Wo Gastfreundschaft für Wohlstand steht

Der Neustädter Abiturient Benno Wage berichtet von seinem Besuch im Partnerkirchenkreis, dem brasilianischen Sinodo Uruguai.

Eigentlich ist erst Frühlingsanfang, doch wir haben schon 30 Grad Celsius. Mit einem Zweitakter von Gurgel, einer früheren brasilianischen Automarke, rattern wir über die Straßen von Chapecó. Man spürt jedes Schlagloch. In Brasilien sind die Wege weiter als in Deutschland, und wenn ein Ort „um die Ecke“ liegt, kann das schon mal eine Drei-Stunden-Fahrt bedeuten. Lina und ich wohnen zunächst bei Familie Wassmuth, einer typisch brasilianischen Familie, wie ich finde. Es gibt immer viel und gut zu essen, Zeit spielt keine große Rolle. Der Sohn der Familie, Emanuel, ist mittlerweile in unserem Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf unterwegs – genauso wie Ian aus Concórdia. Bei dessen Familie verbringen wir die zweite Woche. Concórdia liegt mitten in den Bergen, die Innenstadt ist sauberer und geordneter als Chapecó. Dennoch liegt auch hier viel Müll in der Natur herum – ein großes Problem in Brasilien. Mit Renaturierungsprojekten, wie dem Fritz- Plaumann-Naturpark, wird immer wieder versucht, etwas zu verbessern. Dort ist auf 740 Hektar der bestehende Urwald geschützt, ehemals besiedelte oder verschmutzte Areale werden renaturiert. In der Kleinstadt Cunha Porã wohne ich bei Pastor Zeca und seiner Frau Marlise. Immer noch gibt es sehr viel zu essen, zum Beispiel Churrasco, über offenem Feuer gegrillte Fleischspieße. Fleisch verdeutlicht für viele den Reichtum der Region. Immer wieder er- zählen mir die Leute, wie sehr sich der Lebensstandard in den vergangenen 20 Jahren verbessert hat. Die Menschen sind viel herzlicher und nicht so voreingenommen wie die Deutschen. Und gera- de beim Fußball zeigen sie, wie richtig gefeiert wird. Überall werde ich als Erstes auf den 7:1-Sieg der Deutschen gegen Brasilien bei der WM angesprochen. Doch alle nehmen es mit Humor. Abiturient grüßt aus dem brasilianischen Partnerkirchenkreis Benno Wage (links) ist beeindruckt von Landschaft, Natur und Essgewohnheiten im Süden Brasiliens.

Austausch der Kirchenkreise

Praktikanten gewinnen Einblick

Die Partnerschaft des Kirchenkreises Neustadt-Wunstorf zur Sinodo Uruguai im Süden Brasiliens existiert seit 1990. Regelmäßig schicken beide Kreise auch junge Leute für eine dreimonatige Praktikumszeit in die Partnerregion. Seit dem 1. September sind die Wunstorferin Lina Schulze und der Neustädter Benno Wage jetzt in der südbrasilianischen Provinz Santa Catarina unterwegs, wohnen in Gastfamilien und hospitieren in unterschiedlichen Berufen. Ein Praktikum in einem Kindergarten oder einer Schule gehört fest zum Programm, Benno Wage darf in der Kleinstadt Cunha Porã unter anderem auch den Bürgermeister bei der Arbeit begleiten. göt