Seit Wochen und Monaten hält das Leben für viele Menschen eher Schwierigkeiten als Freude bereit. Kinder und Jugendliche können sich nur mit Einschränkungen mit ihren Freunden treffen, viele Erwachsene haben Existenzsorgen um ihren Arbeitsplatz und die Älteren sehnen sich danach, ihre Enkelkinder wieder einmal in den Arm nehmen zu können.

Wo können wir jetzt freudige Momente finden? Was ist eigentlich Freude? Ein Begriffslexikon sagt: „Freude ist ein Gefühl, das sich plötzlich im Menschen ausbreitet und eine heitere beglückende Stimmung hervorruft.“ Wenn wir uns freuen, dann geht es uns gut. Dann lacht das Herz.

Der Theologe und Kirchenlieddichter Paul Gerhardt besingt in einem seiner bekanntesten und beliebtesten Lieder die Sommerzeit, die wir gerade jetzt erleben, als Grund zur Freude: Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Blühende Sommerwiesen und Gärten, schattige Wälder, zwitschernde Vögel, kühlende Bäche: Stophe für Strophe entfaltet der Dichter Bilder der Freude vor unseren Augen.

Mich beeindruckt, dass dieses jubelnde Lied jemand geschrieben hat, der wahrlich nicht nur die Sonnenseiten des Lebens kannte. Um sich herum und in seinem eigenen Leben hatte er vielmehr mit unsäglichem Leid und Schmerz zu tun.  Auch er hätte allen Grund gehabt, am Alltag zu verzweifeln. Aber er ruft seinem Herzen zu: Geh aus, mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben… Suche die Freude, suche sie in der Natur, die der Sommer zu einem einzigen großen Garten verwandelt hat. Doch er meint nicht einfach nur einen schönen Spaziergang in der frischen Sommerluft. Nein, er flüchtet sich zu Gottes Güte. An Gottes großem Tun richtet er sich auf. Alles, was er sieht und hört und riecht ist nicht die tägliche Last und Mühe sondern weckt seine Sinne neu für Gottes Schöpfergüte.

Wie ein Buch ist für Paul Gerhardt die Natur, in dem er überall die Spuren Gottes erkennt. Dieses Schauen auf Gottes Gaben belebt ihn, erfüllt ihn mit Freude und gibt ihm neue Kraft: Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen. Ich singe mit, wenn alles singt und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf