Heinz Laukamp
Heinz Laukamp

Wie schön ist es, wenn wir das über jemanden und uns sagen können, wenn wir andere sehen und erleben, auf die das zutrifft. Wenn wir die Nachrichtensendungen sehen, erleben wir aktuell beides: große Differenzen und große Solidarität. Das ist allerdings noch längst nicht dasselbe, wie „Ein Herz und eine Seele sein“. Ich erlebe derzeit oft das Gegenteil – auch um uns herum.

Ja, das gilt auch bei der Frage, welche Regeln in Zusammenhang mit Corona von wem, wie ernst ge-nommen werden und was zur Begründung der eigenen Standpunkte vorgebracht wird zuweilen. Das kennen wir aber auch aus ganz anderen Zusammenhängen – schon immer. Ob es beim Fußball ist, der weit mehr „Trainer“ hat, als es Vereine gibt oder ob es darum geht, wie man am besten die Schöpfung oder den Wohlstand bewahrt – als ob das notwendig ein Gegensatz sein muss.

Wir Menschen sind uns regelmäßig uneinig. Wir blicken mit unserem eigenen Horizont an Wahrnehmung und aus unserem Umfeld auf die Realität des Lebens, auf unsere Lebensrealität. Wir wundern uns darüber, warum unsere Mitmenschen zuweilen alles ganz anders sehen als wir. Oft liegt es daran, dass wir nicht wahrhaben wollen, dass unser Gegenüber aus seiner Perspektive und mit seinen Erfahrungen unter Umständen genauso recht hat mit der eigenen Sicht, wie ich, oder doch mindestens das Recht auf die eigene, andere Sicht.

Nun gibt es Ansichten, die zurecht als Unzulässig gelten; solche zum Beispiel, die andere Menschen herab-würdigen, schlecht machen, die Würde beschädigen - meist damit man selber sich besser fühlt und auf Kosten anderer ins rechte Licht rücken kann. „Ein Herz und eine Seele“ wird man so nicht.

Oft reicht es bei solchen Formen des Umgangs nicht einmal für ein friedliches Miteinander. Dabei sehen wir grade, wie schwierig es ist, wenn alle nur auf sich schauen; egal ob als einzelner Mensch, als Branche, Konzern, Staat oder Staatenbund. Die, die glauben, allein würden sie alles viel besser machen und schaffen, geraten an ihre Grenzen. Es gibt zu viele Dinge, die grenzenlos sind – Viren und Bakterien in ihrer Zahl und der Möglichkeit – von uns beflügelt – um den Globus zu reisen. Hass und Gewalt, die überall gedeihen, wo wir nicht im Kleinen und Großen freundlich und zugewandt miteinander umgehen.

In den Texten zum morgigen Sonntag – dem ersten in der Reihe der Sonntage nach dem Fest der Einigkeit Gottes - an dem es darum geht, auf uns Menschen und unser Verhältnis zueinander und zu Gott zu schauen, können wir sehen, wie es im Leben sein kann. Eine Geschichte aus der ersten Gemeinde berichtet davon, wie es ist, wenn alle „ein Herz und eine Seele“ sind. Sie teilen den Besitz miteinander, damit alle haben, was sie brauchen. Sie sorgen dafür, dass alle am Leben in der Gemeinschaft teilhaben können und niemand ausgeschlossen wird wegen Reichtum oder Armut, Gesundheit oder Krankheit.

Wäre das nicht schön, wenn wir das über uns und jemand anderen sagen könnten; dass wir als Menschen „ein Herz und eine Seele sind“, weil das Verbindende schwerer wiegt, als das Trennende und jede und jeder zu seinem Recht kommt?

Diakon Heinz Laukamp