, dass ich die gesetzlichen Regeln nicht bis ins Letzte ausreize, sondern ihre Intention in meinem Leben verankere. Weisheit engt dabei nicht ein, sondern eröffnet die Freiräume, die möglich sind.

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf