Mitte März vergangenen Jahres begann der Lockdown in Deutschland. Heute wissen wir, dass er nur der erste war. Am Sonntag Lätare, dem Sonntag, den wir in der vergangenen Woche gefeiert haben, war das erste Mal nirgendwo im Land mehr Gottesdienst.  Dabei ist dieser Sonntag, wie Karin Puy letzte Woche rosarot erzählt hat, „Klein-Ostern“. Lätare bringt eigentlich ein bisschen Freude in ernste, stille Zeiten.

Wie das Steinhuder Meer, in dem sich die Strahlen der Sonne brechen.

Einmal fuhr Jesus mit seinen Jüngern auf einen See hinaus. Zunächst verlief die Fahrt ruhig.

Doch  dann brach ein gewaltiger Sturm los. Hohe Wellen schlugen ins Boot, es lief voll Wasser und drohte zu versinken.

Meine Seele ist aufgewühlt – in diesen Zeiten. Seit einem Jahr warte ich darauf, dass der Sturm sich legt. Ich sehne mich nach einer Prognose wie es weiter geht. Wann endlich die Zahlen sinken. Treffen möglich werden mit Menschen, die ich schon lange nicht gesehen habe. Die misstrauischen Blicke verschwinden, wenn ich im Supermarkt an einem Fremden vorbei gehe.

Vor einem Jahr wirkte alles noch wie ein kleines Brausen, das sicherlich bald aufhören würde. Und plötzlich - ist ein Jahr um und alles ist anders. Der Sturm hat sich nicht gelegt, sondern bläst mit immer stärkeren Böen.

Die Jünger wandten sich in ihrer Angst an Jesus. Sie suchten und fanden ihn hinten im Boot . Er schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? (Lehrtext für den 20. März 2021)

Manche von uns haben vielleicht im Moment genau dieses Gefühl, das auch die Jünger haben. Die Schließungen sind für Ladeninhaberinnen und Restaurantbesitzer existenzbedrohend. Andere haben Angst vor der Ansteckung. Und wieder andere sind einsam.

Der Sturm wird ein wenig schwächer, wenn: Die Verkäuferin im Buchladen sagt: In dieser Zeit im Lockdown haben mir so viele Kundinnen und Kunden die Treue gehalten. Der Wind nimmt ab, wenn: Der Opa sich mit seinen Enkeln zu einem Spaziergang mit einer Kugel Eis verabredet. Die Sonne kommt raus, wenn: Der Nachbar die Tüte mit den Einkäufen vor die Tür stellt.

„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille.“

Auf die große Stille warten wir. Darauf, dass sich, vielleicht schon im Sommer, die Sonne auf dem Steinhuder Meer bricht. Und in der Zwischenzeit: Lassen Sie uns dazu beitragen, den einen oder anderen Wind aus den Segeln zu nehmen.

Franziska Oberheide, Schulpastorin an der Ev. IGS Wunstorf