„Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt!“ Das Kirchen landesweit so geschmückt werden geschieht nur zu Weihnachten und zum Erntedank, den wir an diesem Sonntag feiern.

Ganz wunderbar werden mit Erntegaben vom Feld, aus dem Garten, mit besonderen Broten und Eingemachtem Altäre geschmückt und die Gaben hinterher zumeist an Bedürftige verteilt. Weil wir anders leben, können weniger dazu beitragen, ist es schwieriger geworden, diese Tradition zu pflegen. Doch vielerorts werden noch kunstvoll Garben zu Erntekronen gebunden.

Eine uralte Tradition, Erntefeste gibt es in den meisten Ländern, Kulturen und Religionen.

Zum Ende der Ernte erinnern wir, was vom Menschen gefördert aber nicht gemacht werden kann. „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ (EG 508)

Die Bauern hatten mit grünen Kreuzen auf den Feldern und ihren Traktoren in den Städten daran erinnert, dass Lebensmittel nicht immer mehr und auch noch billiger erzeugt werden können, dass ihre Produkte ihren Wert haben müssen, die Grenzen des Wachstums doch schon lange erreicht oder gar überschritten sind, Qualität zu einem gerechten Preis über Quantität stehen muss. Die Ernte dieses Jahres lag etwas unter dem Durchschnitt, heißt es.

Dann wurde dieses Jahr durch das Coronavirus überschattet unser Leben neu bestimmt.

Nur wenige Kurzsichtige sehen es nur als nationales Problem, von Regierenden oder dunklen Mächten erschaffen das Volk zu gängeln. Und man müsste weit über 100 Jahre alt sein um sich persönlich an die Spanische Grippe, auch ein weltweites Virus, eine Pandemie, zu erinnern.

Die Natur bleibt unverfügbar. Der Mensch kann sie nutzen, bebauen, soll sie bewahren, aber nicht meinen sie besitzen zu können, erinnert die Bibel. „Hilf, das wir dies Gut der Erden treu verwalten immerfort. Alles soll geheiligt werden durch Gebet und Gottes Wort.“ (EG 512,6)

Viele haben sich in dieser Zeit wieder des Regionalen erinnert, das, was wir überschauen können. Haben selbst wieder Brot gebacken. Mehl und Hefe wurden zu Ostern knapp, waren nicht mehr zu bekommen, Bauernläden und regionale Märkte erlebten einen größeren Andrang, Herkunft und Bedeutung wurden hinterfragt, genauso wie Herstellung und Verarbeitung, besonders in der Fleischindustrie.

Das könnte doch ein Gewinn in dieser schwierigen Zeit sein. Wenn wir noch stärker fragen, was genug ist, wann es genug ist, was gut ist und wann es gut ist. Für die Landwirtschaft wäre es ein Segen, wenn wir Qualität mehr schätzen würden.

Was ist Zuviel, was ist Überfluss - nicht nur bei Lebensmitteln, auch im Leben. Was ist nur mehr Zerstreuung und Ablenkung, was bringt uns ist weiter, zueinander?

Viele sind dieses Jahr im Lande geblieben, haben das Land wieder stärker wahrgenommen. Die Weite der Felder, besonders im Norddeutschen, die Heide, auch eine Kulturlandschaft, von der Schäfer und Imker nur noch leben können, wenn sie vom Naturschutz unterstützt werden. Das Leben war entschleunigt, manchem eine Wohltat.

Unser Kirchenkreis hat seit 30 Jahren gute freundschaftliche Kontakte zu Menschen in der evangelischen Kirche im Süden Brasiliens. Durch diese gewachsene Partnerschaft und den direkten Austausch, den uns das Internet heute ermöglicht, erfahren wir fast täglich, was es heißt, wenn eine Regierung die Corona-Pandemie leugnet und nicht besonnen und vernünftig darauf reagiert.

Auch sie müssen sich umstellen, einschränken, Masken tragen. Auch wir konnten das Jubiläum der Partnerschaft nicht wie geplant mit Besuchen gemeinsam feien.
Bei unseren Freunden in Südbrasilien auf dem Lande ist das Abstandhalten fast naturgegeben, aber in den Ballungsräumen der Städte und besonders in den Favelas, den Armenvierteln und im Norden des Landes sind die Zustände verheerend, viel schlimmer als bei uns.

Wenn wir Erntedank feiern, erinnern wir, was dem Menschen nützt. Was zum Wohle dient, was krank macht und was gesund ist. Wir erinnern, das wir ein Teil der Natur, der Schöpfung Gottes sind, mit ihr, in ihr leben, alles sein Recht und seine Bedeutung hat.

Und wir erinnern, wer mit seiner Arbeit das Gute fördert, das Miteinander erhält, dem Menschen als Gottesgeschöpf dient.

Wer und was tut uns gut? Es sind die guten Gaben, die guten Lebensmittel, die Naturprodukte der Landwirtschaft. Es sind die Zuwendungen von Menschen, die helfen, heilen, pflegen und Leben fördern. Es sind auch die, die das Gute zum Klingen bringen, mit ihrer Musik und Kunst. Wir leben nicht nur von Früchte und Samen, auch von Sonnenstrahlen und Farben, heißt es im Kinderbuch von Frederik, der Maus in der alten Steinmauer.

Wer das Gute und Heilsame in der Natur sieht, findet und fördert, handelt als ein Gottesgeschöpf.

Die Relevanz des Lebens bedenken, das ist kein neuer Gedanke, aber jetzt gut neu zu bedenken.

Gott gesegnet! Ele Brusermann, Pastor iR.